zu. Auf der breiten Fahrstrasse sollen viele Unglückstafeln, welche mehr
das Unglück des Malers als des zu entwerfenden Ereignisses bezeigen, den
Wanderer warnen.
Bald verlor sich das herrliche Werfenthal aus meinem Gesichtskreise;
enger rückten die Felsenwände des Göllinger- und Tänengebirges zusammen,
himmelhoch, kahl und schroff; ich sah die _Clam_, welche mich jüngstens
so ergriff, erneuert, hörte das donnernde Getöse des zehnfach vermehrten
Gewässers, und maß den engen Raum des blauen Streifes, der von Oben
durch die finstere Kluft herabblickte. Auch hier an der wildesten Stelle
stand ehedem ein Blockhaus für einen Wachposten, welches aber die Salza
und abstürzenden Felsentrümmer nicht länger dulden wollten, und vor
einigen Jahren bis auf die kleinste Spur wegspühlten. Eine Marmortafel
im Felsen, verkündet, daß Erzbischof Hanns Jakob _Kuen_ 1560 diesen Paß
fahrbar machte. Wenn man sich so ziemlich der Schlucht herausgewunden
hat, ersteigt man eine kleine Anhöhe, und wendet sich zur Linken, neben
einem Felsenstück. Eine Säule mit hölzerner Hand, worauf die Worte
stehen: »Zu den Oefen der Salza,« ziehet den Reisenden von der
Fahrstrasse, und heisset ihn dem angewiesenen Gangpfade folgen. Geländer
und hie und da Treppen (welche Ernest Fürst von _Schwarzenberg_
hochherzig anlegen ließ,) leiten ihn Anfangs zur Höhe und dann wieder
abwärts in eine Felsenschlucht, die noch alles bisher Gesehene
überwiegt. Man hört Donnern und Brausen unter seinen Füssen, fühlt das
Beben der Felsen, und getraut sich nicht zu errathen, was Wirklichkeit
ist; links gähnt eine enge Felsenkluft, man übersetzt sie, und sprang --
über den mächtigen Salzafluß, welcher sich ober- und unterhalb
viertelstundenweit ausbreitet! Wer sich diesen gefahrlosen Schwung nicht
erlauben will, der kann etwas weiter rechts auf einem Brügelweg, mit
zwei Schritten die Salza übergehen, welche im tiefen Abgrunde sich
zwischen Felsen durchdrängt, und hie und da durch beständiges Andringen,
Höhlen (Oefen) im Kalkfelsen ausgegraben hat. In solche Abgründe haben
sich vor Zeiten fromme Gläubige mit Lebensgefahr auf Stricken
herabgelassen, um daselbst Kruzifixe oder Opfer für die Mutter Gottes
und andere Heilige aufzuhängen. Dieser sonderbare Gebrauch, den
Hochwasser, Holzschwemme oder lockere Steine feindselig verfolgten, hat
sich seit Jahren aufgelöst, und beschränkt sich nur mehr auf die armen
Holzknechte, welche, wenn sich die Bäume in der engen Kluft unten
häufen, mit Hacken hinablassen müssen, den Lauf des Schwemmholzes nach
Hallein zu lüften. Eben war man beschäftigt mit Abstockung des gegenüber
stehenden Föhrenwaldes; die Stämme wurden zum leichteren Fortgleiten der
Rinde entlöset, welche dann gesammelt und zum Gebrauch der Gärber in
Mühlen gepulvert wird. Wenn so einige Stämme hinab holperten gegen die
Steine mit fürchterlicher Gewalt, so brausten die Wände wie vom
Kanonendonner; die Knechte aber Eisen an den Füssen, kletterten umher,
mit einer Kaltblütigkeit, welche sie alle Gefahr verhöhnen hieß.
Einer von ihnen führte mich in Wald hinauf zu einer Felsengrotte, in der
man jeden Schlag der Bäume, und das schäumende Anprellen der tief
hinwogenden Salza, wie in der Höhle kämpfend, vernimmt. Er versicherte
mich auch, daß die Salza sich durch die einzige besehbare Kluft nicht
durchzwängen könne, sondern Seitenadern durch die Felsen entlang habe,
welche das Wasser weiter unten dem Hauptarme wieder zuführen. Ich mußte
ihm dieses glauben, weil er, und nicht ich, die unteren Labyrinthe
dieses _Chaos_ bereits gesehen.
Man verläßt ungern diesen ewig merkwürdigen Punkt; besonders, da bald
ein weites Thal, für Ackerbau und Viehzucht sehr ergibig, den Wanderer
umfängt, aber im Salzburgischen ist nichts langweilig!
Die Lammer, ein Gebirgsflüßchen, welches nach etwas Regen auch Flösse
trägt, und sein Gewässer unter _Lueg_ der Salza zuführt, ist sehr
fischreich. Ferne winkt der angenehme Markt
Gölling;
sein Schloß hat sich den schönsten Platz -- die Mitte gewählt, wie der
Familienvater unter seinen Enkeln. Der viele Marmor, welcher dazu
verwendet wurde, möge weniger von Prachtliebe der ersten unbekannten
Erbauer, als Nothwendigkeit zeigen, diese Gattung edlerer Bausteine vor
anderen, in der Umgebung seltener vorkommenden, zu benützen.
Die ohngefähr 90 Häuser zeigen von Wohlstand und Nettigkeit. Das muntere
Wesen der Einwohner, die Artigkeit, und das lobenswerthe Gefühl von
ihrem schönen Lande, mit dem sie Fremden mehrere seiner Herrlichkeiten
aufzählen, sind von Reisenden schon angerühmt worden. Ich beeilte mich,
den lang gepriesenen