Am andern Tag hütete der Hannes auf der Weide vor dem Vogeltänd das
Vieh. Das Kuhhorn im Gürtel, saß er auf einem Stein, und vor seinen
Zehen brannten die feurigen Nägelblumen. Rings graste das Vieh, ein
rotblümetes Stierlein scherzte, ein Heuschreck hüpfte aus dem Gras auf.
Am Himmel glänzte eine linde Wolke.
Da brachte der Isidor Dullhäubel seinen Schüler daher.
»Er wird bei mir Zucht lernen,« rief der Brunnkressenhannes. »Gute
Zucht tragt gute Frucht. Da setz dich her zu meinen Füßen, Kasper!«
Er räusperte sich und fing an: »Zuerst müssen wir von der Welt lernen.
Drum merk auf, und sag es mir dreimal nach: Die Welt ist eine Kugel.«
»Oha!« schrie der Bauer, der zuhörte. »Weitaus gefehlt! Die Welt ist
ein Teller.«
Der Hannes bog den krummen Hals und sah den Dullhäubel scheel an.
Nachher begann er wieder: »Du kannst es mir glauben, Kasper! Die Welt
ist so rund wie dein Schädel.«
Betroffen tastete der Bub seinen Kopf ab, als wolle er den rechten
Begriff von der Gestalt der Erde gewinnen.
Derweil widerstritt der Bauer: »Alles ist gerad und eben. Wo sieht man
es denn, daß die Welt kugelrund ist? Wenn es so wär, müßt man ja auf
der Seite hinunterfallen. Bucklet ist die Welt, aber rund nit.«
»Die Welt ist rund wie eine Kegelkugel und dreht sich,« sagte der
Brunnkressenhannes scharf und unwillig. »Schwätz mir nix drein, Bauer!«
Der Isidor erwiderte: »Wenn die Welt sich dreht, müßt einmal das Wasser
aus dem Brunn fallen, du Aff du! Und mit dem Kopf nach unten müßt man
zeitweilig gehen, du Aff du! Stell dich einmal auf die Stubendecke
hinauf, du Aff du, und fall nit herunter!«