Es is keine Sehle in Haus außer mir, Elsbett un di Dinsbotn weil Papa
un Mamma auf einer Woche zu Lil auf besuch gefarn sind un der Dokter
un seine Braut sin im Hotell. Mamma sagte, sie hofft, Schorschi wird
werend der Zeit nichs anschtelln -- sie wirde zidtern so lang sie weg
is -- aber ich fersicherte ihr, sie soll sich nicht sorgn ich will so
gut un braf sein als der Tag lang is, reglmeßig in der Schule gehn un
direk nachaus kommen, wenn die Schul aus is, meiner Schwester folgn un
mich anschtendig benehmen. Papa sagt, wenn ich wirklich so braf bin, wi
ich ferschprech, so will er dran denkn mir das Ponni zu kaufn, das der
Fleischer ihm fir fierzig (40) Doller ablassn wollte. Ich mechte liber
ein Ponni als 6 Beissikl. Ich hab jede Nacht fon ihm getreimt, seit der
Fleischer mir dafon erzehlt hat -- es is eine kleine Schenheit. Ich
wer mich anschtrengen so fest ich kann, so gut zu sein, wi Pastehte.
Betti sagt es kommt alles nur auf dem Fersuch an, es is leicht eine
Woche lang ein guter Junge zu sein, wenn mans nur probihrt -- aber ich
seh nich ein, wiso sie's weiß, sie wahr doch nie ein Junge -- aber ich
wills fersuchn. Ein lebendiges Poni mit einen Sattl un Zaum dazu is es
wert eine Woche lang keine Hunde mit Schteine zu werfn oder hinter der
Schule zu gehn. Nechste Woche wer ich ganz schtolz auf der Haupschtraße
henunterreitn un meine Schwester Susi im Hotell besuchn. Ich wer ein
genaues Proterkoll aufnehmen fon meinen gutn Betragn.
[Illustration]
Papa un Mamma sin schon iber Nacht weg. Gestern wahr ich zimlich braf.
Ich hab den Schpigl in Mammas Zimmer zerbrochn, aber das wahr nur ein
Zufall. Ich un Karlchen schpiltn Balln drin un machtn die Thir zu
um Elsbett nich zu schtehrn. Der Balln schprang greßlich hoch, weil
sofihl Gummi drauf wahr das ich fon Elsbetts zerschnittene Überschue
drauf gewiklt hadte, -- er zerschlug den Schpigl un schmiß eine
Odekolonnflasche um, die sich auf dem neien Iberzug ferschidtete, un
wir gingen hinaus un schpiltn im Hof weiter.
Betti wird erschtaunt sein, wenn sie's nechstemahl heneinkommt. Es fing
zum trepfln an un wir gingen deswegn hinein un ich sagte zu Elsbett,
er un ich wolln am Dachboden schpiln gehn. Es wahr sehr hibsch obn nur
wahr auf manche Pletze kein Fußbodn, nur ein Flaster un wi ich schaun
wollte ob es mich ertragt, brach es ein un das ganze Flaster fihl in
dem leern Schlafzimmer -- zu dumm! Mertl macht so einen Schtand auf
einen Teppich un auf seidne Bedtdekn. Ich wer nich draufgeschtign, wenn
ich gewußt hedte, es kann mich nich ertragn.
Es war ein alter Koffer foll Brife obn un ich gab Karlchen filleich 100
zum zusammpikn auf einen Drachn. Die ibrign nahmen wir un machtn ein
Feier in so einen schpaßign altn Ofn aber er war am Bodn zerbrochn,
so das das Feier durchfil, aber wir leschtn es aus; ich lif un holte
schnell meinen Waschkrug un goß drauf bis es ferlescht war un ich
glaube ich werd mein Ponni doch bekommen. Es wahr nich fiel Mallehr
passihrt.
Wir kamen in Großpapas alte Kleider zum Essn herunter un Betti mußte
sie zuriktragn un das wahr ein Glik, weil das Feier noch nich ganz
ausgegangen war. Wir hadtn alle Hende foll zu tun bis wir es ausleschtn.
Elsbett sagt, ich muß wie ein guter Junge zeitlich zubedt gehn;
so ging ich um 8. Man mechte es nich glaubn, aber wi ich filleich
eine Schtunde schpeter henunterging um mir ein Glas Wasser aus den
Krug im Schpeiszimmer zu holn, sah ich durch das Schlisslloch den
Tellergrafnbeamtn neben Elsbett auf den Sofa sitzn, un wi ich pletzlich
»Bu--uh!« schri, schprang er auf wi wenn er glaubte eine Lokomotive
kommt hereingefarn. Elsbett schtand auf un machte die Thir auf, aber
ich wahr nich mehr da sondern holte mir Wasser aus den Schpeiszimmer
un sie machte wider zu un setzte sich auf der andere Seite fon Zimmer
nider.
Meine Eltern sin schon 2 Tage un Nechte fort. Ich fersuch noch immer
braf zu sein. Ich sagte den Fleischer, er soll mein Poni gut fidtern,
damit ich es in gutn Zuschtand bekomm un er ferschprach mirs auch.
Ob ich filleich einen Ritt drauf probihrn will? Ich sagte ja. Ich
kam schreklich schpet in der Schule aber ich werds Elsbett nicht
erzehln. Ich hilt bei den Tellergrafnbiroh an, weil eine Menge Leite
dort schtandn, weil grad Zeit wahr zum Zug. Ich schtig nich fom Poni
henunter sondern schrih nur »Halloh!« »Selber Halloh!« rif der Beamter
durch den kleinen Fenster.
Dann fragte ich ihm, warum meine Schwester fon den Sofa aufgeschprungen
is un sich auf der andern Seite fon Zimmer gesetzt hat, wi ich nur ein
bischen »buuh!« durchs Schlisslloch schrie.
Er wurde rot wie Feier, weil der ganze Haufn Leite zu lachn anfing,
wi wenn sie zerschpringen mißtn. Wi ich mit den Ponni zum Fleischer
zurikkam, schpilte ich ein bischen mit seinen kleinen Jungen. Wir
schpiltn, er is das Kalb un ich bin der Fleischer, aber ich glaube,
wenn sein Fatter nich bald gekommen wer hädte sich das Kalb zutot
erwirgt, weil es so fest an den Schtrik zerrte, aber dafir konnte ich
nichs, es wahr das Kalb was zerrte -- ich hilt nur den Schtrik fest.
Der Fleischer sagte ich tete besser in der Schule zu gehn un so ging
ich. Elsbett hadte mir gesagt, ich soll keine Jungen mehr mit nachaus
bringen, also brachte ich die kleine Flora Adams. Es wahr sehr windig
un wir gingen hinaus in den Hof, meinen neu'n Drachn schteign zu lassn.
Der Dokter hatte mir ihm gemacht; er is sehr groß un hat eine sehr
schtarke Schnur, weil er zerrt, wi ein Roß, wenn er schteigt un ein
schtarker Wind is. Er ging prachfoll in der Hehe. Ich hadte greßliche
Angs, das ich ihm nich allein erhaltn kann un sagte zu Flora, sie
solle mir helfn. Ich band ihr die Schnur um der Taillje un sagte ihr
sie soll sich fest an den Holzschupfntor anschtemmen. Di Katz rannte
um der Eke un ich sagte: »um Gotteswilln, halt ein bischen allein,
ich will di Katz ibern Zaun haltn, damit Hansis Hund zohnig wird.« Auf
eimal, wi der Schwanz fon der Katz schon so lang wahr, wi mein Arm un
der Hund dribn greßlich heilte, herte ich einen entsetzlichn Schrei un
wi ich mich umschaute, sah ich Flora wi der Blitz in der Hehe gehn,
wi wenn sie ein Fogl wär. Ich wollte ihre Schue pakn aber ich wahr
nich geschwind genug. Der greßlicher Drachn war ihr zu schtark geworn.
Ich glaube, sie hat sich nich fest genug angeschtemmt. Ich war sehr
erschtaunt, wi leicht er sie hinaufzog. Befor ich »Ene, bene Tintnfaß«
sagn konnte, wahr sie schon iber den dreischtekign Haus fon Herrn
Schattek. Sie schaute greßlich schpaßig aus. Ich glaube, die Leite
wundertn sich, wiso sie flog, weil man die Schnur gar nich sehn konnte.
Das alte Fräuln Pendler erzehlte Elsbett schpeter sie hadte ganz fest
geglaubt, der jingster Tag is gekommen. Die ganze Schtadt sagt, das
Kind is auf wunderbahrer Weise fon einen greßlichn Tod geredtet worn.
Grad wi sie iber den Haus fon Schattek wahr, riß die Schnur un sie fil
auf dem Dach, das zufellig ein flaches mit einen Gelender runderum
wahr, so das sie leicht heraufschteign un sie holn konnten.
Sie wahr nich ein bischen ferletzt, aber mein prachfoller Drachn wahr
weg. Ich glaube ihre Leite missn mir einen andern gebn, denn wenn sie
sich festgehaltn hedt, wi ich ihr gesagt hab hedte sie mir ihm nich
ferlorn. Betti hat das Loch in der Deke bemerkt, aber ich hab ihr
gesagt di Rattn missn es durchgefressn habn. Es wahr zu fad nachdem
Flora nachaus gegangen war, ohne Drachn un so ging ich ein bischen
schpazirn. Es wahr warm un angenehm, ein bischen windig -- grad so ein
Wetter wo einen Jungen gleich einfellt, er kennte fischn gehn. Ich
kauffte mir ein paar Angl un eine Schnur bei Peters un ging langsam
weiter bis ich zu den Mihldamm kam, wo ich im letztn Frihjar beina
ertrunkn wer.
Es wahr schon Zeit zum Nachmahl aber ich wußte Betti wird mirs schon
aufhebn un so machte ich mir nichs draus. Ich grub mir ein par
Regnwirmer aus, un angelte zuers eine Menge Unkrautt, dann erwischte
ich beina 2 Weißfischl -- nur kamen sie mir wider aus -- aber wies
finster wurde fing ich einem wirklichn lebendign Ahl -- einen großn
dikn Kerl, beina so dik wi ein Krokerdill -- un ich nahm ihm mit
nachaus zum Frihschtik aber zuers machte ich noch einen Schpaß
damit. Ich trug ihm in Sallohn, wi niman drin wahr un rollte ihm am
Peano zusamm, wi eine große schwarze Schlange un ging dann Nachmahl
essn. Betti zindete die Lampn an un meine Schwester kahm herunter,
aufgeputzt, wi wenn sie Gesellschaff erwartet, setzte sich zum Peano un
fing zu singen an:
»Tralalara, di ganze Welt is wunderschehn,
Tralalara, die Welt is wunder--
Oh! Oh! -- I! i! i! i! i! i! Oh! Oh! Iiiiii! --« noch nich dagewesn!
Eine Lokermotiwfeiffe mechte sich Schemen so zu kreischn wi sie tat.
Ich selber lif henein, um zu sehn was los is. Auch di Kechinn un Betti
kamen gelaufn. Elsbett lif auf uns zu grad so wi eine Katz in Angs auf
der Mitte fon der Schtraße.
»Es is etwas auf dem Peano, glaube ich,« sagte ich zur Kechin un sie
ging hin aber sehr lanksam un gukte. Ich wahr filleich iber 2 Schtunden
so taub wi ein Schtok, wi dise dummen zwei Fraunzimmer krischn.
Ein paar Nachbarn kamen herein un fragtn uns, was denn los is.
»Nix, ein Ahl,« sagte ich.
»Was?« sagtn sie.
»Ein guter Ahl,« sag ich un lach. »Ich glaube die Weiber sin nerwes
geborn, so einen Lerm zu machn iber einem Ahl, den sie ganz ohne zu
schrein, essn wern, wenn er auf der Schissl ligt.«
Sie sagtn ich bin ein schlechter Junge, meine Schwester so zu
erschrekn, sie wirds filleich noch eine Woche lang schpihrn. So gets
immer -- immer bin ich schuld, auch wenn die eltere Schwester einem Ahl
nich fon einer schwarze Schlange kennt!
* * * * *
Meine theiern Eltern sin schon drei Tage un Nechte weg. Ich komm
zimlich gut forwerts, obwol sich meine Schwester ergert, das ich
alle Tag fischn geh -- gestern wider in meinen bestn Gewand das ich
anzog weil wir frei hadtn un der Lehrer besuch erwartete. Wenn ich
gewußt hedt, das ich ausbleibn wer, hedt ich die andern Kleider
angezogn, weil ich die neun' schreklich zerriß, un mir den Rok mit Teer
einschmirte, wi ich damit auf dem Wagohnrad anschtreiffte, weil ich
unter den Wagohn wahr un die Nadl herauszog damit das Rad weg rollt un
di Meelfesser zerschpringen un das Mehl herumfligt. Es wahr ein großer
Schpaß. Drei Fesser zerschprangen. Ich krigte sehr fihl Mehl auf mir,
weil ich drin schpilte, wi die Fesser zerbrochn warn un das is nich
besonders gut fir neie Kleider.
Ich konnte nich fihl Fische fangen, ich hadte eine Menge anre Sachn zu
thun. Ich kam um fier Uhr zuhaus un ging fon rikwerts hinein in mein
Zimmer un zog meine alte Kleider an, damit Elsbett nich schimft.
Elsbett is ein greßlicher Feiglin. Sie firchtet sich for so Reiber seit
Papa und Mamma weg sind, das sie bei Nacht nich schlafn kann un deswegn
sitzt sie mit den Tellergrafnbeamtn bis um 12 in Sallohn. Dann geht
sie henauf in ihr Zimmer, schaut runderum, unters Bedt leßt die Lampe
brennen un traut sich die ganze Nach nich einzuschlafn. Ich weiß nich
warum grad Medchen solche Feiglinne sind.
Also ich wahr sehr hungrig, wi ich zum Nachmahl nachaus kam. Meine
Schwester schaute schtreng auf mir: »Schorschi,« sagte sie, »der Lehrer
wahr wider hir un hat erzehlt, das du nich in der Schule warst. Wo wars
du den ganzn Tag?«
»Fischn,« war meine Antwort.
»Wann wills du dann ornlich schreibn un lesn lernen, wenn du so die
Zeit ferschwenderst? Brings du filleich noch eine Schlange nachaus?«
Ich sagte nein. Eine is genug.
»Schorschi, ich hab ein par junge Leute auf den Abend eingeladn, ich
bin so einsam. Geh, zih dir den neu'n Anzug an, benimm dich anschtendig
un ich will dir erlaubn bis 10 aufzubleibn.«
»Was richt da so?« sagte sie schnifflnd, wi ich im Sallohn kam. »Oh
Schorschi, was has du mit den neuen Rok angefangen!«
Aber es kamen grad ihre Freindinnen un so konnte sie nichs mehr sagn.
Ich wahr so mid, das ich den ganzn Abend sehr schtill un heflich wahr,
nur wi Betti das Bredt mit Lemonahde un Kuchn brachte, schtrekte ich
zufellig den Fuß aus, das sie driber schtolperte un di Lemonad iber
alles auschidtete. Betti is ein sehr ungeschiktes Medchen. Aber mich
schikten sie zubedt.
Ich glaube ich wahr filleich seit 2 Schtunden eingeschlafn wi ich auf
einmal durch ein greßliches Geschrei aufkomm, wi wenn das Haus brennen
mecht. Ich schtand auf un gukte auf den Gang hinaus. Elsbett schtirzte
in ihrn Nachkleid heraus schtiß mich zurik un drehte den Schlissl
hinter uns um.
»Oh Schorschi,« echzte sie, »es is ein schreklicher großer Reiber unter
meinen Bedt!«
Sie riß mein Fenster auf un schrie: »Hilfe! Merder! Feier!« bis ein par
fon die Nachtbarn am Thor klopftn un ich henunter gehn mußte ihnen
aufmachn.
Elsbett un die Kechin un Betti schtirztn henunter un warfn sich den
Leitn in di Arme.
»Was is geschehn?« fragtn die Nachtbarn.
»Ein Mann is unter meinen Bedt, ich hab ihm so deutlich gesehn wi bei
Tag. Oh, gehn sie nich ohne Waffn hinauf, er wird sie ermordn!«
Also gingen 2 henauf; 2 blibn bei Elsbett, weil sie sich so fest an
ihnen hengte, das sie dableibn mußtn. Ich ging mit hinauf in das Zimmer
fon meiner Schwester. Forsichtig guktn sie unter dem Bedt. Ja, es wahr
ein Mann druntn! Sie zogn ihm herfor. Er liß sich zihn. Er feierte nich
eimal seine Pestole ab. Hansis Fater schtand mit einen Sessl bereit ihm
das Hirn einzuschlagn, wenn er Widerschtand leistn will. Wi sie ihm
herforgezogn hadtn, schautn sie auf mir.
»Schorschi, das has du wider angeschtellt!«
»Gut,« sagte ich. »Elsbett wahr so sicher, das sie einen Reiber unterm
Bedt findn wird, das ich ihr zum Schpaß einen henunterschtekte. Schaut
er nich natirlich aus? -- nur habt ihr die Schtibel unterm Bedt lassn.«
Der Reiber warn Papas Kleider mit Schtroh ausgeschtopft.
Papa un Mamma sin schon 4 Tage weg aber Elsbett hat ihnen
tellergrafihrt, sie solln heit Abens zurikkommen. Sie sagt noch 24
Schtunden mit ihren bösn Bruder wärn ihr Tod. Ich weiß nich gewiß,
ob ich mein Poni doch bekomm, nach all die Anstrengungen eimal gut zu
sein. Es scheint sie habn irgend ein Forurteil gegn mir.