Denn was ist ihrer aller Mittelpunkt? -- --

Das Weib! die unabsehbare Fülle der Empfindungen und Erlebnisse, welche

die Berührung der Geschlechter dem Mannesleben erschließt ...

Und so lebte unerschlossen ... unerlöst in den Tiefen dieser

Gelehrtenseele die Sehnsucht aus der Theorie, aus dem Studium, aus der

Nachempfindung heraus, in die Wirklichkeit ... in das Schauen ... in

das Erleben ...

Das aber, was sich vor ein paar Tagen auf der Landstraße neben dem

Froschtümpel abgespielt, war das nicht ein Erlebnis gewesen ... kein

sehr rühmliches ... kein sehr reiches ... aber doch immerhin eine

Wirklichkeit, nicht bloß der Reflex einer solchen, nicht bloß ihr

Spiegelbild in einer Dichterseele ... einem Buch ... einem Werk?

Sein erstes, sein einziges Erlebnis, und -- ~eine~ Fortsetzung

würde es ja doch finden müssen -- den schuldigen, den längst fälligen

Dankesbesuch. --

Und eines Morgens um zwölf ließ sich Wilhelm Frobenius von dem getreuen

Schmitz den Überrock, frischgewaschene weiße Glacéhandschuhe und den

altmodischen Helm mit dem silbernen Landwehrkreuz zurechtlegen ...

Eine halbe Stunde später stand er in einem dunkeln Salon mit

Mahagonimöbeln und grünen Plüschfauteuils ... an den Wänden in

schweren, goldenen Leisten tief nachgedunkelte Bilder preußischer

Offiziere in den Uniformen vergangener Jahrzehnte und blasser Damen

in schwarzen Krinolingewändern ... daneben in auffallendem Kontrast

protzige Rahmen, welche die Bildnisse eines grobknochigen Mannes

vom Typus des industriellen Emporkömmlings und einer schlichten,

spießbürgerlichen Frau in violetter Seidenrobe umschlossen ...

Eine zarte Dame mit nervösem, spitzem Gesicht, unruhig flackernden

Augen, scharfer, leichtgeröteter Nase und schlichtem grauen Scheitel

trat aus dem Nebenzimmer herein: »Bitte Platz zu nehmen, Herr

Leutnant!«

Frobenius versank fast in dem niedern Sammetsessel und hatte einige

Mühe, seine langen Beine, den Säbel und Helm schicklich unterzubringen.

»Gnädige Frau werden bereits gehört haben ... ich hatte neulich das

Unglück ... man hatte mir ein unbrauchbares Pferd geschickt ... und Ihr

Fräulein Tochter ...«

»Ach, ~der~ Herr sind Sie! --« Rücksichtslos kritisierend

musterten die grauen Augen die Erscheinung des Besuchers.

»Ich möchte also Ihrem Fräulein Tochter noch einmal meinen Dank für

ihren gütigen Eingriff aussprechen --«

»Ach, das war wohl nicht mehr als Christenpflicht von Nelly, Herr

Leutnant!«

»Werde ich die Ehre haben, das gnädige Fräulein selbst zu sehen --?«

»Meine Töchter sind wieder ausgeritten, aber sie müssen jeden

Augenblick wiederkommen!«

Einen Augenblick Stille. Wilhelm Frobenius fühlte sich namenlos

geniert.

Frau von Sassenbach hatte inzwischen ihre Prüfung beendet -- -- Nein --

~der~ Herr war ungefährlich!

Und in viel liebenswürdigerm Ton stellte sie nun die üblichen Fragen:

Wie der Herr Leutnant sich im Regiment gefalle ... wie er mit seinem

Kompagniechef zufrieden sei ... ob er sich auf das Manöver freue. -- --

Er sei ja wohl Gelehrter im Zivilverhältnis -- und aus Bonn -- sieh da

-- aus dem schönen Bonn am Rhein.

Ob er auch die dortigen Verwandten ihres Mannes, Seine Exzellenz den

Generalleutnant a. D. von Sassenbach und seine Damen kenne --

Sommerleutnants · 第 11 / 52 题