»Sieh da -- im Aussichtstempelchen oben hängt ein Lampion, das ist ja
famos!« sagte die Führerin.
Der Achtunddreißigjährige fieberte wie ein Schulknabe.
»So, nun schauen Sie hinaus!«
Da lag das Schlößchen hart unter den zweien, schützend umfangen vom
tiefen Schwarz der ragenden Bergketten hüben und drüben ... wie
eine Märchenfeste schimmernd mit den hellerleuchteten Fenstern, den
flimmernden Lichtschnüren der Lampions zwischen den Gartengehegen ...
Lachen und Gläserklingen scholl herauf ...
Und hier droben die beiden Menschen ... entrückt, entronnen den
lauernden Blicken der Gesellschaft, den hämischen Glossen, dem
liebevoll forschenden Vaterblick ...
So, dachte Nelly, nun sprich du ... nun sprich!
Aber Wilhelm Frobenius sprach nicht.
Der Mund, der so beredt vom Katheder hernieder die Herrlichkeiten
der Dichtung lauschenden Hörerscharen zu erschließen wußte, der noch
vor wenigen Minuten drunten bei Tafel nicht müde geworden war des
feinsinnigen Geplauders über allerhand schöne und gute Dinge, ernste
Fragen des Lebens, der Wissenschaft, der Kunst ... der Mund war
verstummt.
Die haarige Rechte rieb mechanisch, unbeholfen die dick aufquellende
Beule an Stirn und Nasenrücken --
»Haben Sie sich weh getan?«
»Ich sehe nicht das mindeste ... ich bin reinweg wie blind!«