Der Dullhäubel wurde ungeduldig und schrie: »Ihr habt einen seltsamen
Hausbrauch. Steht auf, Freundschaft! Kocht auf! Uns hungert. Und
schlafen wollen wir nit.«
Da regten sich die Schläfer, sie hoben die wirrhaarigen Köpfe und
sperrten tölpisch den Mund auf.
»Ist -- ist der Sommer da, weil -- weil der Star so hell pfigerzt?«
lallte einer der Buben.
Die Muhme kroch aus dem Bett und schob einige Knorren ins Feuer, da
wachte auch der Ofen auf und murmelte in sich hinein.
»Schlafen sie denn den ganzen Winter, Mutter?« staunte der Dullhäubel.
»Was sollen sie Schöneres tun, wenn das Dreschen vorbei ist und sie die
andere Arbeit vollbracht haben?« antwortete die Sanna.
Die Muhme schob einen Topf auf die Platte und nickte. »Jetzt -- jetzt
ist die ruhsame Zeit.«
Die aufgeschossenen Burschen und die stämmigen Dirnen fletschten
lachend die Zähne, stießen sich an und deuteten mit den Fingern auf den
Dullhäubel.
Er fragte die zwei Jungfern nach den Namen.
»Bi -- bi -- bibiana,« stammelte die eine.
»Ju -- ju -- juliana,« die andere.
»Und wie schreibt ihr euch, Buben?«
»Zy -- zy -- Zyprian.«
»Bartholo -- mä -- mä.«
»Ihr -- ihr -- habt eure schönen Namen noch nit gut eingelernt,«
spottete der Vetter aus Fuxloh.
Die Muhme entschuldigte ihre Brut. »Es -- es handelt sich alleweil
nur ums erste Wörtel, um -- um den Anlauf. Magst -- magst du keine
heiraten, Kasper, von -- von meinen Menschern?«
Das Gewölk der heißen Suppe flatterte über den Tisch, daran die
Siebenschläferleute mit breiten Ellbogen lümmelten. Sie holten die
Blechlöffel hervor, die unter der Tischplatte an Riemen hingen, und
dann lallte die ganze stotternde Sippe den Engelgruß. Die Alte fuhr mit
einer zweizinkigen Gabel in die Schüssel und rührte um, während die
andern die Suppe so ungestüm kalt bliesen, daß sie über den Rand wallte.
Dem Dullhäubel kam ein zorniges Grausen an, er stand vom Tisch auf und
ging zu seinem Schimmel hinaus und schaute ihm zu, wie artig er sein
Heu fraß.
Erst als er meinte, daß drinnen die Mahlzeit verschlungen sei, traute
er sich wieder hinein.
Die Siebenschläferleute leckten eben die Löffel ab, trockneten sie am
Ärmel und hängten sie wieder unter den Tisch.
»Jetzt -- jetzt schlafen wir weiter,« murmelte der Vetter.
»Mutter, bleibst du wirklich da?« fragte der Dullhäubel.
Sie nickte gähnend.
Er griff nach der Tür. »Also gute Nacht, Freundschaft! Schlaft euch gut
aus! In vierzig Jahren such ich euch wieder heim.«
Und er sprang in den Schlitten und schnalzte mit der Geißel. »Renn,
Schimmel, renn zu!«
* * * * *
Es war Feierabend.
Der Schmied Sulpiz Schlagendrauf hämmerte noch dreimal auf den leeren
Amboß, hernach räumte er sein Werkzeug auf, blies die Laterne aus,
die von der gewölbten Decke hing, und reckte wohlig die langen,
ausgearbeiteten Arme.
Da stand der Dullhäubel im Mondschein an der Tür.
Der Schmied mochte ihn nicht leiden. Als er einmal mit seinem Weib
gestritten hatte, war der Dullhäubel wetterläuten gerannt.
»Du könntest auch bei Taglicht kommen,« greinte der Sulpiz, »Soll ich
dir den Schimmel beschlagen? Oder das Hirn?«
»Plaudern möcht ich mit dir.« Der Bauer redete süß wie eine Flöte. »Nur
plaudern. Die Zeit wird mir zu lang in der Finsterweil. Und von dir
lernt man was. Du bist ein gewitzigter Mann, hast schon drei Weiber
begraben.«
»An die Wand hab ich sie gemalt, die Gespenster, zum ewigen Andenken,«
lachte der Schmied und trat den Blasbalg. In der Esse loderte es auf
und erhellte das Gewölb. Drei greuliche Weiber waren mit Ruß an die
Mauer gezeichnet: sie hatten Krallen an den Fingern und Fangzähne im
Maul, glotzende, schlimme Augen und zerstrüpptes Haar. Es war ein übler
Anblick.
»Mit welcher von den dreien hast du es am schönsten gehabt?« fragte der
Dullhäubel.
Der Sulpiz Schlagendrauf griff auf ein Mäuerlein und brachte drei
Holzäpfel.
»Beiß in den hinein!«