zu besehen. Auf einem sehr langen Stege überschreitet man das breite
Beet der Salza. Duftende Wiesen, auf welchen einige Häuschen, von
Obstbäumen umrankt, geräuschlos ruhen, hölzerne Scheunen, und die einen
Felsen mit der Miene eines Schlosses beherrschende Kirche, präsentiren
sich mannigfaltig dem Fremden als Gemeinde Hofer.
Man verfolgt den Bach aufwärts, passirt zwei halb verfallene Mühlen, die
unter Bäumen sich gerne dem prüfenden Auge entziehen, und kommt endlich
in ein Gewirre von losen Steinen, Gebüsch und verwundeten Bäumen. Ein
schmaler Pfad führt zu dem heftiger sich anmeldenden Wassersturz. Ein
Obelisk, von dem Naturfreunde Ernest Fürst von _Schwarzenberg_
errichtet, lobt die edle Begierde zureisender Fremden, der Schöpfung
Meisterstücke zu erspähen. Mehr als jener Denkstein preisen diesen
großherzigen Chevalier die Pfade, welche er anlegen ließ, die _Cascaden_
in allen reitzenden Situationen zu studieren.
Man kommt zuerst in eine Felsenschlucht, in welche sich der _Gulinger-_
oder _Schwarzabach_ zum letzten Male über grosse Felsentrümmer, die der
Zahn der Zeit glatt geschliffen, und mit grünen Schlamme oder Moose ganz
überzogen hat, herabstürzt. Kühle Luft und Staubregen kräuselt dem
Bewunderer das Haar, welcher der Nässe nicht achtend, staunend verharrt.
Bäume und Felsen haben ein Bollwerk errichtet, welches weiter zu dringen
verbiethet. Man muß zurück, und eine steile bewaldete Höhe, mit
Geländern versehen, erklimmen, bald biegt sich der Pfad zur Rechten,
eine Brücke überspannt die gräßliche Felsschlucht, auf ihr erblickt man
die zweite höhere _Cascade_, einem breiten Schleier ähnlich, wie er
zwischen den Felsen in gerader Richtung und durchsichtig, donnernd
herabschießt. Geweidet an diesem herrlichen Naturschauspiel strebt man
nun abermal höher zu kommen. Einige Bänke und Tische biethen Erholung
unter Fichtenstämmen und prächtige Uebersichtspunkte, endlich gelangt
man zu der Wohnung Neptuns; es ist die dritte und höchste _Cascade_. Aus
einer Felsenhöhle, wie mit einem Thorbogen überwölbt, stürzt sich die
Fluth hinab über holperig Gestein, ohne sonderlich Brausen, nur mit
dumpfen Getön. Eisig streichet die Luft heraus, frostig wirbeln die
Wellen darin; man kann einige Klafter weit hinein klettern, über
vorragende Steine und seichtere Wasserplätzchen; doch sorge man, sich
vorher wohl abzukühlen, Mancher möchte sonst nicht ganz glücklich nur
mit einem Husten davon kommen! Zur Rechten hin, dehnt sich die Höhle,
immer niedriger wird der Raum, bis es unmöglich ist, weiter zu dringen.
An dem Kalkgestein sieht man das öftere Steigen und Fallen des Wassers,
die Felsen sind glatter gegen unten zu. Man hat viel gegen und für den
Ursprung dieses Gewässers behauptet, bis vor wenig Jahren erst einige
verdienstvolle Naturforscher die wahre Quelle des Falles ausmittelten.
Nach heftigen Winden und Sonnenhitze wird die Wassermasse stets
zunehmender, dagegen bei Schnee oder Regenwetter merklich kleiner, es
mußte also diese _Cascade_ von einem hohen See ihr Daseyn entlehnen, dem
die Winde einen schnelleren Abfluß oder die Sonne mehr geschmolzene
Schneemassen von Alpenhöhen brachten. Nach mehreren Versuchen ward man
auf eine Wasserhöhle links in der Felsenwand des Königssees, dem
Schlößchen St. _Bartholomä_ gegenüber, aufmerksam. Gestein und Lage
entsprach dem Vermuthen, einige Säcke Sägespäne, welche man dort
hineinließ, kamen als bewährte Dokumente der gelungenen
Wassererforschung, nach Stunden mit den _Gulinger-Cascaden_ zu Tage. Man
mußte sich mit dieser Gewißheit begnügen, und die frühere Idee von einem
grossen unterirdischen See im Göllengebirge aufgeben. Ob eine
Erdrevolution, oder der Drang des Wassers, seit Jahrtausenden sich diese
Kanäle gegraben, mag der entscheiden, welcher es wagt, vom einstigen
_Chaos_ bestimmte Nachrichten zu schildern.
Ich verließ diese herrlichen _Cataracten_, ungewiß, ob ich diesen, oder
den zuvor bewunderten Oefen der Salza den Preis der Merkwürdigkeit
zusprechen sollte?
Angenehme Wiesenpfade, neben denen sich einige Leinwandbleichen
befinden, leiten nun gegen Hallein hinab. Ausser dem Markte Kuchel
empfängt noch ein Wäldchen den Wanderer in seinem kühlenden Dunkel;
muntere Pferde und Hornvieh tumeln darin die gesunden Glieder, und
freuen den Oekonomen, obgleich sie der obersalzburgischen Race an Grösse
und Kraft nachstehen.
Hallein.
Nun verkündet sich des schwarzen Halleins Existenz; das Pfleghaus und
die Rotunde scheinen die 350 Häuser des Städtchens aus der Tiefe erheben
zu wollen, nach welcher Ehrenbezeugung aber die 5000 Einwohner nicht
stolz zu streben suchen; wenigstens zeigt der Schmutz ihrer Häuser und
Strassen (wovon nur wenige auszunehmen sind), keine sonderliche
Glanzsucht.
Einige Tausend Klafter Holzes drückten eben den ungeheueren Rechen
Halleins, hunderte derselben waren bereits auf dem weiten Anger zur
Abfuhr geschlichtet. Hände und Karren mühten sich, ihr nöthiges Daseyn
zu beweisen. In Dampf und Gluth lösen sich über den Dächern der
Pfannhäuser die abgestockten Wälder. Westlich überblickt diese schwarzen
Opfersäulen mit wohlgefälliger Miene der zerklüftete Dürenberg, gern
gegen diesen Tribut seinen Reichthum ausspendend.
Auch das alte Hallein wollte man hie und da einigermassen verjüngen; ein
unglückliches Unternehmen, wie wenn Jemand durch neuen Hut und Stiefel,
die übrige hundertjährige Kleidung modernisiren wollte. An dem Gasthause
zum Freischützen mag immerhin der gutgemalte Schild das Einladendste
seyn.
Uebrigens hat man Hallein in einem halben Tage genug, und begreift nur
nicht, wie die Einwohner so geduldig ihre Lebenszeit den holperigen
Strassen, und engen, übel riechenden Gäßchen widmen mögen.
Wer kein Schwelger ist, wozu die vielen Wirthshäuser Gelegenheit genug
biethen, wird sich mühen, nach erhaltener Erlaubniß den Dürenberg sobald
als möglich zu befahren.
Man steiget links neben der Rotunde den Bergpfad empor; weniger
beschwerlich als langwährend wäre die Höhe des Dörfchens