Der erste April

Ich habe gestern un forgestern Nacht nich zuhaus geschlafn weil ich

meiner libn Lil einen unerwartetn Besuch machte, un so konnte ich nich

in dir schreibn, libes Tagbuch. Weiß du libes Tagbuch forgestern wahr

der erster Tag fon Monath Aprill. Sie nennen ihm den Aprillsnarrntag.

Die Jungen erzehltn alle schon die ganze Zeit was sie machn wolltn,

aber ich wahr so ruig wi eine Eule un Papa sagt, di denkt greßlich fihl.

Es war schreklich fad, seit Hansi sich den Fuß gebrochn hat weil

seine Mudter mir nich erlaubte zu ihm zu gehn -- sie hat immer eine

geladete Pestole bei sich, sagn sie -- ich sehnte mich nach ein bißchen

Schpaß. Alle sagn, die Schtadt is greßlich fad, wenn Schorschchen

nichs anschtellt, sie winschn, seine Schwester wer schon ferheirat,

damits ein Ende hat, un sie wirds auch nechste Woche sein, wenn nichs

inzwischn passihrt; aber ich will zun 1. Aprill zurikkommen.

Sie habn eine neue Schtadthalle gebaut, nachdem die andre abgebrannt

is, weil ein paar dumme Medchen iber einer Maus schrien mit einer großn

Gloke drinn, di sehr fest leitet, wenn irgendwo ein Feier is. Also gut,

am Abens früer aß ich gut zum Nachmahl un schtekte noch ein hibsches

Schtik fon den Hochtzeitkuchn ein; ich wollte nemlich unter einer Bank

ferlorn gehn, werend der Messikeitsferein eine Fersammlung hilt un ein

ganz gemein ausschauiger Kerl ihnen forpredigte un sagte, er wisse

selbs wi das were. Ich schenkte einen andern Jungen mein Taschnmesser

un ein Schtik Kuchn, damit er mit mir ferlorn geht. Wir hadtn eine

Menge Schpaß nachdem der Schlißer di Lichter ausgelescht un das Thor

ferschperrt hadte.

Ich hab gehert, Mamma saß die ganze Nacht auf, un das wahr sehr dumm

fon ihr -- sie hedte wissn kennen, das mir nichs passihrt. Wir wartetn

un wartetn, bis wir einschlifn un dann kam ich auf un wisplte: »Willi,

es ist Zeit -- es is beina taghell. Komm gehn wir.«

Wir tastetern uns bis zu den dikn Schtrik hinter die Schtign un zogn so

fest wir nur konntn, wi wenn di ganze Schtadt in Feier wer.

Alle Leite schprangen aus di Bedtn un zogn sich in schrekliche Eile die

Kleider an. Wir hertn sie herumlaufn un schrein: »Wo is es?« »Sihst du

es?« Oh, das wahr ein Schpaß! In 10 Menutn warn die Schtraßn so foll

wi bei einer Prozeßjohn. So schnell wi der Schlißer nur seine Schtifl

anzihn konnte, kam er wi ferrikt hereingelaufn. Es war schon ganz hell,

so das er uns sehn konnte aber er blib mit aufgerissenen Mund schtehn,

wi wenn wir Austern wern.

Ich fragte ihm, ob er denn nich weiß, was fir ein Tag heit is, un er

wurde so zohnig das er mich schittlte bis ich glaubte, mein Kopf is

eine Klapperbixe. Aber der junger Herr Spring, der Awokat, lachte un

sagte: »Lassn sie die Jungen gehn, un machen sie sich nichs draus,

alter Bursche, das sie gefopt worn sin wi alle ibrign auch. Brawo,

Jungens, ihr habt di ganze Schtadt drangekrigt! Ich fir mein Teil will

mich mit eich fertragn.« Also gingen di Leite wider zuhaus un nahmen

sich mehr zeit ihre Tojlett zu machn, besonners Fräuln Hauk di zufellig

ihre Zehne fergessn hadte un Herr Apronz der keine Zeit mehr gehabt

hadte, sich di Loknwikl aus di Hare zu nehmen.

Ich ging mit Papa zuhaus, der nich ein bischen scheltete un bein

Frihschtik sagte Elsbedt: »Schorschi, du mußt sehr hungrig sein, weil

du so zeitlich aufwahrst, da has du ein paar Fannkuchn.« Ich hab

frischgebakne Fannkuchn sehr gern zun Frihschtik un so biß ich hinein.

»Was fir ekliche, harte, alte Fannkuchn,« sagte ich nach einer Weile

un die ganze Familje lachte, wi nur was -- es wahrn mit Baumwolle

ausgeschtoffte Leinwandfannkuchn in Eier getaucht un gebakn un sie

wolltn mir kein einzges Schtikchen fon etwas andern zu essn gebn.

Ich hadte in der Zeitung fon den Witz mit der Briftasche gelesn. Ich

dachte es wird Schpaß gebn wenn ichs selbs probihr -- man leßt eine

alte Briftasche auf der Schtraße falln un gibt ach wer sie aufklaubt.

Wi ich also henauf ging mir di Hare birstn, befor ich in der Schul

geh, schlipfte ich in Mammas Zimmer un nahm ihre Briftasche aus der

Schreibtischlade. Es wahr nur eine Banknothe drin un deswegn schtopfte

ich sie hibsch rund mit braunen Papir aus un ging zeitlich weg, damit

ich mir noch ein bischen Schpaß machn kann, befor di Schul anfengt.

Ich legte es auf den Flaster un ferschtekte mich hinter einer großn

Kiste, weil ich einen greßlichn altn Vagabundn kommen sah un wirklich

bemerkte er di Briftasche, schtopfte sie in seine Tasche un machte sich

so schnell ausn Schtaub, das er gar nich mehr hinkte, wi wenn er nich

eimal lahm wer. »Warte, du alter Schufft,« sagte ich, »wi wirs' du dich

gifftn, wenn du sie aufmachst!«

Dann schlenderte ich zu den Tellergrafnbiroh, weil ich den Beamtn dort

kenn, er is ein guter Freind fon mir, weil er schterblich in Elsbett

ferlibt is un ich borgte mir ein Kuwehr un einen Bogn Papir aus, wi er

grad nich hinschaute un ging bald darauf fort, weil ich zu Jim Schwarz

hinrennen mußte, der fihl besser schreibn kann wi ich un liß mir drauf

schreibn: »Dokter Moor, kommen sie schnell, Lilly sehr krank -- bereits

aufgegebn. Montagu« un gab es einem Bubn, es in der Potheke zu tragn,

grad so, das er noch zum nechstn Zug zurechkommt, wenn er sich tummelt;

dann lif ich henunter zur Schtatzjohn un ferschtekte mich hinter einem

Frachwagn, wi er zun Zug gelaufn kam. Oh, wi ich lachn mußte! Es wahr

ein greßlich guter Witz.

Ich wußte, das Tellergrafnpapir wird ihm glaubn machn, es is Erns. Jetz

wahr es so zu schpet in der Schul zu gehn un so konnt ich auch schon

den ganzn Tag wegbleibn. Ich nahm meinen Golddoller un pikte ihm mit

Schusterpech am Flaster, wi ich gesehn hab, das mans mit Pennys macht.

Eine Menge Leite ferbrenntn sich di Finger aber dann kam ein großer

Junge nahm ein Taschnmesser, kratzte ihm ab, machte eine lange Nase un

lif weg -- fui Teifl! Ich heiß das nich besser wi schtehln. Dann ging

ich beim Mihldamm foriber un schtekte den Kopf in Frau Jerns Haustor un

fragte sie, ob sie schon weiß, das ihr kleiner Benny im Teich gefalln

is -- un sie fing zu schrein an, wi wenn sie ferrikt gewesn wer un

fihl am Fußbodn -- so eine Nerrin! -- als ob sie nich hedte dran denkn

kennen, das der erster Aprill wahr.

Ich war firchterlich hungrich um der Zeit, wegn di baumwollenen

Fannkuchn un setzte mich auf einem Baumschtumpf um meine Zehnerjause zu

essn di Betti mir fir der Schule mitgegebn hadte. Es wahr ein reizendes

faschihrtes Schnitzl, was ich sehr, sehr gern esse. Ich biß ein großes

mundfoll ab -- es war aus Segschpehne un schwarzn Feffer gemacht --

so ein eklicher Quark! Ich weiß wers getan hat, es war Elsbett un so

schmiß ich es weg un ging weiter bis ich zu den Blumengertner kam, der

mich noch nich kennt, weil er noch nich lang hir is un ging henein.

Ich hadte di Karte fon der Tellergrafnbeamtn, di ich mir mit den

Papir zugleich ausborgte un ich sagte zu den Gertner: »Nehmen sie ihr

bestes un greßtes Bukeh, filleich um finf Doller, schtekn sie dise

Karte henein un schikn sies gleich fort zu Fräuln Elsbett Hacker. Die

Rechnung bringen sie nur ins Tellergrafnbiroh.«

Also that ers.

Wi ich henaus kam ging Fräuln Agnes grad foriber. Ich lif ihr nach un

sagte: »Fräuln Agnes, sie habn ihr feines Schpitztaschntuch ferlorn.«

Aber sie drehte sich nich um, weil sie sich erinnerte, das der erster

Aprill is un so schtekte ich es in der Tasche, weil sie es im erns

ferlorn hatte.

Jetz wahr ich aber schon ganz deschpraht hungrich un ging zum Kaufmann

Peters um mir um 1 Cent Erdnisse zu kaufn weil man fir so wenig Geld

sadt dafon wern kann. Ich kaufte mir auch ein par Rosihnen, Käs,

Ingwerbekerei, Raketten un ein Fund Dattl un liß es auf unsrer Rechnung

schreibn. Ich setzte mich auf dem Zahltisch un lachte iber Peters Witze

un unterhilt mich sehr gut. Er erzehlte mir was er fir Schtreiche

gemacht hat, wi er noch ein Bub wahr. Auf eimal schprang er in der

Hehe, wi wenn man auf ihm geschossn hedt.

»Was is das?« schrih er.

Ein diker, schwarzer Bach rann iberall am Fußbodn zwischn die Fesser un

Kistn herum.

»Filleich hat das Siruppfaß ein Loch bekommen,« sagte ich.

Er schaute scharff auf mir aber ich biß ruig in meinem Kes henein; also

lif er un wirklich hadte so eine unachsame Persohn es rinnen lassn.

Filleich 20 Liter fon den dikn Safft ronnen iberall herum. Ich wahr

schreklich ergerlich -- so eine Ferschwendung fon Sirrup!

»Ich wette, du hasts gethan, du Schlingl!« sagte Peters.

Er wollte mich pakn, ich wich aus, er trat in dem Sirupp schtolperte un

bumste nider. So was hab ich noch nich gesehn, wi der anschaute, wi er

aufschtand! Ich blib aber nich lang dort ihm zuzuhern, was er sagte --

Mamma hat mir immer gesagt, ich soll fortgehn, wenn die Leite schlechte

Dinge redn un so ging ich fort.

Dann wahr mir eine Weile sehr fad. Ich schtrolchte langsam weiter, un

suchte ob ich nich etwas seh womit ich mich unterhaltn kann, bis ich zu

den neu'n Bahndurchgang kam, wo di Arbeiter di Felsn schprengtn; aber

sie warn grad bein essn, weil es mittag wahr un ich dachte ich kennte

mir ein bischen Schpaß machn mit einer Kanne Pulver, di sie schtehn

lassn hadtn.

Es wahr eine neie Brike da -- so einen Krach hab ich noch nie gehert

was sie machte, wi sie in der Luft ging. Ich wer sicher erschlagn worn,

wenn ich nich im Tunell gewesn wer. So ein Danf! Uj! Di Luft wahr ganz

foll dafon. Man konnte kaum di Leite sehn, wi sie hergelaufn kamen un

das wahr ein Glik fir mir, weil ich mich firchtete wi's forbei war un

ich ferschtekte mich den ganzen nachmittag bis zum Nachmahl.

Es is sehr schlecht, Lign zu sagn, un ich thue es seltn.

Wi ich hereinkam, schprang Mamma auf un umarmte mich.

»Ich firchtete du seist mit in der Luft geflogn,« sagte sie atmlos,

»weil du nich in der Schul warst un wir dich nich findn konntn. Oh,

Schorschi es is etwas schrekliches passihrt -- di neie Eisenbahnbrike

flog in der Luft -- has du di Ixplosjohn gehert?«

Ich sagte ich hab etwas gehert um der Zeit wi Donner.

»Das wahr es,« sagte sie.

[Illustration]

»Wi is es geschehn?« fragte ich.

»Es is unerklerlich -- nimand weiß es.«

»Filleich,« sagte ich, »habn dise unforsichtige Arbeiter es mit ihre

Pulwerkannen gemacht.«

Papa kam hinein un sagte es heißt di Uhrsache wahr eine

Dinnamytixplosjohn.

»Es is ein Jammer,« figte er dazu, »so eine kosbare Brike!«

Dann gingen wir alle zum Nachmahl.

»Es is sonderbar,« sagte Susi, »der Dokter war heut kein einzges Mahl

hir. Ich ferschteh das nich!«

Elsbett hadte einen Liljenschtrauß auf ihrn Kleid schtekn eine Rose

in Haar, sie war schön angezogn un schaute so schtolz drein wi ein

Trutthahn.

»Woher has du sofihl Blumen, Elsbett?« fragte ich sie.

»Oh, es hat sie jeman geschikt,« sagte sie, un wurde ganz rot in

Gesicht.

»Aperpoh, Schorschi, has du filleich meine Briftasche gesehn? Ich

bin sehr besorgt, weil ich sie nich findn kann. Es wahr eine 100

Dollernothe drin, mein Brautgeschenk fir deiner Schwester. Ich firchte

irgnd ein Einschleicher hat sie geschtohln.«

Eine ein 100 hundert Dollernothe! Ich glaubte ich muß ohnmechtig wern

un trank ein folles Glas kaltes Wasser bis ich mich sofihl gesammlt

hadte, das ich sagn konnte: »Libe Mamma, ich dachte es is eine

1 Dollarnothe, ich hoffe, der Wagabund wird sie zurikbringen, wenn er

siht, was drin is. Ich wollte ihm nur zum 1. Aprill fopn.«

Die ganze Famili wurde blaß -- Mamma schtehnte. Susann sagte: »Oh

Godt!« wi auf eimal di Gloke klingelte un Betti den Papa eine Rechnung

fon Kauffmann brachte fir ein halbes Faß Sirupp fon den der junger Herr

Schorschi den Hahn umgedreht hat un fir einen nei'n Anzug, ein Fund

Dattl un 2 Loht Kes. Wehrend der Papa es las, kam der Dokter herein; er

schaute sehr erns aus, wi wenn er mid un ergerlich wer.

»Wo wars du den ganzn Tag?« rif Susi un schprang hin un umarmte ihm so

fest, das ich glaubte, sie will ihm durchaus erwirgn.

»Frag dem kleinen Engl, der da sitzt,« sagte er.

»Schorschi,« schrie Susann, »was unter der Sonne un dem Mond has

du wider angeschtellt nach deinen feierlichen Ferschprechn, dich

anschtendig zu benehmen?«

»Es gibt nur ein Midtl das ihm kurihrn kann,« sagte der Dokter greßlich

erns, »un mit ihrer Erlaubniß, Papa, will ich es nach dem Nachmahl an

ihm probihrn. Ich will ihm eine tichtige Dosis Pilln gebn, dann ihm

zur Ahder lassn, ein Semfflaster iber den ganzn Rikn legn un auf der

Brust eine Reie Blutegl setzn -- dann werd ich ihm klorohformihrn un

ihm beide Fiße abschneidn, das wird seine Schlechtigkeit auf eine Weile

zur Rue bringen. Ist es ihnen recht?«

Papa sagte ja.

Also lif ich sehr schnell in der Kiche un borgte mir fon Betti einen

Doller aus fir der Fahrkarte un rannte zum Deppoh henunter, so das

ich um 10 Uhr nacht bei Lil wahr. Sie wahr grad zu Bedt gegangen, aber

sie schtand auf un machte mir am Sofa ein sehr bekwemes Bedt. Oh, wi

sie lachte, wi sie mir erzehlte, was fir Augn der Dokter machte wi er

hereingerannt kam un sie beim Fenster sitzn un nehn sah!

Aber sie scheltete auch un liß mich fersprechn, es nie wider zu thun

wenn auch der erster Aprill is. Sie sagte, »tetliche Witze sin sehr

dumme, schlechte un beleidigende Dinge.«

So dachte ich also, es is besser, wenn ich nichs fon der Brike sage, es

tut mir wirklich sehr leid. Ich hab zusammgerechent un glaub, es zalt

sich nich aus.

Peters Rechnung 25 Doller.

Bukeh 5 "

Mammas Berse 100 "

Die Fahrkarte firn Dokter 2 "

Meine detto "

Eisnbahnbrike 30 000 "

Dennoch glaub ich is es nich recht einen kleinen Jungen die Fiße

abzuschneidn, weil er den erstn Aprill gern hat. Ich bat Lil dem Dokter

zu schreibn, er soll mir noch eimal ferzeihn; er sagt ein einziges mahl

will ers noch probihrn.

NB. Elsbett wahr so zohnig, das sie nich mal schprechn wollte mit mir,

wi ich zuhaus kam -- warum hat der dumme Tellergrafnkerl nich die

Rechnung bezalt, un's Maul gehaltn?

Tagebuch eines bösen Buben · 第 31 / 43 题