Die Aufführung gelang vortrefflich, denn wir alle waren gut abgerichtet
und alle Ängste und alle Marter gewohnt. Wir machten unsere Sache so
gut, wie wenn wir aus Stein wären, so daß niemand sehen konnte, wie uns
dabei zumute war.
Wir sahen von der Bühne aus den Grafen und seinen Bruder: sie waren
einander sehr ähnlich. Selbst als sie hinter die Kulissen kamen, konnte
man sie schwer voneinander unterscheiden. Der unsrige war aber auf
einmal ganz still und sanft geworden. So war er immer vor seinen
grausamsten Wutausbrüchen.
Wir zittern alle und bekreuzigen uns:
»Herr, errette uns und sei uns gnädig! Wen wird diesmal sein Zorn
treffen?«
Wir wußten noch nichts von der verzweifelten Tat Arkaschas; er selbst
aber wußte natürlich, daß er keine Gnade zu erwarten hatte und
erbleichte, als der Bruder des Grafen ihn anblickte und unserm Grafen
etwas zuflüsterte: Ich hatte aber scharfe Ohren und hörte, was er ihm
sagte:
»Bruder, ich rate dir, nimm dich vor ihm in acht, wenn er dich rasiert.«
Der Unsrige lächelte nur leise.
Ich glaube, daß auch Arkadij etwas gehört hatte, denn er war außer sich
vor Aufregung: als er mich für die letzte Rolle der Herzogin
herrichtete, legte er mir, -- was ihm sonst nie passierte, -- so viel
Puder an, daß der Franzose, der Garderobier, sagte:
»Trop beaucoup, trop beaucoup!« Und er nahm mit einem Bürstchen den
überschüssigen Puder von mir ab.