Der Dullhäubel rüttelte. »Ogath, ich sag dir es im guten, tu auf!«

Drin rührte sich nichts.

»Bäurin, tu auf! Tu auf, Bäurin! Ich bin es. Der Dullhäubel ist es.

Dein Kasper,« schmeichelte er. »Weib, laß dir sagen, riegel auf!«

Er drängte das Ohr ans Schlüsselloch. Kein Hauch war zu hören.

Da kam ihm die Hitze. »Tu auf, Weib, sonst hol ich die Hacke und spreng

die Tür auf!«

Drin meldete es sich ruhig: »Wag es! Den Kittel schlag ich dir um den

Schädel, solang ein Fetzen dran ist. Draußen hast du den Strohsack.«

»Laß mich doch nit zugrund gehen!« schluchzte er. »In den Bach bin ich

gefallen, waschelnaß bin ich.«

»Warum bist du nit ersoffen?« sagte sie aufgebracht. »O mein

gottseliger Mann, der Gid, ist tausendmal besser gewesen als du! Das

ganze Geld versäst du im Saufhaus.«

»Herr, erbarm dich meiner!« murmelte er wie bei einer Litanei.

»Den Hof versaufst du, deine Kinder werden einmal nacket gehen!«

»Herr, erbarm dich meiner!« antwortete er dumpf.

»Die Kellnerinnen reißt und rumpfst du herum.«

»Herr, erbarm dich meiner!«

»Nacht für Nacht reitest du die Zung in die Schwemm,« eiferte sie.

»Vertu nit alles, daß du einmal ein anständiges Begräbnis kriegst!«

»Begraben muß ich werden. Das hab ich noch nie gehört, daß einer

eingeackert worden ist.«

»Schäm dich! Der Dunst und Dampf redet aus deinem Hirn.«

»Ich schäm mich in den Kniebug hinein, da sieht es niemand.«

»Hast du das Kalb in den Stall eingestellt? Hast du es nit verjuxt?«

»Jesmaria, das Kalb hab ich im Wald vergessen!« rief er erschrocken.

»An den Zaunstecken steht es gebunden.«

»Himmlischer Vater, da haben wir wieder den Schaden! O wenn das mein

Gottseliger erlebt hätt!«

Die häufige Mahnung an den Gottseligen verdroß ihn. Er wollte überhaupt

für heute die Zwiesprache enden. Drum sagte er: »Weib, ich bet jetzt.

Stör mich nit! Du begehst eine Todsünd.«

»Du und beten?!« spottete sie. »Ja sausen und brausen laßt du es,

dein Gut verstreust du. Und ich muß mich mit den zwölf Menschern

durchfretten.«

Er richtete sich auf. »Weib, reiz mich nit! Wenn ich wild bin, ist der

Zorn auch gleich da. Wer macht uns arm? Du mit deiner Fruchtbarkeit.

Was du treibst, ist zuviel. Und nit einen einzigen Buben, lauter

Menscher! Die kannst du dir nit genug kriegen, zu Dreikönig eins, zu

Allerheiligen wieder eins.«

»Du Schandvogel!« schalt und schelmte sie. »Du Rabenseel!«

Fuxloh; oder, Die Taten und Anschläge des Kasper Dullhäubel: Ein Schelmenroman · 第 29 / 62 题