Er war Kollege unserer Kinderfrau am Theater; der Unterschied lag nur
darin, daß sie »auf der Bühne Vorstellungen gab und Tänze aufführte«,
während er nur ein »Toupetkünstler«, d. h. Friseur und Schminkmeister
war und alle leibeigenen Schauspielerinnen des Grafen »anzumalen und zu
frisieren« hatte. Er war aber kein alltäglicher Meister mit dem
Frisierkamm hinter dem Ohr und der Büchse mit der Fettschminke in der
Hand, sondern ein Mann mit eigenen _Ideen_, mit einem Worte ein
_Künstler_.
Ljubow Onissimowna behauptete, daß niemand so gut wie er einem Gesicht
»einen Ausdruck« zu verleihen verstand.
Ich kann heute nicht mehr genau sagen, unter welchem von den Grafen
Kamenskij diese beiden Künstler gewirkt haben. Es sind drei Grafen
dieses Namens bekannt, und alle drei galten in Orjol als »grausame
Tyrannen«. Der Feldmarschall Michailo Fedotowisch wurde im Jahre 1809
von seinen eigenen Bauern wegen seiner Grausamkeit erschlagen; dieser
hatte zwei Söhne: Nikolai und Ssergej, von denen der erste im Jahre 1811
und der zweite im Jahre 1835 gestorben war.
Als Kind, in den vierziger Jahren, ging ich oft an einem riesengroßen,
hölzernen Gebäude vorbei, auf dessen Fassade mit schwarzer und brauner
Farbe falsche Fenster gemalt waren und das von einem langen, halb
eingefallenen Bretterzaun umgeben war. Es war das verrufene Herrenhaus
des Grafen Kamenskij; gleich daneben befand sich auch das Theater. Das
letztere stand so, daß man es vom Friedhofe an der Dreifaltigkeitskirche
aus gut sehen konnte, und Ljubow Onissimowna leitete alle ihre
Erzählungen mit den Worten ein:
»Schau mal hinüber, mein Lieber ... Siehst du das schreckliche Gebäude?«
»Ja, es ist schrecklich, Kinderfrau!«
»Nun will ich dir etwas noch Schrecklicheres erzählen.«
Eine ihrer Erzählungen vom Toupetkünstler Arkadij, einem empfindsamen
und kühnen jungen Mann, der ihrem Herzen nahe stand, will ich hier
wiedergeben.