Badbrucken

hinab. Dieses Dörfchen mit seinen Mühlen und Bäckereien biethet wenig

Reitz; desto mehr Nahrung spendet die Umgebung. Fette Wiesen,

Ackergründe, forellenreiche Bäche durchziehen das weite Thal bis zu dem

anderthalb Stunde entlegenen Hofgastein. Pferde, wie ich sie nur beim

Schiffzuge sah, zogen hier mit der Kraft von Elephanten den kreischenden

Pflug; das Hornvieh glänzte vor Pflege und Wohlstand; nur die Menschen

schienen den glücklichen Wechsel minder zu fühlen; stille und in sich

gekehrt verrichteten sie die Feldarbeit, und wollten für sich und Andere

keine Aufmerksamkeit erregen.

Die kleinen Oertchen Remsach, Gadaumern, dann Heilfing und Felding,

welche die Strasse besäumen, fand ich auf keiner Karte, sie dürften also

neuesten Ursprungs seyn. Endlich erreicht man

Hofgastein.

Dieser finstere Markt, der nebst sehr alten Häusern auch einen grossen

Kirchhof besitzt, dessen zahlreiche Trophäen zum Theile im neuesten

Style glänzen, könnte füglich als Ursache der Traurigkeit der Umbewohner

gelten, so wie die Zuflucht der Kranken nach Gastein weniger erfreulich

machen. Ich erfuhr auch wirklich vom Grabwärter, daß mehrere der schönen

Monumente ihre Existenz den hier Genesung suchenden Fremden zu danken

hätten. Natürlich können unter vielen Kranken nicht alle gesunden!

Bis hierher soll vor Zeiten das Badwasser geleitet worden, und dieß zu

erneuern, nun abermals der Antrag seyn; die Häuser und Menschen würden

dadurch bald ein lustigeres Ansehen gewinnen.

Die prächtige Fahrstrasse währet fort über die Dörfchen Laderdig,

Haarbach und Dorf. Hier beginnen die ganz hölzernen Häuser, deren

höhere, mit breternen zierlich ausgeschnittenen Gängen beim ersten und

zweiten Geschoß umfangen werden. Bisweilen bilden diese Gallerien die

Vorrathskammern für Mais, Klee, Flachs, Holz u. d. gl. man sieht dadurch

gar kein Fenster, und fürchtet, die Häuschen müßten umstürzen vor dieser

überhängenden Last, die man hier am bequemsten aufzubewahren glaubt. Das

beinahe flache Dach besteht aus neben einander gelegten mit schweren

Steinen belegten Bretchen; man erspart dadurch kostspieliges Eisen, und

sichert, daß der Wind weniger die Dachung enthebe. Freilich durchdrückt

oft solch ein schwerer Stein das mürbe Dach, oder rollt hinab auf

Menschen und Vieh, und erregt grösseres Unheil, als hätte der Sturm das

ganze Dach geraubt; allein das Unglück findet überall seine Wege, und

wer es am meisten fürchtet, ist zuerst sein Gefangener. Im Wildbade

Gastein mögen jedoch einige dieser Dächer die Hipochondristen nicht

wenig ängstigen, ich finde sie daher dort mehr, als im ganzen

Salzburgischen und Theilen von Tirol anstössig.

Skizzen einer Fußreise durch Oesterreich, Steiermark, Kärnthen, Salzburg, Berchtesgaden, Tirol und Baiern nach Wien,(#77458) · 第 25 / 47 题