Der Kranke deutete auf den Magen. »Da in der Herzgrube tut es weh.«

»Hast du den Stuhl offen?« forschte der Arzt. »Hast du dich nit

überfressen, Schlauch? Ja, der Fraß wühlt sich mit dem eigenen Rüssel

das Grab auf. Die Runstadern sind dir geschwollen. Tu das Maul auf und

zeig her deinen Schlung!«

»Im Bauch rumpelt es mir,« flüsterte der Bauer.

Der Bader entschied: »Du hast es auf der Leber. Eine jede Krankheit

rührt von der Leber her. Du hast wohl einen kalten Trunk getan, he?«

»Bader, gib mir was ein, ein Pulver, einen Saft, daß ich am Leben

bleib!« klagte der Dullhäubel.

»Halt das Maul, Wehdarm! Ich muß auch einmal sterben,« antwortete der

Gottfried Mehlstäubl.

»Da schau meine unversorgten Kinder an und hilf!« Der Bauer deutete mit

Kinn und Bart auf die zwölf Dirnlein.

»Kinder hast du in allen Größen wie eine Bodenstiege. Aber was nutzt

das alles, wenn sich eine giftige Sucht einschleicht. Ich schätz, du

überlebst die Stund nimmer.«

»Herr Pfarrer,« lallte der Dullhäubel, »richt mich her -- für die

Ewigkeit!«

Da drückte ihm der Grazian einen geweihten Rosenkranz in die Hand, die

Ogath wischte mit dem Fürtuch über die Augen, die Kinder weinten.

»Gottlob, daß du dich nit in Halsstörrigkeit verhärtest, Dullhäubel,«

begann der Pfarrer. »So tu Reu und Leid, mein lieber Christ!«

Des Baders Neugier war noch nicht gestillt. »Und wo fehlt es denn sonst

noch, Bauer? Plagen dich die Würmer? Bläht dich der Wind?«

Doch der Dullhäubel räusperte und rächste sich, fuhr jäh auf, gurgelte,

und wieder schoß das Blut heraus. Alle wichen zurück, die Bäurin

scheuchte die Kinder hinaus. Blaß und matt sank der Bauer zurück.

Der Gottfried Mehlstäubl krauste die Stirn. »Seltsam! Seltsam! Vetter,

die Reih ist an dir. Hättest du mir alle Jahr deinen Brunn schauen

lassen, wie der Grazian da, tät ich mich in deinem Leib besser

auskennen.«

»Der Tod zeichnet ihn,« sagte der Pfarrer. »Laßt uns allein, daß ich

ihn geschwind noch auströste!«

Da gingen alle hinaus.

»Öl mich ein, Hochwürden, öl mich! Richt mich zusamm -- fein sauber --

für den Weg!« drängte der Bauer.

»Jetzt, Dullhäubel, häut dich!« begann der Herr Nonatus Hurneyßl. »Tu

ab das Gewand deiner Sünden! Wann und wo bist du das letztemal beichten

gewesen? Bei mir nit.«

»Den zweiten Sonntag nach Ostern -- hab ich gebeichtigt -- in Bärnloh.«

»So, so, in einer fremden Pfarre, bei dem schwerhörigen Pater, und an

dem Tag, wo die Roßdieb beichten gehen? Eine saubere Seel! Aber jetzt

her mit deinen Sünden!«

Der Dullhäubel bekannte: »Öfter hab ich mich versündigt als Steine im

Bach sind und Bäume im Wald.«

»Sieben Straßen laufen zur Höll, das sind die Todsünden. Hast du eine

begangen?« forschte der Pfarrer.

Der Sünder sprudelte: »Gefressen hab ich, gesoffen, gerauft,

gescholten, geschworen, gelogen und betrogen, die Weiber nit in ihren

Ehren lassen, mit den Jungfern gescherzt, am Freitag bin ich fensterln

gangen, den Leumund hab ich den Leuten genommen, verfrevelt hab ich

mich gegen den heiligen Blaumantel. Jetzt weiß ich nix mehr.«

Dem Pfarrer wirbelte das Hirn. »Ein Gewissen magst du haben wie ein

Scheuertor,« staunte er.

»Der Teufel hat mich im Schlund, reiß mich heraus, Hochwürden!« zeterte

der Dullhäubel. »Bind mich los, bind mir die Sünden ab und öl mich!«

»Nur langsam, Dullhäubel, und hübsch eins nach dem andern. Hast du

nit gejuchzt und gejodelt und gegalmt zur Unzeit und unzüchtige

Rockenlieder gesungen?«

»Das hab ich alles getan, Pfarrer. Bind mich los!«

»Ich will dich nit dem Teufel zuteil werden lassen. Aber sag mir, hast

du ein einzigesmal im Leben ein gutes Werk verrichtet?«

»Freilich, Pfarrer. Die Feiertage hab ich emsig gehalten, die

abgeschafften auch. Und zwölf Christen hab ich in die Welt gesetzt.«

Der rüstige Beichtvater sah ihn verdutzt an. »Ah, so bist du gesotten?

Du willst unsern Gott und unsern Teufel überlisten?« Und er holte aus

und reichte dem Sünder eins auf den Schädel. »Dafür erlaß ich dir die

Bußgebete, du alter Spaßvogel.«

»Das ist mir lieb,« sagte der Dullhäubel erleichtert.

»Jetzt geratest du halt ins Fegfeuer, Bauer, und das ist eine scharfe

Lauge. Wasch dich drin, reib dir die Seel unverdrossen ab! Und

fahrst du hernach in den Himmel, so führ dich gut auf, daß du meinem

Pfarrsprengel keine Schand antust.«

»Ich werd mich doch nit zu dem höllischen Bären verirren?« verzagte der

Kranke. »Ist es drunten wirklich so heiß?«

Der Pfarrer schaute den Dullhäubel ernsthaft an. »In der Höll ist es

so heiß, daß die gepeinigte Seel, die den Kniffen und Kunstgriffen

des Satans erlegen ist, gar kläglich herausschreit: ›Gebt mir ein

Schmiedfeuer, daß ich mich dran kühl!‹ So kalt ist das irdische Feuer

dagegen.«

»Ich riech schon lauter Brand,« wimmerte der Bauer. »O wär ich gesund,

ich wollt anders leben! Einen Sack tät ich anziehen und wallfahren

gen Maria-Dorn. Sterb ich aber,« seine Stimme versiegte schier, »so

stift ich eine ewige Meß meiner Seel zum Trost, und dem Blaumantel,

meinem Fürbitter, soll ein Wachsstock brennen hundert Jahr. O weh, wie

schlecht wird mir jetzt!«

»Was ist, Dullhäubel, was ist?«

»Der Schleim steigt mir im Hals, ich erstick, ich krieg den

Schleimschlag! O weh, von der Welt scheid ich, in die Höll spring ich.«

Er rülpste, und das Blut sprudelte ihm wieder gräßlich aus dem Hals.

»Leut, er stirbt!« schrie der Pfarrer.

Der Bader, der Grazian, der Knecht und die Kinder liefen herein.

Schrecklich schaute der Bauer aus, weiß wie Kalk lag er dort, die

Lippen voller Blut.

Die Ogath trug die brennende Sterbekerze daher und drückte sie ihm in

die Hand. Er aber verdrehte die Augen grausam und fluchte: »Sakerment,

bin ich noch nit hin?!« Er röchelte.

»Bäurin,« meinte er auf einmal, »es ist wunderlich, jetzt mitten im

Sterben lüstet mich nach einem Schnupftabak. Geh, tu mir die Lieb an!

Es ist das Letzte, was ich von dir begehr.«

»Jetzt ist ausgeschnupft,« sagte sie kurz. »Jetzt halt die Herren nit

auf und schau zu, daß du einmal stirbst!«

»Ich sterb, und keines tut einen Schrei,« sprach er wehmütig, »keins

weint einen Tropfen, keinen Seufziger druckt es euch aus.«

Der Kopf sank ihm auf die Seite, das Kinn hing ihm.

»Jetzt erklenkt ihn der Satan,« rief der Grazian.

»Macht Tür und Fenster auf, sonst reißt seine Seel ein Loch durchs

Dach!«

»Ihm stehen schon die Augen,« nickte der Bader.

»Er ist am Weg,« flüsterte der Pfarrer.

Der Sterbende hauchte noch einmal: »Mein letzter Wille! Meine Töchter

-- dürfen nur auf einen Hof -- hinheiraten, wo ein Glöckelturm drauf

ist. Ich bin ein großer Bauer -- gewesen.«

Jetzt lag er blaß und still.

Die kleinen Dirnlein klammerten sich weinend an den Kittel der Mutter,

und sie zog tief Atem: »Jetzt bin ich wieder eine Wittfrau.«

Plötzlich erhob sich im Keller ein großes Geschrei. Die Wabel, die

älteste Tochter, kam die Staffeln herauf, einen leeren Topf in der Hand.

»Mutter, ich weiß, was dem Bauer fehlt!« Sie lachte, daß ihr die Zähren

rannen, sie lachte, daß sie den Atem verlor und schier in einem Husten

erstickte.

Fuxloh; oder, Die Taten und Anschläge des Kasper Dullhäubel: Ein Schelmenroman · 第 31 / 62 题