Er wird ausgeschlossen

Das wahr eine Ssene letztn Abens wi ich nachaus kam! Sie hadtn dem

Konduktehr gesagt er soll acht auf mir gebn, um die letztn Worte fon

den Professer warn: »Gebn sie nur gut acht auf dem Jungen, Konduktehr!

Er is ein ganz schreklicher Kerl. Ich mußte ihm fon meiner Akademih

auschlißn.« Un wie er kam, mein Billeh einzwikn, lachte er zu mir.

»Was has du gethan, Birschchen, das du ausgeschlossn worn bist? Du

schaust so unschulg drein, wi ein Lamm. Man sollte nich glaubn, das du

so ein godtloser Junge bist!« Un patschte mir dabei am Rikn.

»Oh, ich hab eine ganze Menge greßliche Sachn angeschtellt,« antwortete

ich ihm. »Ich machte dem Professer sehr große Auslagn in Perikn, aber

es war immer nur ein Zufall -- ich hab nie etwas zufleiß gethan, nie!

-- es war nur Pech. Ich bin sehr ungliklich,« figte ich dazu mit einen

tifn Seifzer. »Aber der letzter Zufall der mir passihrt is, hat den Faß

den Bodn eingeschlagn -- das heißt, der Frau Pitkins.«

»Gut,« sagte er, »wenn ich fertig bin komme ich zurik un du kannst mir

erzehln, wi dir das passihrt is.«

Also kam er dann zurik un setzte sich auf der andere Helfte fon Sitz.

»Mechtn sie glaubn, Herr Konduktehr,« sagte ich, »das man einen kleinen

Jungen -- einem wirklich gutn hibschn, kleinen Jungen ausschlißn kann,

blos weil er ein Schtikchen rohe Pastehtnrinde aus der Kiche genommen

hat?«

»Das wer wirklich zufihl,« sagte er so ein bischen in Gedanken.

»Nun, sie habns getan!« sagte ich. »Alles was ich gemacht hab is, das

ich ein Schtikchen genommen hab filleich so groß wi meine 2 Feiste

-- es wär nich mehr gewordn wi ein Schtik, so groß als Frau Pitkins

fir gesund fir einen Jungen helt. Ich nahm es henauf in mein Zimmer,

weil der Professer in der Schtadt untn ein Fisotgihforlesung haltn

mußte zu woltetign Zwek. Frau Pitkins war ganz allein un ich pakte die

Gelegnheit bein Schopff, wi sie in der Kiche war un der Kechin sagte

sie soll die Eier zu den Fischn zum Frischtik nich ferschwendn un

schmirte mir den Teig um das ganze Gesicht wi wenn ich eine Pasthete

wer un machte ein Loch hinein, wi die Kechin thut, wo mein Mund war.

Dann schlich ich in Frau Pitkins ihr Zimmer, setzte mich auf einem

Sessl in der Ecke un nahm ein Leintuch iber mir, so das es bis auf der

Erde henunterging. Es wahr finster im Zimmer, un wi sie heneinkam mit

der Lampe fihl das Licht grad auf dem Geist. Si fing zu schrein an un

lif dafon. Alles wer ganz gut gegangen un nichs geschehn, nur liß das

dumme Fraunzimmer die Lampe falln un sie machte einen großn Fettflek am

Teppich un ihr Kleid fing zum brennen an. Sie wär ferbrannt, aber Jack

schmiß im Forhaus seinen Iberrok iber ihr un sie hadte grad nur eine

Blase auf der Hand, aber das Kleid wahr hin -- es war ein ganz neies

-- un for Angs krigte sie hesterische Kremfe un sagte, sie weiß jetz

ganz gut, warum meine Mutter mich in der Schule geschikt hat, aber sie

mechte mich nich um 10 000 Doller in Gold behaltn. Es wahr mir sehr

leid, um ihr neies Kleid un ich wollte ihr mein golnes finfdollerschtik

gebn, damit sie sich ein andres kaufn kann. Sie nahms aber nich. Sie

sagte, sie wird es schon auf der Rechnung schreibn. Oh Godt, oh Godt!

Was wird Papa sagn, wenn er die Rechnung siht! Es sin mir so fihle

Mallehre passihrt! Immer bin ich in der Patsche!«

»Herr Konduktehr, brauchn sie keinen Jungen fon meiner Greße um

Zeitungen auf der Bahn zu ferkaufn, oder Schinknsemmel oder Malzbombon?

Ich mechte mich gern selbs erhaltn kennen, ich hob schon sofihle

Auslagn gemacht!«

Er sagte, zu den Geschefft braucht man greßere Jungen.

»Un jetz mein Junge,« sagte er, »bleib ruig auf deinen Sitz, da has du

eine Zeitung mit Bilder, schau sie dir an. Ich werde manchmal schaun

kommen, wies dir get.«

Ich bedankte mich sehr heflich bei ihm. Grad wi er im nechstn Wagn gehn

wollte, kam ein Junge mit Bombons. Ich kaufte 4 Pak un gab ihm einen

Doller. Ich dachte mir ich wer das Geschefft auch probihrn, un wi er

fort wahr, schprang ich auf, ging den Gang henunter un rif »Bombons

gefellig!« wi er.

Die Leite lachtn, aber keiner wollte kaufn, ich machte also die Thir

auf un ging auf der Pladtform weil ichs im nechstn Wagohn probihrn

wollte.

Es wahr greßlich windig un ich glaube di Wagohns wakltn sehr schtark,

weil das nechste, was ich weiß, is, das ich aus einen Schneehaufn

herauskroch. Meine Ohrn warn foller Schnee, mein Mund auch -- es war

schreklich! Der Zug wahr schon weit weg -- er fuhr wi der Blitz -- un

ich wahr ganz allein auf einen Feld.

Fräuln Haven weinte, wi ich aus der Schule wegmußte un gab mir ein

Schtik Kuchn auf den Weg mit; ich hadte es in der Tasche un nahm es

heraus un aß es. Auch ein Pak Bombon hadte ich, un hilt es noch immer

fest in der Hand. Ich dachte mir, ich werde es essn un wenn ich schon

zutot ferhungern muß, wird es wenigstens nich so bidter sein -- wi

ich auf eimal ganz erschtaunt seh, wi der Zug rikwerts kommt, wi ein

Krebs. Ich mußte lachn; der Konduktehr, alle Bremser, der Inschenehr

un der Heizer alle lehnten sich heraus, um meine Schtike zu suchn un

di Fenster wahrn offn un di Passachihre schtektn die Kepfe hinaus.

Filleich 200 Leite kamen heraus, wi der Zug schtehn blib.

Der Konduktehr war so bleich wi ein Geschpens aber wi er mich Bombons

essn sah, wurde er ganz schreklich zohnig.

»Schau, das du henaufkommst!« sagte er, »ich hab schon 10 Menutn

ferseimt. Geh henauf, du kleiner Schlingel! Was machst du für Schpeße

mit uns?«

»Es tut mir sehr leid, Herr Konduktehr,« sagte ich. »Ich wers nich

wider tun. Ich wollts gar nich thun, ich bin nich schuld, nur der Wagn

-- er waklte so.«

Er schtiß mich henauf un es wahr firchterlich ungenehm, wi di Dahmen

alle iber mir weintn un meine Hende un Fiße angriffn ob ich nich

zerbrochn bin. Ich mußte alle Gedankn an dem Bombongeschefft fir den

Momennt aufgebn aber ich nahm mir for etwas anzufangen um mich selbs zu

erhaltn, wenn mir noch eimal etwas passihrt.

Du sihst, libes Tagbuch, ich durfte den Konduktehr nich erzehln weswegn

ich wirklich ausgeschlossn worn bin, weil er geglaubt hedte, ich habs

zufleiß getan. Nur ein sehr, sehr beser Junge konnte an einer Dahme wi

Frau Pitkins, so ein impertenentes Wallentin schikn. Das, welches ich

an Fräuln Haven schrib hadte 2 Taubn drauf un es wahr so:

»Ich wer fersuchn, besser zu wern un alles thun, was Sie winschn

fon Ihren, sie libendn kleinen Freind

=Schorschi=.«

Frau Pitkins bekam eins, worauf schtand:

Rot is di Rose

Das Feilchen blau,

Aber wi Essig

So sauer die Frau.

[Illustration]

Kann sein, das Jack es geschikt hat, aber sie sagte, es is meine

Schrifft. Es lag ihr nichs an den Brifchen; das war noch gar nichs.

Weßwegen sie einen Schpektakl machte wahr das: Irgnd ein Junge hadte

ein Schtik Fleisch auf einem Fischhakn geschteckt un damit ihre

Maltehserkatz gefidtert, aber auch das hedte noch nichs gemacht, aber

er wahr auch in der Glaskugl fischn gewesn un zog alle Goldfische

heraus, doch das hedte sie noch ertragn kennen, wenn er nich am

Sonntagnachmidtag schleifn gegangen un in einem Loch eingebrochn wer

so das man ihm ohne Atem herauszihn mußte, un er ein solches Quatsch

machte mit seinen nassn Gewand, das sie sagte ihre Nerfn kommen in

einer traurign Ferfassung. Sie wahr ganz weg. Sie konnte es nich mehr

aushaltn -- besonderst wi er sich am nechstn Tag das Gesicht un die

Hende mit Dinte schwarz machte den Kichbesen nahm un im Schornschtein

fom Wohnzimmer henaufkledtern wollte, aber henunterfihl un sich eine

Beile am Kopf schlug, so groß wi ein Gansei -- aber das alles hedte

sie fergebn un fergessen, wenn er nich ein Schtik Papir auf ihrem

Rikn geschpendlt hedte, auf den schtand: »Das is das Faß, welches

bein letztn Tropfn iberging.« Aber das wahr nur Schpaß un sie hedte

sich nichs draus gemacht, wenn er nich alle die komische Vögl aus den

Werterbuch herausgeschnidtn un alle in einer lange Reie auf der Wand

hinter seinen Bedt aufgepikt hedt, damit er was zur Unterhaltung hat,

wenn er zeitlich aufkommt -- un wenn er nich di goldnen Augngleser

fom Professer zerbrochn hedt, wi er sie der Eile in der Biblotehk

aufsetzte, so das sie henunterfihl, un sich enlich nich angewehnt

hedte, genau so wi der Professer zu hustn un wi er nur in ihr Zimmer

heneingeschikt wurde um seine Gografih besser zu lernen nahm er ihre

Nachjacke zog sie dem Pintsch an un machte ihm heuln, das er weglif un

sie durch dem ganzn Ort schlepte.

Wi also der Konduktehr zurikkam, hadte er schon fergessn, wegn die

ferseimten 10 Menutn zohnig zu sein. Nein, wi das alte Ding fortsaußte!

Aber ich dachte es is besser, wenn ich nich mehr fon den früeren rede

un er sagte: »Junge es is ein großes Glik, das du auf einem Schneehaufn

gefalln bist! Das kenntes du nich zum 2. mal fersuchn. Ich glaube, du

bist zum Hengen geborn.«

Dann erzehlte ich ihm, wi ich damals in dem Frachwagohn dafonlif un fon

den freundlichn Bremser.

»Wenn sie zuhaus ergerlich sin, weil ich zurikkomm, werd ichs ihnen

sagn lassn Herr Konduktehr« sagte ich, »dann mechte ich bei ihnen

wohnen.«

»Da wirds dir nich sehr gut gehn,« sagte er, »ich bin ein alter

Jungesell.«

»Desto besser,« sagte ich, »so wird ihre Frau nich dabei sein, um uns

zu ergern. Meine Schwestern sin wirklich libe hibsche modische Medchen,

aber einen Jungen wolln sie garnix erlaubn. Sie lassn mich nich Balln

schpiln im Sallohn, wenns regent, oder mich unterhaltn wi ich will.

Sie mechtn mich gern auf einen Sessl fon Pech festsezn, damit ich nich

aufschtehn kann.«

»Sagn sie, Herr Konduktehr, habn sie denn einen Korb bekommen, das sie

noch Jungesell sind?«

Er seifzte un schaute ein bischen traurig aus. Aber bald wahr er wider

lustig un fragte mich ob meine Schwestern bein Deppoh sein wern um mich

zu erwartn. Ich wußte es nich un konnte ihm keine Antwort gebn.

»Ich hädte sie gern ein bischen gesehen,« sagte er. »Wir sin schon da,

mein Junge.«

Etwas kam mir in der Kehle, wi ein Schtik Knochn. Ich schaute eifrig

henaus, wi ich das Schild sah iber Peters Ladn un den Weichnwerter

mit den helzernen Bein un das Deppoh -- ich hedte geweint, wenn ich

die Trenen nich fest zurikgedrikt hedte. Der Herr Konduktehr schtand

beim Trittbrett, damit ich sicher henunterkomm un da wahr Susi,

greßlich hibsch mit einen nei'n Hut un einen Sillskinnmantl un Elsbett,

wirklich auch sehr lib un sie wollte mich umarmen un kissn un rif: »Oh

Schorschi, du nichsnutziger, schlechter, liber, guter Junge laß dich

kissn!«

Ich sagte: »Herr Konduktehr, das sin meine Schwestern aber sie sin

schon beide ferlobt. Das tut mir leid eiretwegn. Adjeh, kommen sie

eimal un besuchn sie uns. Sind meine Schwestern nich hibsch?« un er

griff am Hut un lachte un der Inschenehr un der Bremser un alle rifn:

»Hurrah! Adjeh Schorschchen!« un das war sehr heflich fon alle.

Betti war auch drunten bein Deppoh un lachte un weinte, wi eine Gans.

»Du hast uns sehr gefelt Schorschi, es wahr schreklich ruig zuhaus un

kein schlechter Junge da, der uns was zu tun gegebn hädt.«

»Wirklich, das is wahr,« sagte Susann. »Wir habn ein fedtes Kalb

geschlachtet fir den widergefundnen ferlornen Sohn -- es is schon

gekocht un schteht am Tisch« -- aber es wahr nich eimal Kalbfleisch,

sondern gebakener Truthahn mit Sulz runderum, gereste Austern, kalter

Schinken, schwimmende Insl, Kuchn, Eingemachtes -- eine ganze Menge.

Ich aß, wi wenn ich nichs als gederrte Apflpastehte gegessen hädt,

seit ich fon zuhaus fort bin, nur Papa schaute erns drein, wi er die

Rechnung fom Professer las un Mamma wurde ganz blaß, wi ich dem Dokter

erzehlte, wi ich fom Wagohn heruntergeschmissn worn bin. Dokter Moor

war sehr erfreit mich zu sehn -- auch unser Hund, er kommt oft zu uns,

weil er un Susi im Frihjar heiratn solln.

Nach dem Nachmahl sagte Papa: »Schorschi, ich winsche, das du jetz ein

neies Lebn beginns, du wirst jedn Tag elter. Fersuche, nich so fihle

Dummheitn anzuschtelln. Denke zweimal, befor du einmal handlst --« di

Thir fihl grad zu un wollte dem Hund den Schwanz einzwikn un er rif

schnell: »halte sie auf, Schorschi!« aber ich wartete, weil ich zuers

2 mal denkn wollte, un den Hund sein Schwanz war weg.

Der Dokter sagt, ich soll bei ihm Medezihn schtudirn bis ich groß

bin. Sein Etwi, wo er di Medezihnen drin hat, war in der Tasche fon

seinen Iberzier im Forhaus, un ich dachte mir, das is eine gute

Gelegnheit, gleich zu doktern anzufangen un nahm ein bißchen weißes

Pulwer aus einen kleinen Fleschchen un gab ein winziges bischen meinen

Eichhernchen ein. Heite nachmitag hab ich es begrabn -- Hansi wahr bein

Begrebnis.

Oh, wi hibsch un gemithlich is mein Zimmer! Wi siß hab ich letzte Nach

getreimt! Betti is fedter wi je -- sie is ein sehr libes Medchen. Mein

Herz is foll. Ich will fersuchn, nie, nie wider was anzuschtelln, so

lange ich lebe un atme un damit gute Nach, mein Tagbuch.

NB. Hansi un ich nahmen Susanns Arbeitskestchen, das der Dokter ihr

zu Weinach geschenkt hat, um mein Eichhernchen drin zu begrabn. Ich

glaube, Susi wird es nich recht sein, aber der arme Benny muß doch

einen Sarg habn -- es wahr ein sehr hibscher Sarg.

»Mein Gott, es war die Katze!«

Dokter Moor un Susi habn ihre Ferlobung aufgehobn. Es is ein

schreklicher Ferlust fir Susi, weil sie die ganze Auschtattung

schon fertig hadte. Ich firchte, sie wird aus der Mohde kommen,

befor sie einen andern findet, der so gut is wi der Dokter, der ein

ausgezeichneter Mensch is, wi ich glaube, un die Mohdn weksln so

schnell.

Der Hochzeitkuchn soll aber nich ferderbn, solang Hansi un ich wissn,

wo er aufgehobn is. Es is ein prachfoller Kuchn un sehr nitzlich fir

einen Jungen, wenn er schleifn geht, oder bis zum Nachmahl nich nachaus

kommen will.

Letzte Woche wahr wider eine Anzeige in der Zeitung -- Susi weinte

deswegn bis ihre Augn so rot warn, wi Hansis wi ich rotn Feffer in den

Backofn fon seiner Mutter schtreite. Ich glaube, schwarzer Feffer hedte

nich so rot gemacht. Die Anzeige wahr so:

»Große Aufregung herrscht in der bessere Gesellschaff iber ein Gericht,

das eine gewisse Heirat in fornehmstn Kreise nich schtattfindn

soll. Nach unsrer posetiwn Kenntnis sind die Einladungen gedrukt un

beina alle verteilt, aber di Beteiligtn schprechn nich miteinand.

Die Uhrsache dises pletzlichn Wechsls im Programm is nich in der

Öffntlichkeit gedrungen -- sofihl is gewiß, das es nich die Schuld des

Herrn is.«

Arme Susi, du dauerst mich! Wi fro bin ich, das sie nich fermutet ihr

Bruder setzte es in der Zeitung! Ach, wi traurig is es, ein schlechtes

Gewissn Tag fir Tag mit sich herumzutragn. Ach! ich bin di Uhrsache,

das dise Ferlobung aufgehobn wurde. Alles wer fridlich un ruig, hedte

Susi nich einen so schlechtn Jungen zun Bruder. Un denoch glaub ich,

das diser Edisn oder wi er heißt mehr Schuld is wi ich. Warum setzte er

sich hin un plagte sich, bis er das ellektresche Licht erfundn hadte?

Sie habn nemlich alle dafon geschprochn, un wi fihl sich Herr Edisn

damit ferdinen wird un was es fir ein Ding is un der Dokter erzehlte,

das er eine Badterih in seinen rikwertign Ladnzimmer hat, was ich schon

wußte, weil er mich eimal den Griff in der Hand nehmen liß un es wahr

sehr schpaßig -- deswegn erzehlte ich es Henschen in der Frih, un er

un ich wartetn bis der Dokter in seinen Zweiradler wegfuhr un dann

klettertn wir durch das Fenster in den rikwertign Ladn un ich goß ein

bischen aus einer Flasche henein, wi der Dokter es gemacht hat und gab

Henschen di Griffe zu haltn un er schprang in der Lufft un fihl dann

nider un schtrekte sich aus.

Ich schrie, er soll die Griffe auslassn, aber er sagte kein einziges

Wort, wi wenn er tot wer un ich nahm ihm die Griffe aus der Hand un

sagte ihm er soll sich aufsetzn, aber er herte mir nich zu un ich

firchtete mich, weil ich ihm sehr lib hab un holte ein paar Menner,

die auch durchs Fenster kledtern mußtn. Sie schpritztn ihm mit Wasser

an un sagtn ich bin ein schlechter Junge -- sie glaubtn ich hab ihm

umgebracht un trugn ihm nachaus un seine Mudter wollte nich einmal

schprechn mit mir. Ich glaube, sie hädte dankbahr sein solln, das er

enlich nach langer, langer Zeit zu sich kam. Fom Dokter krigte ichs

greßlich. Er sagte, ich runihre ihm seine ganze Prakses -- di Leite

firchtn sich, seine Medizihnen zu nehmen aus Angs, ich habe die Hende

dabei gehabt -- un das ich ein so liber, kleiner Junge bin, wi nur

meglich, wenn ich mich anschtendig benehm, aber ich soll seine Sachn

nich anrihrn.

Ich sagte ihm, es thut mir sehr leid -- ich werde es auch nich wider

thun. Ich wollte mein Ferschprechn auch wirklich haltn un wi ich das

nechstemal bei ihm wahr, bemerkte ich eine Maus di immer in un aus

ihren Loch kroch. Ich dachte, ich will ihm eimal eine Gefellikeit thun,

weil ich ihm schon sofihl Schadn gemacht hab -- un wi er am Abens zu

uns zum Tee ging, schtekte ich die Katze im Ladn, damit sie schnell di

Maus fangt un der Dokter sie nich sehn soll. Er ging zu Susi auf Besuch

nach dem Nachmahl un ich fermutete, er wird zimlich lang dort bleibn.

Wi er zur Potheke zurikkam, wo er im rikwertign Zimmer schlaft, herte

er die greßlichste Katznmusik, wi wenn 1000 Katzn jammern mechtn. Er

schperrte die Thir auf un zindete so geschwind er nur konnte ein Licht

an.

Arme Miez! Die Maus war auf der Stellasch geschprungen, un sie ihr

nach, weil alle Flaschn heruntergeschmissn un zerbrochn wahrn --

so eine Beschehrung war noch nich da! die heßliche Medezihn auf

seinen neien, hibschn Teppich -- aber der armen Miezekatze gings am

schlechstn. Eine Flasche mit Witreol war zerbochn un sie hadte dem

Fuß heneingeschtekt, kein Wunder, das sie miaute un herumschprang wi

ferrikt, so das sie dem Dokter wi er hereinkam grad ins Gesicht fuhr,

aber er hob zum Glik den Arm auf -- das redtete ihm die Augn -- so das

sie blos seine Nase un Schtirn zerkratzte -- das machte ihm so komisch

ausschaun am nechstn Tag -- un wi er sie zuletz abschittlte, schprang

sie direk zur Thir un nimand hat sie seitem gesehn. Das schrekliche

Witreolöl fraß ein großes Loch im Teppich, was noch nich so arg gewesn

wär aber es fihl auf dem Sofa, befor es auf dem Fußbodn rollte un goß

eine Menge fon den greßlichn Schtoff über seinen neien Anzug, dem man

ihm am selbn Tag gebracht hadte un in dem er heiratn sollte. Er wahr

ganz runihrt. Ich glaub es wer noch nich so schlecht gegangen -- arg

wi es wahr -- nur fing Susi, wi er am nechstn Morgn kam, um den Unfall

zu erzehln, so zu lachn an, wi sie sein Gesicht foll Hefftpflaster sah

un seine Nase 2 mal so groß wie gewehnlich, un sie lachte un lachte

wi wenn sie nich aufhern kennt, bis er sagte: »Es mag fir sie Schpaß

sein, Fräuln Hacker, fir mich is es der Tod. Ich habe genug fon ihren

kleinen Bruder gehabt un auch fon ihnen -- wenn das der ganze Dank is

fir das, was ich schon hab ertragn missn. Ich glaube nich das ich in di

Familjeh eines Jungen wi Schorschi heiratn werde. Un so lebn sie wohl

Fräuln Hacker -- fir immer!« un er schlug di Thir sehr fest zu un ging

so schteif weg, wi wenn er gefrorn wer.

Dann aber ferging Susi das Lachn -- aber es wahr alles umsons -- er

wahr nich bei uns seitdem, un das is 2 Wochn her; so schikte ich also

ferschtohln di Anzeige zu der Zeitung un sie wird gewiß heneingesetzt

wern.

Die ganze Familjeh is withend auf mir wegn der Katze un ich hab es doch

nur in der bestn Absich gethan. Wer hedte es foraus wissn kennen, das

Susann als alte Jungffer schterbn wird, blos weil ich di Katz in der

Potheke fon ihren Bräutegamm liß, um eine Maus zu fangen? Das is nun

einmal mein Pech. Ich bin ein sehr ungliklicher Junge. Susi ißt nich

eimal sofihl wi ein Vogl zum lebn braucht un Elsbett orfeigt mich jedes

mahl, wenn sie nur nah genug kommt, grad als ob der Dokter auch nur ein

bischen früer zurikkäm, wenn sie mich orfeigt. Susann sagt, sie kennte

ihm alles fergebn, bis auf dise Anzeige in der Zeitung: »es wahr nich

die Schuld des Herrn.« Gut, war es filleich? Das sagte ich ihr auch,

aber ich hoffe un bete, das sie es nich endekt, wer es gethan hat. Ich

hab schon genug angeschtellt, ohne erwischt worn zu sein; das were der

Kipflpunkt.

Gestern hadte Susi wider ein bischen zu weinen, di Medchen warn in

ihren Zimmer un ich ferschtekt in ihrer Kammer nebnan, weil ich grad

einen fon ihre Gummischue in Schtreifn zerschnidt, um mir einen Balln

draus zu machn, un ich herte wi Elsbett ihr sagte, das man sich erzehlt

der Dokter ginge jedn Abns zu Agnes Schtein.

Fon Agnes sagt man sie is das hibscheste un modischte Medchen in der

Schtadt. Unsre Lil is ferheiratet un weg; un so wahr Susi firchterlich

eifersichtig un weinte bis sie nich mehr konnte un wollte nich zum

Nachmahl henuntergehn, so das ich nich wußte wi ich aus der Kammer

herauskommen soll. Ich glaubte ich muß zutot hungern, aber wi es sehr

finster wahr schlipfte ich henaus, so schtill wi eine Maus. Wi sie

ihrn Gummischuh nich fandn, sagte Elsbett immer, eine Ratte muß ihm

weggeschlept habn, um drin zu schlafn.

Wi ich allein mein Nachmahl aß, nur mit Betti, di mir ein Schtik

Pastehte brachte, die sie nich mehr zum Essn brauchte, iberlegte

ich mir, ich bin zu schlecht etwas zu essn, außer Pastehte un noch

ein Schtikchen Kuchn, wenn Susi sich obn mit langsamen ferhungern

selbsmordn will, un dachte mir, wenn ich irgend was thun kann, um das

Unglik gut zu machn, das ich angeschtellt hab, so will ichs thun. Ich

sagte zu Betti: »Sage den Leutn, sie solln nich besorgt um mir sein --

ich geh nur zu einen Freund un bin in einer halbn Schtunde wider zurik.«

Damit schlipfte ich aus den hintern Thor. Filleich 10 Menutn schpeter

leutete ich bei Richter Schtein.

»Is Fräuln Agnes zuhaus?« fragte ich.

Sie sagte ja un so fragte ich, ob ich sie einen Momment sehn kann. Sie

sagte: »Geh nur in den Sallohn hinein.«

Ich nahm dem Hut ab un ging henein.

Fräuln Agnes wahr bei den Peano, großartig angezogn, das Haar

herausgeputzt, di Wangen rot.

Sie fing zu lachn an, wi sie mich sah.

»Wi gehts dir, Schorschchen?« sagte sie.

Tagebuch eines bösen Buben · 第 28 / 43 题