[Fußnote 38: Worte, die einen zwiefachen ganz verschiednen Sinn annehmen

können, halten öfter die Ueberzeugung aus den klärsten Gründen lange

Zeit auf. Wie _Liebe_ überhaupt, so kann auch _Selbstliebe_ in die des

_Wohlwollens_ und des _Wohlgefallens_ (_benevolentiae et complacentiae_)

eingetheilt werden, und beide müssen (wie sich von selbst versteht)

vernünftig sein. Die erste in seine Maxime aufnehmen, ist natürlich

(denn wer wird nicht wollen, daß es ihm jederzeit wohl ergehe?). Sie ist

aber sofern vernünftig, als theils in Ansehung des Zwecks nur dasjenige,

was mit dem größten und dauerhaftesten Wohlergehen zusammen bestehen

kann, theils zu jedem dieser Bestandstücke der Glückseligkeit die

tauglichsten Mittel gewählt werden. Die Vernunft vertritt hier nur die

Stelle einer Dienerin der natürlichen Neigung; die Maxime aber, die man

deshalb annimmt, hat gar keine Beziehung auf Moralität. Wird sie aber

zum unbedingten Princip der Willkühr gemacht, so ist sie die Quelle

eines unabsehlich großen Widerstreits gegen die Sittlichkeit. -- Eine

vernünftige Liebe des _Wohlgefallens an sich selbst_ kann nun entweder

so verstanden werden, daß wir uns in jenen schon genannten auf

Befriedigung der Naturneigung abzweckenden Maximen (sofern jener Zweck

durch Befolgung derselben erreicht wird) wohlgefallen; und da ist sie

mit der Liebe des Wohlwollens gegen sich selbst einerlei; man gefällt

sich selbst, wie ein Kaufmann, dem seine Handlungsspeculationen gut

einschlagen, und der sich wegen der dabei genommenen Maximen seiner

guten Einsicht erfreut. Allein die Maxime der Selbstliebe des

_unbedingten_ (nicht von Gewinn oder Verlust aus den Folgen der Handlung

abhängenden) _Wohlgefallens_ an sich selbst würde das innere Princip

einer, allein unter der Bedingung der Unterordnung unserer Maximen unter

das moralische Gesetz, uns möglichen Zufriedenheit sein. Kein Mensch,

dem die Moralität nicht gleichgültig ist, kann an sich einen

Wohlgefallen haben, ja gar ohne ein bitteres Mißfallen an sich selbst,

sein, der sich solcher Maximen bewußt ist, die mit dem moralischen

Gesetze in ihm nicht übereinstimmen. Man könnte diese die

_Vernunftliebe_ seiner selbst nennen, welche alle Vermischung anderer

Ursachen der Zufriedenheit aus den Folgen seiner Handlungen (unter dem

Namen einer dadurch sich zu verschaffenden Glückseligkeit) mit den

Triebfedern der Willkühr verhindert. Da nun das Letztere die unbedingte

Achtung fürs Gesetz bezeichnet, warum will man durch den Ausdruck einer

_vernünftigen_, aber nur unter der letzteren Bedingung _moralischen

Selbstliebe_ sich das deutliche Verstehen des Princips unnöthigerweise

erschweren, indem man sich im Zirkel herumdreht (denn man kann sich auf

moralische Art nur selbst lieben; sofern man sich seiner Maxime bewußt

ist, die Achtung fürs Gesetz zur höchsten Triebfeder seiner Willkühr zu

machen)? Glückseligkeit ist unserer _Natur_ nach, für uns, als von

Gegenständen der Sinnlichkeit abhängige Wesen, das erste und das, was

wir unbedingt begehren. Eben dieselbe ist unserer Natur nach (wenn man

überhaupt das, was uns angeboren ist, so nennen will) als mit Vernunft

und Freiheit begabter Wesen, bei Weitem nicht das Erste, noch auch

unbedingt ein Gegenstand unserer Maximen; sondern dieses ist die

_Würdigkeit glücklich zu sein_, d. i. die Uebereinstimmung aller unserer

Maximen mit dem moralischen Gesetze. Daß diese nun objectiv die

Bedingung sei, unter welcher der Wunsch der ersteren allein mit der

gesetzgebenden Vernunft zusammenstimmen kann, darin besteht alle

sittliche Vorschrift; und in der Gesinnung, auch nur so bedingt zu

wünschen, die sittliche Denkungsart.]

[Fußnote 39: _B_ druckt: Daß aber Jemand nicht bloß ein

_gesetzlich_, sondern ..... (_virtus noumenon_) werde, welcher &c.]

[Fußnote 40: Daß der Begriff der Freiheit der Willkühr nicht vor dem

Bewußtsein des moralischen Gesetzes in uns vorhergehe, sondern nur aus

der Bestimmbarkeit unserer Willkühr durch dieses, als ein unbedingtes

Gebot, geschlossen werde; davon kann man sich bald überzeugen, wenn man

sich fragt, ob man auch gewiß und unmittelbar sich eines Vermögens

bewußt sei, jede noch so große Triebfeder zur Uebertretung (_Phalaris

licet imperet ut sis Falsus, et admoto dictet periuria tauro_) durch

festen Vorsatz überwältigen zu können. Jedermann wird gestehen müssen:

_er wisse nicht_, ob, wenn ein solcher Fall einträte, er nicht in seinem

Vorsatz wanken würde. Gleichwohl aber gebietet ihm die Pflicht

unbedingt: er _solle_ ihm treu bleiben; und hieraus _schließt_ er mit

Recht: er müsse es auch _können_, und seine Willkühr sei also frei. Die,

welche diese unerforschliche Eigenschaft als ganz begreiflich

vorspiegeln, machen durch das Wort _Determinismus_ (dem Satze der

Bestimmung der Willkühr durch innere hinreichende Gründe) ein Blendwerk,

gleich als ob die Schwierigkeit darin bestände, diesen mit der Freiheit

zu vereinigen, woran doch Niemand denkt; sondern: wie der

_Prädeterminismus_, nach welchem willkührliche Handlungen als

Begebenheiten ihre bestimmenden Gründe, _in der vorhergehenden Zeit_

haben (die, mit dem, was sie in sich hält, nicht mehr in unserer Gewalt

ist), mit der Freiheit, nach welcher die Handlung sowohl als ihr

Gegentheil in dem Augenblicke des Geschehens in der Gewalt des Subjects

sein muß, zusammen bestehen könne: Das ists, was man einsehen will, und

nie einsehen wird.

[[Den Begriff der _Freiheit_ mit der Idee von Gott, als einem

_nothwendigen_ Wesen, zu vereinigen, hat gar keine Schwierigkeit; weil

die Freiheit nicht in der Zufälligkeit der Handlung (daß sie gar nicht

durch Gründe determinirt sei), d. i. nicht im Indeterminismus (daß Gutes

oder Böses zu thun Gott gleich möglich sein müsse, wenn man seine

Handlung frei nennen sollte), sondern in der absoluten Spontaneität

besteht, welche allein beim Prädeterminismus Gefahr läuft, wo der

Bestimmungsgrund der Handlung _in der vorigen Zeit_ ist, mithin so, daß

jetzt die Handlung nicht mehr in _meiner_ Gewalt, sondern in der Hand

der Natur ist, mich unwiderstehlich bestimmt; da dann, weil in Gott

keine Zeitfolge zu denken ist, diese Schwierigkeit wegfällt.]]{[167]}]

[Fußnote 41: [+] [[Diese allgemeine Anmerkung{[168]} ist die erste von

den vieren, deren eine jedem Stücke dieser Schrift angehängt ist, und

welche die Aufschrift führen könnten: 1) von Gnadenwirkungen, 2)

Wundern, 3) Geheimnissen, 4) Gnadenmitteln. -- Diese sind gleichsam

_Parerga_ der Religion innerhalb der Grenzen der reinen Vernunft; sie

gehören nicht innerhalb dieselben, aber stoßen doch an sie an. Die

Vernunft im Bewußtsein ihres Unvermögens, ihrem moralischen Bedürfniß

ein Genüge zu thun, dehnt sich bis zu überschwenglichen Ideen aus, die

jenen Mangel ergänzen könnten, ohne sie doch als einen erweiterten

Besitz sich zuzueignen. Sie bestreitet nicht die Möglichkeit oder

Wirklichkeit der Gegenstände derselben, aber sie kann sie nur nicht in

ihre Maximen zu denken und zu handeln aufnehmen. Sie rechnet sogar

darauf, daß, wenn in dem unerforschlichen Felde des Uebernatürlichen

noch etwas mehr ist, als sie sich verständlich machen kann, was aber

doch zu Ergänzung des moralischen Unvermögens nothwendig wäre, dieses

ihrem guten Willen auch unerkannt zu Statten kommen werde, mit einem

Glauben, den man den (über die Möglichkeit desselben) _reflectirenden_

nennen könnte, weil der _dogmatische_, der sich als ein _Wissen_

ankündigt, ihr unaufrichtig oder vermessen vorkommt; denn die

Schwierigkeiten gegen das, was für sich selbst (praktisch) feststeht,

wegzuräumen, ist, wenn sie transscendente Fragen betreffen, nur ein

Nebengeschäft (Parergon). Was den Nachtheil aus diesen, auch

_moralisch_-transscendenten, Ideen anlangt, wenn wir sie in die Religion

einführen wollten, so ist die Wirkung davon, nach der Ordnung der vier

obbenannten Classen, 1) der vermeinten innern Erfahrung

(Gnadenwirkungen) _Schwärmerei_, 2) der angeblichen äußeren Erfahrung

(Wunder) _Aberglaube_, 3) der gewähnten Verstandeserleuchtung in

Ansehung des Uebernatürlichen (Geheimnisse) _Illuminatismus_,

Adeptenwahn, 4) der gewagten Versuche aufs Uebernatürliche hin zu wirken

(Gnadenmittel) _Thaumaturgie_, lauter Verirrungen einer über ihre

Schranken hinausgehenden Vernunft, und zwar in vermeintlich moralischer

(gottgefälliger) Absicht. -- Was aber diese allgemeine Anmerkung zum

ersten Stück gegenwärtiger Abhandlung besonders betrifft, so ist die

Herbeirufung der _Gnadenwirkungen_ von der letzteren Art und kann nicht

in die _Maximen_ der Vernunft aufgenommen werden, wenn diese sich

innerhalb ihren Grenzen hält; wie überhaupt nichts Uebernatürliches,

weil gerade bei diesem aller Vernunftgebrauch aufhört. -- Denn, sie

_theoretisch_ woran kennbar zu machen (daß sie Gnaden-, nicht innere

Naturwirkungen sind), ist unmöglich, weil unser Gebrauch des Begriffs

von Ursache und Wirkung über Gegenstände der Erfahrung, mithin über die

Natur hinaus nicht erweitert werden kann; die Voraussetzung aber einer

praktischen Benutzung dieser Idee ist ganz sich selbst widersprechend.

Denn als Benutzung würde sie eine Regel von dem voraussetzen, was wir

(in gewisser Absicht) Gutes selbst zu _thun_ haben, um etwas zu

erlangen; eine Gnadenwirkung aber zu erwarten, bedeutet gerade das

Gegentheil, nämlich, daß das Gute (das moralische) nicht unsere, sondern

die That eines andern Wesens sein werde, wir also sie durch _Nichtsthun_

allein _erwerben_ können, welches sich widerspricht. Wir können sie

also, als etwas Unbegreifliches, einräumen, aber sie weder zum

theoretischen, noch praktischen Gebrauch in unsere Maxime

aufnehmen.]]{[169]}]

[Fußnote 42: Diese Philosophen nahmen ihr allgemeines moralisches

Princip von der Würde der menschlichen Natur, der Freiheit, (als

Unabhängigkeit von der Macht der Neigungen), her; ein besseres und

edleres konnten sie auch nicht zum Grunde legen. Die moralischen Gesetze

schöpften sie nun unmittelbar aus der, auf solche Art, allein

gesetzgebenden und durch sie schlechthin gebietenden Vernunft, und so

war objectiv, was die Regel betrifft, und auch subjectiv, was die

Triebfeder anlangt, wenn man dem Menschen einen unverdorbenen Willen

beilegt, diese Gesetze unbedenklich in seine Maximen aufzunehmen, Alles

ganz richtig angegeben. Aber in der letztern{[170]} Voraussetzung lag

eben der Fehler. Denn, so früh wir auch auf unsern sittlichen Zustand

unsere Aufmerksamkeit richten mögen, so finden wir: daß mit ihm es nicht

mehr _res integra_ ist, sondern wir davon anfangen müssen, das Böse, was

schon Platz genommen hat, (es aber, ohne daß wir es in unsere Maxime

aufgenommen hätten, nicht würde haben thun können) aus seinem Besitz zu

vertreiben: d. i. das erste wahre Gute, was der Mensch thun kann, sei,

vom Bösen auszugehen, welches nicht in den Neigungen, sondern in der

verkehrten Maxime, und also in der Freiheit selbst zu suchen ist. Jene

erschweren nur die _Ausführung_ der entgegengesetzten guten Maxime; das

eigentliche Böse aber besteht darin: daß man jenen Neigungen, wenn sie

zur Uebertretung anreizen, nicht widerstehen _will_, und diese Gesinnung

ist eigentlich der wahre Feind. Die Neigungen sind nur Gegner der

Grundsätze überhaupt, (sie mögen gut oder böse sein), und sofern ist

jenes edelmüthige Princip der Moralität als Vorübung (Disciplin der

Neigungen überhaupt) zur Lenksamkeit des Subjects durch Grundsätze

vortheilhaft. Aber sofern es specifisch Grundsätze des _Sittlich-Guten_

sein sollen, und es gleichwohl als Maxime nicht sind, so muß noch ein

anderer Gegner derselben im Subject vorausgesetzt werden, mit dem die

Tugend den Kampf zu bestehen hat, ohne welchen alle Tugenden, zwar

nicht, wie jener Kirchenvater will, glänzende _Laster_, aber doch

_glänzende Armseligkeiten_ sein würden; weil dadurch zwar öfters der

Aufruhr gestillt, der Aufrührer selbst aber nie besiegt, und ausgerottet

wird.]

[Fußnote 43: Es ist eine ganz gewöhnliche Voraussetzung der

Moralphilosophie, daß sich das Dasein des Sittlichbösen im Menschen gar

leicht erklären lasse, und zwar aus der Macht der Triebfedern der

Sinnlichkeit einerseits, und aus der Ohnmacht der Triebfeder der

Vernunft (der Achtung fürs Gesetz) andererseits, d. i. aus _Schwäche_.

Aber alsdann müßte sich das Sittlichgute (in der moralischen Anlage) an

ihm noch leichter erklären lassen; denn die Begreiflichkeit des einen

ist, ohne die des andern, gar nicht denkbar. Nun ist aber das Vermögen

der Vernunft, durch die bloße Idee eines Gesetzes über alle

entgegenstrebenden Triebfedern Meister zu werden, schlechterdings

unerklärlich; also ist es unbegreiflich, wie die der Sinnlichkeit über

eine mit solchem Ansehen gebietende Vernunft, Meister werden können.

Denn, wenn alle Welt der Vorschrift des Gesetzes gemäß verführe, so

würde man sagen: daß Alles nach der natürlichen Ordnung zuginge, und

Niemand würde sich einfallen lassen, auch nur nach der Ursache zu

fragen.]

[Fußnote 44: Es ist eine Eigenthümlichkeit der christlichen Moral: das

Sittlichgute vom Sittlichbösen nicht wie den Himmel von der _Erde_,

sondern wie den Himmel von der _Hölle_ unterschieden vorzustellen; eine

Vorstellung, die zwar bildlich, und als solche empörend, nichts desto

weniger aber, ihrem Sinn nach, philosophisch richtig ist. -- Sie dient

nämlich dazu, zu verhüten: daß das Gute und Böse, das Reich des Lichts

und das Reich der Finsterniß, nicht als an einander grenzend, und durch

allmählige Stufen (der größern und mindern Helligkeit) sich in einander

verlierend gedacht, sondern durch eine unermeßliche Kluft von einander

getrennt vorgestellt werde. Die gänzliche Ungleichartigkeit der

Grundsätze, mit denen man unter einem oder dem andern dieser zwei Reiche

Unterthan sein kann, und zugleich die Gefahr, die mit der Einbildung von

einer nahen Verwandtschaft der Eigenschaften, die zu einem, oder dem

andern qualificiren, verbunden ist, berechtigen zu dieser

Vorstellungsart, die, bei dem Schauderhaften, das sie in sich enthält,

zugleich sehr erhaben ist.]

[Fußnote 45: _Zusatz_ von _B_.]

[Fußnote 46: _B_: diese.]

[Fußnote 47: _B_: geschehen sein müßten.]

[Fußnote 48: Es ist freilich eine Beschränktheit der menschlichen

Vernunft, die doch einmal von ihr nicht zu trennen ist: daß wir uns

keinen moralischen Werth von Belange an den Handlungen einer Person

denken können, ohne zugleich sie, oder ihre Aeußerung auf menschliche

Weise vorstellig zu machen; ob zwar damit eben nicht behauptet werden

will, daß es an sich ([Griechisch: kat' alêtheian]) auch so bewandt sei;

denn wir bedürfen, um uns übersinnliche Beschaffenheiten faßlich zu

machen, immer einer gewissen Analogie mit Naturwesen. So legt ein

philosophischer Dichter dem Menschen, sofern er einen Hang zum Bösen in

sich zu bekämpfen hat, selbst darum, wenn er ihn nur zu überwältigen

weiß, einen höheren Rang auf der moralischen Stufenleiter der Wesen bei,

als selbst den Himmelsbewohnern, die, vermöge der Heiligkeit ihrer

Natur, über alle mögliche Verleitung weggesetzt sind (die Welt mit ihren

Mängeln, -- ist besser, als ein Reich von willenlosen Engeln. _Haller_).

-- Zu dieser Vorstellungsart bequemt sich auch die Schrift, um die Liebe

Gottes zum menschlichen Geschlecht uns ihrem Grade nach faßlich zu

machen, indem sie ihm die höchste Aufopferung beilegt, die nur ein

liebendes Wesen thun kann, um selbst Unwürdige glücklich zu machen;

(»Also hat Gott die Welt geliebt,« u. s. w.): ob wir uns gleich durch

die Vernunft keinen Begriff davon machen können, wie ein allgenugsames

Wesen etwas von dem, was zu seiner Seligkeit gehört, aufopfern, und sich

eines Besitzes berauben könne. Das ist der _Schematismus der Analogie_

(zur Erläuterung), den wir nicht entbehren können. Diesen aber in einen

_Schematismus der Objectsbestimmung_ (zur Erweiterung unseres

Erkenntnisses) zu verwandeln ist _Anthropomorphismus_, der in

moralischer Absicht (in der Religion) von den nachtheiligsten Folgen

ist. -- Hier will ich nur noch beiläufig anmerken, daß man im Aufsteigen

vom Sinnlichen zum Uebersinnlichen zwar wohl _schematisiren_, (einen

Begriff durch Analogie mit etwas Sinnlichem faßlich machen),

schlechterdings aber nicht nach der Analogie von dem, was dem Ersteren

zukömmt, daß es auch dem Letztern beigelegt werden müsse, _schließen_

(und so seinen Begriff _erweitern_) könne, und dieses zwar aus dem ganz

einfachen Grunde, weil ein solcher Schluß wider alle Analogie laufen

würde, der daraus, weil wir ein Schema zu einem Begriffe, um ihn uns

verständlich zu machen, (durch ein Beispiel zu belegen) nothwendig

brauchen, die Folge ziehen wollte, daß es auch nothwendig dem

Gegenstande selbst als sein Prädicat zukommen müsse. Ich kann nämlich

nicht sagen: so wie ich mir die Ursache einer Pflanze (oder jedes

organischen Geschöpfs und überhaupt der zweckvollen Welt) nicht anders

_faßlich machen_ kann, als nach der Analogie eines Künstlers in

Beziehung auf sein Werk (eine Uhr), nämlich dadurch, daß ich ihr

Verstand beilege: so muß auch die Ursache selbst (der Pflanze, der Welt

überhaupt) Verstand _haben_; d. i. ihr Verstand beizulegen, ist nicht

bloß eine Bedingung meiner Faßlichkeit, sondern der Möglichkeit Ursache

zu sein selbst. Zwischen dem Verhältnisse aber eines Schema zu seinem

Begriffe und dem Verhältnisse eben dieses Schema des Begriffs zur Sache

selbst ist gar keine Analogie, sondern ein gewaltiger Sprung

([Griechisch: metabasis eis allo genos]) der gerade in den

Anthropomorphismus hineinführt, wovon ich die Beweise anderwärts gegeben

habe.]

[Fußnote 49: Es muß nicht übersehen werden, daß hiermit nicht gesagt

werden wolle: daß die Gesinnung die Ermangelung des Pflichtmäßigen,

folglich das wirkliche Böse in dieser unendlichen Reihe zu _vergüten_,

dienen solle; (vielmehr wird vorausgesetzt, daß die Gott wohlgefällige

moralische Beschaffenheit des Menschen in ihr wirklich anzutreffen sei),

sondern: daß die Gesinnung, welche die Stelle der Totalität dieser Reihe

der ins Unendliche fortgesetzten Annäherung, vertritt, nur den von dem

Dasein eines Wesens in der Zeit überhaupt unzertrennlichen Mangel, nie

ganz vollständig das zu sein, was man zu werden im Begriffe ist,

ersetze; denn was die Vergütung der in diesem Fortschritte vorkommenden

Uebertretungen betrifft, so wird diese bei der Auflösung der _dritten_

Schwierigkeit in Betrachtung gezogen werden.]

Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft Text der Ausgabe 1793, mit Beifügung der Abweichungen der Ausgabe 1794 · 第 19 / 23 段