Ruine Falkenstein.
Sein grosser Thurm gibt ihm von weiten die Miene eines Gebiethers,
welche sich aber nur allzubald in die eines Erbarmen flehenden Krüppels
auflöst. Früher noch, als die würgende Zeit, scheint die ober ihm
wankende Felsenwand, Schloß und Berg zu begraben, wenn die lockeren
Granitflötze heftiger durch den abstürzenden Zweenbergerbach erschüttert
werden.
Ich stieg hinauf, weniger, um die bunt durcheinander geworfenen
Steintrümmer, derer ehemalige Gebiether und Schicksale längst der Zeiten
Strom unlesbar gemacht, als das wohl angelegte Bienenhaus darin, das
erste, welches ich in Kärnthen sah, zu prüfen. Wer das Kirchlein mit dem
hölzernen Thurme dabei erbaute, konnte ich nicht erfahren, sicher aber
war es ein Mann, der Wunsch und Herz genug besaß, diesen Ort auch für
die Zukunft der Aufmerksamkeit anzuempfehlen.
Wenn Aussichten auf sanfte Empfindungen und süsse Schwärmereien meistens
Bezug haben, so erzeugt gerade diese, einen ernsten kriegerischen Humor;
Kraft und Trotz für ermüdende Anstrengung erwirbt sie dem Manne; Muth
wenn auch die Welt in Trümmern zerfallen sollte, haucht die Umgebung.
Einzelne an 1000 Klafter hohe Felsen hingelehnte Hütten, die um Schonung
zu den riesigen Beherrschern flehen; sparsam sich hin und wieder
hinaufziehende Streife von Wiesen, die eine Handvoll Gras für
Lebensgefahr verkaufen; schwarze, bemooste Tannen und Fichten, an denen
schon manche Blitze die Festigkeit erprobt, und deren Wurzeln sich zum
Hohn der Elemente über Felsen winden, um nur mit einer Erdrevolution
zugleich zu zerstäuben; zahlreiche Wasserfälle, die in bezaubernden
Catarakten von Klippe auf Klippe stürzend, einen ewigen Staubregen
gebären, und die abgelösten Granitsteinchen zur Erhöhung des Thales
versenden; Felsen, welche die Leitern des Himmels zu seyn scheinen,
während doch Niemand vermag, das riesige Haupt zu betreten; Toben des
erzürnten Möllflusses, der kühner es wagt, die geheiligte Stille zu
stören, und doch ohnmächtig sich müht, die beharrlichen Felsen aus
tiefer Schlucht zu verdrängen; dieß sind die getreuen Bilder des
ruhmwürdigen Möllthales. So mußte das Land aussehen, auf deren Bergen
der stolze Römer und deutsche Kampfheld sich gefielen, und zur
Verewigung darauf Tempel oder Heldenschlösser erbauten; so ist das Land,
welches nach Jahrhunderten noch den Wanderer ergreift, ihm Achtung für
die Vorwelt und Wünsche für die Zeitgenossen abzwingt, und so wird sein
Anblick auch künftiger _Generationen_ Blut und Adern durchwirbeln.
Nachdem man sich von dieser merkwürdigen Stelle beurlaubt, erreicht man
bald das minder wichtige Dorf _Stollhof_, welches nichts, als des
Wanderers Wunsch erzeugt, bald davon entfernt, das zuwinkende