Ach, du süßes, süßes Mädel! ... Herrgott, nur sieben Wochen noch! --

Er schob den Brief in den Ärmel seines Überrocks und machte sich auf

den Weg.

Eine Weile noch spann seine Phantasie die holdseligen Träume weiter.

Dann aber begannen sich seine Gedanken mit dem Ziel seines Besuches zu

beschäftigen.

Er hatte genug im Regiment von Frau von Brandeis gehört, um zu wissen,

daß er einem nicht ganz gewöhnlichen Erlebnis entgegengehe.

Niemand wollte so recht begreifen, wie Herr von Brandeis an diese Frau

gekommen war.

Ein liebenswürdiger Herr von tadellosen Manieren, einigem

Unterhaltungstalent und auch von durchschnittlichen militärischen

Fähigkeiten.

Daß er allerdings einmal im Schießen mit seiner Kompagnie den

Kaiserpreis davongetragen, das schrieb man weniger seinen eigenen

Bemühungen zu, als der Tüchtigkeit seines Kompagnieoffiziers, des

nunmehrigen Regimentsadjutanten, Oberleutnant von Schoenawa. Und so

mißgönnte man ihm ein klein wenig den Roten Adlerorden vierter Klasse,

den er diesem glänzenden Schießresultat seiner Kohorte verdankte.

Was man aber als ganz und gar wohlverdient ansah, das waren die

zahlreichen Frühstücksorden, die ihm zuteil geworden waren, wenn er das

Regiment bei Fürstenbesuchen und Hoffestlichkeiten zu vertreten hatte;

denn seine Repräsentationstalente waren beträchtlich, und Englisch und

Französisch sprach er wie seine Muttersprache.

Aber das alles waren doch keine Qualitäten, die Anspruch auf die Gunst

einer Dame, wie seine Frau war, gewährten!

Frau Cäcilie war vor anderthalb Jahren dem Regiment wie ein Stern

aufgegangen ...

Jeder kannte die Höhe ihrer Mitgift und wußte, daß sie auf ein noch

ganz anderes Vermögen Anwartschaft hatte, wenn sie einmal ihre noch

recht rüstigen Eltern in Wiesbaden beerben würde.

Inmitten eines Offizierkorps, dessen Angehörige weder von Hause aus

noch im großen und ganzen infolge ihrer ehelichen Verbindungen durch

namhafte Vermögen ausgezeichnet waren, gab soviel Geld immerhin die

Folie des Außergewöhnlichen.

Aber mehr noch als diese äußeren Güter war es der Ruf ihrer

eigenartigen Schönheit, ihres Geistes und ihrer Talente, was sie hoch

über das Durchschnittsniveau der im Regiment vertretenen Weiblichkeit

heraushob und die erstaunte Frage berechtigte, wie eine solche Dame

sich mit einer glatten Mittelmäßigkeit wie Fritz von Brandeis habe

begnügen können! --

Es herrschte in den gesellschaftlichen Beziehungen der Herren des

Regiments zu seinen Damen im allgemeinen ein ausgezeichneter Ton. Die

Frauen und Töchter der Kameraden galten auch den ausgesprochensten Don

Juans als Tabu.

Um die schöne Frau von Brandeis aber, die Tochter der Künstlerstadt,

wehte es wie ein geheimnisvoller Hauch von Seltsamem ... geheimnisvoll

Lockendem ... der sie aus der Schar der bieder korrekten Frauen und

Mädchen heraushob, die man sonst an der Seite der Kameraden zu sehen

gewohnt war ...

Und die keckern unter den jüngern Herren hatten denn auch in aller

Vorsicht einmal Fühler ausgestreckt -- aber sie waren rasch und

gründlich enttäuscht worden --

Sommerleutnants · 第 14 / 52 题