Er sagte: »Du bist ein trauriger Schurke, Schorschi.«

Aber ich bin gar nich traurig, außer wenn Papa sagt: »Geh in dein

Zimmer un warte bis ich komm.« Das macht mich erns.

Ich bin aber doch ein bischen traurig, weil Sankt Klaus sich nich

durch unserm Schornschtein durchzwengn kennen wird. Es ligt mir immer

im Kopf. Ich kann es nich abschidtln. Ich fragte Papa, ob er nich

filleich die Maurer kommen lassn will un ihm greßer machn lassn, aber

er schidtlte den Kopf. Er sagte, er hofft der alter Klaus wird gescheid

genug sein un sich selbs in ach zu nehmen.

Ich glaub es wer sehr schad wenn den altn Kerl was passihrn mecht --

so fiele andre Kinder mechtn entäuscht sein in den Häusern, wo er noch

nich wahr. Ich hab in unsern Rauchfan henaufgeschaut un glaub wenn ein

par Zigl draußn wern, kennt er so bekwem in unser Haus schlipfn, wi nur

was. -- --

Weinach war kein sehr hibscher Tag in unsern Haus -- lang nich so

hibsch wi ich erwartete. Ich lag den ganzen Tag krank in Bedt un auch

noch 3 Tage schpeter. Mamma wahr auch krank. Kann sein, das ich eine

Menge Geschenke bekommen hab. Ich weiß nich genau. Es war damals so ein

schrekliches Durcheinand.

Mir scheint, es passihrte wider ein Zufall am Weinachsabend in unsern

Haus. Es wahr filleich nein Uhr. Lil un Montagu un Herr Jenner un

alle warn in Sallohn. Wir hadtn Nisse un Äpfl un Kuchn un Mamma sagte

ich thete besser, zeitlich zubedt zu gehn, denn wenn Sank Klaus kommt

un mich wach findet, geht er wider weg. Also ging ich die Treppe

henauf, aber so langsam wi eine Schneke weil ich nich ein bischen mehr

schlefrig war wi Herr Jenner.

Finf Menutn, nachdem ich iber der letzn Schtufe gegangn war, war

auf einmal ein so lauter Krach wi wenn die Welt einschtirzn mecht

-- etwas traf mich am Kopf, das tat schreklich weh -- sie sagn ich

wußte filleich 6 Schtunden lang nichs fon mir. Es schihn, als were

der Kamihn in Mammas Zimmer in 1000 Schtike zerschprungn un ein Zigl

hadte mich auf der Seite fon meinen Kopf getroffn -- es is ein Wunder,

das ich nich erschlagen wurde, denn di Zerschterung is follkommen.

Alle Glasscheibn sin gebrochn, der Schpigl zertrimmert, die Decke

is abgefalln un der Teppich is ganz naß, weil di Wasserleitung

zerschprungn is. Die Mamma is for Schrekn krank geworn. Papa sagt, es

is ein Wunder, das das ganze Haus nich in Fransn gegangen is. Wi ich zu

mir kam, wundertn sie sich wiso es geschehn wahr.

Ich sagte, filleich hadte Sank Klaus ein paar Rakettn in seinen Sak un

sie gingn los. Dokter Moor sagte:

»Ja, das muß es gewesn sein!«

Dann sagte Papa:

»Schorschi, wozu has du Schißpulwer in dem Kahmin geschidtet?«

Ich schrie: »Oh Papa! Ich wollte es nich thun -- ich wollte es wirklich

nich thun! Ich hab nur eine Teeschale foll heneingeschidtet, grad nur

genug um drei oder fier Zigl henauszublasn, damit er ein bischen weiter

wird. War da etwas schlechtes dabei, Papa?«

»Oh nein Schorschi,« sagte er ganz schpettisch, »nein, durchaus nichs.

Die Repratuhr wird mich mehr kostn wi 3000 Doller, un warscheinlich

ligt dir nichs dran, das Mamma krank is un du keine Weinachsgeschenke

bekommst.«

Ich bin sehr nidergeschlagn, seit er das gesagt hat. Ich mache meiner

Familje schrekliche Auslagn. Es is ungenehm bei so kaltn Wetter in Haus

arbeitn zu lassn, un was am ergstn is, ich bekomm die Presennte nich,

auf di ich mich schon seit ein par Wochn freue. Bei die Bemerkungen,

die einige Leite machn, seh ich, das sies liber gehabt hedtn, wenn

ich schtatt alles andre in der Luft gegangen wer. Papa sagt, es wird

ihm unmeglich sein, seine Fersicherung in diser Schtadt noch eimal zu

erneiern, er wird in der Haupschtadt gehn missn, wo sie noch nichs fon

mir wissn. Erwaksene Leite sin sehr unferninftig, sie glaubn, Kinder

solln alles wissn, befor sie es ausprobihrt habn.

Jimmy Black war heit bei mir un sagte, ich hedte den Rauchfang nich

weiter zu machn gebraucht, weil Sank Klaus iberhaupt nur Papa un Mamma

sin. Ich fragte Susi deswegn, aber sie sagte Jimmy is ein Narr. Er

zeigte mir das neie Messer, das er gekrigt hat. Ich wollte schaun,

ob es wirklich scharf is un schnidt ein Loch ins Bedtuch aber Betti

ferschprach mir, sie wird es schtopffn.

Meine Schwestern sin sehr besorgt, das das Haus noch for Neijahr

reprihrt wird. Ich glaube sie brauchtn sich nich zu sorgn weil ich

den jungen Leiten unten bei der Post am Tag for Weinach sagte, sie

tätn besser uns nich zu besuchn -- es is zufil Unrue. Ich redte meine

Schwestern gern for alle Unrue, wenn ich kann. Die Beile auf meinen

Kopf ferschwindet schon nach un nach.

Dokter Moor sagt, ich kann morgn schon ausgehn. Es is eine

ausgezeichnete Schlidtenbahn, der Schnee is 1 Fuß tif -- alle Jungen un

Medchen unterhaltn sich un die Gleckchen klingln. Ich bin schreklich

ergerlich, das meine Schlidtschue ferlorn sin weil der Rauchfang in der

Hehe ging. Übermorgn abens soll eine Beschenkgesellschaff bei Predgers

sein -- nich bei Herrn Slokum -- bein andern. Sie hoffn es wird sehr

gut ausfalln, weil di Schtraße gut is un weil Feiertag is. Die Frau

fonn Predger wahr bei uns, um zu sehn wies mit mein Kopf schteht un sie

un Mamma redetn fon der Beschenkung. Ich herte wi si so mit ein bischen

Lachn sagte, sie hofft, es wird ihr jemand eine Bikse Schterke bringen,

weil ihre gar ist un ihr Mann gern schteife Kregn hat. Ich glaube ich

werd morgn zu Peters henibergehn un ihm fon der Schterke sagn, er hat

ein Gemischtwarngescheft. -- --

Theires Tagbuch, leb wohl, ich muß fort -- mein Koffer is gepakt. Betti

un Mamma habn geweint, das ihre Augn rot sind. Ich soll wegfahrn in

einer Schule filleich 100 Meiln weit un in dem Brif schteht:

»Ein gesundes Heim auf den Lande fir einige Knabn. Meßige Bedingungn,

gute Narung, sorgfeltiger Unterrich.«

Ich bedauer di, wohin ich komm, weil ich so ein Monstrem bin, das meine

Schwestern withend sind. Mein Fater sagt, ich bin ein Schadnschtifter

-- ein noch nich dagewesner Schadnschtifter, aber Betti sagt, es

is eine brennende Schande einem armen ferlassnen kleinen Jungen

fortzuschikn in einer Erziungsanschtalt.

Unsre Leute wolltn mich nich zur Beschenkgesellschaff mitnehmen --

ich quelte sie drum, weil ich sehn wollte, was jeder mitbringt, es

is so spaßig, un so ging ich allein for ihnen hin. Der Predger wahr

grad mitn Nachmahl fertig, aber sie lißn mich dort bleibn. Herr Peters

kam un brachte Schterke. Herr Blackland kam un brachte Schterke. Herr

Jones brachte Schterke. Herr Robinson brachte Schterke. Alle brachtn

Schterke. Zuers lachtn di Leite fom Predger, aber wis so fortging wurdn

sie zohnig un enlich sagte er ganz erns:

»Wenn das ein Scherz is, meine Freinde, so is es ein sehr armseliger.«

Un dann schautn sie alle zu mir hiniber, wo ich grad ein Fotografialbum

anschaute un sagtn:

»Schorschi hats uns gesagt!«

Ich hadte es nur getan, weil ich sie sagn herte, sie braucht welche.

Ich dachte ich will machn, das sie ihr genug bringen. Ich dachte nich,

das ich dafir ferdin bein Ohr genommen un for die Erfrischungen nachaus

geschikt zu wern. Manche Leite wern froh gewesn wenn sie's gehabt hedtn

Schterkpudig damit zu machn. Ich bin ganz entmutigt das zu thun, was di

Leute wolln.

Am nechstn Tag wahr große Schlidtnfahrt. Nimand ladete Elsbett ein

mitzufahrn, weil sie ferlobt is un ihr Ferlobter is in der Schtadt.

Ich herte wi sie sagte, sie mechte greßlich gern mitfahrn un weil ich

zufellig bein Ladn fon den Kerl wahr, den si den Laufpaß gegebn hat,

wi ihm das Ferd durchging fragte ich ihm, ob er Elsbett nich auf der

Schlidtnpartih mitnehmen mecht? Er sagte:

»Nein, das mecht ich nich, un wenn sie das einzige Frauenzimmer auf der

Welt wer!«

Elsbett hedte mich nich dafir zu klapsn gebraucht, das ich ihm fragte

-- weil ichs nur that, weil sie so gern mitwollte.

Nechstn Tag war Neijahr. Zu unsern Haus kam aber gar kein Besuch, di

Medchen warn schon außer sich for wartn. Eine Menge junge Leute gingen

foriber, ein paar kamen auch zum Haustohr aber sie kamen nich herein,

weil ich einen Korb an den Griff fon der Glocke angebundn hadte, di

Kartn hineinzuschmeißn, damit meine Schwestern keine Unrue habn. Gegen

Abens pakte mich Elsbett bei der Axl un sagte: »Schorschi, du hast

wider was angeschtellt -- schau mir grad in die Augn un sag mir, was

du getan hast!«

Ich schaute ihr grad in die Augn.

»Ich habe gar nichs gethan, nur eich fon der Unrue befreit, die Besuche

zu emfangen.«

»Was has du getan?« widerholte sie un schidtlte mich fester un fester.

»Ich hab nur ein par Worte geschribn, un in der Zeitungsekspedezjon

getragn, wi die andern Leite machn, wenn sie was anonzihrn wolln.«

Dann haschte Elsbett nach der Zeitung fon gestern un las alles schnell

durch bis sie zu der Anonznschpalte kam un dort schtand:

An alle di es angeht:

Di Fräulein Hackers wolln Neijahr nich zuhaus sein, weil ihre

Gesundheit sehr schwach is, sie habn immer Hiftschmerzn wenn si ihr

neies Seidnkleid tragn un es macht greßlich fiel Unbekwemlichkeit

eine feine Tafl herzurichtn, Austern sind teuer, es zalt sich nich

aus, denn di junge Menner sin iberhaup sehr seichte Geschepfe -- sie

bidtn fir heier um Enschulgung.

Susi Hacker.

Elsbett Hacker.

Susann schaute iber der Schulter fon Elsbett, alle 2 warn so rot wi

Feier -- dann so bleich wi Kreide un setztn sich zugleich nider, wi

auf ein Kommander. Es wahr so schtill, wi wenn man mittn in der Nacht

aufkommt, die Gleckchen klingltn lustig draußn un eine Menge junge

Leite gingen frehlich bei unsern Haus forbei.

»Schorschi, fon diser Schtunde an ferleigne ich dich!« schnappte Susi

zuletz.

»Das is zufil! zufil! Ich werde meinem Kopf ni wider aufrech tragn

kennen! Das is der letzte Schtrohalm!«

So fil ich sehn konnte, war iberhaupt kein Schtroh da -- ich wollte

meine Schwestern blos freie Zeit machn.

Medchen sin sehr undankbahr, sie ferdinen es nich das ihr kleiner

Bruder sie lib hat un 25 Cent fon seinen eignen Geld ausgibt, fir ihnen

eine Anonnze in der Zeitung zu gebn! Ich dachte, wenn di junge Leute

nich kommen, werd ich eine Menge Kuchn habn un Bonbons un alles was sie

nich essn kennen, weil si nich da sind. Anschtatt das habn sie mich

henausgeworfn un mir geschafft obn zu bleibn. Neijahr war der lengster

Tag fon alle in meinen Lebn; wenn die Katz nich hereingekommen wer wo

ich wahr, ich glaube ich wer ferrikt geworn. Katzn erzehln einem Jungen

nich die ganze Zeit, er is unausschtehlig un ich fermute Fräuln Elsbett

wird seh ibrascht sein, wenn sie ihre Hutschachtl aufmacht um den nei'n

Hut fir der Kirche aufzusetzn un di Katz schpringt heraus -- ich hab

sie gestern heneingeschtekt.

So, nun noch eimal lebwohl. Ich will in der Schule sehr braf sein. Ich

hab Mamma ferschprochn, ihr keine Schande zu machn, wenn ich kann. Ich

hab mein Eichhernchen in der Tasche geschtekt, nimand weiß, das ichs

mitgenommen hab. Ich mecht wissn ob di Bubn lachn mechtn wenn ich es

das erstemahl wenn ich zun Frihschtik komm am Tisch schtell?

Oh Godt, wi einsam fihl ich mich. Der alter Herr auf den nechstn Sitz

schlaft fest. Ob er aufschpringen mecht, wenn ich ihm mit einer Nadl

heneinschtech, un ob ihm di Augngläser henunterfalln mechtn?

Tagebuch eines bösen Buben · 第 22 / 43 题