Wi traurig is es Heimwe zu habn! Lezte Nacht war ich lang, lang wach --
mehr wi einer halbe Schtunde -- un dachte an Betti un ihrn schilaugign
Ferehrer zuhaus in unsrer Kiche. Un hir war ich -- ein armer kleiner
Bub, ferbannt fon den Heim seiner Fäter, so krank un mid fon der Welt,
mir schmekte nich einmal das Ingwerbrot, das sie uns zum Nachtmahl gabn.
Oh Mamma, schike her un laß deinen armen Schorschi nachaus holn! Ich
kann es nich ertragn wi der Professer Pitkins iber mein bukschtabirn
redet. Ich kann das gehakte Fleisch un den Haferbrei nich fertragn, den
sie zum Frihschtik habn. Ich kann di Ferhehnungen fon die großn Jungen
nich fertragn. Mir scheint, sie denkn ein kleiner Bub hat nich mehr
Gefihl wi eine Krete. Einer Krete kann man den Kopf abschneidn un sie
macht sich nichs draus. Ich glaube das is greßlich schpaßig -- nur muß
man sie zuerst erwischt habn!
»Besondre Sorge wird fir jingre Schiler getragn,« stand in den Zirkulah.
Frau Pitkins schidtlte meinen Fater di Hand: »Ich will ihm eine Mutter
sein,« sagte sie un das machte mich sehr ergerlich. Ich will sie nich
bemihn damit. Ich bin doch kein Babi; ibrigns sagt auch Mamma nich, ich
bin mirrisch, wenn ich blos Heimwe hab, un wi soll ich nich wenn sie
mir bein Essn ein Werterbuch am Sessl legn, damit ich henauf kann un
ferschtohln immer iber mir lachn? Wi di einen Jungen queln is genug ihn
ferrikt zu machn.
Ich bin so mit Schneballn beschmissn, wi wenn ich ein Zaunfahl wer,
Betti mechte weinen, wenn sie's sehn kennt. Mein seidnes Halstuch is
weg, meine Fäußlinge sin am Dach, weil di Katze sie hinaufschlepte wi
sie sie ihr am Kopf schtektn. Ich hab aber nich ein bischen geweint.
Sie kennen mich nich unterkrign.
Jack Benze sagt, ich bin ein fester Kerl un er wird zu mir haltn. Er is
ein sehr großer Junge un so hab ich wenigstens einen Freind.
Oh wi schreklich, so weit weg zu sein, fon alle di man gern hat, grad
wenn Fleischpastehtn un Nisse reif sind! Wenn ich auf die 3 Fesser foll
siße Apfl in unsern Keller denk, is mir, als ob ich wegflign mißt.
Frau Pitkins is eine sehr dike Dahme, aber ich weiß nich wiso das
kommt, hechstens sie eßt allein zwischn di Malzeitn. Ich sitz nebn ihr
bein Tisch auf den Werterbuch fon Webster, damit ich höer bin.
Heut frih wollte ich sehr heflich sein, wi der ferbige Kellner in den
Hotell wo Lilly wohnt un schprang schnell fon Werterbuch henunter, wi
sie aufstand, um ihr den Sessl wegzuschtelln, aber sie wußte nich, das
ich so heflich bin un setzte sich dummerweis wider nider. Sie setzte
sich richtig aufn Fußbodn. Oh so ein Bumpser! Aber war es rech das sie
zohnig wurde un sagte ich hab es zu fleiß getan?
Sie will jetz an meine Leite schreibn das ich der schlechste Junge in
der Schule bin, nur muß sie noch ein Tag oder zwei wartn, bis sie wider
gesund is. Sie is greßlich unwohl. Wenn si Porzlan gewesn wer, so wer
sie zerbrochn.
Ich hab angefangen Gografih zu lernen. Dort schteht di Erde is rund,
aber ich kanns nich sehn. Wir habn eine große Erdkugl im Schulzimmer.
Man kann sie mit der Hand umdrehn. Ich muß mit meinen Messer ein Schtik
herausschneidn, weil ich schon lang wissn mecht, ob sie inwendig hol is
oder ob der Schmutz ganz durch un durch geht. Ich lerne auch Ritmetik.
Es is ein komisches Buch. Es schteht drinn, wenn Henschen sibn Drachn
hat un Karl 2 mal so fil, so hat er 14 un das is doch zu fil fir einen
Jungen, hechstens es is sehr windig un di Schnire gehn auseinand.
In Merz is di Zeit zum Drachnschteign. Wenn ich aber auf disn Plaz
bleibn muß, firchte ich, wer ich nich fiel Lust dazu habn. Ausgekochter
Reis mit Sirupp is so entmutignd, das ich Betti schreibn werd wi ich
ihr ferschprochn hab -- sie hat immer so fil Entresse fir dir gehabt
libes Tagbuch -- der Kechin zu sagn sie soll mir eine Schachtl schikn
un Betti soll ihr helfn Zibebn klaubn, damit keine Zeit ferlorn geht.
Hir is auch ein Fräuln. Sie prift die kleinen Jungen. Ich hab sie sehr
gern aber Jack Benze sagt, sie is eine alte Jungffer. Was is dabei,
wenns sie's is? Sie heißt Fräuln Haven. Ich glaube sie hat mich auch
gern. Ich hab ihr in Fertraun erzehlt, das sie zuhaus sagn ich bin ein
schlechter Junge, aber ich thus nicht mitfleiß. Sie bedauert mich sehr.
Sie hat gesagt, ich soll in ihr Zimmer kommen, wenn mir einsam is. Ich
glaube ich wer heut abens zu ihr gehn.
Betti sagt immer, Freitag is ein Unglikstag -- ich glaub es is wahr.
Alle Bubn sin jetz bein Nachmahl nur ich nich. Ich soll keins bekommen.
Es is sehr traurig, schon in der ersten Woche Schtrafe zu bekommen wenn
man in einer fremde Schule is. Wenn sich eimal ein Junge fest geplagt
hat, nich zu thun, was er nich thun wollte, so bin ich der Junge. Ich
bin zu den Beschluß gekommen, das ich ein Unglikskind bin. Kann sein,
wenn ich taub un schtumm wer, un nich sehn kennt, das mir dann nich
sofiel Zufälle passihrn mechtn. -- -- -- -- -- -- -- --
Professor Pitkins hat Schnupfn. Man sollte ihm nur nißn un nißn hern --
aber er hat sich in einem großn rotseidnen Schnupftuch eingebundn un
das is doch besser wi garnix. Frau Pitkins ligt noch immer in Bedt,
aber sie hat um mir geschikt un mir noch eimal gesagt, das ich ein
schlechter, schlechter Junge bin. Ich winschte, sie mecht mir etwas
neies erzehln. Sie weinte, wi wenn sie Zahnwe hedt, wi sie mir sagte,
sie firchtet es wird der Tod fon Professor sein. Ich sagte: »Wenn es
sein Tod is wird dann die Schule geschlossn un ich nachaus geschikt? Oh
Freude iber Freude! --« wi die Kinder singen.