Der Gottfried Mehlstäubl nickte. »Sie ist närrisch worden.«

»Was lachst du jetzt, wo dein Vater vor das ewige Gericht hintritt?«

verwies sie der Pfarrer streng.

Die Wabel schwenkte den Topf. »Blut hat er gespieben,« brüllte sie

vor Lachen, »Blut, aber nit sein eigenes. Gestern haben wir eine Sau

getötet, das Blut haben wir ihr abgelassen, in den Keller haben wir

es gestellt. Der Vater hat in seinem Rausch -- das ganze Saublut

ausgesoffen.«

»Herrgott von Blaustauden,« schrie die Bäurin, »das ganze Saublut? Heut

hab ich es backen wollen.«

Leben und Röte kehrten in die Wangen des Dullhäubel zurück, er tat die

Augen ganz schmal auf und lallte: »Liebe Freunde, es ist nit unmöglich.«

Des Pfarrers Hals verfiel in einen Krampf.

Der Bader hielt sich den Bauch. »Gespieben hast du wie ein

Hochzeitshund, Dullhäubel. Du könntest die Wissenschaft irr führen! Du

hast aber auch einen sauberen Hinfahrtsfraß genossen. Gelt, die Suppe

ist dir zu feist gewesen? Jetzt steh auf, nimm dein Bett und geh!«

Der Herr Nonatus Hurneyßl hatte sich wieder beruhigt. »Bauer,« sagte

er, »der Herrgott hat dir heut einen Spiegel vorgehalten. Fang ein

neues Leben an!«

Der Dullhäubel drückte pfiffig ein Auge zu. »Bader, ich bin allweil

schnell gesund worden. Einmal hab ich mir beim Holzhacken eine

Hand wurzweg abgehaut. In vierzehn Tagen ist sie mir wieder sauber

nachgewachsen. Heut weiß ich nimmer, ist es die linke gewesen oder die

rechte. Und jetzt, Ogath, gib den Tabak her! Das ist die beste Arznei.«

Er schnupfte, legte sich dann zurück, schnarchte wie eine Brettmühle

und überließ die um sein Sterbebett Versammelten ihren Betrachtungen.

* * * * *

Blitzblau lugten die Schlehstauden drein, und die letzte Bauernrose

brannte im Gärtlein. Die Luft hing voll zarter Fäden, die alten Weiber

hatten ihren Sommertag.

Im Stadel drosch die Ogath mit ihren ältesten Töchtern das Rüttstroh,

sie wollte damit die Betten frisch füllen. Fröhlich klangen die drei

prallenden Flegel, und der Dullhäubel legte dem Dreischlag die Worte

unter: »Schind die Katz!« und schlich sich hinter den Stauden davon, um

der Tenne auszuweichen.

Die Kapelle umging er in einem Bogen: des Blaumantels Blick vertrug

er nimmer, weil er ihm die Kerze nicht opferte, die er ihm in der

Sterbensangst gelobt hatte.

Vom Dorf klingelte der Schmiedhammer.

Beim Sulpiz gab es immer Gesellschaft, Köhler brachten die hölzerne

Kohle, Fuhrleute ließen die Rösser beschlagen, die Bauern ließen sich

die Axt schärfen, Kundschaft kam mit zerbrochenem Eisengerät, und

manchen trieb andere Not hin.

Heute suchte der Lukas Schellnober in dem rußigen Gewölbe Hilfe.

»Schmied,« redete er, »du bist die letzte Zuflucht. Der Zahn tut mir

arg weh, ich könnt mir das Kinnbein vom Schädel reißen.«

»Sieh ihm den Zahn, Sulpiz!« meinte der Dullhäubel. »Speib in die Händ,

der riesige Mann hat Zähne wie eine Wildsau.«

Der Sulpiz Schlagendrauf beeilte sich nicht. Er trug eine glühende

Stange zum Amboß. Bevor er drauf schlug, reckte er sie jeden von seinen

drei Weibern hin, die er an die Wand gerußt hatte, und gröhlte: »Leck!

Leck! Leck!« und dann fuhr er jäh und heimtückisch damit dem Dullhäubel

unter die Nase: »Schmeck! Schmeck!«

Der Bauer fuhr zurück bis zur Tür.

Zornig hämmerte der Meister auf das Eisen los. Es war nicht zu

verwundern, daß die Kinder von Fuxloh den wilden Mann mit dem

verworrenen Rußbart für den Teufel hielten.

»Hau zu, Schwarzer,« neckte der Dullhäubel aus wohlabgemessener Ferne,

»hau zu und denk, du hast dein viertes Weib unter dir!«

Der Sulpiz schüttelte den Hammer. »Halt das Maul oder ich zerschmied

dich! Was stehst du da wie eine Martersäul? Hast du daheim keine

Arbeit? Was begehrst du?«

»Die Feuerzang sollst du mir leihen, daß ich meine Bäurin wieder einmal

angreifen kann.«

Das gefiel dem Schmied. Er tauchte die Stange ins Wasser, daß sie

zischte, und deutete auf eines von den Rußbildern. »Die erste dort,

die Luzel ist es. Einmal fahrt sie zur Kirchweih nach Bärnloh, ich

bin allein im Haus. Um Mitternacht klopft es an die Tür, steht ein

Kohlschwarzer draußen, die Augen glosen ihm. Ich soll ihm den Rappen

beschlagen. Ich schau das Roß an. Es hat zwei schwarze Zöpf geflochten

wie die Luzel. Die zwei wilden Augen schauen mich an wie die Luzel,

wann sie mit mir gerauft hat. Ich beschlag das Roß auf allen vier

Hufen. Der Kerl springt drauf, sagt kein Geltsgott, und reitet dahin.

In der Früh liegt mein Weib neben mir im Bett mit Hufeisen an Händen

und Füßen.«

Der Sulpiz lachte, daß das Eisen in der Werkstatt klirrte.

»Du kannst leicht lachen, Schmied, dich martert nix,« sagte der

Zahnwehmann und hielt sich den verbundenen Kopf.

»Schäm dich, Musikant,« tadelte der Rußige. »Du bist so stark wie ein

Felsenbaum und dabei so ungesund.«

»Wer ist heutigentags gesund?« greinte der Lukas. »Ja, vormals haben

die Leut mehr ausgehalten. Mein Vater zum Beispiel hat Glas gefressen,

das Blut ist ihm aus dem Maul geronnen, er hat Bier darüber gegossen,

und gut ist es gewesen. Bis er einmal so ein neuartiges Lampenglas

gegessen hat, da ist er magenkrank worden. Das neumodische Teufelswerk

ist nix nutz, das altwäldlerische Glas ist viel milder gewesen.« Und er

wimmerte auf: »Weh und weh, mein Zahn!«

Fuxloh; oder, Die Taten und Anschläge des Kasper Dullhäubel: Ein Schelmenroman · 第 32 / 62 题