_Die Preiserniedrigung der edlen Metalle[11]._
Die %Preiserniedrigung aller Circulationsmittel%, welche in den
meisten europäischen Ländern während des 16. Jahrhunderts vor sich
gegangen ist, wird in der Regel als eine Folge der grossen
amerikanischen Minenproduction betrachtet. Und die wichtigste Ursache
ist diess allerdings; aber schwerlich die einzige. Das Sinken der
Metallpreise nämlich war schon in einer Zeit bedeutend, als die
amerikanischen Zuflüsse nachweislich noch lange nicht die Ausdehnung
erreicht hatten, um eine solche Wirkung erklären zu können. Während
insbesondere vor der Entdeckung Potosis (1545) fast gar kein
amerikanisches Silber nach Europa strömte, war doch in Frankreich
schon zwischen 1500 und 1530 der Preis des Silbers um etwa 50 Procent
gesunken[12]; und die, bis 1522 geradezu ausschliessliche, Goldzufuhr
aus Amerika hat gleichwohl den Preis des Goldes dem Silber gegenüber
nicht bemerkbar verringert. Ein Hauptgrund des ganzen Vorganges wird
vielmehr in den gleichzeitigen inneren Veränderungen der europäischen
Volkswirthschaft liegen. Diese erwachte damals in den meisten Ländern
aus dem Schlafe des Mittelalters. Das starre Volkskapital wurde
gleichsam flüssig. Mit der wachsenden Rechtssicherheit wurde auch die
Speculation rühriger, und beides zusammen trieb die Einzelnen wie die
Staaten an, das mittelalterliche Schatzwesen aufzugeben. Während das
Geld früher hauptsächlich als Werthdepositum gedient hatte, trat nun
seine Umlaufsfähigkeit in den Vordergrund. Die zunehmende
Arbeitstheilung machte den Umlauf immer schneller. Zugleich entfaltete
der Credit sowohl seine productionsfördernde, wie seine geldersparende
Kraft immer grossartiger. Auch die eigentlichen Geldsurrogate, wie
z. B. Wechsel, wurden bedeutender[13]. So erklärt es sich denn,
wesshalb in Italien, dem zuerst gereiften Lande der neuern Zeit, auch
die Wohlfeilheit der edlen Metalle schon vor der Entdeckung Amerikas
völlig entwickelt war. Hier sind die Waarenpreise zu Anfang des 16.
Jahrhunderts fast gar nicht gestiegen; ja, man behauptet sogar, dass
der Preis des Geldes um 1750 auf den italienischen Märkten wenig
niedriger gewesen, als um 1450[14].
Hiermit hängt es nun auch zusammen, dass die grosse Preisrevolution
verschiedene Länder zu sehr verschiedener Zeit ergriffen hat. In
Frankreich z. B. und in Ober-Deutschland fing die Erschütterung bereits
in den ersten Decennien des 16. Jahrhunderts an, war aber in den
achtziger Jahren wieder zur Ruhe gelangt. In %England% dagegen, wo sie
erst im dritten Decennium des 17. Jahrhunderts zur Ruhe kam, ist auch
ihr Anfang ein ungleich späterer gewesen.
Zu den frühesten und zugleich bekanntesten Klagen über diesen Vorgang
sind einige Aeusserungen in den Predigten des berühmten HUGH LATIMER zu
rechnen. Dieser ebenso fromme und gelehrte, wie populäre Bischof, dessen
evangelische Opposition von Heinrich VIII. mit Absetzung und Gefängniss,
von der katholischen Maria (1555) mit dem Scheiterhaufen gestraft wurde,
hielt in der Zwischenzeit am Hoflager des minderjährigen Königs,
Eduards VI., Predigten in der Paulskirche. In einer derselben (19.
Januar 1548) zählt er die traurigen Folgen auf, womit die grosse, immer
noch wachsende allgemeine Waarentheuerung das englische Volk bedrohe. An
seiner eigenen Familie habe er Gelegenheit gehabt, diess zu beobachten.
»Mein Vater war Pächter, ohne eigenen Grundbesitz; er hatte ein kleines
Gut zu 3 bis 4 Pfund St. gepachtet, und bauete darauf so viel Getreide,
um ein halbes Dutzend Menschen zu ernähren. Er hatte Weide für 100
Schafe, und meine Mutter melkte 30 Kühe. Er konnte ein Pferd halten, und
dem Könige als gepanzerter Reitersmann dienen; ich selbst erinnere mich
noch, ihm den Harnisch angeschnallt zu haben, als er zum Treffen von
Blackheath (1497) gieng. Er verheirathete meine Schwestern, jede mit
einer Aussteuer von 5 Pfund St. oder 20 Nobles, und erzog sie in
Frömmigkeit und Gottesfurcht. Gegen arme Nachbaren übte er
Gastfreundschaft, und gab stets Almosen. Alles diess leistete er bei
seinem niedrigen Pachtschillinge. Jetzt aber zahlt er jährlich 16 Pfund
St. Pacht, und ist ausser Stande, weder für seinen König, noch für sich,
noch für seine Kinder etwas zu thun, noch den Armen einen Trunk zu
geben.« An einer andern Stelle wird das Steigen der Grundrenten doch
etwas niedriger gesetzt: »was für 20 oder 40 Pfund St. verpachtet wurde,
kostet jetzt 50 oder 100 Pfund St. und mehr. Daher entsteht denn
Hungersnoth für die Armen inmitten eines Ueberflusses von Früchten; alle
Nahrungsmittel sind unnatürlich theuer, und wir werden bald für ein
Schwein 1 Pfund St. zahlen müssen. Die ärztliche Behandlung des
Landvolkes, die juristische Anwaltschaft für die Armen, die Waaren der
Kaufleute, Alles ist zu theuer, wenn die Einnahmen der Grundbesitzer zu
hoch sind.«[15] Als letzte Ursache des Uebels wird hier offenbar die
Steigerung der Pachtschillinge angesehen, wobei der ehrwürdige Verfasser
auf das Lebhafteste gegen die _Inclosures_, die Vermehrung der
Schafweiden, den Getreidewucher u. dgl. m. eifert.
Man hat diese Stelle in der Regel zum Beweise gebraucht, dass bereits
vor der Mitte des 16. Jahrhunderts ein bedeutendes Sinken der
Geldpreise in England bemerklich geworden sei. Indessen bietet sie
gerade in dieser Hinsicht grosse, zum Theil noch unbeachtete,
Schwierigkeiten dar, welche durch die blosse Erwägung der veränderten
Münzfüsse keineswegs gehoben werden. Es waren nämlich in heutiger
Währung 4 Pfund St. um 1497 = 5 Pfund 6 S. 8 D., und 16 Pfund St. um
1548 = 14 Pfund 2 S.: so dass die Pachtsteigerung des alten Latimer
nicht 300, sondern nur etwas über 164 Procent betrug. -- Dass nun eine
Preiserniedrigung der Circulationsmittel gerade den Pächterstand schwer
bedrücken sollte, ist kaum zu glauben. In der Regel wird sie diesem
grossen Vortheil bringen, weil seine Pachtcontracte, so lange sie eben
laufen, noch den alten Werth des Geldes zur Unterlage haben, seine
Producte aber schon zu den neuen Preisen abgesetzt werden. Selbst wenn
der Vater Latimer's ein jährlich kündbarer Pächter gewesen wäre, so
hätte die Steigerung seines Pachtzinses, durch ein Sinken der
Geldpreise bewirkt, der Steigerung der Kornpreise schwerlich
voraufgehen können. Die Kornpreise aber sind in der vorliegenden
Periode keineswegs bedeutend höher geworden. Nach den Untersuchungen
Arthur Youngs[16] galt der Quarter Weizen, nach heutigem Gelde
berechnet, im Durchschnitt der Jahre
1500 - 1519 6 S. 7 D.
1532 - 1562 8 S. 3-1/2 D.
1573 - 1575 1 Pfund 15 S. 8 D.
1586 - 1599 2 Pfund 2 S. 4 D.
Ich habe ferner aus den, von Eden mitgetheilten, Weizenpreisen[17] den
Durchschnitt gezogen, und auf heutiges Geld reduciert; hiernach kämen
alsdann auf die Jahre
1495 - 1504 10 S.
1505 - 1514 13 S. 4 D.
1515 - 1526[18] 18 S. 1 D.
1527 - 1542 20 S. 4 D.
1543 - 1552 17 S. 9 D.
1553 - 1560 14 S. 7 D.
1561 - 1569 17 S.
1572 - 1585 22 S. 4 D.
1586 - 1599 34 S. 4 D.
Diese beiden, an sich ziemlich unsicheren, Angaben werden für unsern
Zweck hinreichend corrigiert durch die Bestimmungen der englischen
Korngesetze. Es ward nämlich die Ausfuhr des Getreides nur dann erlaubt,
wenn die Kornpreise auf einen, nach der Ansicht des Gesetzgebers recht
niedrigen, Stand gesunken wären. Und zwar wurde dieser Normalpreis
festgesetzt für den Quarter Weizen
1554 auf 6 S. 8 D.
1559 6 S. 8 D.
1563 10 S.
1593 20 S.
1604 26 S. 8 D.[19]
Aus allen diesen Angaben erhellt wenigstens so viel, dass eine
bedeutende Steigerung der Kornpreise erst unter Elisabeth
eingetreten[20]. -- Den scheinbaren Widerspruch zwischen solchen
Thatsachen und den Aeusserungen des Bischofs Latimer glaube ich auf
folgende Art lösen zu können. Die Theuerung der Kaufmannswaaren, der
feineren Arbeitslöhne u. s. w. wird von der allgemeinen, schon damals
begonnenen Preiserniedrigung der Circulationsmittel herrühren. Dass
die Kornpreise hiervon nicht mit gesteigert wurden, schreibe ich den
grossen Verbesserungen des englischen Ackerbaues zu, welche die erste
Hälfte des 16. Jahrhunderts charakterisieren, insbesondere auch seit
der Secularisation der Klostergüter. Mit der hierin liegenden
Verminderung der Productionskosten vermochte das Zunehmen der
Bevölkerung nicht gleichen Schritt zu halten. Eine Steigerung der
Grundrente, im streng Ricardo'schen Sinne des Worts, kann freilich die
unmittelbare Folge hiervon nicht sein; gar wohl aber eine Steigerung
der Pachtschillinge, in denen ja der Kapitalzins meistens eine so
bedeutende Quote bildet. Die jener Zeit übliche Zusammenlegung vieler
kleiner Farms in grosse, die Einführung der Koppelwirthschaft
u. s. w.: alles diess musste in unzähligen Fällen eine für die kleinen
Pächter sehr ungünstige Concurrenz veranlassen; um so mehr, als die
weltlichen Besitzer der früheren Klosterländereien ihre Untergebenen
überhaupt viel rücksichtsloser behandelten, als diese unterm
Krummstabe gewohnt waren. Man denke nur an die furchtbaren
Bauernkriege des Jahres 1549, welche hauptsächlich Wiederherstellung
der Klöster und Beseitigung der _Inclosures_ bezweckten. Noch 1597
kommt in Oxfordshire ein kleiner Aufruhr vor, um die Zäune
einzureissen und den Kornbau wiederherzustellen; 1607 ein sehr
bedeutender in den mittelländischen Grafschaften zu demselben Zwecke.
Ein so steinalter Mann, wie des Bischofs Vater, konnte sich natürlich
in die ganz veränderte Landwirthschaft der neuen Generation wenig
finden, und musste dadurch verarmen. Diess lag um so näher, als seine
Farm besonders auf Viehhaltung eingerichtet war, und die neuen
Verbesserungen des Betriebes sich ganz vorzugsweise auf diesen Zweig
geworfen hatten. Endlich muss man auch die Stimmung des Bischofs
selbst berücksichtigen, der gleichfalls ein alter Mann, dazu
Geistlicher war, und den Uebergang der Landwirthschaft aus dem alten
_feudal system_ in das neue _commercial system_ mit ähnlichem
Missbehagen ansehen mochte, wie mancher heutige Greis die Ausdehnung
der Eisenbahnen. Alle Geistlichen waren damals in ihrem Einkommen
geschmälert, und empfanden, wie jeder wirthschaftlich sinkende Stand,
die vielen Münzverringerungen auf das Bitterste. -- Sogar die speciell
erwähnte Theuerung des Schweinefleisches lässt sich aus inneren
Veränderungen der Waare selbst erklären. Das Schwein pflegt im
Mittelalter jedes Volkes das gemeinste und wohlfeilste Hausthier zu
sein, und dann auf den höheren Kulturstufen, wenn namentlich die
Waldfläche sich verkleinert, in besonders hohem Grade theuerer zu
werden. Hierzu kam nun im damaligen England noch die starke
Verminderung der kleinen Pächter und ländlichen _Cottagers_, d. h.
also derjenigen Klasse, welche zu jeder Zeit die Mehrzahl der Schweine
zu halten und von den Abfällen ihrer kleinen Wirthschaft zu ernähren
pflegt.
Als nun später die grosse Preisrevolution im vollen, unzweifelhaften
Gange war, erschien eine geistvolle, welterfahrene Schrift, um die
öffentliche Meinung darüber in Worte zu fassen und zu kritisieren: _A
compendious or briefe examination of certayne ordinary complaints of
divers of our countrymen in these our days; which, although they are in
some part unjust and frivolous, yet they are all by way of dialogues
thoroughly debated and discussed. By W. S., gentleman. 4. London 1581._
Als Verfasser wird insgemein WILLIAM STAFFORD genannt[21]. Das Werk ist
in Form eines Gesprächs zwischen einem Landedelmanne, einem Doctor der
Theologie, einem Pächter, einem Krämer und einem Mützenmacher
geschrieben, um auf solche Art die wichtigsten Volksklassen zu
repräsentieren[22]. Charakteristisch genug, dass die Klasse der
vorzugsweise s. g. Arbeiter fehlt! -- Ueber den Grad der beklagten
Preisveränderung wird u. A. Folgendes bemerkt. Es koste jetzt, also
1581, 200 Pfund St., um ein ebenso gutes Haus zu halten, wie 16 Jahre
früher für 200 Mark, d.i. 133 Pfund 6 S. 8 D. (_fol._ 5). Eine Mütze
habe damals 13 D. gekostet, jetzt 2 S. 6 D.; ein Paar Schuhe damals
6 D., jetzt wenigstens 12 D.; ein Pferd zu beschlagen damals 6 D., jetzt
10 bis 12 D. (_fol._ 11). Vor 30 Jahren sei die beste Gans oder ein
Spanferkel um 4 D. zu haben gewesen, jetzt nur um 12 D. Ein guter Kapaun
habe damals 3 bis 4 D., ein Küchlein 1 D., eine Henne 2 D. gekostet;
jetzt gelten sie das Doppelte oder Dreifache. Aehnliches Steigen der
Hammel- und Ochsenpreise (_fol._ 14).
Die Klagen des Landedelmannes beziehen sich darauf, dass er nicht so im
Stande sei, wie die meisten anderen Klassen, den Preis seiner Ländereien
in gleichem Verhältniss zu dem Steigen der Waarenpreise höher zu
treiben. Seine Renten seien zwar etwas bedeutender, als die seiner
Vorfahren; die Kosten seines Haushaltes aber in viel höherem Grade. Als
Ursache hiervon bezeichnet er mit Recht die in England herrschende
Gewohnheit, die Pachtcontracte auf lange Zeiten, insbesondere auf
mehrere Lebensläufe, abzuschliessen. Viele seiner Standesgenossen waren
desshalb genöthigt, ihre Landsitze zu verlassen, und sich zu London, in
der Nähe des Hofes ganz bescheiden einzumiethen: Männer, die ehedem
gewohnt waren, bis 10 Gentlemen in ihrem Hause zu unterhalten, und
ausserdem noch 20 bis 24 Personen täglich als Gäste zu bewirthen. Wer
von ihnen das Landleben fortsetzen wollte, der musste die, durch Ablauf
der Pacht heimgefallenen, Grundstücke selbst verwalten; auch wohl fremde
Besitzungen noch dazu pachten, um sie mit Schafen oder sonstigem Vieh zu
bewirthschaften. Alle übrigen Nahrungszweige seien dem Edelmanne ja so
gut wie verboten. -- Gegen diese Mitbetheiligung der Gutsherren an der
Landwirthschaft hat nun der Pächter viel einzuwenden. Die Grundrenten
seien hierdurch enorm gestiegen. Ganz besonders aber klagt er die vielen
Einhegungen an[23]. Dadurch werden die Pflüge zu Gunsten des Weidelandes
lahm gelegt. So sind in meiner Gegend, 6 Meilen in die Runde, während
der letzten Jahre mehr als ein Dutzend Pflüge ausser Beschäftigung
gekommen; und wo ehemals 30 und mehr Personen ihren Unterhalt fanden, da
sitzt nun Einer mit seinem Vieh, und hat Alles. Diess ist eine
Hauptursache der jüngsten Unruhen gewesen; denn die Vielen, welche durch
die Einzäunungen ihr Brot verloren haben und müssig gehen, wünschen eine
Umwälzung, wobei es ihnen nicht übeler gehen kann, als jetzt. Die
vornehmste Ursache aller unserer Noth sind die Schäfereien. Sie
verdrängen die Pachtungen, durch welche vormals die Lebensmittel jeder
Art zu niedrigem Preise erlangt wurden. Nun hört man nichts mehr, als
Schafe, Schafe! während es doch besser wäre, nicht allein Schafe zu
halten, sondern auch hinlänglich viele Ochsen, Kühe, Schweine und
anderes Hausvieh, um genug Butter, Käse, Malz und Korn zu
producieren[24]. -- Freilich meint nun der Kaufmann, dass er niemals
einen grössern Ueberfluss an Getreide und Vieh gesehen habe, als gerade
jetzt, und im Ganzen während der letzten zwanzig Jahre überhaupt. Woraus
dann von dem Gutsherrn der richtige Schluss gezogen wird, die
Einzäunungen könnten schwerlich die Ursache der Theuerung sein; am
allerwenigsten der Viehtheuerung, weil Nichts in der Welt die Viehzucht
so sehr befördert, wie eben das Einzäunen. -- Der Mützenfabrikant
beschwert sich über die Steigerung des Arbeitslohnes. Er müsse seinen
Arbeitern 2 Pence mehr für den Tag zahlen, als ehedem; und doch könnten
diese nur kümmerlich davon bestehen. Auch die Handwerker haben einen
schweren Stand, seitdem sich die Edelleute in Viehpächter verwandelt
haben. Alle Gewerbetreibenden sind daher gezwungen, die Zahl ihrer
Lehrlinge und Gehülfen auf das Aeusserste einzuschränken: was die bisher
so reichen und starkbevölkerten Städte verarmen und entvölkern muss. Die
Unruhen der letzten Zeit hängen auch hiermit zusammen. -- Dieser Verfall
der Städte, jedoch mit Ausnahme Londons, wird von dem Kaufmanne
bestätigt. Er fügt noch hinzu, dass sich die allgemeine Theuerung auch
auf die ausländischen Waaren erstreckte: Seide, Wein, Oel, Specereien
kosteten jetzt über ein Drittel mehr, als noch vor wenig Jahren. -- Der
theologische Doctor endlich vervollständigt diesen Katalog der
Zeitkrankheiten mit der grossen religiösen Spaltung des Landes, welche
die Menschen unter einander verfeinde. Es fragt sich, meint er sodann,
ob der Theuerung nicht könnte abgeholfen werden, wenn der Landmann
genöthigt würde, den Preis seiner Producte herabzusetzen; der Gutsherr,
seine Ländereien nach dem alten Fusse zu verpachten, und so ein Jeder
auf seinem Gebiete. Auch die Fremdwaaren fielen dann vermuthlich im
Preise. Wenn jetzt die Ausländer z. B. ein Stück Sammet für 20 oder 22
Schilling verkaufen, und dieses Geld hernach für einen Stein Wolle
hingeben: so würden sie wahrscheinlich wohl bereit sein, uns den Sammet
für eine Mark zu überlassen, falls sie auch den Stein Wolle für eine
Mark haben könnten. Zum Schluss erklärt der Doctor die allgemeine
Waarentheuerung bei ebenso allgemeinem Waarenüberflusse aus der
vergrösserten Geldmenge, welche der Handel ins Land gezogen[25].
Gelegentlich wird noch der Rath ertheilt, die Wolle ebenso wohlfeil zu
machen, wie das Korn; indem man, nach Art der Kornausfuhrverbote, auch
die Ausfuhr der rohen Wolle entweder ganz untersagte, oder doch mit
höheren Zöllen beschwerte[26].