Hinter seinem Rücken öffnete sich mit raschem Ruck die Tür. -- Er
fühlte: da ist sie -- --
»Ah, sieh da -- der Herr Leutnant Frobenius -- na, endlich!« Schelmisch
drohte das Mädchen mit dem Finger.
Sie hatte sich nicht Zeit genommen, sich umzukleiden ... schlank
und straff stand sie da ... knapp umschloß das graue Reitkleid die
elastische Gestalt ...
Auf ihren Lippen lag ein Lächeln ... ein Lächeln von so ganz anderer
Art als neulich am Froschtümpel ...
Und mit ausgestreckter Linken hielt sie dem Besucher einen stattlichen
Folioband entgegen, auf dem -- -- sein Name stand ... »Man hat sich
inzwischen mit Ihnen beschäftigt, wie Sie sehen, Herr -- -- Leutnant
...«
Mit einem Male überkam den Gelehrten das Gefühl einer wunderbaren
Sicherheit. Schau, schau -- nun wußte sie, nun mußte sie wissen, wen
sie vor sich hatte ... mußte wissen, daß er nicht ~immer~ das
hilflose Opfer unmöglicher Situationen war.
»Werden Sie glauben, Herr Leutnant, ich hab nicht nur Ihr Buch gelesen
... ich hab auch zum ersten Male seit meiner Pensionszeit den Schiller
wieder vorgenommen --!«
»Ah -- -- das ist schön! -- Aber nun lassen Sie mich Ihnen nochmals
meinen aufrichtigen Dank --«
»Aber so schweigen Sie doch bloß von der albernen Geschichte ... das
war ja nicht der Rede wert ... Ich hab ~Ihnen~ zu danken ... ich!«
Und mit peinlicher Überraschung ward nun Frau von Sassenbach die stumme
Beobachterin eines Gesprächs über Gegenstände, die in ihrem Salon noch
niemals verhandelt worden waren ...
Was war das ... Nelly glühte ja bei der Unterhaltung mit diesem
langstelzigen Herrn, wie sie kaum je im Ballgespräch mit einem ihrer
Verehrer geglüht hatte ...
»Erinnere dich, Nelly, daß wir heute mittag bei Frau von Czigorski zu
Tisch gebeten sind! es wird Zeit, dich umzukleiden!«