Seit jener Mondscheinnacht lachte der junge Dullhäubel den Dirnen in
die Augen. Und um sich vor ihnen ein Ansehen zu geben, handelte er sich
vom Krämer eine Tabakspfeife mit buntem Kopf ein, die steckte er in die
einwendige Brusttasche, daß das Mundstück herausguckte. Auch putzte er
sich mit einem blauen Hut, grasgrünen Hosenträgern und einer breiten
Uhrkette auf und ließ sich unter der Nase einen fuchsfeuerroten Schnurz
wachsen. Und seine Schultern wurden breiter, seine Hände fester und
griffiger. Nur die Stimme blieb ihm hoch und kindisch schrill.
Einmal saß die Sodonia nachts im Bett auf, weil sie sich den Schlaf
nicht erzwingen konnte. Da hörte sie es wie mit Diebestritten das Haus
umspüren und bald hernach den Kasper draußen halblaut singen:
»Dirndel, tu auf
und laß mich zu dir,
bin ein armer Kaplan,
sollst beten mit mir!«
Die Alte witterte neuen Unfug, und sie wollte die Hand über des
Burschen Unschuld halten. Denn seine Mutter, die Sanna, kümmerte sich
nicht um ihn, sie lag den halben Tag hinter der Scheuer unter der
Hollerstaude, und die Stalldirn fing ihr die Läuse.
Die Sodonia wurde wachsam, und bald darnach merkte sie, wie sich der
Kasper nach dem Essen davon zog und auch die Geißdirn verschwunden
war. Schleunig suchte sie Dachboden, Stall und Stadel durch, bis sie
schließlich zu einem alten, von Brombeergebüsch verwucherten Backofen
kam, dort sah sie vier Füße heraus stehen. Sie packte das eine Paar
kräftig an und zog den Kasper heraus.
Scheltend führte sie ihn zum Bauer. Aber der lachte unbändig und freute
sich über den Ort, wo die Verliebten ihre Zuflucht gefunden hatten.
Es war zum letztenmal, daß der Isidor Dullhäubel sich freute. Er
verfiel auf einmal, sein Gesicht wurde käsweiß, die kupferne Nase
überzog sich mit Grünspan, und er behauptete, sie täte ihm weh. Die
Kraft ging ihm aus.
Zu Mariä Geburt rief er den Kasper zu sich in die Stube. Er zog sich
die hirschlederne Hose aus, die von den Vorfahrern überkommen war, warf
sie dem Burschen hin und murrte: »Da!« Auf dem Tisch schillerten sieben
Tabakgläser, darin die Namen der Wochentage geschliffen waren, und das
Sonntagsglas glühte rot wie ein brennendes Herz. Der Bauer deutete
darauf und ächzte: »Da!« Hernach ließ er sich matt ins Himmelbett
fallen und starrte zu dem Spiegel hinauf, der darüber als Decke hing,
und sah droben das kalkige Gesicht und die grüne Nase und seufzte.