leider nur bis hierher ein Beet zur Holzzufuhr gegraben wurde, welches
weiter fortgeleitet, in kommerzieller Hinsicht der Stadt so nutzbringend
hätte seyn können. In einer halben Stunde gelangt man zum See. Trotz
seiner zwei Meilen langen und größtentheils eine halbe Meile breiten
Ausdehnung, gewährt er nichts weniger, als anmuthig abwechselnde
Parthien. Der ungeheuere viereckige Schrotthurm, gleich zu Anfange des
Sees rechts an der Strasse, erregt Aufmerksamkeit; von oben herab
schließt sich an eine der Mauerwände, bis zu deren Fuß, ein ganz aus
Bretern zusammengefügter Verschlag. Wie das Blei oben geschmolzen und
durch siebähnliche grosse Trichter geworfen werde, deren Löcheln die
Grösse der Schröte bestimmen, wie das Herabrollen die gewöhnliche Runde
derselben bezwecke, endlich wie die Schröte sich schnell in dem unten
sie aufnehmenden Wasserbehältnisse brausend abkühlen, ihre Form zu
behalten, wird gewiß Jeden der diese Manipulation nicht schon irgendwo
früher gesehen, angenehm unterhalten.
Eine gleichförmige Fläche langweilet den Wanderer über die Gemeinden
_Gurling_ und _Krumpendorf_ hinaus. Schöner macht sich der Weg nach dem
Dorfe _Pötschach_; oben rechts auf der Berghöhe drängt sich einiges
Gemäuer aus dem Nadelholze hervor. Es sind die
Ruinen von Leostein,
ich wollte ihnen eine Stunde widmen, und folgte dem leitenden Hohlwege;
gleich Anfangs am Fusse des Felsens befindet sich links eine tiefe
Felsenhöhle, aus der Wasser entquillt; diese soll das Ende des nun
verschütteten heimlichen Ganges seyn, der ehemals durch den
Schloßbrunnen in die Familiengruft führte.
Von beiden ist nun die Spur gewichen, und bald wird auch von den wenigen
Mauerresten nichts mehr erübrigen. Eben mühte man sich mit Ausrottung
der schlüßlichen Habe des Schlosses. Ein dickstämmiger Wald -- Beweis
der letzten Zeugungskraft der Veste, lag getrennt durch die würgende Axt
von seinen Wurzeln, ein grünes Bollwerk bildend in den öden Räumen.
Gerne wünschte ich einigen sich kümmerlich auf dem Thurme und Ringmauern
ernährenden Birken längeres Leben; doch gewandt kletterten zwei rüstige
Burschen auf die gefährlichsten Stellen, und raubten denselben den
Schmuck. Das Schloß, welches einst beträchtlich seyn mochte, möge im
grauesten Alterthume erbaut worden seyn, denn ich bemerkte in dem aus
Schiefer und Kalksteinen bestehenden Gemäuer nicht ein Stückchen
gebrannter Ziegeln, welche jedoch im dreizehnten Jahrhunderte schon
häufig gebraucht wurden!
Mißmuthig verließ ich die Veste, welche meine Erwartung täuschte, und
mit Widerwillen gegen den Eigennutz der Menschen, denen nichts zu
versteckt, nichts zu mühsam ist, geringen Nutzen zu ziehen. -- Wie viele
Jahre, dachte ich, mußten hingehen, bis auf dem Mauerschutt des längst
zerstörten Schlosses sich Erdreich sammelte, und darin Samen keimte, der
diese hundertjährigen Stämme gezeugt? -- Der Zeiten -- seltsames Wirken,
der Jahre kräftige Zeugen, zerstört ein einzelner Mensch in einem
einzigen Tag!
Immer am Ufer fortschlendernd, gelangte ich über das Dörfchen
_Tuppitsch_ nach dem Postorte
Velten,
hier endigt der See. Nahrungsbedürfniß nöthigte mich bei einem
Fleischer, der zugleich Gastwirth ist, einzukehren. Ungern fühlte ich
bewährt, was einige Reisende von der schlechten und unbilligen
Bewirthung gewisser Gastgeber in Kärnthen zu erzählen wissen. Für
unreinliches schlechtes Essen und ungenießbaren Trunk mußte ich mehr
entrichten, als für das beste Mahl in Klagenfurt! Ich wünsche nicht, daß
Jemand sich davon selbst zu überzeugen so lüstern wäre; nebst dem Magen
könnten durch die Grobheiten des Wirths auch die Gliedmassen des Gastes
unangenehm gereitzt werden, welches dann zum bedeutenderen Nachtheil
sich endigen dürfte.
Von _Velten_ angefangen, gewinnt die Gegend an Schmuck; Wiesen und
Aecker paaren sich malerisch am Saume herrischer Wälder, bald empfängt
einer den Wanderer und kühlt ihm die Pfade nach _Villach_. _Lind_,
_Wernsberg_ und _Zauchen_, drei Dörfchen, ruhen vom Zauber der vielen
melodischen Singvögel eingewiegt, still harrend unter Bäumen, rasselnder
Wägen nicht achtend. Etliche Häuschen drängen sich an eine Brücke,
tobend braust unter derselben ein Waldbach hindurch, in der nun wieder
genahten Drau den Ungestüm abzukühlen, klappernde Mühlen tumelt sein
Lauf, man ist in Seebach. Rechts davon leitet ein Pfad zum gepriesenen
Landskron.
Dieses liebliche von Segen überfliessende Thal, mit friedlichen Häuschen
bepflanzt, die stummen geheimnißvollen _Tableau’s_, welche mit Anmuth
und Ruhe in der auffallendsten Wildheit und Grösse sich erhalten, das
Getöse des herbeieilenden Waldbachs, das Rauschen der sich bekriegenden
Baumäste durch stärkeren Lufthauch ermächtigt, die ausgebreitete, einen
schönen Waldberg schmückende Ruine der Veste _Landskron_ mit all ihren
Fenstern und Thürmen, müssen den Menschen bezaubern!
Es muß Jeden reuen, der nach Villach oder Klagenfurt reiset, wenn er
sich diesen kleinen Abstecher hierher nicht erlaubt. Im Dorfe
_Landskron_ besah ich die herrliche Raçe der vom Herrschaftsbesitzer,
Herrn Grafen von Dietrichstein, eingerichteten Stutterei; ingleichen
überzeugt sich der Oekonom, daß dieser geachtete _Chevalier_ der Schaf-
und Rindviehzucht nicht wenig opfere. Die wohleingerichteten Ställe,
Wirthschaftsgebäude etc. lassen auf ein thätiges und einsichtsvolles
Individuum schliessen, welches als Leiter das Vertrauen des hohen
Besitzers zu verdienen weiß.
Vom Dorfe weg windet sich der Pfad schlangenförmig zur hochprangenden
Schloßruine empor. Einige ungeheuere Nußbäume begrüssen als nächste und
älteste Verwandte der Veste den Ankömmling beim prächtigen, aus glatt
gehauenen Granit-Quadern gewölbten Einfahrtsthore; die ehemalige
Zugbrücke liegt unter Schutt und Erde begraben; man gelangt zum zweiten
vielleicht noch schönerem Portale, aus Marmor-Quadern zusammgefügt; hohe
gemauerte Bögen verbinden das Schloß unter einander. Ringmauern mit
wehrhaften Schußscharten sorglich ausgestattet, umzingeln den weiten
Vor- noch größeren Schloßhof und beträchtlichen Garten; fünf große und
16 kleinere Thürme verschafften der ohnedieß drei Schuh dicken Mauer
noch mehr Ansehen und beharrlichere Festigkeit. Man staunt über den
riesigen und stolzen Bau des Mittelalters, wodurch man sich das
Eigenthum und kurze Leben zu sichern strebte. Dieß Schloß mag
wahrscheinlich auf die Stelle eines älteren hier gestandenen im
fünfzehnten Jahrhundert erbaut worden seyn, welches sich aus dem Style
der damaligen Bauten und häufigen Ziegel-Verwendung leicht ersehen läßt.
Die zwei und drei Stockwerke der Veste, die Thürme und Gewölber, beirren
den Forscher, er weiß nicht, wo anzufangen und wo zu verweilen? Das
Schloß, welches vor 30 Jahren noch gut erhalten und der Sitz des
Landgerichtes war, wurde durch einen Blitz größtentheils eingeäschert,
die übrige Schiefer-Dachung aber gefliessentlich abgenommen; noch liegen
häufig die mit einem Loche zum Annageln versehenen Blättchen am Schutte
zerstreut umher. Sonne und Himmelsgestirn durchspähen nun ungehindert
die offenen Zimmer, in denen bereits hie und da schmarozerisch
Gesträuche sich lagert, darin durch Regen und Staub für lange sich
seßhaft zu machen. In der Kapelle stehen schon ernst gereiht schlanke
Eschen und Fichten, und muntere Rothkehlchen, hier ausser Gefahr sich
bewußt, stimmen im Chore vereint das melodische Abendlied an. Ein runder
Thurm gegen Osten steht noch unversehrt da; starke Fenstergitter und
seine eiserne Thür verwahren dem Fremden trotzig den Eintritt. Es sollen
darin einige _Antiquarien_ des Schlosses sich befinden, denen man einen
besseren Verwahrungsort hätte anweisen können.
Der nördliche Theil ist viel beschädigt, Thürme und Ringmauern lösen
sich in grossen Stücken und springen über den Schloßberg herab; die
Fenstersteine hängen drohend über des Kletternden Haupt; man ist froh,
wieder den geräumigen Schloßhof zu betreten, wo eine aus schönen Steinen
gebildete Einfassung den Aufgang in die etwas höher liegende ältere
Schloßabtheilung anzeigt. Hier befindet sich die Zisterne und kleine
Oeffnung eines tiefen unterirdischen Kerkers.
Im ersten Stocke konnte ich den Saal und mehrere Zimmer passiren, welche
theils weiß, theils unbedeutend bemalt waren, doch das zweite Stockwerk,
so wie der runde Hauptthurm, versagten mir ihre Zuneigung. Den südlichen
etwas kleineren konnte ich nur auf ausgebrochenen Steinen ersteigen; ich
thats der Uebersicht wegen, die zwar nicht allzuweitreichend, aber in
jeder Hinsicht lohnend ist. Dem grünenden Kesselthale, dessen ich beim
Eintritt erwähnt, gegenüber, kühlen sich die rothen Fluthen von Apollos
Feuerwagen in dem Spiegel des weiten Ossiacher-Sees. Leichtfertige Kähne
durchschneiden seinen Rücken, und geübte Hände sammeln köstliche Beute
auf selben. Weder Neid noch Bosheit scheinen hier ihre Fahnen zu
schwingen; jeder arbeitet der Erhaltung wegen, und kein Schadenfroh
überlistet des Anderen Erwerb.
Ich durchstieg nun das Labyrinth der unteren Gemächer, deren fünfzehn
noch mit Plafonds oder Gewölbern versehen dem Gewitter trotzen, und bei
etwas Säuberung vom Schutte, auf einige Zeit dürftige Wohnungen biethen
könnten. Hölzerne Schränke in den Mauern, Fensterläden, Fußböden,
zerbrochene Bänke und große Dippelbäume sind hie und da dem Moder
überlassen, und zeigen hinlänglich von dem nahen Holzüberflusse. Ein
schöner Stall, und Gewölber auf drei und vier Säulen ruhend, sind etwas
tiefer anzutreffen.
Von den Kellern sind die wenigsten weit zu verfolgen, Schutt, Staub und
zu enger Raum verbiethen das Unternehmen; dennoch konnte ich nicht
umhin, in der Gegend des Burgverliesses die Gewölber sorgsamer zu
untersuchen, besonders weil mich ein herrschaftlicher _Meierknecht_ im
Dorfe treuherzig von unterirdischen Gängen und Schätzen, die, weiß Gott
worin bestehen mögen, versicherte. Ich zündete doppelte Windlichter an,
suchte, warf den Schutt durch einander -- vergebens, ich konnte nichts
als einige verschimmelte Faßkanter entdecken. Ich ging unmuthig zurück,
und wollte schon alle weitere Untersuchung beschliessen, als ich mich
Außen auf einige Thürme erinnerte, die nicht zusammengestürzt, dennoch
wie gefliessentlich mit Schutt und Erde angeworfen waren. Ich wandte
mich an den ersten nach Norden; er war bloß ein Vertheidigungsthurm, der
zweite deßgleichen; der dritte hatte nebst Kalk und Steine ein Stück
Dach inwendig am Boden, es war zu schwer wegzuschaffen, ich ging und
hieb mit dem Stocke wie zur Strafe in die mich brennenden, ungemein hoch
rankenden Nesseln an der Aussenseite des Thurmes. Unverhofft hörte ich
ein von mir getroffenes Steinchen in gähe Tiefe hinabkollern; es mußte
ein Brunnen oder andere Schlucht in der Nähe seyn. Behuthsam hieb ich
sämmtliches Unkraut unbarmherzig nieder, und sieh! ich fand auf der
Grundfläche des Thurmes eine kleine fensterähnliche Oeffnung. Ein Stück
Eisengitter hing noch darin, ich berührte es, und vom Roste zernagt fiel
es in die Grube. Ich warf angezundenes Papier und dürres Reisig hinab --
es war wirklich ein heimlicher Gang! Nun ergriff ich ein Stück Holz, hob
inwendig das morsche Hüttendach, räumte Schutt und Kalk aus einander,
vergebens! der Eingang mußte versunken oder gar nicht vorhanden seyn!
Ich band einen Stein auf meine bei mir führende Schnur, und hörte ihn
deutlich in mässiger Tiefe von einer Stufe zur andern abwärts holpern.
Nun wars beschlossen, ich mußte hinab! Die Oeffnung wurde mit einer
Latte erweitert, in den Strick Hölzchen hineingeflochten, derselbe oben
an einem Baumstamm befestigt, und ich kroch, zwei Lichter im Munde
haltend, durch die Oeffnung in die Gruft. Kaum zwei Klafter tief, so
stand ich auf morschen Pfosten-Stufen, die einzeln sich beim festen
Tritt entlösten; ich überzeugte mich auch, daß es unmöglich gewesen
wäre, den gewesenen Eingang im Thurme zu erzwingen, der durch tief
herabreichenden Schutt gefliessentlich verstampft schien. Froh, ihn
durch das Luftloch gefunden zu haben, stieg ich nun 22 schlüpfrige
Stufen in dem theils durch herabwachsende Felsen, theils durch lockere
Ziegel den Niedersturz drohendem Gange, sehr behuthsam herab. Feuchte
Luft, die kaum den Lichtern zu brennen gönnte, der üble mephitische
Geruch des Mauerschimmels, den ich abwechselnd den engen Wänden mit
Haupt und Armen abstreifte, und das beständige Plätschern des
abtropfenden Felsenwassers, waren der unangenehme Willkomm meines
Besuchs. Nun ebnete sich der Boden, dumpf tönte es unter meinen Füssen,
ich sprang erschrocken zurück, eine morsche Fallthür vermuthend, durch
die ich sinkend Hals und Beine hätte brechen können. Ich beleuchtete die
Stelle, sah zwar nur die den Gang ehemals verwahrende nunmehr ihren
Angeln entfallene Thür am Boden verwesen, zu gleichem Entsetzen aber das
ekelhafteste Ungeziefer, insbesondere plumpe Kröten, den Boden
bestreichen, und zischende Fledermäuse, welche herumflatternd mir
unhöflich ein Licht auslöschten. Mein natürlicher Abscheu vor diesen
Unholden hätte mich beinahe aller weitern Untersuchung überhoben. Gerne
hätte ich mir einen menschlichen Gefährten gewünscht, als ich bald
darauf zu einer zweiten vielleicht 50 Jahre nicht geöffneten Thüre
gelangte. Sie war vom harten Holze und entweder verkeilt oder
zugesperrt; mit einem festen Tritt hinein lag Thür und Einfassung im
Schutte am Boden.
Ich mußte zurück eilen, mich vor Ersticken zu bewahren, und kletterte
zur Höhe, wo _Duna_ den Eingang und mein Eigenthum bewachend, sich
höchlich freute, von dannen zu kommen. Ich war es minder gesonnen,
sondern nahm eine tüchtige Portion Pulver und meinen Stock, und begab
mich wieder in den Tartarus, parthienweise selbes dort anzuzünden.
Dadurch die Luft einigermassen erträglich gemacht, verfolgte ich 17
Schritte den abwärts führenden Gang, der sich nun erweiterte, und ich
schaudernd vier grosse, zu Sitzen dienende bekrustete Steine mit
eisernen Ringen wahrnahm -- »Schrecklichster Ort für menschliche
Qualen!« rief ich unwillig über Erbauer und einstigen Besitzer dieses
Schlosses, »mehr als zehnfache Hölle konntet ihr erkünsteln, ohne in dem
gefolterten Menschen den armen Bruder zu erkennen!« Mit Wuth stieß ich
in den bewachsenen Stein, als könnte ich diesem entgelten lassen, was
sein Gebiether beschloß; doch erinnerte ich mich der Gegenwart, und fand
lindernden Trost. Kühner schritt ich nun voran, und kam zu einem
Saale-ähnlichen Gewölbe, auf drei Säulen ruhend. Zusammengestürzte
Bausteine liessen mich ein ehemaliges Monument oder Tribune muthmassen,
einige Nischen waren von glatt geschliffenen Steinen, der Boden weich
und geebnet, und von oben reichten eiserne Stangen mit Ringen bis auf
Manneshöhe herab, ich glaubte, hier möge der Begräbnißort der ältesten
Besitzer gewesen seyn. -- Herrliche Nachbarschaft! lebendige und
vollendete Leichen, welche waren wohl glücklicher zu nennen?
Rechts wollte ich den Gang verfolgen, doch er war eingestürzt und verbat
sich in dieser Welt ferneren Besuch; daher schlug ich den ganz in Stein
gehauenen links ein, welcher abwärts führte, und mich bald bei eisernen
Hacken auf die ehemalige Existenz einer dritten Thüre urtheilen ließ,
rechts in einer geräumigen, aber mit Schutt angefüllten Vertiefung waren
wieder zwei den vorigen ähnliche Martersteine; wie erstaunte ich, als
ich sie besehend Tageslicht von oben herab einbrechen sah. -- Hierher in
die ewige Nacht blickt nun, wie des Schöpfers Allmacht, der heitere Tag,
winkt die liebliche Sonne, und tröstet der freundliche Stern. Wie viele
Jahre mußten fliessen, bis ihr Gepriesenen diese Klüfte wieder
durchspähen konntet! wie viele Schuldige und Unschuldige hier qualvoll
verzweifeln, ohne das Licht des Trostes herab winken zu sehen! Möge
Ritterzeit und Faustrecht loben, der Lust hat, hierher stelle man ihn,
und erforsche nachher seine Meinung. Mich reute es, daß ich zuvor in die
am Schloßhofe gähnende Oeffnung, welche vormals sicher überbaut war,
kein Papier oder anderes Merkzeichen hinabwarf, ich hätte daraus
ersehen, ob sie in diesen schrecklichen Kerker hinableite oder nicht.
Einige Stufen, die wegen ihrer Verwesung nicht gezählt werden konnten,
führten mich dann abwärts in ein noch geräumigeres Gewölbe. Die Wände
waren ungeregelt gehackt, und daher kein heimlicher Ausgang verborgen;
ich schloß also bei dem gesammten sorgsamen Bau des Schlosses auf eine
untere Fallthür, und suchte mit zagendem Schritte dieselbe. Wirklich
fand ich meine Mühe in einer zugespitzten Höhlung des Bodens belohnt;
ein morsches mit Erde sparsam bedecktes Bret machte mich aufmerksam,
darneben ein Loch u. s. w. Das Schloß konnte ich nicht finden, wohl aber
hätten die drei morschen Breter mit meinem eisenbeschlagenen Reisestocke
zertrümmert werden können; ich begnügte mich aber mit angezundenem
Papier die Tiefe zu ergründen, um dann einen verläßlichen Mann und
nöthige Requisiten zur gefährlicheren Untersuchung aus dem Dorfe mit mir
zu nehmen. Wider alle Erwartung fand ich aber unter den zahlreichen
Meier- und Pferdeknechten der hiesigen Wirthschaftsgebäude, trotz
ziemlicher Belohnung, dazu keinen bereitwillig; »es sey ihnen von der
Herrschaft verbothen« sagten sie; und die Bauern fürchteten sich
verschüttet zu werden, gleich jenem Schatzgräber, der, wie sie sagten,
vor wenig Jahren dem bösen Geiste seinen Reichthum nehmen wollte, und
nicht mehr zurückfand. Ich mußte lachen, wünschte aber, daß mancher
Gutsbesitzer, dessen Vermögen eigennützige Menschen barbarisch plündern,
statt Kassen, solch einen ausgeschrienen Satan zum Schutz hätte, die
Hälse würden weniger oder die Blutsauger ehrlicher werden.
Uebrigens wagte ich nicht, die Untersuchung allein weiter fortzusetzen,
sondern beurlaubte mich von der schönsten und größten aller Ruinen des
österreichischen Erbkaiserthums, mit Wehmuth, indem vielleicht einige
Jahre die hier noch merkwürdigen Reste vollends zerknicken, und dann
alles fernere Forschen vergeblich machen.
Oefter zurückblickend, als sollte ich _Landskron_ anderswo wieder
erkennen, überschritt ich nach anderthalb Stunden auf hölzerner Brücke
die nun jüngere Drau; ich war in
Villach.
Hier hört die W. W. auf zu kursiren. So klein das Städtchen im
Vergleiche mit Klagenfurt ist, so machen seine 5,000 Einwohner,
anmuthige Lage, und grosser Handels-Verkehr die bergigen Strassen sehr
lebhaft. Die Häuser, denen man es ansieht, daß sie mehrere _Säcula_
zählen, sind reinlich und meistens drei Stock hoch. Auffallend war mir
hier der besondere Gebrauch des Bleies; ich sah allenthalben grosse den
Tabakbüchsen ähnliche Gefässe umhertragen, und frug, was sich darin
befände? Der Befragte wunderte sich und meinte, ich müsse aus einem
sonderbaren Lande kommen, daß Bier- und Weinflaschen mir unbekannt
wären! Abgerechnet den _sanitären_ Nutzen oder Schaden, kann ich mir
dennoch die freiwillige Busse, den nothwendigen Hausbedarf in so
schweren Gefässen herbeizuschaffen, nicht anders erklären, als
ungeschickte Hände zu verhindern, Gläser zu zerschlagen.
Wie ich zu Villach erfuhr, war in dem nahen höchst interessanten
Bleibergwerke zu Bleiberg eben Kehrwoche, zu welcher Zeit der
Bergbau-Betrieb für einige Tage aufgehoben wird.
Einöderthal und Mühlstädtersee.
Ein heiterer Sonntagsmorgen leitete mich aus dem versteckten Villach,
dessen Thürme mir noch bedeutend auf St. _Leonhards_ Anhöhe
nachschimmerten, dem Seebache entgegen, durch ein breites wohl
kultivirtes Thal in zwei Stunden nach Treffen. Hier überboth die
bescheidenen Häuschen stolz des Herrn Grafen von _Goes_ Lustschloß --
Neutreffen, vom Parke sanft umwunden. Schuß auf Schuß donnerte aus dem
Dörfchen ins Freie, ich glaubte eine belagerte Festung zu passiren. Es
war Uebung zum nahen Festschüssen, dessen mehrere in jedem Orte
alljährlich Statt finden, wobei man sich besonders müht, den Ruhm seines
Hauses mit einer Bestscheibe zu heben. Diese bemerkt man von hier aus
durch Salzburg und Tirol ununterbrochen die Häuser schmücken. Die
Scheiben, auf welchen Vater oder Urgroßältern das Beste errungen, hängen
auswendig an den Hauswänden, und kein Nachkomme wird es wagen, eine
dieser Zierden, wenn sie auch verwittert ist, herabzunehmen, sondern
läßt, wie ich öfter gesehen, vielmehr ein Dach darüber machen. Das
seltenste Quodlibet bilden solche mit Ebern, Bäumen, Gemsen, feindlichen
Soldaten, Stieren etc. bemalte Scheiben, an den ganz bedeckten Wänden.
Bald engt sich außer Winklern das Thal, kärglich durchblicken es kaum im
hohen Sommer der goldenen Königin glühende Strahlen; finster wird der
Tag um die Mittagszeit; der Welten-Baumeister hat zwei Felsenwände
aufgestellt, so steil, daß man zittert, an ihren Schatten-wahrenden Fuß
einige Häuschen mit dem passenden Namen _Einöd_, angeklebt zu sehen;
aber sie stürzen nicht die senkrecht gestellten Massen, ruhig stehen sie
in ihren Grundfesten, denn die Hand der Barmherzigkeit hat sie gemessen!
Der _Ariabach_, sein Daseyn zwei Seen verdankend, murmelt schnell
hindurch, eine lustigere Gegend zu erreichen.
Dieser Bezirk bis _Liseregg_ aufwärts, ist der unglückseligste an
Hervorbringung von Fexen (Drotteln oder _Cretins_); selten daß man
einige Häuser vorbei wandert, ohne diesen Stiefkindern der Natur zu
begegnen, die Herz und Augen zum Mitleid stimmen. Ich sah Kinder sich
neckend mit Kothe beschmieren, und Erwachsene, welche lachend große
Steine auf Vorübergehende warfen. Eine gleichfalls blöde Weibsperson
keuchte mir geraume Strecke mühsam nach, und als ich ihren Willen
erfragen wollte, stürzte sie auf den zum Glücke von mir besänftigten
Hund, und riß ihm einen Knäul seiner langen weissen Haare aus, sich
damit den Kopf zu bestreuen. Diese Unglücklichen, welche gemeiniglich
zwergartig, mit dicken Köpfen, kleinen Augen und großen herabhängenden
Kröpfen gebaut sind, besitzen nicht selten die froheste Laune und
Muthwillen.
In einer Stunde kommt man in das 34 Haus zählende Dorf _Afriß_;
gemildert, ohne eben freundlich zu seyn, winkt das Thal, bis man in
einer Stunde _Erlach_ und Feld, zwei Oertchen an zwei Seen gelagert,
erreicht; ein Thalkessel mit aufsteigenden Ackergründen zieht sich
ringsherum zur Höhe, auf ihnen schweben bis zu Hochgebirgen hölzerne
Bauernhäuschen, und unansehnliches Horn- und Rindvieh klettert
dazwischen von Busche zu Busche. Radentheim liegt ebenfalls in einem
breiten Thale mit steilen Bergabhängen. Viele Obstbäume, in der Umgebung
eine Seltenheit, beschatten allenthalben die Häuser. Hier durchaus muß
der Winter bei vielen Schnee gräßlich wüthen. Von Einöd angefangen, möge
mässiger Wind schon Lavinen über die Berge herabsenden, ein Sturm aber
Häuser und Bäume zudecken; der gedämmte Bergbach und die überfüllten
Seen ihre Ufer überschreitend, dann vollends vernichten, was Winde und
Schneelehne verschonten. Dasselbe gilt von den in noch wilderer Gegend
sich bergenden Dörfchen Döllach und Döbriach an dem rauschenden
Radenbache, welcher rechts vom Berge in die Thalschlucht einen schönen
Wasserfall bildet. Einzelne Bäume haben rechts auf den Höhen, wohlthätig
dem Wanderer, abstürzende Felsentrümmer mit ihren rüstigen Körpern
aufgehalten; gleich großmüthig zerstäuben sie zur Winterszeit die
andringenden Schneemassen, oder zwingen sie weniger zu schaden; man
sollte den Arm strafen, der einen dieser Stämme fällte.
Von Döbriach über Hochdöllach, eine Strecke von zwei Stunden, ist eine
der pittoreskesten Strecken. Rechts riesige Granitfelsen, theils
bewaldet, theils aus losen Trümmern bestehend, die erst vor Kurzem sich
einer Erdrevolution entschlagen zu haben scheinen, und aufs Neue nur
eines Lüftchens warten, um abermals weiter zu rollen. Links breiten sich
die mannigfaltigen Ufer des drei Stunden langen, und sehr tiefen
Mühlstädter-Sees aus. Schön umwaldet sind seine jenseitigen
Begränzungen; ohne Dorf, ohne Haus, sondert nur hie und da ein schmaler
Wiesenstreif das hochstämmige Grün der Berge, welche sich weit hinein in
den Seespiegel schattiren, ohne daß ein schaukelnder Kahn die Flächen zu
wirbeln oft pflegt. Ich erfuhr, daß dieser See schon bei mässigem Winde
wüthender tobe, als andere bei heftigem Sturme, daher nur selten und
bisweilen gar nicht befahren werde.
Nun kommt man zu einigen Hütten von Oberdöllach (oder auch Matzelsdorf),
ein Wasserfall, schön wie ihn nur die Natur bilden kann, stürzt über
thurmhohe Felsenwand stufenartig herab, bald darauf braust ein zweiter
nieder. Diesen in seinem ganzen Werthe zu sehen, muß man 200 Schritte
emporsteigen, und -- man dankt sich die Mühe! An diesem Bache besitzen
einige Bauern kleine Handmühlen, die ihrem Hausbedarf genügen und sie
empfindlicher Ausgaben überheben.
Markt _Mühlstadt_ entschädigt nicht in seinen schlechten Häusern für die
verlorne Pracht, die wie manches Glück nur einen Augenblick gedauert!
weniger aber vergißt man die dumme Art und Weise, fremder Reisenden
Geschäfte und Pässe hier zu erforschen. Ich hatte im Wirthshause die
tollen Fragen des mir gegenüber sitzenden Gerichtsdieners satt; er
darüber erboßt, frug pathetisch nach Herkunft, Namen, Lebensweise etc.,
welche ich, mich gar nicht dazu verpflichtet fühlend, nach Gutbefinden
scherzhaft beantwortete. Etwas gestärkt will ich nun meine Wanderung
fortsetzen; wie ich den näheren Weg durch das alte Verwalteramtsgebäude
hinab gehe, tritt der unvernünftige Mensch in Begleitung eines
wirklichen Herrn Amtsschreibers! hervor, und bringen mich durch ihre
grobe Neugierde um frohe Laune und Zeit, die ich leider auf unangenehme
Art zubrachte, bis Beide für die Zukunft eines Besseren belehrt wurden.
Eine Stunde schleuderte ich noch an dem fischreichen See durch die
elenden Dörfer _Gritschach_, und _Lerchendorf_ fort, bis er bei
_Wirlsdorf_ endete. Sumpfige Wiesen, die hölzernen Hütten der Schmutz
liebenden Einwohner kaum ertragend, sind der beständige Anblick des
abwechselnd auf Gangsteigen versinkenden Wanderers.
Es wurde Abend, Nebel senkte sich in schwarzen Wolken von Gebirgen
herab, und verbarg die Zeichen, die den Pilger sicherer zu leiten
pflegen; doch war die Wanderung darum nicht unangenehm, da der werthlose
Bezirk, sich nur bisweilen enthüllend, den Beobachter mit verborgenen
Reizen zu täuschen schien, gleich einem Frauenzimmergesichte, welches
die unangenehme Form durch einen Schleier interessanter zu machen sucht.
Ueber der sich früher verkündenden _Liser_, die ihre Geburt mehreren
Alpenseen verdankt, und Scheiter tragend den Uferbewohnern eben so
furchtbar als nützlich ist, erreicht man das mit Waldbäumen
durchflochtene
Liseregg.
Das Dörfchen ist ziemlich ausgebreitet, es war bereits Nacht, ich mußte
also in irgend einer Wohnung das Wirthshaus erfragen. Mühlen-Geklapper
lockte mich links über Felder hinüber, einige Hütten waren bereits
geschlossen, doch hörte ich nebenan Stimmen, -- die Thüre zu öffnen und
wieder zu schliessen war Eins; Rauch, Dampf und Brand qualmten im
Häuschen empor, ein Mann rief mir zu, ich nahm einen Rand und ging noch
einmal in diesen Höllenpfuhl. In Mitte der schwarzen Stube um einen mit
Geschirren bepflanzten Lehmherd, worauf das Feuer emporloderte, standen
sieben Personen, die Männer Taback schmauchend, die Weiber Reisig
nachschürend, und ein Schweinchen in der Ecke grunzte ihnen Beifall zu.
Der Rauch, welchem beim kleinen Dachloch sein Ausgang angewiesen war,
sich nicht damit begnügend, wirbelte etwa drei Fuß hoch vom Boden im
Gemache umher. Die zahlreichen Luftlöcher aber in der zerrissenen
Breterwand, und die nur schlecht mit Papier und Glasscherben verwahrten
Fensteröffnungen, dienten als eben so viele Rauchfänge, denen die um
einige Zoll gegen ihre Oeffnung zu kleine Thür, gehörigen Luftzug gab.
Auf dem holperig lehmigen Fußboden standen einige Verschläge mit Stroh,
die muthmaßlichen Bettstellen des Pallastes.
Solche Wohnungen, die der Bauer seinem Hausgesinde anweiset, oder ärmere
Familien gemeiniglich besitzen, sind in Kärnthen keine Seltenheit. Was
Wunder! wenn sie auf den phisischen Charakter der minderen Klassen oft
traurigen Einfluß haben! Diese Hütten, die für den Sommer nichts taugen,
was mögen sie im Winter seyn?
Mühsam konnte ich nun das über dem Flusse liegende einsame Wirthshaus
erfragen; wenn Jedermann seiner Anstrengung gemäß auch Lohn erwarten
wollte, so müßte er hier sich höchst bestraft fühlen. Allein ich war
schon allzu gewohnt, auf Nebenstrassen Hungerthürme von Wirthshäusern,
und Strohbindel statt Federbetten anzutreffen. Wenigstens läuft man nie
Gefahr, sich zu überessen, oder am weichen Nachtlager den Sonnenaufgang
zu verschlafen. Dießmal hätte man immerhin den halben Tag verschlummern
können, ohne sich deßhalb Vorwürfe zu machen.
Der lästige Regen, mir Nachts schon durch das alte Schindeldach seine
entzückende Ankunft mittheilend, tumelte sich Morgens mit dem
fürchterlichsten Sturmwinde; Wolken flohen in schrecklichen Gestalten
wie zu einer wilden Schlacht brausend herbei, und der entfesselte Orkan
lieferte den Donner des Geschützes; nur die Ueberzeugung, hier nichts zu
gewinnen, trieb mich fort. Durch die Dörfchen Karlsdorf, Rauten,
Feichtendorf, welche eng beisammen vom geringen Ertrage der Wiesen und
Heidekornfelder leben, und nebenbei um sich besser zu befinden, die
Wälder barbarisch vertilgen, gelangt man über _Feicht_ und _Lehndorf_
auf die Fahrstrasse. Alle diese, und noch mehrere folgende Oertchen,
sind auf _Lichtensterns_ topographischer Karte nicht angemerkt; Beweis
genug von der bisherigen Unkenntniß dieser Gegend, die aber zum Glücke
durch die nun allenthalben stattgehabte Landesvermessung hinlänglich
aufgeklärt werden wird.
Möllthal.
In einer halben Stunde erreicht man auf der Fahrstrasse _Möllbrucken_ --
nur einige Häuser, wo etwas unterhalb die _Möll_ in die _Drau_ sich
ergießt. Ueber die Brücke durch Altenmarkt, führt die Strasse nach
Tirol, dießseits am linken Ufer der brausenden _Möll_, nach _Salzburg_.
An der Brücke zeigen Denktafeln einige Unglücksfälle, welche diese
unbändige Nymphe im Zorne oft auszuüben pflegt. Da wurden Häuser
weggeschwemmt, Lastwägen sammt Kutscher in den Fluthen begraben etc.,
man soll wider Willen dieser gewaltigen Alpentochter Feind werden, und
doch ist man froh, in ihrer Beschauung derer immer pittoreskeres
Granitthal hinauf zu wandern. Das aus 39 Haus bestehende _Mühldorf_
könnte in der That die Wohnung _Neptuns_ und der _Tritonen_ vorstellen.
So viele Mühlen und Wasserfälle habe ich sobald nicht in einem Dorfe
beisammen gefunden; der Wind peitschte die abstürzenden Gewässer
vollends zu einem Gußregen über die Häuser.
Das Dörfchen Kollinz, überschattet von dem schwarzen Danielsberge mit
seiner Wallfahrtskapelle und römischen Denkmälern, kann dem Wanderer,
nachdem er von der mühsamen Bergersteigung zurückgekehrt ist, im
Wirthshause einige Erholung verschaffen.
Zu Napplach, einem Dorfe, findet man viele Hammerwerke, Hammerschmieden
und Köhlereien; einem schlechten Gangsteige folgend, erreicht man dann
abermal bei einer Brücke über die _Möll_, das Dörfchen _Beng_. Rechts
übersieht es von der Berghöhe ein alter viereckiger Thurm, der Rest des
ehemaligen Ritterschlosses, dessen Besitzer und Geschichte ebenfalls
Ruinen bilden. Dieses Dörfchen scheint einigen Wohlstand an Viehzucht zu
besitzen, wenigstens sah ich nirgends mehr Schweine als hier auf Höfen
und Gassen umherlaufen. Schon ausser Grätz wunderte ich mich, meistens
schwarzes Borstenvieh mit etwas längerer Schnauze und dünneren Beinen zu
erblicken, im Drau- und Möllthale war gar kein anderes mehr zu sehen.
Ich frug um die Ursache, und es hieß, die schwarzen Schweine seyen weit
leichter mit schlechterer Nahrung zu erhalten, als die weissen, und Wolf
und Bär müssen sich noch überdies vor ihnen fürchten. Ersteres möge
freilich nur Vorurtheil seyn, doch von ihrem Muthe überzeugten mich bald
die verläßlichsten Beweise. Einige Schweine hatten meinen Wolfshund im
Dorfe angeschnurrt; ich war kaum hinausgetreten, so folgte ihm ein
kleiner Trupp nach; mein Hund, der zum Fang dressirt und muthig ist,
wollte sie zurücktreiben; es gelang ihm Anfangs, doch nun kamen ungefähr
dreissig, groß und klein, mit Gebrumm und Lärm herbei, und stürzten
wüthend mit ihren Hauern auf _Duna_ los; er bekam eine Wunde, aber
wehrte sich dennoch tapfer; vergebens! sie würden ihn zerrissen haben,
hätte ich nicht mit Stock und Steinen darein schlagend, dem geängstigten
Thiere Luft gemacht, auf die steile Anhöhe zu entrinnen; mir riß einer
dieser mordsüchtigen Vierfüßler das Beinkleid entzwei, ich war froh, um
keinen höheren Preis meinem treuen Reisegefährten das Leben gerettet zu
wissen.
So sonderbar mir dieses Scharmützel vorkam, und so lästige Wiederholung
es vermuthen ließ, tröstete mich dennoch die Ueberzeugung: daß es
erfreulicher in dem Lande zu wandern sey, wo Thiere ihre Feinde und
Wegelauerer haben, als wo solche den friedfertigen Wanderer einer Börse
wegen überfallen.