Stolzer wölbte sich die

Gasteiner Ache,

durch angeworbene Schwestern ermächtigt, im ganz geengten Felsenthale

nieder; kein Ufer war ihr zu hoch, keine Klippe zu hart, ihre Kraft sie

fühlen zu lassen. Bald gönnte sie dem friedlicheren Wanderer keinen Weg

mehr im überhängenden Steinthale; den ganzen Raum raubten die geitzigen

Fluthen. Der erfinderische Mensch konnte ihnen keine gleiche Gewalt

entgegen biethen, aber List hieß ihn die Felsen zu seinem Zwecke

verwenden; eingestemmte Fugen in dieselben, eiserne Klammern, Baumstämme

dazwischen und hie und dort Spreitzen in die lärmende Ache, und der an

der Felswand schwebende Bretelweg war vollendet! -- Bald besehen diese

Erfindung höhere Nymphen, der Bandel- und Schleierbach, welche sich vom

linken Ufer über die 190 Fuß hohe Felsenwand in die Ache ergiessen, ihr

den Sieg der Menschen zu melden.

Wenn man nicht schon so viele _Cascaden_ auf dieser Wanderung bewundert

hätte, so müßte man von hier bis Gastein mehrere Tage bloß denenselben

widmen. Der Bandel- und Schleierbach verdient übrigens den Namen, indem

ersterer in mehreren neben einander fortlaufenden Wasserfäden, letzterer

aber in einem einzigen durchsichtigen Wasserbogen herabstürzt. Durch den

bunten Schmuck der farbigen Iris an diesen _Cascaden_ findet sich das

Auge eben so geschmeichelt, als bald darauf die _Cataracten_ der Ache

den Wanderer zittern machen, besonders dort, wo sich der kriegerische

Alpenbach in dem Granitfelsen unter den Füssen des Pilgers eine weite

Höhle gegraben; immer tiefer meisseln die schäumenden Wogen das schwer

zu polierende Gestein, welches zwar noch tapfer ringt, aber durch

heftiges Zittern sein baldig Erliegen verbürgt; dann dürfte hier

ebenfalls eintreffen, was weiter unten die Reisenden in Erstaunen setzt;

wo nemlich die wasserreiche Ache ganz im Beete versiegt, 28 Klafter

ungesehen im Felsenbauche fortströmt, und dann wieder zu Tage kommt. Ein

Wolkenbruch, abstürzende Schneelavinen, wenigere Sorgsamkeit auf die

Reinigung des Achen-Beetes: so wäre hier der Geburtsort ausgehender

Gräul und Verwüstungen über ganz Salzburg.

Besser wurde der Weg, als ich dem goldschwangeren Rathhausberge mich

nahte, dessen schwarz bewaldeter Rücken so angenehm mit den bleichen

Gestalten seiner ärmeren Gefährten kontrastirt. Bald darauf erreichte

ich

Pöckstein,

ein Dörfchen von 17 Häusern, dem man es gewiß nicht ansieht, daß es

einst, als noch die Ausbeute des nahen Goldbergwerkes ergiebig war, eine

der wichtigsten Rollen in Salzburg spielte. Demohngeachtet verdienen

auch itzt seine wohleingerichteten Waschherde volle Aufmerksamkeit, wenn

auch nur mehr die Prozente der ehemaligen Ausbeute darauf gewonnen

werden. Das Geklapper der Wasserwerke, Rauschen einiger _Cascaden_ und

freundliche Antlitz des einen Hügel einnehmenden im italienischen Style

erbauten Kirchleins, machen das Dörfchen munter und lebhaft, so wie der

fette Weizen und Roggen des erweiterten Thales nahrhaften Boden

bekräftigt.

Einzelne Hütten und Scheunen mit dem Segen des Jahres gefüllt, mehrere

Wasserfälle den Bergen enteilend, und die nimmer ruhende Ache,

begleitete den Wanderer ein Stündchen zum

Skizzen einer Fußreise durch Oesterreich, Steiermark, Kärnthen, Salzburg, Berchtesgaden, Tirol und Baiern nach Wien,(#77458) · 第 23 / 47 题