Die Offiziere sagten zu, dachten, es sei kein großes Unglück bis zum
Morgen zu warten, und fügten sich ihrem eigenwilligen Gastgeber. Sie
gingen in den Flügel, aber der Pan von Farbowanaja rief den Haiduken
Prokop, befahl ihm, sich in den Wagen zu setzen und nach Pirjatin zu
fahren, dort die beiden Gerichtsherrchen aufzufinden und sie um jeden
Preis am Morgen nach Farbowanaja zu bringen.
Der Haiduk eilte davon, suchte die Schreiber auf und sagte:
»Mit meinem Pan Wischnewskij steht es schlecht. Es geht ihm so elend,
daß ich nicht weiß, ob er den Abend noch erlebt. Jetzt will er sein
Testament machen und hat mich hergeschickt, um euch zu bitten, daß ihr
gleich euer Schreibzeug nehmt und mit mir fahrt, um als Zeugen zu
unterschreiben. Ihr bekommt ein gutes Chabar dafür.«
Die Schreiber wußten, daß Wischnewskij noch nie krank war, aber wenn
solche Leute krank werden, so geht es auf den Tod.
Sie dachten: »Sicher stirbt er, und wir verschreiben uns etwas im
Testament. Er ist so krank, daß er es nicht merkt.«
So nahmen sie mit Freuden ihre Sachen und fuhren ab. Als Stepan
Iwanowitsch eben erwachte, standen sie schon auf seiner Freitreppe.
Stepan Iwanowitsch machte für diese Gäste eine kleine Abweichung von
seiner Empfangsetikette. Ins Haus ließ er sie natürlich nicht ein, aber
er befahl, ihnen ein kleines Tischchen und für die beiden nur einen
Stuhl hinauszubringen, damit sie nicht wagen sollten, vor ihm zu sitzen.
Dann ging er in einer Mütze mit großem Schirm zu ihnen hinaus und begann
die Unterhandlung.
»Mein Haiduk,« sagte er, »hat euch vorgemacht, daß ich sterbe. Aber, so
Gott will, hat es damit noch Zeit, und dann werde ich mir für mein
Testament andere, ehrlichere Zeugen als euch holen. Ich habe euch aber
zu eurem eignen Wohl herbringen lassen ...«
Sie machten große Augen.
»Was habt ihr, Verfluchte, vorgestern beim Juden im Keller getrieben?
He?«
Das Staunen der Schreiber wuchs.
»Erlauben Sie, wer hat es Ihnen erzählt? ... Wir haben nichts getrieben,
sondern die Offiziere ...«
»Ja, ja, ich weiß alles. Darum tut ihr mir auch leid: Ihr Dummköpfe habt
euch ausgedacht, eure Schuld auf die Offiziere abzuwälzen, als wenn euch
das etwas nützen würde. Ihr habt nur das eine nicht bedacht, daß die
Offiziere sieben Leute sind, die bezeugen, daß ihr das Porträt
beschädigt habt, und daß ihr gegen sie nur zwei seid ... Wer wird euch
da Glauben schenken?«
»Erlauben Sie, aber wir ...«
»Nichts, keine Dummheiten reden ...« unterbrach sie Wischnewskij, »ich
weiß alles, -- ich bin über alles unterrichtet. Ihr habt euch
ausgeheckt, eine Anzeige zu schreiben, und während eure Denunziation
noch unterwegs ist, sind die Offiziere schon nach Perejaslaw, nach
Poltawa und Kiew geritten. Ich habe sie, Gott sei Dank, abgefangen und
bei mir festgehalten. Sie sind ihrer sieben Mann, und alle haben
gesehen, wie ihr die Gabeln geworfen habt.«
»Aber erlauben Sie, wann haben wir die Gabeln geworfen?«
»Nichts da«, schnitt ihnen Wischnewskij das Wort ab. »Ihr seid zwei, und
sie sind sieben, und ihr könnt euch nicht herauswinden. Zudem sind sie
angesehenere Leute als ihr, sind hochgeborne Adelige, und was seid ihr?
-- Dahergelaufene Schreiber, Unkraut.«
»Aber wir sind doch im Recht ...«
»Tja, was heißt das, Recht haben gegen Moskowiter! Sie sind ihrer
sieben, und ihr seid zwei. Und wißt ihr vielleicht nicht, daß bei uns
die ganze hohe Obrigkeit moskowitisch ist? Zudem werden die Teufelsjuden
sie bestimmt unterstützen und sagen, sie hätten gesehen, wie ihr die
Messer geworfen habt.«
»Aber bedenken Sie doch, Pan, die Juden sind ja Schelme.«
»Wer sagt denn, sie seien keine Schelme? Aber sie werden gegen euch
aussagen. Und deshalb ist es mir auch um euch leid, daß ihr in solche
Drangsal geraten seid.«
Die Schreiber, die in den Formen der Rechtsprechung bewandert waren,
sahen, daß ihre Sache, hol's der Teufel, in der Tat schlecht stand, daß
sie durchaus keine Chancen für sich hatten, ja daß vielleicht sogar die
ganze Schuld auf sie fallen könne.
»Sie sind sieben ... und wir sind zwei ...«
»Ja, und dazu die Juden ... es kann wohl sein ...«
»Was sollen wir nun tun, Euer Gnaden?«
»Was ich euch lehren werde. Setze sich einer von euch her und schreibe,
was ich ihm sage.«
Stepan Iwanowitsch diktierte, und das Schreiben begann:
»Da wir von Natur aus unverständig sind, und unser Gewissen durch die
Schmiergelder verfinstert ist ...«
Der Schreibende hielt inne, aber Wischnewskij fuhr ihn an:
»Schreibe, schreibe! Das ist notwendig so.«
... »Verfinstert ist, gingen wir Gerichtskopisten in den Keller bei dem
jüdischen Laden, betranken uns bis zur Bewußtlosigkeit und fingen an,
uns über die Verteilung der Schmiergelder zu streiten. Wir warfen
aufeinander mit Gabeln, aber weil wir sehr betrunken waren, fuhren sie
aus Unvorsichtigkeit in das Porträt ...«
Der Schreibende zögerte wieder, aber Stepan Iwanowitsch gab ihm einen
Stoß in den Rücken. Jener fuhr sogleich fort und schrieb den ganzen Akt
zu Ende, in dem er seine unfreiwillige Schuld bekannte und gestand, sie
hätten aus Furcht beschlossen, ihre Schuld auf die Offiziere zu
schieben, in der Annahme, daß ihnen als Kriegsleuten nichts geschehen
werde. Aber jetzt, im Gefühl ihrer Versündigung und im Gedanken an ihre
dereinstige Todesstunde, bereuten sie es und bäten die Offiziere, ihnen
zu verzeihen und von der Anzeige Abstand zu nehmen. Aber für ihre in
betrunkenem Zustande begangene Verfehlung, bäten sie selbst den Pan
Wischnewskij, sie auf seinem Gute Farbowanaja väterlich mit Ruten
züchtigen lassen zu wollen, worauf dann Wischnewskij die Güte haben
werde, sich zu verwenden, daß die Sache keine weiteren Folgen habe.
»Aber wofür, Euer Gnaden, wofür uns züchtigen?«
»Das steht nur so auf dem Papier.«
Sie unterschrieben es, dann unterschrieb Wischnewskij und ließ die
Offiziere rufen.
»Und Sie, meine Herren,« sagte er, »unterschreiben Sie es auch, daß Sie
einverstanden sind, ihnen, auch im Namen Ihrer Kameraden, zu verzeihen
und daß Sie als Soldaten großmütig sein wollen und die Angelegenheit
nicht weiter verfolgen werden.«
Die Offiziere unterschrieben.
»Jetzt ist alles erledigt,« sagte Stepan Iwanowitsch und steckte das
Papier in die Tasche. »Und nun,« fügte er, sich an seine Leute wendend,
hinzu, »führt diese Herrchen in den Pferdestall und gebt ihnen dort eine
tüchtige Portion Ruten.«
»Erlauben Sie, was heißt denn das?«
»Was das heißt? Das heißt, daß es hier geschrieben ist. Ihr wollt jetzt
schon das Geschriebene anfechten? Ehe! Feine Herrchen. Gebt ihnen ihre
Ruten, Jungens!«
Und man züchtigte sie mit Ruten.
Es wird erzählt, daß man diese Schreiber später noch lange fragte, wie
es ihnen zumute war, als sie in Farbowanaja »gefarbowalkt« wurden.
Der Kommandeur kam selbst zu Stepan Iwanowitsch nach Farbowanaja
gefahren, und wenn er es auch nicht aussprach, so drückte er doch
indirekt seine Anerkennung für diese Findigkeit und »die richtige
Wendung der Angelegenheit« aus.