folgenden Jahren (435-437 319-317) ward der Krieg nicht so sehr in

Samnium gefuehrt ^3 als in den benachbarten Landschaften. Zuerst

zuechtigten die Roemer die samnitischen Verbuendeten in dem apulischen

und frentanischen Gebiet und schlossen mit den apulischen Teanensern und

den Canusinern neue Bundesvertraege ab. Gleichzeitig ward Satricum zur

Botmaessigkeit zurueckgebracht und schwer fuer seinen Abfall bestraft.

Alsdann zog der Krieg sich nach Kampanien, wo die Roemer die Grenzstadt

gegen Samnium Saticula (vielleicht S. Agata de' Goti) eroberten (438

316). Jetzt aber schien hier das Kriegsglueck sich wieder gegen sie

wenden zu wollen. Die Samniten zogen die Nuceriner (438 316) und bald

darauf die Nolaner auf ihre Seite; am oberen Liris vertrieben die

Soraner selbst die roemische Besatzung (439 315); eine Erhebung der

Ausonen bereitete sich vor und bedrohte das wichtige Cales; selbst in

Capua regten sich lebhaft die antiroemisch Gesinnten. Ein samnitisches

Heer rueckte in Kampanien ein und lagerte vor der Stadt, in der

Hoffnung, durch seine Naehe der Nationalpartei das Uebergewicht zu geben

(440 314). Allein Sora ward von den Roemern sofort angegriffen und,

nachdem die samnitische Entsatzarmee geschlagen war (440 314), wieder

genommen. Die Bewegungen unter den Ausonen wurden mit grausamer Strenge

unterdrueckt, ehe der Aufstand recht zum Ausbruch kam, und gleichzeitig

ein eigener Diktator ernannt, um die politischen Prozesse gegen die

Fuehrer der samnitischen Partei in Capua einzuleiten und abzuurteilen,

so dass die namhaftesten derselben, um dem roemischen Henker zu

entgehen, freiwillig den Tod nahmen (440 314). Das samnitische Heer vor

Capua ward geschlagen und zum Abzug aus Kampanien gezwungen; die

Roemer, dem Feinde auf den Fersen folgend, ueberschritten den Matese und

lagerten im Winter 440 (314) vor der Hauptstadt Samniums Bovianum.

Nola war von den Verbuendeten preisgegeben; die Roemer waren einsichtig

genug, durch den guenstigsten, dem neapolitanischen aehnlichen

Bundesvertrag die Stadt fuer immer von der samnitischen Partei zu

trennen (441 313). Fregellae, das seit der caudinischen Katastrophe

in den Haenden der antiroemischen Partei und deren Hauptburg in der

Landschaft am Liris gewesen war, fiel endlich auch, im achten Jahre nach

der Einnahme durch die Samniten (441 313); zweihundert der Buerger, die

vornehmsten der nationalen Partei, wurden nach Rom gefuehrt und dort zum

warnenden Beispiel fuer die ueberall sich regenden Patrioten auf offenem

Markte enthauptet. --------------------------------------- ^2 Es sind

dies nicht die Einwohner von Satricum bei Antium, sondern die einer

anderen volskischen, damals als roemische Buergergemeinde ohne

Stimmrecht konstituierten Stadt bei Arpinum. ^3 Dass zwischen den

Roemern und Samniten 436, 437 (318, 317) ein foermlicher zweijaehriger

Waffenstillstand bestanden habe, ist mehr als unwahrscheinlich.

--------------------------------------- Hiermit waren Apulien und

Kampanien in den Haenden der Roemer. Zur endlichen Sicherstellung und

bleibenden Beherrschung des eroberten Gebietes wurden in den Jahren

440 bis 442 (314 bis 312) in demselben eine Anzahl neuer Festungen

gegruendet: Luceria in Apulien, wohin seiner isolierten und ausgesetzten

Lage wegen eine halbe Legion als bleibende Besatzung gesandt ward,

ferner Pontiae (die Ponzainseln) zur Sicherung der kampanischen

Gewaesser, Saticula an der kampanisch-samnitischen Grenze als Vormauer

gegen Samnium, endlich Interamna (bei Monte Cassino) und Suessa Aurunca

(Sessa) auf der Strasse von Rom nach Capua. Besatzungen kamen ausserdem

nach Caiatia (Cajazzo), Sora und anderen militaerisch wichtigen

Plaetzen. Die grosse Militaerstrasse von Rom nach Capua, die der Zensor

Appius Claudius 442 (312) chaussieren und den dazu erforderlichen Damm

durch die Pontinischen Suempfe ziehen liess, vollendete die Sicherung

Kampaniens. Immer vollstaendiger entwickelten sich die Absichten der

Roemer; es galt die Unterwerfung Italiens, das durch das roemische

Festungs- und Strassennetz von Jahr zu Jahr enger umstrickt ward. Von

beiden Seiten schon waren die Samniten von den Roemern umsponnen; schon

schnitt die Linie von Rom nach Luceria Nord- und Sueditalien voneinander

ab, wie einst die Festungen Norba und Signia die Volsker und Aequer

getrennt hatten; und wie damals auf die Herniker, stuetzte Rom sich

jetzt auf die Arpaner. Die Italiker mussten erkennen, dass es um ihrer

aller Freiheit geschehen war, wenn Samnium unterlag, und dass es die

allerhoechste Zeit war, dem tapferen Bergvolk, das nun schon fuenfzehn

Jahre allein den ungleichen Kampf gegen die Roemer kaempfte, endlich

mit gesamter Kraft zu Hilfe zu kommen. Die naechsten Bundesgenossen der

Samniten waeren die Tarentiner gewesen; allein es gehoert zu dem ueber

Samnium und ueber Italien ueberhaupt waltenden Verhaengnis, dass in

diesem zukunftbestimmenden Augenblick die Entscheidung in den Haenden

dieser italischen Athener lag. Seit die urspruenglich nach alter

dorischer Art streng aristokratische Verfassung Tarents in die

vollstaendigste Demokratie uebergegangen war, hatte in dieser

hauptsaechlich von Schiffern, Fischern und Fabrikanten bewohnten Stadt

ein unglaublich reges Leben sich entwickelt; Sinn und Tun der mehr

reichen als vornehmen Bevoelkerung wehrte allen Ernst des Lebens in dem

witzig und geistreich quirlenden Tagestreiben von sich ab und schwankte

zwischen dem grossartigsten Wagemut und der genialsten Erhebung und

zwischen schandbarem Leichtsinn und kindischer Schwindelei. Es wird auch

in diesem Zusammenhang, wo ueber das Sein oder Nichtsein hochbegabter

und altberuehmter Nationen die ernsten Lose fallen, nicht unstatthaft

sein, daran zu erinnern, dass Platon, der etwa sechzig Jahre vor

dieser Zeit (389) nach Tarent kam, seinem eigenen Zeugnis zufolge am

Dionysienfest die ganze Stadt berauscht sah, und dass das parodische

Possenspiel, die sogenannte "lustige Tragoedie" eben um die Zeit des

grossen samnitischen Krieges in Tarent geschaffen ward. Zu dieser

Lotterwirtschaft und Lotterpoesie der Tarentiner Eleganten und Literaten

liefert die Ergaenzung die unstete, uebermuetige und kurzsichtige

Politik der Tarentiner Demagogen, welche regelmaessig da sich

beteiligten, wo sie nichts zu schaffen hatten, und da ausblieben, wo ihr

naechstes Interesse sie hinrief. Sie hatten, als nach der caudinischen

Katastrophe Roemer und Samniten sich in Apulien gegenueberstanden,

Gesandte dorthin geschickt, die beiden Parteien geboten, die Waffen

niederzulegen (434 320). Diese diplomatische Intervention in dem

italischen Entscheidungskampf konnte verstaendigerweise nichts sein als

die Ankuendigung, dass Tarent aus seiner bisherigen Passivitaet jetzt

endlich herauszutreten entschlossen sei. Grund genug hatte es wahrlich

dazu, wie schwierig und gefaehrlich es auch fuer Tarent selbst war,

in diesen Krieg verwickelt zu werden: denn die demokratische

Machtentwicklung des Staates hatte sich lediglich auf die Flotte

geworfen, und waehrend diese, gestuetzt auf die starke Handelsmarine

Tarents, unter den grossgriechischen Seemaechten den ersten Rang

einnahm, bestand die Landmacht, auf die es jetzt ankam, wesentlich aus

gemieteten Soeldnern und war in tiefem Verfall. Unter diesen Umstaenden

war es fuer die tarentinische Republik keine leichte Aufgabe, an dem

Kampf zwischen Rom und Samnium sich zu beteiligen, auch abgesehen von

der wenigstens beschwerlichen Fehde, in welche die roemische Politik

die Tarentiner mit den Lucanern zu verwickeln gewusst hatte. Indes bei

kraeftigem Willen waren diese Schwierigkeiten wohl zu ueberwinden;

und beide streitende Teile fassten die Aufforderung der tarentinischen

Gesandten, mit dem Kampf einzuhalten, in diesem Sinne auf. Die Samniten

als die Schwaecheren zeigten sich bereit, derselben nachzukommen; die

Roemer antworteten durch die Aufsteckung des Zeichens zur Schlacht.

Vernunft und Ehre geboten den Tarentinern, dem herrischen Gebot ihrer

Gesandten jetzt die Kriegserklaerung gegen Rom auf dem Fusse folgen zu

lassen; allein in Tarent war eben weder diese noch jene am Regimente und

man hatte dort bloss mit sehr ernsthaften Dingen sehr kindisch

gespielt. Die Kriegserklaerung gegen Rom erfolgte nicht; statt dessen

unterstuetzte man lieber gegen Agathokles von Syrakus, der frueher in

tarentinischen Diensten gestanden hatte und in Ungnade entlassen

worden war, die oligarchische Staedtepartei in Sizilien und sandte,

dem Beispiel Spartas folgend, eine Flotte nach der Insel, die in

der kampanischen See bessere Dienste getan haben wuerde (440 314).

Energischer handelten die nord- und mittelitalischen Voelker, die

namentlich durch die Anlegung der Festung Luceria aufgeruettelt worden

zu sein scheinen. Zuerst (443 311) schlugen die Etrusker los, deren

Waffenstillstandsvertrag von 403 (351) schon einige Jahre frueher

zu Ende gegangen war. Die roemische Grenzfestung Sutrium hatte eine

zweijaehrige Belagerung auszuhalten, und in den heftigen Gefechten, die

unter ihren Mauern geliefert wurden, zogen die Roemer in der Regel

den kuerzeren, bis der Konsul des Jahres 444 (310), Quintus Fabius

Rullianus, ein in den Samnitenkriegen erprobter Fuehrer, nicht bloss

im roemischen Etrurien das Uebergewicht der roemischen Waffen

wiederherstellte, sondern auch kuehn eindrang in das eigentliche, durch

die Verschiedenheit der Sprache und die geringen Kommunikationen den

Roemern bis dahin fast unbekannt gebliebene etruskische Land. Der Zug

ueber den noch von keinem roemischen Heer ueberschrittenen Ciminischen

Wald und die Pluenderung des reichen, lange von Kriegsnot verschont

gebliebenen Gebiets brachte ganz Etrurien in Waffen; die roemische

Regierung, welche die tollkuehne Expedition ernstlich missbilligte und

die Ueberschreitung der Grenze dem verwegenen Fuehrer zu spaet untersagt

hatte, raffte, um dem erwarteten Ansturm der gesamten etruskischen Macht

zu begegnen, in schleunigster Eile neue Legionen zusammen. Allein

ein rechtzeitiger und entscheidender Sieg des Rullianus, die lange im

Andenken des Volkes fortlebende Schlacht am Vadimonischen See, machte

aus dem unvorsichtigen Beginnen eine gefeierte Heldentat und brach

den Widerstand der Etrusker. Ungleich den Samniten, die nun schon seit

achtzehn Jahren den ungleichen Kampf fochten, bequemten sich schon

nach der ersten Niederlage drei der maechtigsten etruskischen Staedte,

Perusia, Cortona und Arretium, zu einem Sonderfrieden auf dreihundert

(444 310) und, nachdem im folgenden Jahre die Roemer noch einmal bei

Perusia die uebrigen Etrusker besiegt hatten, auch die Tarquinienser zu

einem Frieden auf vierhundert Monate (446 308); worauf auch die uebrigen

Staedte vom Kampfe abstanden und in Etrurien vorlaeufig Waffenruhe

eintrat. Waehrend dieser Ereignisse hatte auch in Samnium der Krieg

nicht geruht. Der Feldzug von 443 (311) beschraenkte sich gleich den

bisherigen auf die Belagerung und Erstuermung einzelner samnitischer

Plaetze; aber im naechsten Jahre nahm der Krieg eine lebhaftere Wendung.

Rullianus' gefaehrliche Lage in Etrurien und die ueber die Vernichtung

der roemischen Nordarmee verbreiteten Geruechte ermutigten die Samniten

zu neuen Anstrengungen; der roemische Konsul Gaius Marcius Rutilus wurde

von ihnen besiegt und selber schwer verwundet. Aber der Umschwung der

Dinge in Etrurien zerstoerte die neu aufleuchtenden Hoffnungen. Wieder

trat Lucius Papirius Cursor an die Spitze der gegen die Samniten

gesandten roemischen Truppen, und wieder blieb er Sieger in einer

grossen und entscheidenden Schlacht (445 309), zu der die Eidgenossen

ihre letzten Kraefte angestrengt hatten; der Kern ihrer Armee, die

Buntroecke mit den Gold-, die Weissroecke mit den Silberschilden wurden

hier aufgerieben und die glaenzenden Ruestungen derselben schmueckten

seitdem bei festlichen Gelegenheiten die Budenreihen laengs des

roemischen Marktes. Immer hoeher stieg die Not, immer hoffnungsloser

ward der Kampf. Im folgenden Jahre (446 308) legten die Etrusker die

Waffen nieder; in ebendemselben ergab die letzte Stadt Kampaniens, die

noch zu den Samniten hielt, Nuceria, zu Wasser und zu Lande gleichzeitig

angegriffen, unter guenstigen Bedingungen sich den Roemern. Zwar fanden

die Samniten neue Bundesgenossen an den Umbrern im noerdlichen, an den

Marsern und Paelignern im mittleren Italien, ja selbst von den

Hernikern traten zahlreiche Freiwillige in ihre Reihen; allein was

mit entscheidendem Gewicht gegen Rom in die Waagschale haette fallen

koennen, wenn die Etrusker noch unter Waffen gestanden haetten,

vermehrte jetzt bloss die Erfolge des roemischen Sieges, ohne denselben

ernstlich zu erschweren. Den Umbrern, die Miene machten, einen Zug nach

Rom zu unternehmen, verlegte Rullianus am oberen Tiber mit der Armee von

Samnium den Weg, ohne dass die geschwaechten Samniten es haetten hindern

koennen, und dies genuegte, um den umbrischen Landsturm zu zerstreuen.

Der Krieg zog sich alsdann wieder nach Mittelitalien. Die Paeligner

wurden besiegt, ebenso die Marser; wenngleich die uebrigen sabellischen

Staemme noch dem Namen nach Feinde der Roemer blieben, stand doch

allmaehlich Samnium von dieser Seite tatsaechlich allein. Aber

unerwartet kam ihnen Beistand aus dem Tibergebiet. Die Eidgenossenschaft

der Herniker, wegen ihrer unter den samnitischen Gefangenen

vorgefundenen Landsleute von den Roemern zur Rede gestellt, erklaerte

diesen jetzt den Krieg (448 306) - mehr wohl aus Verzweiflung, als aus

Berechnung. Es schlossen auch einige der bedeutendsten hernikischen

Gemeinden von vornherein sich von der Kriegfuehrung aus; aber Anagnia,

weitaus die ansehnlichste Hernikerstadt, setzte die Kriegserklaerung

durch. Militaerisch ward allerdings die augenblickliche Lage der Roemer

durch diesen unerwarteten Aufstand im Ruecken der mit der Belagerung der

Burgen von Samnium beschaeftigten Armee in hohem Grade bedenklich. Noch

einmal war den Samniten das Kriegsglueck guenstig; Sora und Caiatia

fielen ihnen in die Haende. Allein die Anagniner unterlagen unerwartet

schnell den von Rom ausgesandten Truppen, und rechtzeitig machten diese

auch dem in Samnium stehenden Heere Luft; es war eben alles verloren.

Die Samniten baten um Frieden, indes vergeblich; noch konnte man

sich nicht einigen. Erst der Feldzug von 449 (305) brachte die letzte

Entscheidung. Die beiden roemischen Konsularheere drangen, Tiberius

Minucius und nach dessen Fall Marcus Fulvius von Kampanien aus durch

die Bergpaesse, Lucius Postumius vom Adriatischen Meere her am Biferno

hinauf, in Samnium ein, um hier vor der Hauptstadt des Landes, Bovianum,

sich die Hand zu reichen; ein entscheidender Sieg ward erfochten, der

samnitische Feldherr Statius Gellius gefangengenommen und Bovianum

erstuermt. Der Fall des Hauptwaffenplatzes der Landschaft machte dem

zweiundzwanzigjaehrigen Krieg ein Ende. Die Samniten zogen aus Sora und

Arpinum ihre Besatzungen heraus und schickten Gesandte nach Rom, den

Frieden zu erbitten; ihrem Beispiel folgten die sabellischen Staemme,

die Marser, Marruciner, Paeligner, Frentaner, Vestiner, Picenter. Die

Bedingungen, die Rom gewaehrte, waren leidlich; Gebietsabtretungen

wurden zwar einzeln gefordert, zum Beispiel von den Paelignern, allein

sehr bedeutend scheinen sie nicht gewesen zu sein. Das gleiche Buendnis

zwischen den sabellischen Staaten und den Roemern wurde erneuert (450

304). Vermutlich um dieselbe Zeit und wohl infolge des samnitischen

Friedens ward auch Friede gemacht zwischen Rom und Tarent. Unmittelbar

zwar hatten beide Staedte nicht gegeneinander im Felde gestanden; die

Tarentiner hatten dem langen Kampfe zwischen Rom und Samnium von Anfang

bis zu Ende untaetig zugesehen und nur im Bunde mit den Sallentinern

gegen die Bundesgenossen Roms, die Lucaner, die Fehde fortgesetzt. Zwar

hatten sie in den letzten Jahren des Samnitischen Krieges noch einmal

Miene gemacht nachdruecklicher aufzutreten. Teils die bedraengte Lage,

in welche die unaufhoerlichen lucanischen Angriffe sie selbst brachten,

teils wohl auch das immer naeher sich ihnen aufdraengende Gefuehl,

dass Samniums voellige Unterdrueckung auch ihre eigene Unabhaengigkeit

bedrohe, hatten sie bestimmt, trotz der mit Alexander gemachten

unerfreulichen Erfahrungen abermals einem Condottiere sich

anzuvertrauen. Es kam auf ihren Ruf der spartanische Prinz Kleonymos

mit fuenftausend Soeldnern, womit er eine ebenso starke, in Italien

angeworbene Schar sowie die Zuzuege der Messapier, der kleineren

Griechenstaedte und vor allem das tarentinische Buergerheer, 22 000 Mann

stark, vereinigte. An der Spitze dieser ansehnlichen Armee noetigte er

die Lucaner, mit Tarent Frieden zu machen und eine samnitisch gesinnte

Regierung einzusetzen, wogegen freilich Metapont ihnen aufgeopfert

ward. Noch standen die Samniten unter Waffen, als dies geschah; nichts

hinderte den Spartaner, ihnen zu Hilfe zu kommen und das Gewicht seines

starken Heeres und seiner Kriegskunst fuer die Freiheit der italischen

Staedte und Voelker in die Waagschale zu werfen. Allein Tarent handelte

nicht, wie Rom im gleichen Falle gehandelt haben wuerde; und Prinz

Kleonymos selbst war auch nichts weniger als ein Alexander oder ein

Pyrrhos. Er beeilte sich nicht, einen Krieg zu beginnen, bei dem mehr

Schlaege zu erwarten standen als Beute, sondern machte lieber mit den

Lucanern gemeinschaftliche Sache gegen Metapont und liess es in dieser

Stadt sich wohl sein, waehrend er redete von einem Zug gegen Agathokles

von Syrakus und von der Befreiung der sizilischen Griechen. Darueber

machten denn die Samniten Frieden; und als nach dessen Abschluss Rom

anfing, sich um den Suedosten der Halbinsel ernstlicher zu bekuemmern

und zum Beispiel im Jahre 447 (307) ein roemischer Heerhaufen das Gebiet

der Sallentiner brandschatzte oder vielmehr wohl in hoeherem Auftrag

rekognoszierte, ging der spartanische Condottiere mit seinen Soeldnern

zu Schiff und ueberrumpelte die Insel Kerkyra, die vortrefflich gelegen

war, um von dort aus gegen Griechenland und Italien Piratenzuege zu

unternehmen. So von ihrem Feldherrn im Stich gelassen und zugleich ihrer

Bundesgenossen im mittleren Italien beraubt, blieb den Tarentinern sowie

den mit ihnen verbuendeten Italikern, den Lucanern und Sallentinern,

jetzt freilich nichts uebrig, als mit Rom ein Abkommen nachzusuchen, das

auf leidliche Bedingungen gewaehrt worden zu sein scheint. Bald nachher

(451 303) ward sogar ein Einfall des Kleonymos, der im sallentinischen

Gebiet gelandet war und Uria belagerte, von den Einwohnern mit

roemischer Hilfe abgeschlagen. Roms Sieg war vollstaendig; und

vollstaendig ward er benutzt. Dass den Samniten, den Tarentinern und

den ferner wohnenden Voelkerschaften ueberhaupt so maessige Bedingungen

gestellt wurden, war nicht Siegergrossmut, die die Roemer nicht kannten,

sondern kluge und klare Berechnung. Zunaechst und vor allem kam es

darauf an, nicht so sehr das suedliche Italien so rasch wie moeglich

zur formellen Anerkennung der roemischen Suprematie zu zwingen als

die Unterwerfung Mittelitaliens, zu welcher durch die in Kampanien und

Apulien schon waehrend des letzten Krieges angelegten Militaerstrassen

und Festungen der Grund gelegt war, zu ergaenzen und zu vollenden und

die noerdlichen und suedlichen Italiker dadurch in zwei militaerisch

von jeder unmittelbaren Beruehrung miteinander abgeschnittene

Massen auseinanderzusprengen. Darauf zielten denn auch die naechsten

Unternehmungen der Roemer mit energischer Konsequenz. Vor allen Dingen

benutzte oder machte man die Gelegenheit, mit den in der Tiberlandschaft

einstmals mit der roemischen Einzelmacht rivalisierenden und noch nicht

voellig beseitigten Eidgenossenschaften der Aequer und der Herniker

aufzuraeumen. In demselben Jahre, in welchem der Friede mit Samnium

zustande kam (450 304), ueberzog der Konsul Publius Sempronius Sophus

die Aequer mit Krieg; vierzig Ortschaften unterwarfen sich in fuenfzig

Tagen; das gesamte Gebiet mit Ausnahme des engen und rauhen Bergtals,

das noch heute den alten Volksnamen traegt (Cicolano), wurde roemischer

Besitz und hier am Nordrand des Fuciner Sees im Jahre darauf die Festung

Alba mit einer Besatzung von 6000 Mann gegruendet, fortan die Vormauer

gegen die streitbaren Marser und die Zwingburg Mittelitaliens; ebenso

zwei Jahre darauf am oberen Turano, naeher an Rom, Carsioli, beide als

Bundesgemeinden latinischen Rechts. Dass von den Hernikern wenigstens

Anagnia sich an dem letzten Stadium des Samnitischen Krieges beteiligt

hatte, gab den erwuenschten Grund, das alte Bundesverhaeltnis zu loesen.

Das Schicksal der Anagniner war natuerlicherweise bei weitem haerter als

dasjenige, welches ein Menschenalter zuvor den latinischen Gemeinden im

gleichen Fall bereitet worden war. Sie mussten nicht bloss wie diese das

roemische Passivbuergerrecht sich gefallen lassen, sondern verloren auch

gleich den Caeriten die eigene Verwaltung; auf einem Teile ihres Gebiets

am oberen Trerus (Sacco) wurde ueberdies ein neuer Buergerbezirk sowie

gleichzeitig ein anderer am unteren Anio eingerichtet (455 299). Man

bedauerte nur, dass die drei naechst Anagnia bedeutendsten hernikischen

Gemeinden Aletrium, Verulae und Ferentinum nicht auch abgefallen waren;

denn da sie die Zumutung, freiwillig in den roemischen Buergerverband

einzutreten, hoeflich ablehnten und jeder Vorwand, sie dazu zu noetigen,

mangelte, musste man ihnen wohl nicht bloss die Autonomie, sondern

selbst das Recht der Tagsatzung und der Ehegemeinschaft auch ferner

zugestehen und damit noch einen Schatten der alten hernikischen

Eidgenossenschaft uebrig lassen. In dem Teil der volskischen Landschaft,

welchen bis dahin die Samniten im Besitz gehabt, banden aehnliche

Ruecksichten nicht. Hier wurden Arpinum und Frusino untertaenig und die

letztere Stadt eines Drittels ihrer Feldmark beraubt, ferner am

oberen Liris neben Fregellae die schon frueher mit Besatzung belegte

Volskerstadt Sora jetzt auf die Dauer in eine latinische Festung

verwandelt und eine Legion von 4000 Mann dahin gelegt. So war das alte

Volskergebiet vollstaendig unterworfen und ging seiner Romanisierung

mit raschen Schritten entgegen. In die Landschaft, welche Samnium und

Etrurien scheidet, wurden zwei Militaerstrassen hineingefuehrt und

beide durch Festungen gesichert. Die noerdliche, aus der spaeter die

Flaminische wurde, deckte die Tiberlinie; sie fuehrte durch das mit Rom

verbuendete Ocriculum nach Narnia, wie die Roemer die alte umbrische

Feste Nequinum umnannten, als sie dort eine Militaerkolonie anlegten

(455 299). Die suedliche, die spaetere Valerische, lief an den Fuciner

See ueber die eben erwaehnten Festungen Carsioli und Alba. Die kleinen

Voelkerschaften, in deren Gebiet diese Anlagen stattfanden, die Umbrer,

die Nequinum hartnaeckig verteidigten, die Aequer, die noch einmal Alba,

die Marser, die Carsioli ueberfielen, konnten Rom in seinem Gang nicht

aufhalten; fast ungehindert schoben jene beiden maechtigen Riegel sich

zwischen Samnium und Etrurien. Der grossen Strassen- und Festungsanlagen

zur bleibenden Sicherung Apuliens und vor allem Kampaniens wurde schon

gedacht; durch sie ward Samnium weiter nach Osten und Westen von

dem roemischen Festungsnetz umstrickt. Bezeichnend fuer die

verhaeltnismaessige Schwaeche Etruriens ist es, dass man es nicht

notwendig fand, die Paesse durch den Ciminischen Wald in gleicher Weise

durch eine Chaussee und angemessene Festungen zu sichern. Die bisherige

Römische Geschichte — Buch 2 · 第 14 / 26 段