Das „Luderzeug“ hätte seine Absicht wieder gemerkt und höhne vom
Wallnußbaume, daß es ihm was pfeifen wolle.
In der Tat saß der Wallnußbaum so „gerakelt“ voll von spektakelnden
Sperlingen wie von Nüssen, die übrigens auch aussahen, als ob sie
Flügel hätten, da ihre Schalen großenteils schon geplatzt waren.
Er wäre überhaupt ein schlechter Vogelfänger, rief Steffen noch in mehr
komischer als ernster Verzweiflung.
„Da magst du wohl recht haben,“ erwiderte das Mädchen und klatschte
lachend in die Hände, worauf ein dichter Schwarm in den Himmelsraum
hinaus stob.
„Fliegt, fliegt geschwind nach Bodenburg,“ rief sie hinterdrein, „grüßt
den Herrn der Bauern und bestellt, Oelkers Steffen schicke euch, und
die ihr etwa zu viel wäret, sollte der Herr Baron fürs nächste Jahr
anrechnen!“
Die Sperlinge waren aber wohl doch nicht zu dem „Herrn der Bauern“
geflogen; denn am andern Tage kam die Mahnung von Bodenburg, daß
Martini bald vor der Tür stände und noch dreiunddreißig Sperlingsköpfe
einzuliefern seien. --
[Illustration]
Siebentes Kapitel.
„Nun kommt wieder die lange, rabenschwarze Nacht,“ seufzte Vater
Oelkers, wenn in der Dämmerung die Betglocke geläutet hatte. Denn es
kam kein Schlaf mehr in seine Augen, und das Bäuten, das Marten und
Sophie noch abwechselnd taten, schlug nicht an, es hatte nur einen
trügerischen Schein geweckt. „Die Argen und die Zwargen hören auf die
Lutherischen nicht,“ sagte der Leidende einmal mit peinvollem Lächeln
zu Meister Drewes, der aber die Hoffnung noch lange nicht aufgeben
wollte. „Du glaubst nur nicht fest genug daran, Naber,“ mahnte er, und
Oelkers schüttelte den Kopf. Es war nichts mehr mit seinem Glauben, und
er hatte sich völlig aufgegeben. „Der Glaube hilft nur den Gesunden,“
sagte er. Kam Sophie aber an sein Bett, so versicherte er ihr selbst
unter den größten Qualen, wie gut ihre Baute ihm täte und wie dankbar
er ihr sei, daß sie ihm so viel geholfen hätte; denn sonst wäre er
gewiß schon vor zwei Wochen gestorben.
Wieder war eine qualvolle Nacht vergangen, und als Marten, der an
diesem Tage in Bodenburg Spanndienste zu verrichten hatte, in noch
dunkler Frühe ans Bett trat, sagte der Vater mit schwerem Ächzen:
„Sorge, daß du zeitig zurückkommst, Junge. Ich fühle, heute ist mein
letzter Tag.“
„Es wird noch so schlimm nicht sein, Vater,“ erwiderte der Zweite in
beruhigendem Tone, „ich werde es aber ’m Herrn sagen, daß er mich
früher ziehen läßt.“
Als der Jüngste mit den beiden etwas müde gehenden Gäulen vom Hofe
zog, rief Oelkers seinen Ältesten zu sich und sprach mit ihm, so gut
es sein Zustand erlaubte, von alledem, was nun werden sollte. „Du bist
der Älteste und stehst vorn und mußt der Stab sein, an dem unsere
Familie weiter geht. Denke nur daran, daß Gott dir hilft, und denke
daran, daß du wohl morgen schon zu unserm irdischen Herrn gehen mußt.
In der Eichenlade auf der Bodenkammer liegt das Geld für den Meierzins,
es sind erst 15 Taler und 14 Mariengroschen. Es ist noch nicht alles
bei’nander, denn der Hofzins in bar macht 25 Taler und 4 Mgr., wie du
weißt, und dazu kommt noch der Rottlandszins mit drei Talern und 24
Mgr. Und dann mußte für ’n neuen Meierbrief auch ’n Stempel bezahlen.
Die Ernte ist, Gott sei’s geklagt wieder schlecht ausgefallen, weil wir
wegen der Spanndienste wieder nicht rechtzeitig einfahren konnten und
’s Beste wie immer verregnen lassen mußten. -- Von der guten Frucht
kannste kaum noch was abstehen, willst du nicht mit ’m Zinskorn ins
Gedränge kommen, oder hernach um vieles teurer wieder kaufen. Dann das
Begräbnis, das kostet auch wieder was. Laß nur ja keinen teuren Sarg
für mich machen, hörste? ’n paar schlichte Tannenbretter, die genügen.
Mehr als ’n Taler braucht er nicht zu kosten, der Sarg, hörste, Junge?
Und das gute Zeug sollt ihr mir nicht anziehn: En Hemd un en Dauk is in
’n Grawe enaug.[25] Es ist ganz einerlei, wie man in der Erde liegt. Es
ist nur, daß man hinkommt auf ’n Kirchhof. Und die Begräbnisfeier sollt
ihr auch nur ganz einfach machen, Junge. Vier weiße Kuchen, das wird
hinreichen. Und das mußte alles mit Drewes besprechen, hörste, Junge?
Was sie denn sagen, so mach’s nur, denn sie sind für dich wie für sich.
Kommt dann der Martinitag, und es fehlt dir noch, so sprich mit deinem
Bruder, daß er dir für ’ne Zeit was vorstreckt. Der hat sich doch bei
den Stadtfuhren was erspart und wird gut seine fünfundzwanzig Taler
und mehr für sich haben. Oder du sprichst mit Drewes Vetter. Willst du
aber beides nicht, und es ist ja aus guten Gründen besser, brauchst du
im Anfange weder deinem Bruder noch deinem Schwiegervater zu kommen --
dann mußte lieber sehen, daß du eins von den beiden Läufern[26] gut
verkaufen kannst, Junge. ’s wäre ja schade, denn sie kommen nun erst
ins Wachstum; aber du mußt dann eben sehen, Junge.“
Steffen stand halb abgewandt am Fußende des Bettes und schluchzte.
Der Alte winkte ihn näher zu sich, atmete heftig, würgte den Schmerz
und ächzte: „Du weißt, daß der Herr außer dem Baren noch zu fordern
hat: 25 Himten gutes, marktgängiges Korn, ein Schwein und ein Schaf,
beide von ihm selbst ausgesucht, drei Schock Eier zu Ostern und zu
Pfingsten, und zehn Hahneken oder Hinneken, die aus ’m Scheffel
springen können. Und dann müßt ihr sehen, daß ihr die 33 Sperlinge
noch kriegt.“ Er erholte sich einige Atemzüge lang und fuhr fort:
„Die ersten zehn Himten, weißt du, will der Herr immer pünktlich mit
dem Martinizins gebracht haben, den Rest bis Fastnacht, wie du weißt.
Nun höre aber, Junge: Nimm das erstemal kein Hinterkorn in die Mitte;
später, d. h. wenn du den Hof schon ’n Jahrer zwei hast, kannste ja
immer gut ’n halben Scheffel Drespen und Raden mit untermengen, denn
man muß sich zu helfen wissen; aber beim Antritt und eh’ du ’n neuen
Meierbrief in der Hand hast, mußte nur vom Allerbesten nehmen. Lieber
Schaden als Schimpf, denn der Herr könnte imstande sein und sich beim
ersten Male jedes Korn einzeln vorschütten lassen, dann hättest du bei
ihm gleich schöne in’n Tran getreten. Er ist gar nicht so unrecht,
unser Herr und kann auch kein Unrecht leiden. Also höre, Junge, und
denke: Ehrlich währt am längsten.“
Steffen schluchzte und nickte.
Eine Weile lag der Alte in tiefer Erschöpfung still. Sein Gesicht war
gänzlich eingefallen, sein Bart in langen Stoppeln gewachsen. Plötzlich
kam es wie ein neues Leben in ihn.
„Wir wollen alles in Ordnung bringen, Junge,“ flüsterte er und winkte
mit der zitternden Hand nach dem Fenster, „geh’ und sag’ Drewes
Vetter, wie’s um mich steht. Er soll gleich kommen, hörste, und Fieke
mitbringen. Hörste, Junge, das sagste ihm. Wir wollen alles in Ordnung
bringen.“
„Ja, Vater!“ schluchzte Steffen und wandte sich nach der Tür, zögerte
aber wieder.
„Geh’, Junge, geh’,“ drängte der Vater, „manchmal ist ein Augenblick
ein Scheffel Weizen, manchmal ein Hof mit vier Pferden.“
„Ja, Vater,“ schluchzte Steffen nochmals, und bald tönte vom Hofe her
das Dröhnen seiner eilenden Tritte und das Gekreisch der auseinander
stiebenden Gänse.
In der engen schwülen Stube herrschte eine dumpfe Stille, nur
unterbrochen durch die ächzenden Atemzüge des Kranken. Eine einsame
Fliege kam schräg vom Balken hergeflogen, kroch matt über die Decke,
kletterte an der kalten welken Hand empor, putzte sich schnurrend das
verschlafene Köpfchen.
Eine späte Fliege zeigt an, daß noch Geld im Hause ist. Unwillkürlich
erinnerte sich der Bauer dieser alten Volksmeinung, und nicht
ohne ein leises Wohlgefallen betrachteten seine Augen die kleine
Gesellschafterin, die von Tausenden noch allein übrig geblieben war.
„Ach, ich bin auch so ein Übriggebliebener; aber nicht lange mehr, und
wir beide werden sein, wo die andern sind,“ dachte er und machte eine
leise Bewegung.
Die Fliege erschrak und flog wieder empor nach dem dämmernden Gebälk.
Er blickte ihr nach. „So wird meine Seele auch emporfliegen,“ sagte
er leise, „und es wird bald sein. Lieber Heiland, du wirst ihr die
Himmelstür offen halten!“ Krampfhaft faltete er die blutleeren Hände
und betete mit oftmals aussetzender Stimme:
„Ich bin ein Gast auf Erden,
Hier ist kein fester Stand ...“
Mit sicherem Gedächtnis sprach er von dem alten ergreifenden Gesange
einen Vers nach dem andern und stockte nur, um dem schwergehenden Atem
Zeit zu lassen.
Schon hatte er den zehnten Vers beendet und eben mit dem letzten
angefangen, als Meister Drewes in der Tür erschien und hinter ihm seine
Tochter ängstlich hereinsah.
Oelkers nickte und betete den Vers zitternden Tones zu Ende.
Die Eingetretenen falteten die Hände und blieben in tiefer
Ergriffenheit an der Tür stehen. Sophie empfand den hohlen, zitternden
Klang der Stimme mit leisem Schauder.
„Amen!“ hauchte der Kranke und winkte mit einer schwachen Bewegung der
Hand.
„Henderk! Naber!“ rief Drewes schmerzbewegt und wischte sich mit beiden
Händen über die Augen.
Auch Sophie konnte ob des jammervollen Anblicks ihre tiefe Bewegung
nicht verbergen; sie wandte sich zur Seite und trocknete mit der
Schürze die hervorbrechenden Tränen.
Der Kranke nickte ihnen mit mühevollem Lächeln zu und rang um jeden
Atemzug. Plötzlich bäumte sich etwas in ihm; er stemmte sich mit
Aufbietung seiner letzten Kräfte auf die Hände, hob den zitternden
Kopf, sah Drewes mit einem fast zornigen Blicke an und wiederholte,
während seine Mienen einen bittern Zug annahmen, den zweiten Vers des
alten Sterbegesanges:
„Was ist mein ganzes Wesen,
Von meiner Jugend an
Als Müh und Not gewesen?
So lang ich denken kann,
Hab’ ich so manchen Morgen,
So manche liebe Nacht
Mit Kummer und mit Sorgen
Des Herzens zugebracht.“
Die Stimme versagte, er sank zurück, lag eine Weile wie tot; doch als
Drewes sich über ihn beugte, hörte er ihn wiederholen: „Mit Kummer und
mit Sorgen.“ Dann schlug er die Augen wieder auf und sagte: „Es wird
nun ein großer Bauernmorgen kommen, ich hab ihn nicht mehr erleben
sollen ...“
Da kam Steffen und lud schluchzend zum Sitzen ein.
Der Kranke flüsterte: „Es ist gut, daß ihr gekommen seid, Andreis! Du
siehst, ich habe keine Zeit mehr.“
Drewes rückte ihm das Kopfkissen zurecht und erfaßte ihn bei der Hand.
„Wo ist deine Tochter, Andreis?“
„Hier, Oelkers Vetter!“ rief sie leise und trat nahe ans Bett.
Über das Gesicht des Kranken ging ein Aufleuchten, er suchte die Hand
nach ihr zu heben.
„Ach, wenn ich Euch doch helfen könnte, Oelkers Vetter!“ sagte sie
herzlich und reichte ihm die Hand, zuckte aber leise zusammen, als
sie die Todeskälte des alten Mannes fühlte. Das warme, blühende Leben
sträubte sich vor der Berührung mit dem nahenden Tode. Aber der
Sterbende hielt ihre Hand fest.
„Habe Dank, gutes Kind! Ja, Kind, du kannst helfen, wenn auch nicht
mir, so doch meinem Sohne. Du weißt, daß Steffen den Hof übernehmen und
darum auch gleich eine ordentliche Frau haben muß. Soll er nun erst in
der Welt herumlaufen? Und wenn er acht Tage weit ginge und noch weiter,
könnte er doch keine so gute finden, wie du bist, Fieke.“
Sophie zuckte zusammen, zog die Hand zurück und sah verwirrt und
hilflos nach dem Vater.
Der stand da mit feuchten Augen und nickte ihr ermunternd zu.
Steffen war in den Ofenwinkel zurückgegangen und hatte sich zur Erde
gebückt, als suche er etwas.
Draußen auf dem Zaune krähte der Hahn; am Bache schrie der Enterich:
„Natt, natt, natt, natt!“
„Du willst doch, Kind, du willst doch?“ rief der Kranke ängstlich
bittend.
Ein Sperling flog gegen die Fensterscheibe, guckte neugierig herein und
flog wieder fort.
„Na, Fieke, so antworte aber auch!“ mahnte Drewes nachdrücklich.
Sie kämpfte in peinvoller Verlegenheit mit sich und sagte, während ihre
rechte Fußspitze auf dem Lehmboden einen Kreis zog: „Oelkers Vetter,
ich will Eurem Steffen wohl helfen so viel ich kann.“ ... Da stockte
sie wieder, obgleich es ihrem Tone anzuhören war, daß sie noch etwas
sagen wollte.
Draußen schrien die Gänse. Ein vorüberfahrender Knecht rief den Pferden
etwas zu und knallte mit der Peitsche.
Drewes, dessen Stirn sich in Falten gelegt hatte, schob das Fenster
auf und winkte hinaus. Da hörte das Peitschenknallen auf; aber dafür
begann ein Hund, der im Despegebüsch etwas entdeckt hatte, heftig in
das Gebüsch hinein zu kläffen.
„Willst du mich sterben lassen ohne Antwort, Kind?“ jammerte es aus dem
Bette. „Soll ich nicht mehr erleben, daß mein liebster Gedanke sich
erfüllt?“
„Fieke!“ mahnte Drewes.
Regungslos, mit gesenktem Kopfe stand sie da und schluchzte in ihre
Schürze. „Euer Steffen,“ stieß sie endlich mit ersticktem Tone heraus,
„hat mir ja davon gar nichts gesagt.“
Fast bis zum Boden hatte sich der Bursche gebückt.
„Mädchen, der hat sich gescheut ... er hat’s nicht ’raus kriegen
können,“ versicherte Oelkers und rief in Todesängsten: „Steffen, ist’s
nicht so? Wo biste denn, Junge? Rede doch!“
Da richtete der Bursche sich auf, sein Gesicht war eine Glut, er tappte
mit den Händen umher und stammelte: „Ja, Fieke, schon im ganzen Jahre
hab’ ich’s dir sagen wollen, aber wenn ich meinte, ich war so weit,
dann“ ...
„Ja, Junge,“ fiel Drewes lachend ein, „so ’nem vertrackten Mädel muß
man aber auch ’n bißchen forscher kommen! Den Düwel auch! Da hätteste
mich und deinen Vater mal sehen sollen, als wir ... na ja, so --
nun ist’s ja gut. Gebt euch man gleich mal die Hände. Die Sache ist
abgemacht!“
Steffen faßte sich, hustete, reichte dem tief erblaßten Mädchen die
Hand und sagte treuherzig: „Sei nur nicht bange, Fieke, daß du’s
schlecht kriegtest bei uns, und du sollst es gewiß mal nicht zu bereuen
haben. Und daß nun unser Vater noch diese Freude hat“ ...
Aufschluchzend verhüllte sie ihr Gesicht mit der Schürze, und ein
heftiges Beben ging durch ihren Körper.
„Ich hätte nicht sterben können, ich hätte im Grabe keine Ruhe finden
können,“ flüsterte der Sterbende gänzlich erschöpft.
Da wischte sich das Mädchen mit der Schürze kräftig über die Augen her
und hin, ließ dann die Schürze fallen, strich sich mit beiden Händen
das Haar über den Kopf zurück und sagte: „Ihr sollt ruhig einschlafen
können, Oelkers Vater, wenn es Gottes Wille ist.“ Sie hatte zum ersten
Male „Oelkers Vater“, statt wie sonst „Oelkers Vetter“ gesagt. Und nun
ging sie auf Steffen zu, reichte ihm die rechte Hand und sagte, wenn
auch mit etwas dumpfem Tone: „Wenn’s Gottes Wille ist, Steffen, so will
ich’s tun.“
„Gott segne euch, Kinder!“ flüsterte Oelkers mit einem matten
Freudenstrahle.
„Gott mache euch glücklich, Kinder!“ sagte Drewes laut und feierlich.
„Nun will ich das Abendmahl nehmen und geduldig warten, bis mein
letztes Stündlein kommt,“ flüsterte der Sterbende erleichtert und
schloß ruhig die Augen.
Drewes rückte den Stuhl leise zurecht und sagte, indem er von Steffen
auf seine Tochter sah, die beide noch verlegen dastanden: „Der Pastor
wird nun gewiß bald kommen; da kannste nur Stube und Küche gleich
’n bißchen in Ordnung bringen, Fieke! So ’n Pastor hat seine Augen
allerwärts, und wenn ein Kranker das heilige Abendmahl kriegt, muß es
rein und ordentlich sein; denn der Heiland sieht nicht nur auf den
Kranken, sondern auch auf die Gesunden.“
Froh, sich mit der Arbeit von dem schweren Banne, der auf ihr lag,
etwas befreien zu können, nickte sie dem Vater zu und begann sofort in
der Stube aufzuräumen, während Steffen auf den Zehen hinausschlüpfte,
um Besen und Mulde hereinzuholen.
Oelkers versuchte sich noch einmal auf die Ellbogen zu stemmen, was
ihm aber nicht mehr gelingen wollte. Da legte Drewes den Arm um seine
Schulter und hielt ihn.
„Sie sollen das Trauerjahr nicht erst abwarten,“ flüsterte der
Sterbende, „wenn ich begraben bin, ist der erste Tag der beste zur
Hochzeit, damit das Haus wieder in Ordnung kommt. So will ich es,
Naber. Hört ihr, Kinder, so will ich es.“
Drewes ließ das sterbensmüde Haupt leise in das Kissen zurücksinken,
nickte und sagte, indem er seine eifrig hantierende Tochter ansah:
„Kommt der Pastor denn doch ’mal her, so können wir ja gleich mit ihm
über das Aufgebot sprechen, wenn du’s so willst, Naber.“
„So will ich es, Naber,“ bekräftigte Oelkers noch einmal durch lebhafte
Gesten.
Steffen sah das Mädchen unverwandt an, als wollte er fragen: „Ist dir’s
auch recht?“
Aber Sophie hatte in ihrem Eifer, zu säubern und zu ordnen, kein Auge
für ihn, sie schob das Fenster auf, warf eine Handvoll Spiere und
Erdbröckeln hinaus und atmete in der hereinströmenden frischen Luft
tief auf.
Da der Geistliche nicht so rasch kam, als der Sterbende ihn begehrte,
so machte sich Steffen auf den Weg ins Kirchdorf, um ihn herbei zu
holen.
Die Glocke läutete gerade den Sonntag ein -- denn es war Sonnabend --
als Steffen mit dem Geistlichen und dem Küster ins Dorf kam.
Die Leute, die des nahen Sonntags wegen auf den Höfen kehrten, sahen
auf und wußten nun, daß die Glocke bald wieder läuten würde, dann aber
zu ungewohnter Stunde.
„Ah, da kommt er schon, der Herr Pastor!“ rief Drewes nach einem Blick
durchs Fenster, worauf er rasch an sich herunter sah und mit beiden
Händen über sein Sonntagswams strich, das er inzwischen angezogen hatte.
Sophie rückte schnell den letzten Stuhl zurecht und lief die Treppe
hinab um den Kamin herum, um sich neben dem Herde in die Ecke zu
drücken.
Der Geistliche stand aber schon in der Tür, und da Sophie sich sagen
mußte, daß sie nicht unbemerkt geblieben war, kam sie mit rotem Gesicht
hervor und grüßte den ehrwürdigen Herrn.
Er nickte ihr freundlich zu und stieg rasch die Treppe empor, während
Sophie sich über den Herd bückte.
Steffen tappte polternd um sie herum und wurde von ihr deswegen fast
etwas unwillig zurechtgewiesen.
Jetzt rasselte ein Wagen auf den Hof, und gleich darauf kam Marten
eilenden Trittes zur Tür herein. Als er das Mädchen gewahrte, flammte
eine dunkle Röte durch sein Gesicht, und einen Augenblick stand er wie
angewurzelt. „Guten Tag, Fieke!“ rief er, als sie nicht aufsah, in
beinahe heftigem Tone.
„Guten Tag!“ antwortete sie leise, ohne aufzusehen.
Ein blitzender Blick nach Steffen hinüber -- der ihn ebenfalls
anzusehen vermied; dann richtete er sich strack auf und schritt festen
Trittes die Treppe hinauf, als sollte jeder Schritt ein Wort für die
beiden sein.
Sophie legte nun aufs neue in der Küche Hand an.
Schon waren alle Töpfe und Teller durch ihre emsigen Hände gegangen,
blitzblank gescheuert standen sie da in Reih und Glied, so daß Steffen
aus dem Danken und Bewundern gar nicht herauskam. „Herrgott ja, es geht
doch nichts über eine ordentliche Frau im Hause; es ist wahrhaftig
wahr, Fieke!“ beteuerte er und verschlug kein Auge von ihrer sich emsig
rührenden Gestalt.
Gutmütig erwiderte sie ab und zu seinen Blick und jetzt sagte sie: „Ja,
Steffen, es ist auch nichts, wenn ein Mann eine Frau ist; das ist mir
ganz zuwider, ganz!“ Und sie stieß das letzte Wort heraus, als wäre ihr
ein plötzlicher Ärger gekommen.
Da steckte Drewes den Kopf aus der Tür: „Fieke! Steffen! Fieke! Macht
schnell, der Herr Pastor will mit euch reden!“
Sophie ließ den Eimer fallen, den sie eben scheuern wollte, und Steffen
strich sich voller Aufregung am Halskragen herum.
Mitten auf der Treppe begegnete ihnen Marten, sichtlich in
schmerzlicher Aufwallung. Er streifte dicht an Sophie vorüber, sie
empfand seine Berührung, wurde blaß und rot und zauderte einen
Augenblick, als wollte sie den Burschen ansprechen. -- Doch der Vater
drängte.
Als Sophie mit Steffen über die Schwelle der Stubentür trat, eilte
Marten laut aufschluchzend auf den Hof hinaus. Die Gäule standen noch
mit hängenden Köpfen vor dem Wagen. Er sah sie nicht. Der Walnußbaum
warf ihm ein paar Nüsse um den Kopf, und ein Rudel Gänse lief mit
vorgestreckten Schnäbeln nach den zerplatzten Schalen, zog sich aber
bald enttäuscht zurück.
Nach einer Viertelstunde trat der Geistliche, von Drewes vor die
Haustür geleitet, den Heimweg an. Er sah sich um und bemerkte Marten,
wie er am Hause stand und das Gesicht auf den an die Wand gelegten Arm
gepreßt hielt. Er trat auf ihn zu und rief teilnahmsvoll: „Marten!“
Der Bursche verharrte in seiner Stellung. Durch die schlanke Gestalt
ging ein heftiges Zucken, und man hörte ein tiefes Aufschluchzen.
„Der Zustand seines Vaters geht ihm nahe,“ sagte Drewes voll Bedauerns.
Der Geistliche ging näher an ihn heran und klopfte ihm auf die
Schulter: „Lieber Marten, ja, du hast wohl deinen Vater recht lieb?
Gott tröste dich und stehe dir bei, daß du dich in seinen Willen
schicken lernst. Schäme dich nur der Tränen nicht, die du um einen
braven Vater weinst. Solche Tränen ehren den Sohn. Wenn’s Gott dem
Herrn gefällt, wird er deinen Vater wohl recht bald zu sich nehmen;
aber es muß dir ein Trost sein, mein Sohn, daß es ein seliges Hinnehmen
sein wird. Und also mußt du dich aus deinem Schmerze erheben und sagen:
‚Gottes Wille geschehe‘ ...“
Marten schrie zornig auf, lief, ohne den Seelsorger anzusehen, über den
Hof hin und verschwand hinter dem Hause.
„Es ist ’n eigener Charakter,“ entschuldigte Drewes, „er läßt sich
nicht gern ins Herze sehen. Sie müssen’s ihm nicht verübel nehmen, Herr
Pastor.“
„Er tut mir recht leid, der arme Mensch,“ sagte der ehrwürdige Herr und
verabschiedete sich von Drewes.
Am folgenden Tage hatte der Kotsasse Henderk Oelkers vom „wüsten Hofe“
ausgelitten.
Als der letzte Augenblick gekommen war, zog Meister Drewes seinem
alten Freunde das Kopfkissen weg, um ihm das Sterben zu erleichtern,
und öffnete dann schnell das Fenster, damit die Seele ungehindert
hinausfliegen könne. Auf Geheiß der Mutter nahm Sophie den einsam in
der Fensterecke stehenden Rosmarinstock und trug ihn zur Tür hinaus ins
Freie -- „damit er nicht mitstirbt,“ erklärte die Mutter.
Unterdessen ging Steffen und holte die Annekathrine aus dem Armenhause
herbei, deren Amtes es war, die Toten zu waschen und „anzuziehen“. Als
sie ihr Werk an dem Verblichenen getan und Hemd und Bettlaken für sich
zum Mitnehmen eingewickelt hatte, wurde der Leichnam von den Söhnen mit
Unterstützung der Nachbarn auf die Bodenkammer getragen, zu der man
durch eine zweite Tür in der Stubenwand und eine hinter ihr aufwärts
führende kurze Treppe gelangte.
Man trank einen Krug Branntewein, und Mutter Drewes schnitt die
Namenszeichen aus der Wäsche des Verstorbenen, denn man glaubte, daß er
sonst im Grabe nicht ruhen könne, bis er einen Verwandten nachgezogen
hätte.
Als die Nachbarn von dannen gegangen waren, trugen die Brüder das
Bettstroh hinaus auf den Hof und schlugen die Bettstatt ab. Marten
war wortkarg und tief verbittert; Steffen, durch den Branntweingenuß
angeregt, allerlei Worte machend, die bei dem Bruder keinen Widerhall
fanden.
Nachdem die Fenster einen Tag und eine Nacht offen gestanden, trug
Steffen einen großen Backtrog, den er aus Drewes Hause geholt hatte,
an die Stelle der abgeschlagenen Bettstatt, und Sophie buck nun den
Begräbniskuchen. --
[Illustration]
Achtes Kapitel.
Am ersten Tage nach dem Begräbnis befand sich Steffen schon früh auf
dem Wege nach Bodenburg, um dem Hofherrn in aller Förmlichkeit den
Todesfall anzuzeigen und sich ihm zugleich als Nachfolger seines Vaters
zu präsentieren.
Er überlegte auf dem Gange, ob er auch zugleich um die Heiratserlaubnis
anhalten solle, kam aber nach langem Bedenken zu der Ansicht, daß
er damit besser warte, bis er den Meierbrief sicher in Händen habe,
bis überhaupt Martini mit all seinen Lasten und Schwierigkeiten erst
vorüber sei. Sonst könne es ihm passieren, wie voriges Jahr dem kleinen
Wolter in Westfeld, dem der Herr geantwortet hatte: „Erst beweise mir
mal, daß du ’n ordentliches Zinskorn und ’n ordentliches Mahlschwein
liefern kannst; dann hast du auch den Rottlandszins noch nicht bezahlt.“
Als Steffen am Mittag zurückkam, ging er sogleich bei Drewes vor und
erzählte, daß der Herr bei recht guter Laune gewesen sei, ihm den
Hof bis Martini so belassen und ihn dann gegen die hergebrachten
Meiergefälle als neuen Meier einsetzen wolle.
„Und die Bedemund?“ fragte Drewes und meinte damit die Abgabe, die für
die Erteilung der Heiratserlaubnis an den Hofherrn zu entrichten sei.
Davon hätte er dem Herrn noch nichts sagen mögen, erklärte Steffen und
freute sich, daß nicht nur Vater und Mutter ihm zunickten, sondern
auch Sophie seine Gründe dafür völlig billigte. Daß Sophie ordentlich
erleichtert aufatmete, bemerkte er in seiner Arglosigkeit nicht.
Der Haushalt der Brüder sollte aber darunter nicht leiden; denn Sophie,
die morgens und abends herüber kam, sorgte mit redlichem Eifer, daß
es ihnen an nichts mehr mangelte und Steffen sich nun auch wieder
mehr auf eigentliche Mannesarbeit legen konnte. Auch Vater und Mutter
Drewes verfehlten keinen Tag, mindestens einmal hinüberzugehen und den
Hausstand mit Rat und Tat zu fördern.
Sophie machte ihren Besuch in der Regel, wenn sie Marten fern vom Hause
wußte, wie auch er sich den Anschein gab, als ginge er dem Mädchen mit
Fleiß aus dem Wege. Trafen sie dennoch einmal zusammen, sprachen sie
kaum ein Wort miteinander.
Gegen seinen Bruder zeigte Marten sich andauernd kühl und hart und von
unbrüderlicher Verschlossenheit, er sprach nicht mehr, als unumgänglich
nötig war, und wenn er sprach, war der Ton nie ohne auffällige
Gereiztheit.
Steffen ahnte allmählich, daß Marten ihm das Mädchen nicht gönnte,
es wohl selber gern genommen hätte. Herrje ja! Er zuckte die Achseln
und guckte in solchen Fällen gern in den Küchenschrank, -- wo der
schülpende Butt stand.
Du lieber Gott, darein müsse er sich schon geben, der stolze Marten,
dachte er für sich. Der Vater habe doch nur den einen Hof hinterlassen,
und wer einmal keinen Hof hätte, könne doch auch nicht daran denken,
solch ein Mädchen wie die Fieke zu bekommen. Wäre er vom lieben Gott
zum Zweitgeborenen bestimmt gewesen, würde er eben auch zusehen müssen.
Eine Ziege könne keinen Schwanz haben wie eine Kuh, und der Sperling
könne in kein Gänsenest legen wollen. Das wäre nun einmal wider Gottes
Ordnung. Dann aber begann er zu fürchten, daß Marten sich mit der
Absicht trage, in die Stadt zu gehen und Kutscher zu werden oder sonst
was, hatte doch sein Sinn immer nach höhern Dingen gestanden.
Steffen grübelte darüber nach und zog schließlich die Stirn kraus:
Denn er betrachtete diese Möglichkeit nicht als ein eifersüchtiger
Liebhaber, wozu er wohl allen Grund gehabt hätte, sondern erwog sie als
Bauer, der auf seinen Vorteil bedacht sein muß. Jedes Buchenblatt und
jedes Strohspier, das wußte er von klein auf nicht anders, mußte man
achten und nützen; von wie großem Gewicht mußte ihm darum der Verlust
der Arbeitskraft erscheinen, der mit Martens Weggange eintreten würde.
Es kam aber hinzu, daß Marten dann auch seine Abfindung zu haben
wünsche, und das waren bare 80 Taler. Achtzig Taler aber war für den
Hof ein ganzes Kapital, wenn es auf einmal gegeben werden sollte, zumal
in diesem Jahre mit den neuen Meierkosten. Dann könne man nicht umhin,
einen Knecht zu mieten, erwog Steffen weiter, und ein Knecht, solle er
einigermaßen sein, koste doch gut und gern seine sechzehn oder achtzehn
Taler, und die habe man doch auch nicht gleich in der Hand. Nun noch,
was dazu gehöre an Trinkgeld und Deputat.
„Meinst du nicht auch, Fieke?“ fragte er sein Mädchen, als es gerade
damit beschäftigt war, die Milchbriwen von den hohen Wandbrettern in
der Stube zu nehmen.
Sophie probierte ein wenig mit dem Finger, ob der „Smand“ (Rahmen)
schon wäre, und überhörte dabei seine Frage ganz und gar.
„Meinst du nicht auch, Fieke?“ wandte er sich nocheinmal an sie,
indem er den wackelnden Stuhl hielt, auf dem sie stand, um an die
Milchbretter zu reichen.
Sie sprang auf den Boden und begann die erste der Briwen, die sie auf
den Tisch gestellt hatte, mit einem hölzernen Löffel abzurahmen.
„Meinst du nicht auch, Fieke?“
Fast ungehalten sah sie nun den Frager an und antwortete -- aber da
guckte sie schon wieder auf ihre Arbeit: „Dazu kann ich dir eigentlich
nichts sagen, Steffen, das mußt du als Bauer selbst am besten wissen.
Doch wenn du einmal meine ehrliche Meinung hören willst“ -- nun sah
sie ihn wieder mit offenen und ehrlichen Augen an -- „dann laß deinen
Bruder getrost gehen, wohin er will, wenn es ihm einmal zu Hause nicht
mehr behagt. Das wird doch nichts Rechtes zwischen euch beiden, und
wir müssen sehen, daß wir auch ohne ihn fertig werden. So, Steffen, das
ist meine Meinung.“
Steffen kratzte sich den Kopf, wiegte ihn zwischen den Schultern, ging
hinaus und kam wieder herein, sah Sophie wieder an, sah durchs Fenster
den scharrenden Hühnern zu und dachte wie sie immerfort und immer nur
an das, was ihm nützte.
„Ein Knecht kostet aber achtzehn Taler und ist doch nicht so auf die
Arbeit wie einer von den eigenen Leuten,“ gab er ihr noch einmal
zu bedenken. Er wolle darum doch lieber trachten, wieder in ein
ordentliches brüderliches Verhältnis mit ihm zu kommen. „Meinst du
nicht auch, Fieke?“
Sie zuckte jetzt nur die Achseln.
Er nahm ihr eine Briwe ab, stellte sie auf den Tisch und fragte
nochmals: „Fieke, meinst du nicht auch, daß es so ’s beste ist?“
Aber sie meinte nichts mehr.
Das beunruhigte ihn nun wieder, und er überlegte aufs neue, „druckste“
um sie herum und stand ihr im Wege, so daß sie ihn mehrmals beiseite
schieben mußte.
Auf einmal lachte sie und lachte ganz lustig und ganz herzlich.
Das gefiel ihm, denn im Lachen war sie nochmal so schön, dann kam ein
wundersamer Tau in ihre Augen und eine süße Musik in ihre Stimme.
„Was lachste denn, Fieke?“ fragte er und lachte auch.
Sie rollte den dicken gelben „Smand“ mit dem Löffel über die runde
weiße Briwenfläche zurück, füllte den kostbaren Ballen in das
Smandbecken, sah Steffen darauf lustig lachend an und sagte: „Ich denke
eben daran, wie viel Katzenschwänze wohl dazu gehören, um den Mond an
die Erde zu binden. Weißt du’s, Steffen?“
Steffen lachte. „O, das müssen wohl so viele, viele sein, daß man sie
gar nicht zählen kann.“
„Nein,“ kicherte sie, „es braucht nur ein einziger zu sein, aber er muß
lang genug sein.“
Steffen deutete den Scherz zu seinen Gunsten, machte ein pfiffiges
Gesicht und sagte: „Weißt du, wie viel Sorten Frauensleute es gibt?“
Nein, das wußte sie nicht. Sie sollte raten. Das wollte sie aber gar
nicht.
Da sagte er’s. Es gäbe nämlich drei Sorten: „De Swineart, de Göseart un
de Häunerart.“ Und da sie ihn nun neugierig ansah, legte er den Finger
an die Nase und gab die Erklärung, wie er sie von seinem Vater gehört
hatte: „Die Gänse schnattern, das ist nicht die rechte Art; die Hühner
kratzen, das ist auch nicht die rechte Art; aber die Schweine wühlen
zusammen, das ist die rechte Art.“
Sie sah ihn mit großen Augen an, in denen das Lachen verhalten war, und
fragte gespannt: „Zu welcher Sorte rechnest du denn mich?“
„No,“ entgegnete Steffen und guckte mit großer Befriedigung an ihr
herauf, „no, du bist doch wohl von der -- Swineart.“
Sie stand einen Augenblick ganz starr und still; dann lachte sie hell
auf, unterdrückte aber das Lachen sofort, als sie Marten mit den
Pferden am Fenster vorüber kommen sah.
Steffen ging sogleich hinaus, um dem Bruder beim Ausspannen zu helfen.
Marten sprang vom Pferde, sah seinen Bruder finster an und murmelte
etwas vor sich hin.
„Ist’s gut gegangen, Marten?“ fragte Steffen, indem er die Stränge
abhängte.
„So gut wie im Heu liegen nicht,“ knurrte der und stieß mit dem Fuße
zwischen die Hühner, die eben wie in heller Freude über die Ankunft der
Pferde herbei gelaufen kamen.