Nun hatten sie gefunden ... ihn gefunden ...!
Die flaumigen Bäckchen flammten ... sie nickte ihm kurz und gemessen
...
Da sprang er auf ... stand stramm ... legte die Hand an die Feldmütze
... und warf sich dann wieder lang hin neben das qualmende Feuer ...
überhörte die plumpen Späße seiner Kameraden, des Sergeanten Metzges,
des Oberlazarettgehilfen Nattermüller, des Unteroffiziers Franzkowiak
...
Stumm und ausgehungert löffelte er aus dem blechernen
Kochgeschirrdeckel seine Erbswurstsuppe in sich hinein -- seine Seele
aber formte den letzten Vers zu seinem Morgenliede:
»In Demut will ich pflücken,
was mir das Glück geoffenbart --
ganz ohne Sinn beglücken,
ist Glückes Art -- ist -- Glückes -- Art.«
* * * * *
Vor dem Bataillonsstabszelt, der einzigen Behausung im ganzen Biwak,
die mit den Wohnungen zivilisierter Menschen eine entfernte Ähnlichkeit
hatte, unter dem Vordach, das wenigstens einen dürftigen Schutz gegen
den immerzu munter niederströmenden Regen bot, hatte sich eine lustige
Tafelrunde zusammengeschart ... ein paar hochkant gestellte Kisten
bildeten Tische und Sitzgelegenheit ... das Service bestand aus groben
Steinguttellern, aber die erlesensten Delikatessen der Saison gab's
diesmal zu schmausen statt der üblichen Feldkost, der Preßgemüsesuppe,
des halbverbrutzelten Konservengulasch ... Das heißt, auch diese
kriegsmäßigen Speisen fanden ihre Abnehmer ... die drei Damen kosteten
sie mit Begeisterung ... die mitgebrachten Herrlichkeiten überließen
sie den Herren ...
Den Sekt trank man aus ramponierten Kaffeetassen ...
»An meiner is kein Henkel dran ...!«
»Schad' nischt -- is Henkell drin!« schmunzelte der flaumbärtige
Carstanjen.
Sassenbach hielt eine kleine Rede auf den holden Besuch: »Mit hold
meine ich natürlich nur die gnädige Frau, nicht euch, ihr Mädels ...
das bildet euch bloß nicht ein!«
Mit galantem, stürmischem »Oho!« protestierten die Leutnants.
Frau Cäcilie war still ... sie nahm sich zusammen; denn einmal hatte
sie einen Blick ihres Gatten aufgefangen, der mit stummer, banger
Beobachtung an ihr hing, als sie hingerissen ... selbstvergessen mit
Martin Flamberg geplaudert ...
Doch immer verglich lechzend, qualvoll ihr armes Herz.
Hier ein friedlich knisterndes Herdfeuer -- dort eine jetzt verhalten
glostende, oft aber heiß und goldigrot auflodernde Glut.
Warum bin ich heraufgekommen? -- Nutzlose Quälerei!
Und doch zählte sie angstvoll Viertelstunde um Viertelstunde, die
verrann unter neckendem Geplauder, hin und wieder flatternden
Scherzworten.
Der Sekt schäumte in blauen Emaillebechern, in zerbrochenen Tassen aus
dem Fünfzigpfennigbasar. Gleichmäßig tropfte draußen der Regen aus
den ziehenden Nebelschwaden hernieder. Die Dämmerung sank. Gesättigt,
sangen draußen die Soldaten immer und immer wieder das Heimkehrlied:
»Es winket uns in weiter Ferne
Das liebe, teure Vaterhaus!
Wir war'n Soldaten, waren's gerne,
Doch jetzt ist unsre Dienstzeit aus!
Ihr Brüder, stoßt die Gläser an --
Es lebe der Reservemann!
Wer treu gedient hat seine Zeit,
Dem sei ein volles Glas geweiht!«
Und eine tief lastende Melancholie umwob das Haupt der schönen Frau ...
Warum war sie nur heraufgekommen? Es hatte ja doch keinen Zweck.
Mit einem Male meldete von draußen her die Stimme des Postens vor der
Fahne: »Der Herr Oberst kommt!«
Hei -- das platzte wie eine Granate mitten hinein in die harmlos
schmausende Gesellschaft!