An seiner Thür wollte sie sich nicht blicken lassen, deshalb
beauftragte sie Resi, sich bei Herrn von Weischachs Wirtin zu
erkundigen. Resi brachte die Nachricht zurück, der Herr Oberstleutnant
sei schwer erkrankt, eine barmherzige Schwester pflege ihn.
Nun gab es für Jutta kein Zaudern mehr. Vergessen war die Kränkung. Ihr
Freund krank! Sie mußte ihn aufsuchen.
Angst hatte sie freilich vor der Krankheit, vor der Wirtin, vor
der Schwester. Aber sie faßte sich ein Herz, lief die Stiege des
Hinterhauses hinauf und klopfte in altgewohnter Weise an seiner Thür.
Eine ältere Frauensperson in der Tracht der barmherzigen Schwestern
machte ihr auf und fragte nach ihrem Begehr. Schüchtern erkundigte sich
Jutta, wie es Herrn von Weischach gehe. Die Schwester betrachtete sich
das junge Mädchen und meinte: »Sie sind das Fräulein, von dem er ein
Bild gemalt hat. Ich soll Sie vorlassen, hat er mir aufgetragen.«