Wir Offiziere hofften schon den Nachmittag an's Land zu kommen, sahen

uns aber sehr unangenehm getäuscht. Die holländischen Behörden fanden

die Forderungen unseres Kommandanten übertrieben, wollten nichts von

überzählichen Offizieren wissen, und machten Schwierigkeiten aller

Art. Es zeigte sich nachher, daß dies alles von dem holländischen

Oberkommandanten, dem Brigadier Sandoley, einem Schweizer, herkam,

der das ganze Vertrauen des Generalgouverneurs Syberg besaß, und ein

geschworner Feind der Franzosen war. Auf diese Art vergiengen acht

Tage, ehe eine Uebereinkunft wegen des Soldes, der Verpflegung u. s.

w. zu Stande kam. In Folge derselben wurden wir endlich ausgeschifft,

worauf ich meinen Dienst als wirklicher Ingenieur-Capitain antrat.

Die Lage von Batavia ist bekannt. Eben so weiß jedermann, daß es eine

der größten und reichsten Städte in ganz Asien, und der Mittelpunkt

aller holländisch-ostindischen Besitzungen ist. Endlich giebt es von

der regelmäßigen Bauart, den Kanälen, Alleen, Spaziergängen u. s.

w. Beschreibungen in Ueberfluß. Ich füge daher nur einige, weniger

bekannte Bemerkungen hinzu. Das Clima von Batavia ist an und für sich

selbst nicht ungesund, es wird nur bei der Lage und den Umgebungen der

Stadt so mörderisch. Die vielen Canäle mit stehenden Wasser, worein man

allen Unrath wirft, der morastige Boden, endlich die große Moderbank

vor der Mündung des Jacatra[13], sind die vornehmsten Ursachen davon.

Die kleinste Unordnung in der Diät, die kleinste Erkältung u. dgl.

zieht meistens ein tödtliches Fieber nach sich, der Kranke legt sich,

verliert nach fünf bis sechs Stunden die Besinnung, und ist nach andern

sechs Stunden todt.

Wahr bleibt indessen, daß man bei einer ungeschwächten Constitution

weit weniger zu fürchten hat, sobald man nur mäßig und vorsichtig

ist. Würden übrigens die Kanäle gereinigt, die Moräste ausgetrocknet,

und die Moderbänke weggeschafft, so würde Batavia ein ganz gesunder

Aufenthalt seyn. Doch, wie es scheint, ist hier holländische Politik

im Spiel. Man wünscht selbst keine Verbesserung. Jene Moräste und

Moderbänke geben nämlich eine natürliche Vertheidigungslinie ab.

Eben so zwingt jene Ungesundheit alle Blokadeflotten zulezt zum

Abzug. Endlich hält die Furcht vor dem mörderischen Clima, eine Menge

Handelsnebenbuhler von der Niederlassung ab.

Die Bevölkerung von Batavia wird auf 160,000 Seelen geschäzt. Hierunter

sind 100,000 Chinesen, die in den Vorstädten wohnen, während der Rest

aus Armeniern, Arabern, Persern und Europäern besteht. Die leztern,

zwölf bis fünfzehnhundert zusammen, sind theils Kaufleute, theils

Beamte der Compagnie. Sie leben fast alle auf ihren Landhäusern, eine

bis anderthalb Stunden von Batavia, und kommen in der Regel nur Morgens

in die Stadt. Alle Geschäfte werden daher gewöhnlich Vormittags von

sieben bis acht Uhr abgemacht. Nichts fällt anfangs dem Fremden so

sehr auf, als die Gleichgültigkeit, womit man von jenen plözlichen

Todesfällen spricht. -- »~=Mynheer, Mevrouv is overleden=~«

-- der Herr, die Frau ist gestorben -- heißt es, als hätten sie eine

Spazierfahrt gemacht. Jeder Europäer hält übrigens immer sein Testament

bereit.

Der Handel von Batavia ist sehr bedeutend, so drückend auch für

die Fremden seine Eigenheiten sind. Batavia ist nämlich als die

Hauptniederlage aller Gewürze von den Molucken, und aller Produkte von

Java (Reis, Zucker, Caffee, Pfeffer u. s. w.) anzusehen. Es kommen

daher aus allen Theilen Ostindiens, so wie aus China, Amerika, Afrika,

Isle de France und Europa, Schiffe hier an. Sie führen die Produkte

ihrer Länder ein, und dagegen hiesige aus. Diese Geschäfte werden

aber auf folgende für Fremde höchst beschwerliche Weise abgemacht.

Es ist ein Schabendar, oder General-Handels-Agent vorhanden, der für

alle Nationen den einzigen Mäkler abgiebt. An diesen wenden sich die

Capitains und Supercargo's, und theilen ihm ihre Ladungslisten mit. Er

wählt davon, was der Compagnie anständig ist, besonders Artikel des

Alleinhandels[14] und bietet dagegen andere an. Beide Theile dingen nun

mit einander, und schließen nach gemachter Berechnung ab. Dabei muß

aber fast jeder Capitain immer ein Drittheil oder Viertheil des Werthes

in Gewürzen nehmen, auch wenn es ihm eben nicht anständig ist. Erst

dann erhält er die Erlaubniß, den Rest der Ladung an andere Kaufleute

abzugeben, was durch öffentlichen Anschlag bekannt gemacht wird. In

keinem Falle ist ihm aber die Ausfuhr von baarem Gelde erlaubt. Er

muß vielmehr alles in Waaren, oder Barren umsetzen, wenn er es nicht

verlieren will. Die Chinesen, die den Zoll gepachtet haben, durchsuchen

daher alle abgehende Schiffe mit unglaublicher Genauigkeit.

Man hat häufig behauptet, daß Batavia äußerst leicht zu nehmen sey. Ich

kann jedoch versichern, daß diese Meinung ganz irrig ist. Einmal sind

die Festungswerke nichts weniger als schlecht; auch wird die Stadt, so

wie die Mündung des Jacatra durch eine gute Citadelle gedeckt. Denn ist

die ganze Küste mit starken Batterien versehen, und die Besatzung nicht

schwächer als fünftausend Mann. Mögen darunter auch immer viel Kranke,

viel Feige, viel Unzufriedene seyn; die Localität bietet dem Feinde

doch stets sehr große Hindernisse dar.

Er wird die Rhede blokiren; er wird die vorhandenen Schiffe auf den

Strand jagen, und vielleicht verbrennen; aber Batavia selbst wegnehmen,

das wird er ohne geheime Verständnisse sicher nicht. Aber auch das

schlimmste angenommen; er machte sich durch einen Ueberfall u. s. w.

wirklich Meister davon. Was würde geschehen? Der Generalgouverneur

u. s. w. würde sich nach Samarang (auf der Nordküste) begeben; er

würde bei den inländischen Prinzen, die den Holländern keinesweges

abgeneigt sind, alle nur mögliche Unterstützung finden; er würde in

kurzem eine Armee von 25 bis 30,000 Mann zusammenziehen. Unterdessen

hätte es der Feind in Batavia, mit einer ungeheuren, ohnehin höchst

unruhigen Volksmenge zu thun. Man brauchte der Stadt nur die Zufuhren

abzuschneiden, und der Aufstand der hunderttausend Chinesen, die alle

Handwerker, Krämer, Gärtner u. s. w. sind, wäre gewiß. Alles dies wird

beweisen, daß Batavia weder leicht zu erobern, noch leicht zu behaupten

ist.

Bei den Chinesen fällt mir noch eine artige Bemerkung ein, womit ich

dieses Capitel schließen will. Man weiß, wie sehr die wohlhabenderen

unter ihnen auf lange Nägel und Zöpfe halten, weil sie ein Zeichen des

Ansehens und Reichthums sind. Die holländische Regierung hat dieses

nicht unbeachtet gelassen, und auf beides eine ansehnliche Abgabe

gelegt. Je länger sie ein Chinese tragen will, desto mehr zahlt er

davon. Es ist ein ordentlicher Tarif darüber vorhanden, auch finden von

Zeit zu Zeit die nöthigen Messungen statt. Man muß gestehen, daß solche

Abgaben die allerbilligsten sind.

Drittes Capitel.

So hatte ich ungefähr fünf Monate in Batavia zugebracht, als ich

bei einer beschwerlichen trigonometrischen Arbeit krank ward. Zum

Glück fiel ich in die Hände eines geschickten deutschen Arztes, des

Doctors ~Raspe~ aus dem Preußischen, und wurde in kurzem wieder

hergestellt. Indessen benutzte ich diesen Umstand, um bei dem General

Decaen um meine Zurückberufung anzuhalten, erreichte meinen Zweck, und

wartete nun mit Sehnsucht auf Schiffsgelegenheit.

Diese fand sich endlich in der Brigg »~=le petite Alphonse=~«

Capitain Souriac, die von Isle de France mit Wein und Hüten gekommen,

und jezt dahin zurückzukehren im Begriffe war. Der Abrede gemäß, begab

ich mich am 14. December 1804 an Bord, und fand noch drei andere

Passagiers. Leider aber waren von unsern vierzehn Matrosen kaum drei

gesund. Nun ist zwar wahr, daß man die Ueberfahrt in dreißig bis fünf

und dreißig Tagen machen kann, ohne daß der beständigen Ostwinde wegen,

viel Schiffsarbeit dabei nöthig ist. Demungeachtet hätten wir auf alle

Fälle wenigstens noch sechs bis 8 Matrosen gebraucht. Dieser Mangel

zeigte sich gleich anfangs, als es am 15. December Nachmittags in See

gieng. Wir sämmtliche Passagiere mußten die Anker mit aufwinden helfen,

denn die meisten Matrosen waren zu schwach dazu.

Schon in der ersten Nacht kamen wir durch den Eigensinn des wenig

erfahrnen Capitains in große Gefahr. Wir trieben nämlich auf eine der

vielen kleinen Inseln, so daß das Hintertheil des Schiffes kaum zwei

Fuß weit von den zackigten Felsen abstand. Der Capitain gebehrdete sich

wie ein Verzweifelter, und schrie nach dem Boot. Zum Glück erhob sich

aber plözlich ein leichter Landwind, so das Schiff wieder abgebracht

ward. Wir mußten hierauf zwei Tage laviren, und legten in dieser kurzen

Zeit keine drei Seemeilen zurück.

Noch nicht genug; troz seinen schönen Versprechungen hatte sich auch

der Capitain nur äußerst spärlich mit Vorräthen versehen. Vergebens

drangen wir in ihn, doch nach Batavia zurückzukehren; er fürchtete

zu viel Demüthigungen für seine Eitelkeit. Hartnäckig bestand er

daher darauf, im Gressec, oder Surabaye (an der Nordküste von Java)

einzulaufen, wo er Matrosen und Vorräthe zu besorgen versprach. So

steuerten wir also bis zum 24. December fort. Endlich befanden wir

uns ungefähr zwei Seemeile von der Spitze von Banka, durch welche

der Eingang in die Meerenge von Madure bezeichnet wird. Der Capitain

beschloß, hier einige Zeit vor Anker zu gehen, um einen der Lootsen zu

erwarten, die hier immer vorhanden sind. Da aber keiner davon sichtbar

wurde, glaubte er sich noch wenigstens zehn Seemeilen vom Eingange

der Meerenge entfernt. Er ließ daher die Anker lichten, und steuerte

westwärts. Bald aber ward das Schiff von der heftigen Strömung gegen

die Bank von Madure getrieben, so daß die Gefahr mit jedem Augenblicke

stieg.

Man hatte uns am vorigen Tage allerdings bei dem Posten von Banka

gesehen. Allein die See gieng gar zu hoch; uns zu Hülfe zu kommen, war

eine Unmöglichkeit. Wir erfuhren dies von dem Lootsen selbst, der jezt

in einer großen Pirogue zu uns kam. Zehn Stunden lang wendete er alles

mögliche zu unserer Rettung an. Doch da Wind und Strömung gleich heftig

waren, blieb ihm nichts übrig, als uns zu verlassen, und nach Banka

zurückzugehen. Wir wurden von nun an, unserer neun zusammen, täglich

auf ein Huhn, und jeder für sich, auf einen Zwieback, zwei Tassen

Caffe, und ein Glas Wasser eingeschränkt. Erst am 1. Januar 1805 gelang

es uns aus der Straße von Baly herauszukommen, worauf längs der Küste

fortgesteuert ward.

Um fünf Uhr Nachmittags befanden wir uns einem holländischen Posten

gegen über, der mit schönen Pflanzungen bedeckt zu seyn schien. Sobald

uns der Commandant ansichtig ward, schickte er eine Pirogue ab, ließ

uns Erfrischungen anbieten, und lud uns ein, vor Anker zu gehen. Leider

konnten wir aber diese Erlaubniß nicht benutzen, indem selbst unser

lezter Anker verloren gegangen war. Am folgenden Morgen befanden wie

uns auf der Höhe von Balambouang. Jezt bekamen wir Stille, dann höchst

veränderlichen Wind, endlich einen entsezlichen Sturm aus Nordwest.

Wir verloren Segel und Masten, und trieben noch wenig Stunden, wie ein

Wrack herum. Die Pumpen thaten fast keine Dienste mehr. Dabei waren

wir täglich auf ein kleines Glas stinkendes Wasser, und etwas Reis

beschränkt. Endlich beschloß der Capitain, die Ladung anzugreifen, die

aus Zucker bestand. Er ließ daher ein Faß in die Cajüte bringen, wovon

jeder nach Belieben nahm.

In den zwei folgenden Tagen hatten wir unterdessen einen Nothmast, und

einige Nothsegel zu Stande gebracht. Auf diese Art hofften wir Timor

zu erreichen, wo eine holländische Factorei befindlich ist. Allein vom

dritten Februar an, trieb uns ein zweiter Sturm wieder rückwärts, so

daß wir schon am sechsten die Spitze von Baly sahen. Am 7. Morgens um

fünf Uhr erblickten wir ein großes dreimastiges Schiff, das aus der

Meerenge heraus zu kommen schien. Wir hielten es für ein holländisches,

oder amerikanisches, und wirklich zog es auch die leztere Flagge

auf. Kaum hatte es sich aber etwas genähert, so öffnete es seine

Stückpforten, zeigte englische Flagge, und kam mit vollen Segeln auf

uns zu.

Jezt sahen wir nur zu deutlich, daß es ein großer englischer Caper war.

Augenblicklich warf ich meine Depeschen und Carten über Bord. Noch

einige Minuten, und der Capercapitain rief uns durch das Sprachrohr

zu -- »~=Strike amain! Strike amain, if you please!=~« --

»Streicht! Streicht! wenn's beliebt!« -- Dies war in der That eine

satyrische Aufforderung, denn wie konnten wir nur einen Augenblick

widerstehen? Bald darauf kam ein Offizier mit acht Matrosen an Bord,

nahm von dem Schiffe Besitze; stellte an alle Rudern Schildwachen, und

hieß uns an Bord des Capers gehen.

Viertes Capitel.

Als wir daselbst ankamen, hörten wir, daß es ~der Diligent~,

Capitain ~Hall~ von ~Calcutta~ war. Der Capitain sagte uns,

daß er selbst zweimal von französischen Capern[15] genommen worden

sey. Man habe ihn liberal behandelt; er wolle es ebenfalls thun. Alle

unsere Bagage u. s. w. bliebe uns daher. Zu gleicher Zeit sezte er uns

ein vortreffliches Frühstück vor. Die Prise an 60,000 Franken an Werth,

ward auf das Schlepptau genommen, und so lavirten wir längs der Küste

hin.

Um vier Uhr Nachmittags bekamen wir ein großes dreimastiges Schiff,

und bald darauf noch zwei andere zu Gesicht. Capitain Hall hielt

sie für holländische oder französische Fregatten, von den Divisionen

der Admirale Hartsink oder Linois. Seine Lage ward gefährlich, die

nachzuschleppende Prise hielt ihn im Segeln auf. Er ließ uns daher auf

unser Wrak zurückkehren, rief dagegen seinen Prisenmeister, und seine

Matrosen ab, und eilte mit vollen Segeln davon. Bald darauf erkannten

wir die drei Schiffe für amerikanische Ostindienfahrer, und steuerten

so gut wir konnten, auf die Bay von Balambouang zu.

Der Tag brach an. Was sahen wir? Unsern Caper, der an der Küste

geblieben war, und nun ganz lustig wieder auf uns zugesegelt kam.

In weniger als einer halben Stunde befanden wir uns wieder am Bord

desselben, und alles war in den vorigen Zustand versezt. Da der

Capitain Wasser einnehmen mußte, behielt er den Curs von Balambouang.

Wir erreichten indessen die Bay erst in der Nacht auf den zehnten

Februar. Mit Anbruche des Tages erblickten wir den holländischen

Posten Bagouwangie, und zogen sofort amerikanische Flagge auf. Zu

gleicher Zeit schickte der Capitain einen Offizier ans Land, um zu

fragen, wo Holz und Wasser zu finden sey. Die Nachricht war sehr

befriedigend, und wir trafen eine vortreffliche Quelle an.

Unterdessen hatte unser Schiff mit seinen Batterien, und der Prise auf

dem Schlepptaue, troz der amerikanischen Flagge, bei dem Commandanten

von Bagouwangie Verdacht erregt. Er schickte daher zwei seiner

Offiziere zu uns an Bord. Beide sprachen englisch; beide sollten die

nöthigen Nachrichten einziehen. Capitain Hall war indessen auf alles

gefaßt. Er hieß uns in den Raum hinuntersteigen, versicherte sich

unseres Ehrenwortes, und wartete die Ankunft der holländischen Pirogue

ganz ruhig ab.

Kaum waren die Herren gegen Mittag an Bord angekommen, so lud

er sie zum Essen ein, und sprach ihnen dabei reichlich aus der

Flasche zu. Als er nun das Geschäft auf diese Art eingeleitet hatte,

zeigte er ihnen falsche amerikanische Pässe, und ein eben so ächtes

Schiffsjournal vor, speiste sie in Ansehung der Prise mit einem

Mährchen ab, und verkaufte ihnen zulezt einige ostindische Waaren für

eine Kleinigkeit. Die armen Holländer wurden vollkommen getäuscht, und

fuhren seelenvergnügt ans Land zurück.

Indessen beschloß der Capitain die reiche Prise in Sicherheit zu

bringen, und gab sofort Befehl zu ihrer Ausrüstung. Es wurde auch so

eifrig daran gearbeitet, daß sie schon am folgenden Tage abzusegeln im

Stande war. Wohin, blieb unbekannt. Unsere Bagage war uns im besten

Zustande übergeben worden, doch brachten wir den ganzen Tag, wegen

unserer künftigen Bestimmung, in großer Ungewißheit zu.

So mochte es ungefähr acht Uhr Abends seyn, als uns der Capitain zu

sich rufen ließ. Er war sehr höflich, und sagte uns, daß er uns diese

Nacht ans Land zu setzen Willens sey. Unsere Freude darüber war sehr

groß; im Unglück faßt man nur den Augenblick fest. Sofort wurden nun

Anstalten zu unserer Ueberfahrt gemacht. Es fand sich aber, daß die

Schaluppe für uns nicht groß genug war. Wir mußten daher in zwei

Parthien abgehen. Bei der lezten befand ich mich selbst.

Es war Mitternacht; der Mond gieng auf; der Posten lag nur einen

Büchsenschuß von uns. Unsere Gefährten kamen uns entgegen, in wenig

Minuten langten wir bei dem Commandanten an. Er war ein geborner

Brandenburger, und hatte fünf und zwanzig Mann unter sich. Da ich

ein wenig Deutsch und Malayisch verstand, verständigten wir uns ohne

Schwierigkeit. Rund um ein großes Feuer gelagert, nahmen wir eine derbe

Mahlzeit von Fischen und Eiern ein, wobei uns Capitain Halls Madera und

Genever trefflich zu statten kam. Unser guter alter Sergeant, sein Name

war Bitter, schickte sogleich eine Pirogue mit seinem Berichte nach

Bagouwangie ab.

Fünftes Capitel.

Die Sonne gieng auf, und eine neue Welt voll Leben und voll Hoffnung

breitete sich vor mir aus. Bald langte nun ein Abgeordneter von

dem benachbarten Fürsten von Balambouang an. Er sagte uns, daß der

holländische Commandant zu Bagouwangie bereits von unserer Lage

unterrichtet, und auf der Reise hierher begriffen sey. Indessen verzog

sich seine Ankunft bis Nachmittags um drei Uhr. Unser Anblick schien

ihn zu rühren, wir selbst waren nicht weniger bewegt. Er allein konnte

uns die Mittel zur Rückkehr nach Batavia verschaffen; von ihm allein

hieng unsere Zukunft ab. Er sprach und alles verbürgte uns seinen

Edelmuth. Er war ein Deutscher; ein Herr von ~Winckelmann~. Wir

mußten sogleich seine prächtige Jacht besteigen, wo die Tafel bereits

gedeckt war. Endlich um vier Uhr segelten wir ab, während er unser

Gepäck in einer Pirogue nachzuführen befahl. So hielten wir See bis

Mitternacht, stiegen dann ans Land, und lagerten uns um ein gutes Feuer

herum.

Um fünf Uhr Morgens ward weiter gesegelt; drei Stunden und wir kamen

zu Bagouwangie an. Sogleich führte uns der Commandant in seine schöne

Wohnung, und stellte uns seiner Gemahlin vor. Sie empfieng uns mit

vieler Höflichkeit, und ließ ein vortreffliches Frühstück auftragen,

das zum Theil aus den herrlichsten Früchten bestand. Am folgenden

Tage wurde nun unser Reiseplan festgesezt; indessen erforderten

die Anstalten einige Zeit. Wir blieben daher fast zwei Wochen in

Bagouwangie. Nach reifer Ueberlegung schien es am besten, bis Surabaye

zu Lande, und dann nach Batavia vollends zu Wasser zu gehen.

Bis Surabaye werden achtzig Lieuen gerechnet, zum Theil durch ein

wüstes unbewohntes Land. Indessen hatte der treffliche Herr von

Winckelmann für alles gesorgt. Fünf und zwanzig Malayen waren zu

unserer Bedeckung, und fünf und siebenzig zum Tragen unseres Gepäckes

bestimmt. Wir und die Bedeckung waren beritten, und hatten überdem

noch fünfzehn Packpferde mit Lebensmitteln bei uns. Endlich waren

uns als Wegweiser und Anführer, zwei Malayen-Hauptleute oder Mandors

mitgegeben, von denen der eine etwas Deutsch verstand. So traten wir,

nach einem herzlichen Abschiede von unserem edeln Freunde, am 23.

Februar 1805 unsere Reise an.

Die ersten drei Lieuen gieng es längs der Küste hin. Bald aber kamen

wir in die große Wüste, die drei Tagereisen lang ist. Indessen hat

die Regierung aller zwölf Lieuen, große Scuoppen von Bambus errichten

lassen, die mit Gräben und lebendigen Hecken umgeben sind. Bei jedem

dieser Caravansenai's, wie man sie nennen könnte, befindet sich eine

Wache von Malayen. Diese müssen Tag und Nacht rund um die Einzäumung

große Feuer unterhalten, so daß nichts von wilden Thieren zu fürchten

ist.

Der erste Posten dieser Art heißt ~Bagnou-Matie~. Der Weg dahin

war blos ein schmaler Fußsteig, der zwischen hohem Grase hinlief. Ich

kann ohne Uebertreibung sagen, daß dieses neun bis zehn Fuß hoch war.

Wir sahen mehrere Tiger und Leoparden darin versteckt, langten indessen

auf unserer Station ohne Unfall an. Als es finster wurde, verdoppelten

wir die Feuer, und hielten auf diese Art die wilden Thiere ab. Indessen

hörten wir die Tiger ziemlich brüllen, sobald nur ein Feuer abgebrennt

war.

Am folgenden Morgen früh um vier Uhr gieng unser Gepäcke ab; wir

selbst aber folgten erst um zehn Uhr nach. Bei dem zweiten Posten

~Son-bou-rou-arou~, fanden wir einige Häuschen von Bambus, nebst

einer Ziegen- und Damhirsch-Heerde, auch einer Menge Federvieh. Dies

alles gehörte einem Großen am Hofe des Königes von Balambouang. Wir

füllten hier unsere Bambusrohre mit gutem Quellwasser, weil man

von nun an nur schlechtes trifft. Am 25. verließen wir die Wüste,

und kamen durch eine schöne, mit Reisfeldern bedeckte Ebene, nach

~Panaroukan~, was ein kleiner Flecken ist. Hier traten wir bei

dem Oberhaupte, einem reichen Chinesen ab, und wurden zu unserer

Verwunderung ganz auf europäische Art traktirt. Auch nöthigte er uns so

dringend, einen Rasttag bei ihm zu halten, daß es sich durchaus nicht

ablehnen ließ.

Sechstes Capitel.

Am 27. Februar ward nun die Reise fortgesezt. Wir kamen indessen nur

bis ~Besouki~, einem großen Dorfe, das ungefähr drei Lieuen von

der Küste liegt. Der Weg geht fast durch lauter Wald, und ist äußerst

schlecht. Nur in der Nähe von Besouki wird die Landschaft etwas

lichter, und bald sieht man Reisfelder mit Baumgruppen vermischt. Bei

unserer Ankunft, wurden wir in das Haus des Commandanten (Tomogon)

geführt, der eben abwesend war, fanden aber dennoch ein vortreffliches

Mittagsmahl daselbst. Am 28. hatten wir eine sehr starke Tagereise bis

~Bangro~. Auch hier fanden wir bei dem Tomogon eine sehr glänzende

Bewirthung, und tranken zum erstenmale wieder Bordeauxwein. Zimmer und

Betten waren ebenfalls sehr gut.

Die folgende Tagereise bis ~Paßourang~ war kurz und angenehm.

Die Landschaft ward immer schöner, wir konnten uns nicht satt daran

sehen. Um zehn Uhr begegneten wir einem schönen offenen Wagen, mit

vier Pferden bespannt. Er kam von Paßourang, gehörte dem dortigen

holländischen Commandanten, und war für uns bestimmt. Wir zogen

indessen vor, zu Pferde zu bleiben, und langten so bald bei unserem

freundlichen Wirthe an. Er hieß Heßetaar, und nahm uns mit vieler Güte

auf. Bei einem Einkommen von fünfzehn tausend holländischen Thalern

machte er ein ansehnliches Haus. So hat er z. B. an dreißig Sclaven,

worunter zehn musikalisch sind. Sie lernten die meisten Instrumente von

einem Chinesen spielen, der der Schüler eines ~Deutschen~ gewesen

war.

Paßourang, an einem schiffbaren Strome gelegen, ist der Hauptort eines

ansehnlichen Fürstentums, und mit schönen Caffe- und Pfeffer-Plantagen

umringt. Die ostindische Compagnie hat ein Werft für Küstenfahrer

daselbst. Zwei Lieuen von Paßourang liegt ein mäßig hoher Berg, an

dessen Anhängen alle ~europäischen~ Gemüse, ohne alle Ausartung

gedeihen, dies giebt zu einem bedeutenden Gemüsehandel nach Surabaye

Gelegenheit. Wenig Tage vor unserer Ankunft war der Oberwundarzt

unseres Bataillons hier durch gereist. Er wollte im Innern der Insel

die Schuzblattern einführen, was von den wohltätigsten Folgen seyn wird.

Am 3. März gieng es bis Bangall; auch diese Tagereise war sehr

angenehm. Der Fürst, ein siebenzigjähriger Greis, empfieng uns mit

vieler Zuvorkommung. Er sprach viel von Europa, besonders von den

lezten Feldzügen in Italien, und schien ein sehr unterrichteter Mann zu

seyn. Seinem ältesten Sohn und Nachfolger hatte er von einem Holländer

erziehen lassen, daher dieser junge Prinz sehr gute Kenntnisse,

besonders in der Mathematik besaß.

Die drei Ostindienfahrer · 第 7 / 12 段