»Es is einer!« sagte sie. »Ich schpir, wi er sich unter der Matraze
herum bewegt. Pitkins, schteh auf! Feier! Merder! Dibe! Oh Pitkins,
zind ein Licht an!«
Er sagte ihr, sie is eine Nerrin. Grad den Augnblik schtiß der Reiber
mit den Rikn auf der Matraze unter ihm. Er schprang auf dem Fußbodn, wi
ein Gummiballn. Sie wollte ihm nach un schnappte dabei um Luft, aber
sie purzlte um, un wahr so erschrokn, das sie nich wider aufschtehn
konnte un schrie dabei, der Einbrecher bringt sie um, er helt sie bei
der Gurgl. Deswegn lif Herr Pitkins schnell im Forhaus un rif Jack
Benze un noch ein paar große Jungen. Sie machtn Licht. Es war zum
lachn wi sie ausschaute mit di Haare in Papir gewiklt un mit einer
flanellne Nachtjake. Jack leichtete unter dem Bedt. Es war nimand
druntn, weil ich mich in finstern henausgeschlichn hadte un schon fest
schlif wi Jack zurikkam. Jetz is wider alles ruig. Dises eimal wahr der
kleiner Schorschi nich in der Affehr ferwiklt. Frau Pitkins hat ihre
Busnnadl un seine Hemdknepfe in einer Kassa in der Schtadt geschikt.
Ich hoffe es wird ihnen nix passihrn. Es were ein schreklicher Ferlust.
Ach! zu denkn das Schorschi der Libling seiner Mutter so ein langes
ekliches Ding sen soll wi ein Kleptomahner! Das is das neiste Ereignis.
Ich bin einer. Gestern mußte ich den ganzen Tag mit einen Papir auf der
Schtirn herumgehn auf dem geschribn wahr:
»=Kleptomahner=.«
Das heißt, man kann sich nich zurikhaltn Sachn zu nehmen. Wi ich dazu
kam, einer zu sein, war so. Ich hab dir erzehlt theires Tagbuch, fon
den Ofnrehrnloch iber Frau Pitkins ihrn Schreibtisch.
Gut, sie besuchtn meinen Koffer so gut wi di fon die andern Jungen um
herauszufindn, ob es Radtn warn oder Geister, oder was es wahr. Das
war eine schöne Bescheerung, was sie alles in meinen armen kleinen
Koffer fandn! Frau Pitkins Lohrnette, Schpitznkragn, Schönheitswasser,
2 Schteknadlpolster, 6 Taschnticher, 1 Kideparih, 1 Flederwisch,
1 Redekühl un eine Briftasche mit 50 Cent drin, ein zugebundnes Pakett,
das si grad eingekauft hadte, ein par neie Kamaschn un zuletz aber nich
als wenigstes Professer Pitkins silberne Uhr un seine neie Perike, um
die er tellergrafihrt hadte, wi ich seine alte im Ofn schtekte, un di
er unforsichger Weis am Schreibtisch lign liß, wi er in der Badwanne
schtig un fon der sich niman erklern konnte, wiso sie ferschwundn wahr,
hechstens das di Radtn sie ferschleppt habn, un das war ein schwerer
Ferlust. Sie kostete 20 Doller, außer das es noch so ungenehm wahr,
bei kaltn Wedter so kaalkepfig zu gehn. Also sagtn sie, ich muß ein
Kleptomahner sein.
Aber ich mechte wissn, wi ein kleiner Junge mit einer Nadl an einer
Schnur iber einen offnen Ofnrehrnloch schtehn soll, ohne zu fischn,
wenn di Lufft rein is! Ich wollte die Sachn ja zurikgebn, wenn
Gelegnheit is, aber sie sagn ein Kleptomahner gibt oft die Sachn wider
zurik un das macht es noch klahrer, das ich einer bin. Also is das Loch
zugeschtopft worn un alles is wider so fad wi früer.
Jedn Freitag ziht der Professer einen reinen Kragn an un di Leite
kommen nachmittag aus dem Ort zur Prifung. Ein paar Jungn lesn Aufsetze
for, ein paar sagn Gedichte auf, di sie auswendig gelernt habn un mehre
sagn zusammen etwas auf.
An den Tag birstet Fräuln Haven mir di Haare un kißt mich un sagt ich
bin sehr hibsch in meinen neun Gewand. »Nun sei ein brafer Junge,
Schorschi, un ich wer schtolz auf dir sein!«
Ich hab sie so lib, wi meine Schwestern, außer Lilly. Ich hoffe ihr
Schiff wird bald im Hafn laufn. Ich werd sie besuchn, wenn es is.
Ich mechte wissn, ob sie auf den Schiff wohnen wird. Ich hoffe.
Heute sollte ich etwas aufsagn. Ich schtig auf dem Podeum, machte
eine Ferbeigung un sagte es sehr laut. Frau Pitkins hadte mir es
aufgeschribn. Es war iber der Schule. Sie schrib mir auf:
»Wi gliklich sin unsre Schultage! Di gliklichsten unsres Lebens.
»Kleine Jungen, deren Eltern es aufwendn kennen, ihre Kinder in eine
gute Schule zu gebn, solltn der Forseung sehr dankbar sein. Die armen
Kinder der Schtraße sehnen sich fergeblich nach solchem Glik. Wir
soltn es uns zu Herzn nehmen solang unser Geist jung un emfindlich
is: -- Unsre Nazjohn ferdankt ihre Greße nur ihren forziglichen
Erziungsmittln, unter welchn di Erziungsanschtalt fir Knaben zur
Forbereitung fir die hehern Schulen den ersten Rang einimmt.«
Das hadte Frau Pitkins geschribn. Ich hab es hir zum abschreibn in mein
Tagebuch. Ich kann nich lign. Ich iberschrib es also, wi ich es habn
wollte un las es sehr laut und schnell for. Sie wußte nich das ich es
abgeendert hadte:
»Die Schule. Die Schule is schreklich. Kleine Jungen dern Eltern si in
der Schule schikn, sin zu bedauern. Die armen Kinder auf der Schtraße
unterhaltn sich besser. Sie schpiln fon frih bis abens templhipfn un
Kugeln. Ich mechte liber ein Schtraßnjunge sein.
»Erziungsanschtaltn sin die schlechsten. Budter oder Eingemachtes krigt
man nur eimal, Haferbrei is mehr da zum essn, als sons was. Man muß
auf dem Kopf in der Ecke schtehn wenn man nur das geringste thut. Wenn
ich groß wär un eine Schule hädt, ich wer nich so widerlich, wi Frau
Pitkins. Das is alles was ich fon der Schule weiß.«
Ich glaub die Leite fandn es fir sehr gut fir so einen kleinen Jungen.
Alle lachtn; der Professer un Frau Pitkins lachtn auch, aber so, wi
wenns ihnen weh thäte. Wi sie wegwarn, un ich mir grad die Rihmen auf
meine Schlidtschue festmachte, damit ich den ibrign nachmittag noch ein
bißchen Schpaß hab, kam Frau Pitkins zu mir un sagte sehr siß:
»Du brauchs dich nich zu bemihn mit deine Schlidtschue, Schorschchen,
du kanns den ibrigen nachmidtag im Schulzimmer bleibn un addihrn. Warum
has du das abgeendert, was ich geschribn hab, du godtloser Junge? Du
mußt fon Natur aus ferdorbn sein. Wenn dein Fater fir 2 Jungen bezaln
mecht, wer es noch kein Ersatz fir di Mihe so einen schlechtn Jungen
bei sich zu habn, der die andern Schiler ferdirbt!«
[Illustration]
Sie fiehrte mich zum Schulzimmer, schtiß mich henein un ferschperrte
die Thir. Ich hadte mich die ganze Woche auf Freitag gefreit. Ich
konnte hern, wi di andern Jungen jauchztn un sich unterhiltn. Das
Feier wahr ausgegangen. Ich hadte so Heimwe, das ich glaubte ich muß
in 10 tausend Schtike zerschpringen. Bei jeder Zal di ich addihrn
wollte, fihln mir die Trenen auf der Tafl, das ich den Schwamm gar nich
in Wasser zu tunkn brauchte. Meine Finger warn so schteif, das ich das
Ofnthirl aufmachte um zu schaun, ob das Feier noch brennt -- es wahr
grad nur eine Kohle mehr drin. Ich zerriß ein Schreibheft un legte das
Linjahl drauf; es brannte wunderschehn. Ich schmiß noch eine Menge
Rithmetikhefte drauf bis mir ganz warm wahr. Wi ich aber die Ofnrehre
fest machn wollte, fihl das alte rostige Ding herunter. Ich konnte sie
nich mehr festmachen. Der Rauch wahr greßlich. Ich schrie, weil es so
in die Augn biß; dann fing ich an zu erschtikn. Ich pumperte an der
Thir un rif Frau Pitkins sie soll mich herauslassn. Aber sie wahr mit
den Schlißl in der Tasche in der Schtadt gegangen. Fräuln Haven sagte
ich soll ein Fenster aufmachn un den Kopf henausschtekn, bis sie einen
Mann findet, der aufmachn kann. Aber die Fenster warn fest eingefrorn
un wolltn sich nich rihrn. Fräuln Haven draußn wahr greßlich außer
sich. Sie schrie herein: »Schlage ein Fenster ein, Schorschi, befor du
erschtikst!«
Ich fihlte mich ganz erleichtert, wi ich das herte. In zehn Menutn war
nich eine ganze Scheibe in alle 5 Fenster. Ein Mann kam un brach di
Thir auf. Der Professer war bleich for Wut, wi er di Ferwistung sah.
»Warum has du alle Scheibn zerbrochn, du kleiner Dummkopf?« fragte er
mich. »Ich werde eine Woche brauchn, das Zimmer wider in Ordnung zu
bringen. Ich werde die Rechnung aber schon deinen Fater schikn!«
»Adonijab,« sagte Frau Pitkins, »glaubs du nich es wer gescheiter den
Jungen gleich mit der Rechnung zu schikn? Wir sind runihrt, wenn wir
ihm bis zum Termihn behaltn. Er is erger wi die egiptischn Plagn.
Ich winsche, ich hedte ihm schleifn gehn lassen. Filleich wer er
eingebrochn un hedte sich ertrenkt.«
Nimand scheint mich zu brauchn. Meine Leite habn mich hergeschikt
weil sie mich nich zuhaus habn wolln, un jetzt winscht Frau Pitkins,
ich wer tot. Ich hab mirs iberlegt, was ich tun wer. Ich hab eimal in
der Zeitung gelesn: »Ein gesunder Knabe zu adobtihrn gesucht.« Ich
werde der Zeitung einen Brif schreibn, damit mich jemand adobtihrt.
Ich will sagen ich bin gesund. Es wird sich nimand treimen lassn wi
schlecht ich bin. Sie werdn mich fir einen gutn kleinen Jungen haltn.
Schön angefoppt! Ich wers heut abens schreibn. Jack wird mirs zur
Zeitung tragn: »Ein gesunder Junge winscht adobtihrt zu wern. Auf gute
Behandlung wird mehr gesehn als auf Bezahlung.«