NEUNTES KAPITEL

Die Aufführung gelang vortrefflich, denn wir alle waren gut abgerichtet

und alle Ängste und alle Marter gewohnt. Wir machten unsere Sache so

gut, wie wenn wir aus Stein wären, so daß niemand sehen konnte, wie uns

dabei zumute war.

Wir sahen von der Bühne aus den Grafen und seinen Bruder: sie waren

einander sehr ähnlich. Selbst als sie hinter die Kulissen kamen, konnte

man sie schwer voneinander unterscheiden. Der unsrige war aber auf

einmal ganz still und sanft geworden. So war er immer vor seinen

grausamsten Wutausbrüchen.

Wir zittern alle und bekreuzigen uns:

»Herr, errette uns und sei uns gnädig! Wen wird diesmal sein Zorn

treffen?«

Wir wußten noch nichts von der verzweifelten Tat Arkaschas; er selbst

aber wußte natürlich, daß er keine Gnade zu erwarten hatte und

erbleichte, als der Bruder des Grafen ihn anblickte und unserm Grafen

etwas zuflüsterte: Ich hatte aber scharfe Ohren und hörte, was er ihm

sagte:

»Bruder, ich rate dir, nimm dich vor ihm in acht, wenn er dich rasiert.«

Der Unsrige lächelte nur leise.

Ich glaube, daß auch Arkadij etwas gehört hatte, denn er war außer sich

vor Aufregung: als er mich für die letzte Rolle der Herzogin

herrichtete, legte er mir, -- was ihm sonst nie passierte, -- so viel

Puder an, daß der Franzose, der Garderobier, sagte:

»Trop beaucoup, trop beaucoup!« Und er nahm mit einem Bürstchen den

überschüssigen Puder von mir ab.

Der versiegelte Engel, und andere Geschichten · 第 61 / 79 题