Kapfenberg,
da aber zwangen mich doppelte Beweggründe der ferneren Wagenreise zu
entsagen, um so mehr, da ich von Bruck zu Wasser nach Grätz zu kommen
wußte. Erstlich hatten die riesenhaften Ruinen der alten noch nicht
durchsuchten Veste zu viel Reitz für mich, um deren Besichtigung abermal
aufzugeben, und zweitens konnte mein armer Hund, welcher im
ununterbrochenen Laufe dem Wagen folgte, vor Anstrengung in der
betäubenden Schwüle des erhitzten Thales seine Ermattung nicht mehr
besiegen. Ich schied daher von den Reisekonsorten ohne besonderen
Schmerz, nahm meine Reiserequisiten in einer Jagdtasche befindlich,
nebst dem doppelläufigen Gewehr auf den Rücken, und wanderte im
schwarzen Dunkel dicht gedrängter Föhren und Tannen den ziemlich
erhaltenen steilen Schloßpfad zur Ruine hinan.
Gleich beim Eingange über eine 22 Schuh hohe ehemalige Zug- jetzt
Pfostenbrücke über den breiten Burggraben, welcher nun zum Garten dient
und vom herrlichsten Winterobste strotzet, fiel mir der seltsame
Kontrast von Erhaltung und Verwesung, den ich an der Burg engverbunden
wahrnahm, besonders auf. Einige Fenster prangten noch mit vielfältig
gezierten Scheiben, indeß nebenan auch nichts mehr von Fenstersteinen
übrig war. Den Eingang verschloß ein mit Eisenblech beschlagenes Thor,
ohne daß man deßhalb verhindert würde, durch die Risse ausgebrochener
Quadersteine bequem in den Vorhof und in sämmtliche Gemächer zu
gelangen. Theile von Rittersätteln, Rüstungen, Pferdedecken und
Geschirren, lagen in einer Ecke rechts unterm Thorbogen aufgehäuft. Als
ich in den Schloßhof eintrat, staunte ich über die Grösse und ehemalige
Pracht der Behausung von den einst so berühmten, später durch ihr
Unwesen und Räubereien berüchtigten und im 11ten Jahrhunderte
ausgestorbenen Herrn von Kapfenberg; deren Stammschloß dann an die
Grafen von _Stubenberg_ überging, deren Familie es bis heut zu Tage im
Besitze erhielt.
Menschenhand, die Vertilgerin früh entwickelter Manneskraft, suchte hier
die nachsichtsvollere Natur zu überwiegen, und zerstörte, was grauer
Zeiten edle Sprossen erbauten. Die größtentheils erzwungene Ruine des
Schlosses folgte aus der vor sieben Jahren freiwillig vom Herrn Grafen
anbefohlenen Abdachung, und Verwendung der brauchbaren Materialien und
besseren Quadersteine zum Baue des Brucker-Theaters. -- Es ist doch
sonderbar, wie dazumal die nah gelegenen Steinbrüche so hartherzig
scheinen konnten, Materialien zu einem Musentempel zu versagen: daß die
Großmuth sich entschließen mußte, einen Wohnsitz und Schutzmauer
ruhmgekrönter Ahnen jenem _nothwendigen_ Baue zu opfern. Die Veste
welche noch lange, und mit geringen Kosten noch Jahrhunderte hätte
trotzen können, wurde um den beiläufigen Werth von 350 fl. W. W. an zu
benützenden Steinen etc. zertrümmert und vernichtet!
_Kapfenberg_ ist eine herrliche Ruine, doch wünschte ich, sie einst im
kräftigen Stande gesehen zu haben. Den ungeheueren Burghof, welcher noch
jetzt zu militärischen Uebungen geeignet seyn dürfte, umgibt eine Reihe
gothisch gestalteter Gänge im ersten und zweiten Stockwerke auf 4 Schuh
hoch festenden steinernen Säulen, von denen einige beschädigte in
neueren Zeiten durch eichene ersetzt, und grau angestrichen wurden. Ein
schöner nach unten zu erweiterter ganz von Quadern und oben mit einem
zierlich gemeisselten Kranze gemauerter Brunnen, an dem sich noch ein
ungeheueres eisernes Rad nebst gleicher Spindel zum Wasser heraufziehen
befindet, prangt in der Mitte des Hofes, und übertrifft alle ähnlichen
an Zierde und Brauchbarkeit. Die Stallungen, Küchen, Gewölber und
mehrere Zimmer schienen noch gut, und vor wenigen Jahren gebraucht.
Mehrere Wappen, Malereien an Wänden eines größeren Gemaches, bezeigten
den ehemaligen Prunksaal; das eichene Bodengetäfel lag mit Schütt und
Stroh in bester Harmonie durcheinander. Der ehemahlige Schloßgarten
(nicht Burgzwinger) welcher sich an südöstlicher Seite befindet, war
reichlich mit Erdäpfeln befruchtet; in einem Winkel desselben sah ich zu
meiner Verwunderung ein ziemlich großes Buchsbäumchen, welches nach
seinem Alter zu schliessen, noch ein Denkmal entwichener Vorwelt seyn
könnte, und dessen Ahnenzweige gewiß manchem holden Fräulein zum
bescheidenen Fensterschmuck mögen gedienet haben. Schade, daß diesem
alten Schloßbewohner nicht auch die Sprache gespendet ward, er könnte
der Neugier mehr und verläßlichere Aufklärung in Hinsicht der Veste
verschaffen, als das gesammte hierüber bestehende Archiv zu Bruck.
Von einem Burg- oder Wartthurme fand ich keine, von der Kapelle aber nur
kleine Spur. Am meisten lockte es mich, die höchste Ringmauer an
nördlicher Seite der schönen Aussicht wegen zu besteigen. Ich kletterte
42 Stufen theils über die gothischen Gänge, theils unter Trümmern des
entstürzten Daches, das bis auf einen kleinen Theil durchaus zerrüttet
war, zur erfreulichen Höhe. Hohes Gras und Gestripp bedeckte den länger
verödeten Fußboden; mit Mühe kroch ich auf einem vermoderten Balken zur
entlegenen Wand, als auf einmal mit fürchterlichem Gekrache sich ein von
mir überschrittener Theil in die gräßlichste Tiefe hinabsenkte. Schauder
ergriff mich bei dem Gedanken ähnlicher Fahrt, und ich setzte mit kühnem
Sprunge auf die mich besser erhaltende Wand. Das Steingerölle erweckte
die bereits der Ruhe befliessenen lüftigen Schloßbewohner, und mit
schrecklichem Zorngekreische des verscheuchten Schlafes wegen, zogen
einige dieser Unholden über mein staunendes Haupt, während andere in
tiefer Kluft ihr dumpfes Todtenlied anstimmten.
Froh, die Gefahr überstanden zu haben, überließ ich mich nun dem Genusse
des schwelgenden Auges, welchem jede Parthie, jeder Winkel des Thales
neue unerwartete Schönheiten für Blicke und Herz freigebig darboth.
Dieser Punkt ist vom Schlosse unbezweifelt der schönste, und wird nur
von der weiter oben sich befindenden Wallfahrtskapelle St. _Loretto_, wo
ich in der Folge sprechen werde, übertroffen; doch warne ich Jeden
meiner allenfälligen Nachfolger, seine Neugierde hier zu unterdrücken,
und diese Stelle zu vermeiden. Leicht dürfte Jemand ähnlichem Unglücke
nicht entrinnen, oder sich vom hohen Grase getäuscht, durch eigene
Unvorsichtigkeit in die Tiefe hinabstürzen. Ich bezeichnete diese
merkwürdige Wand, an der ich mich nun fest anklebte, groß mit schwarzer
Jahreszahl. Denselben Rückweg zu nehmen wagte ich selbst nimmer, sondern
wählte lieber eine dem Ansehen nach gefahrvollere, doch in jeder
Hinsicht verläßlichere Rückkehr; nemlich über den zwei Schuh breiten
festen Rücken der Mauer, welche ich mit Händ und Füssen drei Klafter
lang überkletterte, und mich endlich auf haltbaren Steinen nach der
obersten Gallerie herabließ. Wohl und gestärkt empfand ich mich
sogleich, da ich kaum nur den verläßlichen Boden betrat, und mit
fröhlichem Gemüthe untersuchte ich zuerst die oberen wüsten Gemächer des
zweiten, dann ein besser erhaltenes des ersten Stockwerkes. Die Thüre
war nur angelehnt, ich trat hinein; am Boden im Winkel bewies ein Haufe
dürrer Blätter mit etwas Stroh vermengt, und eine allzusehr gebrauchte
Kotzendecke das genügsame Nachtlager; mehrere hölzerne Schuhe,
wahrscheinlich eigene Fabrikation, ein alter Mantel, durchbrannter
eisener Ofen, eine Bank, etwas Holz und Küchengeschirr, jedoch ohne
Teller und Trinkglas, war der ganze Besitz dieses bedauerungswerthen
Ritterburgbewohners; überdieß war Gesimse und Zimmerdecke zersprungen,
ausgebrochen, und drohte jeden Augenblick den nothgedrungen hier Schutz
Suchenden auf immer der Armuth zu entheben. Das Unglück muß tiefe Wurzel
geschlagen haben, wenn man täglich seine theuerste Habe -- das Leben,
dem Tode sorglos unterzieht; entweder liegt hier Blödsinn zum Grunde,
oder der Wunsch, jenen letzten Freund baldigst zu umarmen. Vom größten
Elende dieses Erbarmungswürdigen überzeugt, wird gewiß jeder Fremdling
zum Mitleid hingerissen.
Zu ebener Erde nächst dem Schloßthore werden ebenfalls zwei, aber
gewölbte Zimmer bewohnt; die Thüre und Fenster waren verschlossen. Hier
möge mehr Sicherheit und weniger Verzweiflung herrschen; denn wenn auch
eine arme Tagwerker-Familie von fünf Personen daselbst ihr trauriges
Asyl aufschlagen mußte: so zeigten doch Spate, Beil und Tragkörbe noch
Willen und Kraft der Bewohner zur Arbeit, und ein lautes Schweinchen und
Ziege darin wenigstens einen kleinen Besitz, und natürliche Sorge fürs
Leben. In Reflexionen, wie Fleiß und Muth noch manches Gute erzwingt,
schritt ich vergnügt zur weiteren Schloßuntersuchung.
Eine gähnende Oeffnung gegen Süden lud mich zur Reise in die Unterwelt.
Ich band meinen weissen _Cerberus_ bei dem Eingange fest, zündete zwei
Windlichter an, und stieg 18 ausgebrochene Stufen hinab; nun ebnete sich
der Boden und bildete rechts ein weites Kellergewölbe, mit guten
Luftzuge; links leitete ein Gang zwei Fuß abwärts; eine feste Thüre aber
zur Hälfte mit Eisengitter überflochten, verboth alles weitere
Vordringen; ich ehrte das feste Schloß, und ging, unzufrieden über die
behuthsame Verwahrung vielleicht eines heimlichen Ganges oder ehemaligen
Kerkers, zum Burghof zurück. Die übrigen Gewölber waren meistens
unbedeutend, und mit Schutt und Baumblättern angefüllt. Ich wollte eine
menschliche Seele herbeilocken, um Aufklärung über das versperrte
Behältniß zu erlangen; ein paar Schüsse donnerten demnach durch die
zerrissenen Mauern, und brachten ein herrliches Echo aber keinen
Bewohner zurück. Ich verließ also die finsteren Hallen, um von der
Wallfahrtskapelle
St. Maria Loretto,
auch _Rehkogl_ genannt, die untergehende Sonne zu schauen. Eine kurze
aber steile Höhe muß man noch erklettern, um dieses romantisch gelegene
Kirchlein zu erreichen.
Bescheiden zwischen einer riesigen ungeheueren Linde und zwei ähnlichen
Wunder-Eichen, die wahrscheinlich einst den stolzen Marsch römischer
Krieger -- sicher aber die veraltete Veste Kapfenberg entstehen und
erwachsen sahen, und welche nun durch feindselige Blitze und
eingetretene Schwäche sammt den nachgekommenen Greisenschlosse dem Grabe
zueilen: verbirgt sich das nette Thürmchen mit seiner Kirche unter die
Arme der bemoosten kollossalischen Gestalten, um dadurch nimmer seiner
Schönheit und Zierde für jeden Fremdling zu entsagen.
Der Küster, welcher hier in einem anstossenden Häuschen wohnt, zeigte
mir gutmüthig alle Schätze und Merkwürdigkeiten der Kapelle, die ich
eben die entzückendste Aussicht vom Thurme genießend, schön fand.
Sämmtliche Gebirge, Dörfer, Flächen, Schlösser und Flüsse liegen wie in
einem Panorama vor dem Auge des staunenden Fremdlings. Die rauchenden
Sühnopfer des Wälder vertilgenden Brandes, ein im Nordost aufsteigendes
Hochgewitter, welches sich durch schwarz und gelbe Wolken und feuchteren
Wind mit Gewißheit anmeldete, das Schnalzen der Kutscher, und Rasseln
zahlreicher Wägen, welche die tief liegende Heerstraße auf manigfaltige
Weise belebten, das Brüllen der munteren Herden, die der verspätete
Hirte zur Heimkehr zwingt, und das Rauschen mächtiger Mühlen, deren
plätscherndes Getöse in reiner Höhe verhallet, bezaubern auf
hundertfache Art das göttlich sich fühlende Auge, und versteinern den
Fuß, um den Körper zur unbeweglich freudigen Büste zu machen.
Glückliche Menschen, die ihr dieses _Eden_ bewohnt! möge euch ein
bleibender Aufenthalt nicht jene Wonne verringern, die jeden ankommenden
Fremden hier ergötzet, fühlet das Süße irrdischer Seligkeit!
Gerne glaubte ich dem Küster, daß alljährig viele Andächtige herauf
reisen, und sich hier getröstet und gestärkt fühlen.
Unmuthig über den geschäftigen Abend, der sich mit besonderem Fleisse
heute zu beflügeln strebte, stieg ich dem drohenden Wetter zu entgehen,
dem Markte Kapfenberg zu. Ich fand ihn reichlich und groß, die
Wirthshäuser von zahlreichen Fuhrleuten mit Güterwägen und Fremden
belebt, die Einwohner selbst aber alle beschäftigt und arbeitsam.
Bruck.
Die kristallene Mirza welche im unerbittlichen Laufe alles zu
verschlingen droht, was ihre gedrängten Wogen bespühlen, wird hier durch
eine mächtige mit Ketten umschlungene Brücke bedeckt; eiligst
überschritt ich des rollenden Donners wegen dieselbe, um noch im
Trockenen nach Bruck zu gelangen. Doch es war vergebens; Blitze rötheten
die Wälder, Wirbelwinde hoben Staubwolken in die Luft, und große Tropfen
fielen, durchnäßten die Strasse, und endlich auch mich; so zwar daß ich
halb in Schweiß und Regen gebadet, nächst dem Vermählungspunkte der
Mirza und Mur, die ihr Fest durch tobendes Lärmen weit verkünden, zu
Bruck ankam.
Mein erster Gang war natürlich -- ins Wirthshaus, wo ich beim Adler gute
Bewirthung fand. Bruck ist eine kleine niedliche Stadt mit einigen schön
gebauten Häusern, Kirchen etc. demohngeachtet wenn man von Kapfenberg
kommt, so sieht man selbe nicht eher, als bis, so zu sagen, die Nase an
das Thor stößt. Selbst die Ringmauern der alten Veste _Landskron_,
welche sich eng der Stadt anreihen, werden kaum etwas früher bemerkt;
doch soll das Schloß, bevor es der Brand im Jahre 1809 sammt dem größten
Theile der Stadt in Asche legte, eine gebietherische Miene gezeigt
haben. Gegenwärtig füllen den weiten Schloßraum einige Gartenfleckchen
und lockeres Gemäuer, nicht der Besichtigung werth. Die Stadt ist
übrigens (das meistens _geschloßene_ Theater ausgenommen) immer lebhaft;
die drei hier zusammenstossenden Hauptpoststrassen ziehen die Reisenden
aus ganz Innerösterreich, Küstenland, Tirol etc. herbei; von Bruck
werden noch überdieß Gips, Holzwaren und Eisen nach Grätz, Ungarn und
der Türkei zu Wasser versendet, wodurch sich die Stadt gleichfalls in
finanzieller Hinsicht hebt.
Das Wetter verstummte, Wohlgerüche dampften aus dem verschwägerten
Mirza- und Murthale empor, und durchdufteten mein Gemach; der versöhnte
Mond kleidete sich in das silberne Gewand des Friedens, und half den
Millionen Sternen Diamantenglanz verbreiten. Ich betrat mit frohem
Gemüthe mein Lager, und wandte den dankbaren Blick dem freundlichen
Gesichte zu, das so milde seinen Zorn vergaß.
Kaum daß sich der junge Tag dem neidischen Nebel entwunden, der
vergebens in dem wässrigen Thale einen Sieg zu erringen bemüht war, ging
ich an den mir gewiesenen Platz, um mit Neptuns Einwilligung noch
Vormittags Grätz zu erreichen.
Murfahrt.
Zahlreiche Passagiers sah ich bereits in gleicher Absicht, ungeduldig
des trüberen Morgens, welcher die Wasserfahrt für heute vielleicht
verhindern könnte, die Ufer gemessenen Trittes überschreiten. Das Floß
(Fahrzeug aus zusammengefügten Baumstämmen) war mit Bretern und einigen
Gipsfässern geladen, und zum Abgange bereit; endlich verschwand auch der
letzte Nebel, und der Schiffmeister geboth Aufbruch. Wie zum fröhlichen
Tanze sprangen zwanzig Fremde auf den schaukelnden Boden; einige wie
ich, hatten noch nie die Mur befahren, und dachten sich ebenso sicher
als zu Lande; während die Schiffleute ihre Andacht mit ungekünstelter
Ehrfurcht begingen.
Der gestrige Regen hatte die sonst dunklen Wogen noch mehr getrübt, und
beflügelte den eilenden Lauf der ungezügelten Mur; dennoch waren wir
ohne besondere Fata geschwommen, und nur die interessanten Ufer
fesselten das immer geschäftige Auge.
Das von wohlthuender Nässe erfrischte Kolorit buntbeblumter Wiesen,
glänzte wie Sammet mit reichster Stickerei durchkünstelt; Dörfer sah
man, welche die willkommene Last aller Gattungen niedergebeugter
Obstwälder mit ihren Dächern stützten; Hügeln wo reiche Gaben der Ceres
in haushohen Garben sich reihten; und wieder Waldberge, die mit nakten
Felsenspitzen um den Hoheitsrang stritten, und von entkräfteten
Greisenschlössern dieser Eitelkeit wegen gewarnet wurden; endlich die
reine Himmelsdecke, deren sanftes Blau alle diese Lieben überspannte,
und zur sanftmüthigen Einigkeit bewog, während goldene Sonnenstrahlen
einen Schützling nach dem andern in dem geengten Thale belohnten. Dieß
schien den gewöhnlichen Schmuck der Natur zu überwiegen, und entweder
ein Traumbild oder wirklichen Himmel zu zeigen.
Froh, auf der staublosen Eilfahrt allen diesen Zauber einzusaugen,
bedauerte ich zugleich, nicht hineilen zu können auf die ehrwürdigen
Reste des Schlosses _Pernek_, welches wie aus dem Schlummer geweckt,
seine wenigen bemoosten Quadermauern von der riesigen Waldspitze links
herabzeigte und bald wieder unmuthig verbarg. Mehr noch reitzte mich das
Dorf _Mixnitz_ am linken Murufer, dessen groteske Felsenhöhle im
Drachentauern Dr. _Sartori_ so Neugier erregend beschrieb, und die
überthürmt von der mächtigen Thiernauer- und Theichalpe eine vielwerthe
Lage versichert!
Außer dem Dorfe Röthelstein war man beschäftiget die Straße zu
erweitern, die lästigen Gruben hie und da auszufüllen, und eichene
Schranken zu ziehen. -- Dank dem gnadenreichen[5] Besuche unseres
allgeliebten Monarchen, der alle Hände in Bewegung setzt Gutes zu
wirken! Der Weg war früher an einigen Orten so enge, daß zwei geladene
Frachtwägen einander nicht ausweichen konnten; anderwärts fanden scheu
gewordene Pferde kein Hinderniß, sich und die unglücklichen Passagiers
in den Abgrund der gefrässigen Mur zu begraben. Unbefürchtet kann sich
nun Jeder den Schönheiten des bewunderungswürdigen Thales hingeben!
[5] Auf der Rückreise Seiner Majestät von Mayland, Venedig etc. über
Grätz nach Wien den 21. August 1825
Die malerischen Schlösser Pfannberg, Rabenstein, Peckau, Gösting, alle
so herrlich! doch ich durchkletterte sie vor zwei Jahren, und erlaube
mir deren nähere Schilderung.
Unter dem Markte Frohnleiten, den am linken Ufer eine fränkische Allee
aus Lärchen- und Kastanienbäumen, erstere in Pyramiden, letztere in
Quadrate zugeschnitten, schmücken soll, windet sich ein enger Fußpfad
neben einigen Häusern des Ortes Weiher zur wüsten Waldhöhe der Ruine