Der Reisende. Das Fräulein.
Der Reisende. So wenig ich mich mit diesem Menschen gemein gemacht
habe, so gemein macht er sich mit mir.
Das Fräulein. Warum verlassen Sie uns, mein Herr? Warum sind Sie
hier so allein? Ist Ihnen unser Umgang schon die wenigen Stunden, die
Sie bei uns sind, zuwider geworden? Es sollte mir leid tun. Ich
suche aller Welt zu gefallen; und Ihnen möchte ich, vor allen andern,
nicht gern mißfallen.
Der Reisende. Verzeihen Sie mir, Fräulein. Ich habe nur meinem
Bedienten befehlen wollen, alles zur Abreise fertig zu halten.
Das Fräulein. Wovon reden Sie? von Ihrer Abreise? Wenn war denn Ihre
Ankunft? Es sei noch, wenn Sie über Jahr und Tag eine melancholische
Stunde auf diesen Einfall brächte. Aber wie, nicht einmal einen
völligen Tag aushalten wollen? Das ist zu arg. Ich sage es ihnen,
ich werde böse, wenn Sie noch einmal daran gedenken.
Der Reisende. Sie könnten mir nichts Empfindlichers drohen.
Das Fräulein. Nein? im Ernst? ist es wahr, würden Sie empfindlich
sein, wenn ich böse auf Sie würde?
Der Reisende. Wem sollte der Zorn eines liebenswürdigen Frauenzimmers
gleichgültig sein können?
Das Fräulein. Was Sie sagen, klingt zwar beinahe, als wenn Sie
spotten wollten, doch ich will es für Ernst aufnehmen; gesetzt, ich
irrte mich auch. Also, mein Herr,--ich bin ein wenig liebenswürdig,
wie man mir gesagt hat,--und ich sage Ihnen noch einmal, ich werde
entsetzlich, entsetzlich zornig werden, wenn Sie, binnen hier und dem
neuen Jahr, wieder an Ihre Abreise gedenken.
Der Reisende. Der Termin ist sehr liebreich bestimmt. Alsdann
wollten Sie mir, mitten im Winter, die Türe weisen; und bei dem
unbequemsten Wetter-Das Fräulein. Ei! wer sagt das? Ich sage nur,
daß Sie alsdann, des Wohlstands halber, etwa einmal an die Abreise
denken können. Wir werden Sie deswegen nicht fortlassen; wir wollen
Sie schon bitten--
Der Reisende. Vielleicht auch des Wohlstands halber?
Das Fräulein. Ei! seht, man sollte nicht glauben, daß ein so
ehrliches Gesicht auch spotten könnte.--Ah! da kömmt der Papa. Ich
muß fort! Sagen Sie ja nicht, daß ich bei Ihnen gewesen bin. Er
wirft mir so oft genug vor, daß ich gern um Mannspersonen wäre.