2. Neuzeitliche Forschungsmittel.

Gleich an der Schwelle dieser Periode treten uns die beiden wichtigsten

unter den neuzeitlichen Forschungsmitteln, das zusammengesetzte

Mikroskop und das Fernrohr, entgegen. Ersteres wurde um 1590, letzteres

um 1608 erfunden.

Die Glaslinse und ihre vergrößernde Kraft waren zwar seit alters

bekannt. Auch waren die Erscheinungen, welche die verschiedenen Arten

der Spiegel darboten, da sie sich einer Erklärung durch geometrische

Konstruktion zugänglich erwiesen, stets ein Lieblingsgegenstand

der Mathematiker. Die Zusammenfügung mehrerer Linsen, in der das

Eigentümliche des zusammengesetzten Mikroskops und des Fernrohrs

besteht, scheint dagegen anfangs ohne einen leitenden Gedanken als

ein bloßes Spiel des Zufalls stattgefunden zu haben. Obgleich die

Geschichte jener Instrumente sehr verwickelt ist und mehrere Völker

Prioritätsansprüche erheben, ist doch soviel festgestellt, daß der

Ruhm beider Erfindungen den Niederländern gebührt, bei denen die Glas-

und Steinschleiferei schon im Mittelalter in Blüte stand und die

Herstellung von Linsen zwecks Verfertigung von Brillen gewerbsmäßig

betrieben wurde[7].

Es würde viel zu weit führen, wenn wir uns hier mit der Abwägung aller

Prioritätsansprüche befassen wollten[8]. Nicht nur *Roger Bacon* und

*Porta* wurden auf Grund dunkler Stellen ihrer Werke für die Erfinder

des Fernrohrs gehalten, sondern im Hinblick auf Matthäus 4, 8 wurde

das neue Werkzeug sogar für eine Erfindung des Teufels ausgegeben[9].

Letzteres sei nicht etwa der bloßen Kuriosität wegen angeführt,

sondern um die mißbräuchliche Anwendung zu zeigen, die, wie wir noch

des öfteren sehen werden, von der Bibel gemacht wurde. In den meisten

Fällen geschah dies, um, wie einst dem Emporblühen des Humanismus,

der heranwachsenden Naturwissenschaft Hemmnisse zu bereiten. Dies

Bestreben hat zwar einzelnen Vertretern der Wissenschaft Verfolgungen

eingetragen. Für den gesamten Gang der Entwicklung, der vom Dunkel zum

Lichte führte, sollte es indes belanglos bleiben.

Bei *Bacon* kann es sich nur um prophetische Aussprüche handeln,

*Porta* deutet indessen schon darauf hin, daß sich durch eine

Vereinigung von Glaslinsen besondere optische Wirkungen erzielen

lassen; doch scheint es sich bei seinem Vorschlage um eine Art

Brille gehandelt zu haben[10]. Irrtümliche Nachrichten, welche die

Bekanntschaft mit dem Fernrohr vor dem 17. Jahrhundert bezeugen sollen,

sind auch dadurch entstanden, daß man sich schon im Mittelalter,

ja selbst im Altertum, beim Beobachten der Gestirne leerer Röhren

bediente, um seitliches Licht abzuhalten.

Das erste zusammengesetzte Mikroskop bestand aus der Vereinigung

einer Bikonvex- mit einer Bikonkavlinse. Erstere diente als Objektiv,

letztere als Okular. Dieses Instrument wurde sehr wahrscheinlich[11]

von dem holländischen Glasschleifer *Zacharias Jansen* um das Jahr

1590 erfunden. Eins der ältesten Exemplare beschrieb *Borelius*. Es

war 1½ Fuß lang. Das Rohr hatte zwei Zoll Durchmesser. Auf das

Fußgestell gelegte kleine Gegenstände erschienen beim Hineinblicken in

das Instrument stark vergrößert[12].

Die heutigen zusammengesetzten Mikroskope sind bekanntlich anders

eingerichtet. Sie bestehen aus zwei Sammellinsen oder aus zwei

Linsensystemen, von denen jedes wie eine einzige Sammellinse wirkt.

Die dem Gegenstande genäherte Linse a erzeugt ein physisches Bild, das

durch die zweite Linse b wie durch eine Lupe betrachtet wird (s. Abb.

1). Diese Konstruktion kam jedoch erst später auf, wir begegnen ihr

nicht vor dem zweiten Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts.

Auch das Fernrohr bestand in seiner ersten Einrichtung, die nach

glaubwürdigen Zeugnissen von dem holländischen Brillenmacher *Franz

Lippershey* herrührt, in der Verbindung einer Konvexlinse als Objektiv

mit einer Konkavlinse als Okular. Diese Vereinigung wird bekanntlich

noch jetzt als holländisches Fernrohr bezeichnet und in binokularer

Ausführung den heutigen Operngläsern zugrunde gelegt. Auch hier

leitete wohl der Zufall auf die Erfindung. Es wird nämlich erzählt,

*Lippershey* habe seine Linsenkombination auf die Wetterfahne eines

nahen Kirchturmes gerichtet und sei von der vergrößernden Wirkung

überrascht gewesen.

[Illustration: Abb. 1. Mikroskop aus zwei Sammellinsen[13].]

Dafür, daß *Lippershey* in Middelburg das Fernrohr erfunden hat,

sprechen Zeugnisse von Männern des 17. Jahrhunderts und auch

behördliche Dokumente. In einem solchen wird *Lippershey* auf eine

Bewerbung um ein Privilegium geantwortet, er möge sein Fernrohr so

verbessern, daß man dadurch gleichzeitig mit beiden Augen sehen

könne. Dies Verlangen soll *Lippershey* im Dezember des Jahres 1608

erfüllt haben, während die erste Einsendung seines aus Kristallinsen

verfertigten Fernrohrs nach neueren Untersuchungen[14] im Herbst 1608

erfolgt sein soll.

Die Kunde von der wunderbaren Erfindung, verbreitete sich mit großer

Schnelligkeit. In Frankreich wurden schon im November des Jahres 1610

die Jupitermonde mit dem neuen Instrumente beobachtet. Nach Italien

gelangte das Gerücht von der epochemachenden Erfindung im Jahre 1609,

in Deutschland soll das Fernrohr schon 1608 zum Kaufe angeboten worden

sein[15].

In Italien, wo *Galilei* auf der Höhe seines Schaffens stand, fand die

Nachricht den geeignetsten Boden. Mit welchem Eifer *Galilei* sich

der Sache annahm, hat er selbst in einer kleinen Schrift erzählt, die

über die ersten, ihm gelungenen astronomischen Entdeckungen berichtet.

Es heißt dort[16]: »Vor etwa zehn Monaten kam das Gerücht zu unseren

Ohren, ein Niederländer habe ein Instrument erfunden, vermittelst

dessen man entfernte Dinge so deutlich wie nahe gelegene sehe. Das

veranlaßte mich, darauf zu sinnen, wie ich zur Verfertigung eines

solchen Instruments gelangen könnte. Von den Gesetzen der Dioptrik

geleitet, verfiel ich darauf, an den Enden eines Rohres zwei Gläser

anzubringen, ein plankonvexes und ein plankonkaves. Als ich das Auge

dem letzteren näherte, sah ich die Gegenstände etwa dreimal so nahe und

neunmal vergrößert. Da ich weder Arbeit noch Kosten scheute, bin ich

soweit gekommen, ein solch vortreffliches Instrument zu erhalten, daß

mir die Sachen fast 1000mal so groß und 30mal näher erscheinen, als

wenn man sie mit bloßem Auge betrachtet.«

Das Fernrohr, das *Galilei* anfertigte, war also gleichfalls ein

holländisches, während das eigentliche astronomische Fernrohr wie das

zusammengesetzte Mikroskop zwei Sammellinsen besitzt. Die Konstruktion

des astronomischen Fernrohrs wurde von *Kepler* in seiner Dioptrik[17]

(s. Abb. 2) angegeben, dem hervorragendsten Werk, das zu Beginn der

neueren Zeit über die Brechung des Lichtes geschrieben wurde.

[Illustration: Abb. 2. Keplers Konstruktion des astronom. Fernrohrs

(aus *Keplers* »Dioptrik«).]

Im letzten Teile der »Dioptrik« befaßt sich *Kepler* mit der Wirkung

der verschiedenen Linsenkombinationen. Gleich die erste Aufgabe,

die er sich stellt, enthält die Konstruktion des astronomischen

Fernrohrs. Sie lautet: »Durch zwei Konvexlinsen eine Vergrößerung des

Gegenstandes bei vollkommener Deutlichkeit herbeizuführen, aber in

umgekehrter Lage«[18]. *Kepler* nimmt an, das Objektivglas AB sei in

solcher Entfernung von dem Gegenstande CE, daß sein umgekehrtes Bild

undeutlich sein würde. »Stellt man nun zwischen das Auge und dieses

undeutliche Bild, und zwar nahe dahinter eine zweite Sammellinse OP,

so wird letztere die von D und F kommenden Strahlen konvergent und

das Bild dadurch deutlich machen.« Auch wird dieses durch das Okular

erzeugte Bild, wie *Kepler* dartut, größer erscheinen als das Bild das

»die dem Auge nächststehende Linse (OP) von der entfernteren Linse

(AB) erhalten hatte«[19].

Das astronomische Fernrohr verdrängte binnen kurzem das holländische,

weil es zwei Vorzüge besitzt. Einmal gewährt das astronomische Fernrohr

ein größeres Gesichtsfeld. Ferner ermöglicht es die Anwendung eines

Fadenkreuzes, mit dem das zwischen Objektiv und Okular erzeugte reelle

Bild zur Deckung gebracht werden kann.

Daß sich durch Einfügung einer dritten Konvexlinse das umgekehrte Bild,

das ein solches Fernrohr liefert, in ein aufrechtes verwandeln läßt,

hat *Kepler* gleichfalls dargetan[20]. Merkwürdigerweise wurde das

nach ihm benannte astronomische Fernrohr jedoch nicht von ihm selbst,

sondern erst einige Jahre später nach den Angaben der Dioptrik von

*Scheiner*, dem wir in der Lebensgeschichte *Galileis* noch begegnen

werden, zum ersten Male angefertigt. Auch das aus drei Konvexlinsen

bestehende terrestrische Fernrohr hat *Scheiner*[21] zuerst hergestellt.

*Kepler* gab in seiner »Dioptrik« auch die erste Theorie des

holländischen, aus der Verbindung einer Konvex- mit einer

Konkavlinse bestehenden Fernrohrs (Abb. 3). Er zeigte nämlich, daß

die verschwommenen Bilder, die eine dicht vor das Auge gesetzte

Konkavlinse (LM) liefert, deutlich und größer werden, wenn eine

Konvexlinse (NO) in einer bestimmten Entfernung vor die Konkavlinse

gehalten wird[22]. Im Zusammenhang mit seiner Beweisführung steht der

durch Abb. 3 gleichfalls erläuterte Satz, daß Strahlen, die durch

eine Konvexlinse NO konvergent gemacht sind und noch vor ihrem

Schnittpunkt auf eine Konkavlinse LM fallen, so gebrochen werden,

daß entweder der Schnittpunkt weiter hinaus verlegt wird (nach A) oder

die Strahlen parallel gemacht (AʹAʺ) oder endlich divergent weiter

geschickt werden (ξK).

*Kepler* erläutert ferner, wie sich durch die Kombination einer Konkav-

mit einer Konvexlinse reelle Bilder erhalten lassen, die größer sind

als die mit einer Konvexlinse allein erhaltenen Bilder. Diese von

*Kepler* vorgeschlagene Vereinigung (Abb. 4) hat erst vor kurzem den

Anlaß zur Erfindung des Teleobjektivs gegeben. *Kepler* verfolgt

den Gang von drei Strahlenbündeln, die von den Punkten CAE des

Gegenstandes kommen. Die Konkavlinse wird an eine Stelle gebracht, an

der die Konvexlinse GH ein verschwommenes Bild geben würde. Indem nun

die Konkavlinse (LN) die Büschel kurz vor der Spitze auffängt und die

Büschel zu den Spitzen SPT formt, erzeugt sie ein deutliches, reelles

Bild, das größer ist als das in FBD durch die Konvexlinse allein

hervorgerufene.

[Illustration: Abb. 3. Keplers Abbildung zur Erläuterung des

holländischen Fernrohrs.]

Außer den hier hervorgehobenen wichtigen Sätzen über die Wirkung von

Linsenkombinationen bringt *Kepler* noch eine Fülle anderer, bezüglich

deren jedoch auf die »Dioptrik« verwiesen werden muß. Um das Fernrohr

zu verkürzen, empfiehlt er z. B. zwei gleiche Sammellinsen, die

möglichst nahe hintereinander stehen als Objektiv zu wählen. Auch der

Vorschlag, das Rohr des Fernrohres verschiebbar zu machen, um es den

Augen anzupassen, rührt von *Kepler* her[23].

Das Jahr, in dem das astronomische oder *Kepler*sche Fernrohr zur

Ausführung gelangte, hat sich nicht genau ermitteln lassen. Es geschah

wohl zwischen 1613 und 1617, und zwar, wie schon erwähnt, durch

*Scheiner*[24]. Er hat sich um die Begründung der Optik und um die

Erfindung und Verbesserung der optischen Instrumente zur Zeit des

Wiederauflebens der Naturwissenschaften neben *Kepler* die größten

Verdienste erworben. *Scheiner* war ferner einer der ersten, der das

Fernrohr zu astronomischen Beobachtungen benutzte. Im April oder Mai

des Jahres 1611 erblickte er die fast zur selben Zeit von *Fabricius*

und *Galilei* gesehenen Sonnenflecken[25]. Gebührt ihm auch nicht die

Priorität dieser Entdeckung, so war er es doch, der in jahrewährender

Arbeit mehrere tausend Beobachtungen über die neue, so viel Aufsehen

erregende Erscheinung anstellte. Diese Beobachtungen wären nicht

möglich gewesen, wenn *Scheiner* nicht als erster an dem Fernrohr

besondere Blendgläser angebracht hätte. Sie bestanden in geschliffenen,

farbigen Platten, die er vor den Linsen befestigte. Seine ersten

Versuche, die Linsen selbst aus farbigem Glase herzustellen und so das

Licht zu schwächen, gab er bald wieder auf. Vielleicht ist *Galilei*

dadurch erblindet, daß er noch keine Blendgläser gebrauchte[26].

[Illustration: Abb. 4. Keplers Teleobjektiv.]

Einen zusammenfassenden Bericht über seine Beobachtungen

veröffentlichte *Scheiner* 1630 unter dem Titel »Rosa Ursina«[27].

Es wird noch an anderer Stelle davon die Rede sein. Hier sei nur

hervorgehoben, daß diese Schrift die erste Nachricht von der *Scheiner*

gelungenen Erfindung des astronomischen, aus zwei konvexen Linsen

hergestellten Fernrohres brachte. Die Möglichkeit einer solchen

Konstruktion hatte, wie oben erwähnt, zwar *Kepler* angegeben. Die

Ausführung und die erste Anwendung verdanken wir indessen *Scheiner*.

Er erzählt in der Rosa Ursina, er habe mit dem neuen Instrument vor 13

Jahren (also 1617) dem Kaiser die Sonnenflecken gezeigt.

*Scheiner* wandte auch eine Linsenkombination unter dem Namen Helioskop

zur objektiven Darstellung astronomischer Vorgänge an. Er zeigte z.

B. die Sonnenflecken gleichzeitig einer größeren Anzahl von Personen,

indem er sein Helioskop aus einem dunklen Zimmer gegen die Sonne

richtete und hinter dem Instrument eine weiße Platte anbrachte, auf der

dann die Sonnenscheibe mit ihren Flecken sichtbar wurde.

Bei diesem Stand der optischen Forschung war es selbstverständlich, daß

man sich auch dem uns von der Natur verliehenen Organ und dem Vorgange

des Sehens zuwandte. So bewies *Scheiner* die Ähnlichkeit des Auges mit

der Camera obscura durch folgenden Versuch: Er entfernte die Häute an

der hinteren Wand eines Ochsenauges bis auf die Netzhaut und brachte

eine Kerze in einiger Entfernung vor dem so präparierten Auge an. Das

umgekehrte Bild der Kerzenflamme konnte dann auf der Netzhaut von einem

hinter dem Auge befindlichen Standpunkt wahrgenommen werden[28]. Später

(im Jahre 1625) stellte *Scheiner* den gleichen Versuch mit demselben

Ergebnis am menschlichen Auge an.

*Scheiner* ließ sich bei seiner Beschäftigung mit optischen Fragen von

dem Gedanken leiten, daß das Auge ein nach den Prinzipien der Optik

gebautes Organ und deshalb besonders geeignet sei, die Grundlehren der

Optik zu entwickeln. So entstand das Werk, das die soeben erwähnten

Beobachtungen enthält. Es führt den, jenen Gedanken *Scheiners* zum

Ausdruck bringenden Titel »Oculus, hoc est fundamentum opticum« und ist

grundlegend für die physiologische Optik geworden.

*Scheiner* beginnt mit der eingehenden anatomischen Beschreibung

des Auges. Dann folgt eine Untersuchung des Brechungsvermögens der

verschiedenen Medien, welche die Strahlen nach ihrem Eintritt in das

Auge durchdringen müssen, um zu der Netzhaut zu gelangen. Letztere ist

nach *Scheiner* und nach *Kepler*, entgegen früheren Meinungen, welche

die Wahrnehmung des Bildes in den Glaskörper oder gar in die Linse

verlegten, der eigentliche Sitz des Sehvermögens. *Scheiner* zeigte,

daß das Brechungsvermögen der wässerigen Feuchtigkeit mit demjenigen

des Wassers und dasjenige der Linse mit dem des Glases nahezu

übereinstimmt, während das Brechungsvermögen des Glaskörpers zwischen

dem der erstgenannten Medien liegt. Der Gang des Lichtstrahls wird dann

von seinem Eintritt in das Auge, bis er die Netzhaut trifft, verfolgt.

Die entsprechenden Kapitelüberschriften geben am besten einen Überblick

über den Gang und die Ausführlichkeit der von *Scheiner* unternommenen

Untersuchung. Sie lauten: Brechung des Lichtstrahls beim Übergang aus

der Luft in die Hornhaut, Brechung beim Übergang aus der Hornhaut in

die wässerige Feuchtigkeit, Vergleich der das Auge zusammensetzenden

Medien hinsichtlich ihrer Dichte, Brechung des Lichtes beim Übergang

aus der wässerigen Feuchtigkeit in die Kristallinse, Brechung an der

Grenze von Kristallinse und Glaskörper, und endlich Brechung an der

Grenze von Glaskörper und Netzhaut[29].

*Scheiner* gab ferner die erste zutreffende Antwort auf die Frage,

wie es kommt, daß das Auge nahe und entfernte Gegenstände deutlich

zu sehen vermag. Dieses, als Akkommodationsfähigkeit bezeichnete

Vermögen erklärte *Scheiner* daraus, daß die Gestalt der Linse sich

ändert, indem die Linse sich für nahe Gegenstände stärker wölbt, für

entferntere dagegen sich abflacht.

Von den zahlreichen Versuchen, die *Scheiner* über das Sehen anstellte,

sei folgender hervorgehoben. In ein Papierblatt werden mit der Nadel

mehrere kleine Öffnungen gestochen, die sich so nahe beieinander

befinden, daß die entstehende Figur die Pupille an Größe nicht

übertrifft. Bringt man das Blatt dann nahe an das Auge und hält einen

Gegenstand, etwa eine Nadelspitze, dahinter, so sieht man von ihm so

viel Bilder, als das Papier Öffnungen besitzt. Die Erscheinung erklärt

sich daraus, daß sich die von der Nadelspitze ausgehenden Strahlen vor

oder hinter der Netzhaut kreuzen.

Die Naturwissenschaften in ihrer Entwicklung und in ihrem Zusammenhange, II. Band Von Galilei bis zur Mitte des XVIII. Jahrhunderts · 第 27 / 81 题