Wildbade Gastein

hinab. Wie Maler, Tonkünstler und Dichter den höchsten Effekt zu

bezwecken, oft von einem Extrem zum andern übersetzen: so meisterte sich

hier selbst die Schöpfung in der Zeugungskraft!

Ich will nicht Gastein beschreiben, das künstlichere Federn bereits

versuchten, aber ewig bleibt mir der Eindruck merkwürdig, den der

Uebergang aus lachendem Tage, in finstere Nacht, aus beglückendem

Frieden, in kriegerische Elemente bezwecket.

Es war Abend als ich ankam, noch schaukelten sich der Sonne goldene

Wogen auf Pöcksteins willkommener Runde; ich betrat die Brücke, welche

sondert das gepriesene Thal von Gasteins wässriger Kluft; Felsen, hoch

und schwarz -- die Bothen der Finsterniß, umfaßten mich eng, den Schall

der unter mir niederstrebenden Ache zurückbringend. Siedend, brüllend,

mit zerreissenden Donner überspringt die rasende Ache dreimal zwanzig

klaftrige Stufen, wäscht sich im harten Gestein die Kessel zum

Höllenpfuhl, und wälzt dann, Vulkane im Toben verhöhnend, abwärts die

ermüdeten Wogen. Das Zittern der zackigen Klippen, das Schlagen der

erhitzten Wellen, die den Schaum in dichte Regentropfen formen, und

naturwidrig aus der Tiefe über die Hütten hinweg zu den Wolken senden;

die Finsterniß der sonnentwöhnten Schlucht, welche die aufsteigenden

Dünste des siedenden Badwassers vollends umschleiern; endlich die wie

Mühlen schwankenden Häuschen, welche auf einzelnen Felsen wie durch

Balanze sich halten, ohne für kommenden Tag des Standpunkts versichert

zu seyn: alles dieß kann wohl den neugierigen Fremdling entzücken,

schwerlich aber dem Ruhe und Linderung suchenden Kranken willkommen oder

trostbringend seyn.

Ich glaube die bekannten Merkwürdigkeiten dieses Badeortes übergehen,

und nur einige erfreuliche Aenderungen neuester Zeit anführen zu müssen.

Unter diese gehören vorzüglich, daß _Straubinger_, der erste und

wesentlichste Wirth und Badinhaber, nebst seiner hölzernen von Wind und

Wogen erbebenden Barake, nun ein sehr bequemes ganz aus Stein erbautes

Haus für seine Gäste besitze, das er mit einem Kostenaufwand von 20,000

fl. Konv. Münze, eben so heldensinnig auf den dem Felsen abgewonnenen

Raum hinzauberte: als das weiter oben befindliche neue Stall- und

Wagenremise-Gebäude dem Wunsche und Bedürfnisse der Zureisenden

entspricht. Sollte aber zum Glück oder respect. Unglücke die Anzahl der

Kurgäste so zunehmen, daß sie in dieser zweckmässigen Wohnung nicht

Unterkommen fänden, so müßte man freilich die traurige Zuflucht auch zum

Mitter- und Grabenwirth nehmen, die sich, wie ihre Bäder, seit 30 Jahren

gleich blieben.

Für alle Gäste gleich angenehm wären unbezweifelt die neu angelegten

Spaziergänge zum Dianentempel am rechten, und zur Einsiedelei am linken

Ufer der Ache. Die Pfade sind gut, mit Geländern und Stufen versehen,

einem Gesunden überaus willkommen; ob aber diese ermüdenden Hügel den

Kraftlosen hinauflocken und entschädigen können, möchte ich bezweifeln.

Man war so klug, bei dem dritten untersten Wasserfalle am rechten Ufer

eine hohe Breterwand zum Schutz wider den sich hinüber ziehenden

beständigen Staubregen zu errichten, wodurch zwar einigermassen der

kleine Steg und die engen Strassen vor heftigerer Nässe gesichert

werden, nichts desto weniger aber die Luft trockner wird; deßhalb auch

immer gefährliche Kranke vor 10 und nach 4 Uhr das Zimmer zu verlassen

gewarnet werden. Also sechs Mittagsstunden sollen dem leidenden Menschen

zu geniessen vergönnt seyn, in einer Gebirgsgegend, wo jede Minute neues

Leben haucht. Ich bedauere jene unglücklichen Patienten doppelt, die vor

dem sicheren Hinscheiden noch früher das Grab erforschen; wünsche aber,

daß der Antrag, die Badquellen eine viertel Stunde weit nach Badbrucken

hinabzuleiten, wo mehr Raum und freiere Plätze sich befinden, baldigst

realisirt werde.

Des andern Tags wies man mir bei Besichtigung der Badplätze, wie sich

bereits verwelkte Blumen im Dunstkreise des heissen Wassers bald

erfrischen und neu beleben; selbst meine _Gentianer_, die ich gestern am

Malnitzer-Tauern pflügte, bekamen den vorigen Glanz. Dem profanen

Kranken mögen immer diese Zeichen tröstende Vorbedeutung zur Genesung

seyn, ich möchte den Grausamen nicht loben, der prahlerisch ihm die

Ursache enthüllte.

Welche Krankheiten hier meistens glückliche Kuren erwarten dürfen, ist

zu bekannt, demohngeachtet wird sich Niemand wundern, wenn er die

Zauberkraft dieses Wassers wider alle Uebel von Aerzten und Chirurgen zu

Gastein anrühmen hört.

Ich hatte mich satt gesehen und gehört, an dem stürmischen Heilorte, und

wanderte mit dem frommen Wunsche, daß allen Anwesenden so rüstig

fortzuschreiten vergönnt wäre, nach

Skizzen einer Fußreise durch Oesterreich, Steiermark, Kärnthen, Salzburg, Berchtesgaden, Tirol und Baiern nach Wien,(#77458) · 第 24 / 47 题