Sie ließ sich nicht halten, und er hielt sie nicht. --

Am Tag Pauli Bekehrung zog sich der Dullhäubel die Pelzhaube über die

Ohren und schirrte das Roß vor den Schlitten. Darauf packte er Gewand

und Federbett der Mutter und setzte sie warm darein. Nun fuhren sie

bergan.

Hoch noch über dem hochgelegenen Grillenöd mitten in Geröllhalden und

struppigen Wäldern war die Heimat der Sanna, das Siebenschläferhaus

geheißen, die einsamste Einschicht im Gebirg.

Der Dullhäubel deutete mit der Peitsche hinauf. »Wird es dir nit zu

rauh droben sein, Mutter? Droben ist es so kalt, daß sie am Tag vor

der Sonnwend zum letztenmal und am Tag nach der Sonnwend zum erstenmal

heizen.«

Der Hagbutzdorn brannte im blanken Schnee, schlohweißer Nebel wob in

den Tälern drunten. In den Ebereschen schnabulierten bunte Pestvögel,

und Elstern schätterten durch die gläserne Stille.

An einem Bildstock war zu lesen, daß an selber Stelle im Hochsommer ein

Kohlenbrenner erfroren war. --

Der Siebenschläferhof war schwer verschneit. Keine Menschenspur führte

hin, nur hie und da eine Hasenfährte oder ein Fuchsentritt. Die Fenster

waren unter den angeflogenen Flocken erblindet.

»Der Hof ist ausgestorben,« murmelte der Dullhäubel. »Kehren wir um!«

Doch die Sanna deutete auf den Rauchfang. Ein ganz dünner, schier

luftblauer Rauch stieg gleich schüchternem Atem auf und meldete Leben.

Der Bauer klopfte an die Tür, an die Fenster. »Auf, der Dullhäubel ist

da!«

Es rührte sich nichts.

Schließlich trommelte er mit einem Prügel an die Tür, daß der Wald

rings hallte.

Endlich schlurfte es drinnen im Flur.

Die Tür wurde aufgeriegelt. Ein zottiger, graubärtiger Mann, die Augen

voll Schlaf, trat auf die Schwelle und fragte: »Was -- was kommst du

daher in dem stumpfen Wetter? Was -- was willst du mitten im Winter?«

»Darf man dich nur im Sommer heimsuchen, Vetter?«

Der Alte gähnte: »Schlaft der Igel, -- schlaft der Bär, - schlaft der

Ratz. Die rechten Leut -- schlafen -- im Winter.«

Drin in der Stube schliefen sie im Bett, auf dem Ofen, auf Bank und

Truhe, die Bäurin und die Kinder.

»Grüß dich Gott, Bruder!« sagte die Sanna.

»Dich -- dich auch!« antwortete er und legte sich auf die Ofenbank. Die

Erinnerung arbeitete schwerfällig in seinem Hirn.

»Vierzig Jahr haben wir uns nimmer gesehen,« meinte sie, »das ist lang.«

»Das -- das ist lang,« wiederholte er träumerisch.

»Mein Bauer ist gestorben. Der da ist mein Bub, der Kasper.«

»Der -- der Kasper,« kam der Widerhall.

»Jetzt frag ich, ob ihr mich daheim laßt bei euch,« sagte die Sanna.

Fuxloh; oder, Die Taten und Anschläge des Kasper Dullhäubel: Ein Schelmenroman · 第 21 / 62 题