w₂ 356,25
-- = ------ = 0,77 oder 77%.
w₁ 460
Im Laboratorium kann man, wenn man mit geringer Stromdichte lädt und
entlädt, einen Nutzeffekt von 90% und noch mehr erzielen. Mit
zunehmender Entladestromstärke nimmt der Quotient ab. In der Praxis
rechnet man mit einem Nutzeffekte von 70-75%. [Auf die Rolle, die die
zwischen Ladung und Entladung liegende Zeit spielt, ist schon aufmerksam
gemacht worden.]
Man könnte der Ansicht sein, daß der Nutzeffekt deshalb mit wachsender
Entladestromstärke sinkt, weil bei größerer Stromdichte der innere
Widerstand des Akkumulators zunimmt. Daß sich dieser mit der Stromstärke
und mit der Dauer der Zufuhr bezw. Entnahme von Elektrizität etwas
ändert, soll später nachgewiesen werden. Einstweilen begnügen wir uns
mit der Bemerkung, daß der innere Widerstand auch kleiner Zellen in den
verschiedenen Stadien der Ladung und Entladung und daher auch der
Spannungsverlust im Elemente (i · w) so klein ist, daß durch ihn der
Nutzeffekt nur in geringem Maße beeinflußt wird. Die Gründe, weshalb der
Nutzeffekt weit unter 100% liegt, sind schon früher dargelegt worden;
diese sind die Konzentrationsänderungen und die Abhängigkeit der
elektromotorischen Kraft von der Säuredichte.
Daß durch die Konzentrationsänderungen, die sich sowohl bei der Ladung
wie bei der Entladung vollziehen, Arbeitsverluste verursacht werden,
kann man sich auch folgendermaßen klar machen. Wenn man zwei
Schwefelsäurelösungen verschiedener Konzentration mischt, so wird
Wärme frei; sollen umgekehrt die beiden miteinander vermischten Säuren
getrennt, soll also ein Konzentrationsunterschied hergestellt werden,
so muß Arbeit aufgewendet werden. Da nun im Akkumulator durch den
Strom ein Konzentrationsunterschied hergestellt und aufrecht erhalten
wird, so muß hierfür elektrische Energie verbraucht werden.
~Dolezalek~ leitet eine Formel für die betreffenden Energieverluste
ab, aus der sich ergibt, daß der Nutzeffekt abhängig ist von dem
mechanischen Bau (Porosität) der Platten, von der Leitfähigkeit der
Plattensäure, von der Stromstärke und von der Zeit. Beachtenswert ist,
daß diese Energieverluste, ebenso wie die der Jouleschen Wärme
entsprechenden der Leitfähigkeit der Säure umgekehrt proportional
sind. Da nun Säure vom spezifischen Gewicht 1,22 (ca. 30%
Schwefelsäure) das Maximum der Leitfähigkeit besitzt, so ist der
Nutzeffekt bei dieser Säuredichte am größten.
Die Arbeitsverluste kann man graphisch bestimmen, wenn man die Lade- und
Entladekurve aufgenommen hat. Wählt man nämlich für die beiden Kurven
dieselben Koordinatenachsen (Zeiten als Abszissen, Spannungen als
Ordinaten), so schließen dieselben eine Fläche ein, die ein Maß für die
Energieverluste ist. Um dies zu beweisen, denken wir uns die Zeit in
Abschnitte t₁, t₂ ... zerlegt, die so klein sind, daß man von der
Änderung der Spannung während eines jeden Intervalls absehen kann.
Nennen wir die zugehörigen Spannungen bei der Ladung E₁, E₂ ..., bei der
Entladung e₁, e₂ ..., und bezeichnen wir die (konstante) Stromstärke,
die bei der Ladung und Entladung die gleiche sein muß, mit J, so ist die
Ladearbeit während der Zeit t₁ gleich E₁ · J · t₁,
„ „ „ „ t₂ „ E₂ · J · t₂ ...
Entladearbeit „ „ „ t₁ „ e₁ · J · t₁,
„ „ „ „ t₂ „ e₂ · J · t₂ ...
Der Energieverlust in der Zeit t₁ ist mithin (E₁ - e₁) · J · t₁ oder
proportional (E₁ - e₁) · t₁. Durch dieses Produkt wird aber das der Zeit
t₁ entsprechende Stück der zwischen den beiden Kurven liegenden Fläche
dargestellt usw.
Der ~innere Widerstand~ eines Akkumulators, der bei Pufferbatterien (s.
Kap. 9) eine wichtige Rolle spielt, kann in drei Summanden zerlegt
werden, nämlich in den Widerstand, den der Strom in den verschiedenen
Teilen der positiven Platte (bezw. Platten) findet (w_{p}), denjenigen
in der negativen Elektrode (w_{n}) und den Widerstand in der Säure
zwischen den Elektroden (w_{s}). Zu w_{p} und w_{n} ist auch derjenige
Widerstand zu rechnen, den die Elektrizität in der in den Poren
befindlichen Säure findet. Diese beiden Summanden, die unter sonst
gleichen Umständen bei ~Planté~-Platten einen anderen Wert haben als bei
~Faure~-Platten, ändern sich im Laufe der Ladung und Entladung. Je mehr
Bleisulfat nämlich zwischen den Blei- bezw. Bleisuperoxydpartikelchen
verteilt ist, um so größer werden w_{p} und w_{n}; ferner steigt bezw.
sinkt die Konzentration der Säure in den Poren; endlich hat die
Erzeugung von Joulescher Wärme eine Temperaturerhöhung zur Folge. Auch
mit dem Alter der Platten ändern sich die beiden Widerstände (s.
Lebensdauer).
w_{s} ist ebenfalls variabel, da die Dichte der Säure zwischen den
Platten (der „äußeren‟ Säure) während der Ladung zunimmt und bei der
Entladung sinkt; dies gilt besonders von denjenigen Schichten der Säure,
die an die Oberflächen der Platten grenzen; auch können Gase, die sich
gegen Ende der Entladung entwickeln, eine Vergrößerung von w_{s}
verursachen.
Die Leitfähigkeit einer Schwefelsäurelösung ändert sich mit dem
spezifischen Gewichte. Setzt man einer bestimmten Menge Wasser
Schwefelsäure in kleineren Quantitäten nach und nach zu, so findet man,
daß das Leitungsvermögen zuerst schnell, dann langsam wächst, später
aber wieder abnimmt; bei einer Säuredichte von 1,224 ist das
Leitungsvermögen ein Maximum. Die betreffende Lösung enthält etwa 30,5
Gewichtsprozente Schwefelsäure; der spezifische Widerstand (Widerstand
pro cm³) beträgt etwa 1,35 Ohm[64].
Der Widerstand eines Akkumulators im stromlosen Zustande kann wie
derjenige eines jeden anderen elektrolytischen Apparates bestimmt
werden. Bei der einfachen Brückenschaltung mit den von F. ~Kohlrausch~
angegebenen Modifikationen (Wechselströme, Telephon) erhält man
besonders bei größeren Zellen (bei solchen ist der Widerstand kaum ein
Tausendstel Ohm groß) wegen der Übergangswiderstände an den Klemmen
keine genauen Resultate. Diese werden bei der Brückenschaltung von
~Matthiesen~ und ~Hockin~ eliminiert.
Angenähert (der Größenordnung nach) kann man den inneren Widerstand
folgendermaßen bestimmen. Man lädt das Element, dessen Widerstand man
ermitteln will, aus zwei hintereinander geschalteten Akkumulatoren
unter Einschaltung eines Kurbelrheostats. Die Klemmen der Ladebatterie
seien k₁ und k₂, die daran befestigten Drähte d₁ und d₂. Legt man d₁
~und~ d₂ an k₁ (oder an k₂), so gibt das zu untersuchende Element
Strom ab. Dieser Strom ist bei Beginn der Ladung nur wenig verschieden
von dem Ladestrom. Bei einiger Übung kann man innerhalb eines
Zeitraumes von einigen Sekunden laden, umschalten (also entladen) und
die nötigen Ablesungen an einem mit den Klemmen des Elementes
verbundenen Voltmeter vornehmen. Während der Ladung ist
e = E + i · w
(e = Klemmenspannung, E = elektromotorische Kraft der Zelle)
und während der Entladung ist
e′ = E - i · w.
Die Differenz der beiden Klemmenspannungen ist also (angenähert)
gleich 2wi.
Wenn die elektromotorische Kraft eines Akkumulators konstant wäre, so
könnte man w leicht während der Ladung und Entladung bestimmen; denn
dann wäre
e - E
w = -----.
i
Es würde genügen, „den Stromkreis für kurze Zeit zu öffnen‟ und die
Spannung, die das mit den Klemmen verbundene aperiodische Voltmeter
anzeigt (E), abzulesen. Wie jedoch aus den Kurven im folgenden Kapitel
hervorgeht, gehen die Änderungen der elektromotorischen Kraft schnell
vor sich, so daß die Unterbrechungsmethode sehr unzuverlässig ist. Will
man den Widerstand einer Zelle während des Stromdurchganges genau
bestimmen, so kann man die Methode von ~Uppenborn~[65] oder die von
~Nernst~ und ~Haagn~ angegebene benutzen. Letztere unterscheidet sich
von der gewöhnlichen Brückenmethode dadurch, daß zwei Widerstände durch
Kondensatoren ersetzt sind, außerdem wird noch ein Hilfskondensator
eingeschaltet, der verhindert, daß die Zelle Strom in die
Brückenanordnung sendet[66]. (Eine ausführliche Beschreibung der
verschiedenen Meßmethoden findet man in dem bekannten Werke von F.
~Kohlrausch~, Leitfaden der Physik.)
Nach Messungen von ~Haagn~ stieg der Widerstand einer kleinen Zelle
während der etwa fünfstündigen Entladung von 0,018 bis 0,045 Ohm,
während der Ladung fiel er von 0,04 auf 0,018 Ohm. Nach Messungen von
~Häberlein~ verhält sich der Widerstand bei Beginn zu demjenigen am Ende
der Ladung wie 17 : 24. ~Roloff~ gibt für die Type 3 × J₁ der
Akkumulatoren-Fabrik Akt.-Ges. an, daß der Widerstand bei Beginn der
Entladung 0,0012 Ohm und am Ende 0,0018 Ohm war.
Da die Konzentration der Säure in den Poren der wirksamen Masse von
der Stromdichte abhängig ist, so folgt erstens, daß bei schneller
Entladung (großer Stromdichte) der durchschnittliche (mittlere)
Widerstand größer ist als bei langsamer Entladung und zweitens, daß
der Spannungsabfall im Elemente (w · J) nicht linear mit der
Stromdichte wächst, sondern in einem etwas stärkeren Verhältnisse.
Wenn man Zellen von verschiedener Kapazität, die aus Platten von
derselben Konstruktion zusammengesetzt sind und Säure von derselben
Dichte enthalten, mit gleicher Stromdichte beansprucht, so darf man das
Produkt w · J als konstant ansehen; denn in dem Maße, in dem w bei den
großen Zellen abnimmt, wächst J.
[52] Wenn man zwischen Platin- oder Kohlenelektroden verdünnte
Schwefelsäure zersetzt, so steigen an den Außenseiten der Elektroden
nur wenige Gasblasen empor. Bei der Ladung eines Akkumulators wird
dementsprechend an der Außenseite der positiven und negativen
Elektrode nur wenig Bleisuperoxyd bezw. Blei gebildet.
[53] Diese müßte eigentlich als „Kapazität‟ schlechthin bezeichnet
werden.
[54] E. T. Z. 1904, S. 587.
[55] E. T. Z. 1897, S. 287.
[56] E. T. Z. 1889, S. 88.
[57] E. T. Z. 1901, S. 811.
[58] Wenn man einen Elektrolyten erwärmt, so wächst das
Leitungsvermögen ziemlich stark.
[59] ~P. Schoop~, Die Sekundär-Elemente.
[60] Zeitschr. f. Elektrochemie 1902, Nr. 44.
[61] Liebenow empfiehlt als Meßelektrode eine kleine Zelle aus Ton
(porös), in der sich Kadmiumamalgam und eine konzentrierte Lösung von
Kadmiumsulfat in Akkumulatorensäure befindet. Ein durch einen Glasstab
isolierter Draht geht bis zum Kadmiumamalgam. Man stellt die Zelle auf
die Oberkante der Platten; ihr unteres Ende muß dann von der Säure
benetzt werden. Die Anordnung entspricht einem Voltaschen Elemente,
bei dem eine Elektrode in einer mit verdünnter Schwefelsäure
angefüllten Tonzelle steht.
[62] Was hier „Wirkungsgrad‟ genannt wird, wird von anderen Autoren
als „Güteverhältnis‟ bezeichnet, während das Verhältnis der
entnommenen Energie zu der bei der Ladung aufgewendeten Energie
vielfach als Wirkungsgrad bezeichnet wird.
[63] Man vergleiche die Fußnote auf der vorigen Seite.
[64] Man bezieht das Leitvermögen (und den spezifischen Widerstand)
der Elektrolyte auf eine Säule von 1 cm Länge und 1 qcm Querschnitt,
also kurz auf 1 ccm.
[65] Näheres siehe ~Uppenborn~, Kalender für Elektrotechniker.
[66] Zeitschr. f. Elektrochemie 1897, S. 421.
Viertes Kapitel.
Ladung und Entladung.
Wir wollen zunächst das ~Verhalten~ des Bleiakkumulators während der
Ladung und Entladung betrachten.
1. ~Ladung~. In den ersten Minuten nach Beginn der Ladung, für die das
in Fig. 2 (s. S. 26) gegebene Schaltungsschema gilt, steigt die
Klemmenspannung des Akkumulators ziemlich schnell auf 2,1 bis 2,18
Volt[67]. Oft beobachtet man, daß die Spannung im Anfange der Ladung
zuerst steigt und dann wieder etwas abfällt, daß also das erste Stück
der Spannungskurve einen kleinen Höcker aufweist. Während des größten
Teiles der Ladung wächst die Spannung nur ganz langsam bis zu 2,2 Volt;
gegen Ende der Ladung erfolgt ein schneller Anstieg der Kurve.
Bei etwa 2,3 Volt beginnt die Gasentwicklung; an den Anoden schon etwas
früher; sie ist zuerst schwach, dann lebhaft; der Akkumulator „kocht‟.
Die Klemmenspannung hängt besonders während der Gasbildung in hohem Maße
von der Ladestromstärke ab (s. Fig. 7); hat der Strom noch den der
vierstündigen Ladung entsprechenden Wert, so steigt die Spannung bis zu
etwa 2,7 Volt und ev. noch höher.
[Illustration: Fig. 7.]
[Illustration: Fig. 8.]
In den Fig. 7 und 8 ist der Verlauf der Klemmenspannung bei Beginn und
gegen Ende der Ladung graphisch dargestellt. Die Zelle bestand aus 5
Platten, 2 positiven und 3 negativen (10 cm × 14 cm); die ersteren waren
Großoberflächenplatten. Die Stromdichte betrug zuerst etwa 0,6, später
etwa 0,4 Amp. pro Quadratdezimeter, bezogen auf die positiven Platten.
Die Stromdichte war verhältnismäßig klein. Nach ~Heim~[68] ist
bei dreistündiger Entladung die Stromdichte bei positiven
Großoberflächenplatten 1,3-1 Amp. pro 1 dm².
Vereinzelte Gasblasen sieht man während der ganzen Ladung emporsteigen.
Die Gase, die sich entwickeln, sind die Elemente des Wassers, und zwar
entweicht der Sauerstoff an den positiven, der Wasserstoff an den
negativen Platten. Die stärkere Gasentwicklung ist ein Zeichen, daß der
chemische Umsatz an den dem Strome zugänglichen Teilen der aktiven Masse
nahezu vollendet ist. Hat man den Akkumulator mit der höchsten
zulässigen Stromstärke geladen, so setzt man, sobald lebhafte Gasbildung
erfolgt, den Strom auf die Hälfte bis ein Drittel seiner bisherigen
Stärke herab.
Die Klemmenspannung e während der Ladung kann in zwei Summanden zerlegt
werden; der eine Teil dient dazu, die Gegenspannung (die momentane
elektromotorische Kraft) des Elementes E aufzuheben, der andere, den
Ohmschen Widerstand w der Zelle zu überwinden:
e = E + i · w.
Man beobachtet oft, wie schon erwähnt wurde, daß kurze Zeit nach Beginn
der Ladung die Potentialdifferenz der Klemmen etwas sinkt und dann
wieder ansteigt. Diese Erscheinung ist nach Dolezalek auf eine Änderung
des Widerstandes zurückzuführen, den der Strom in den Platten findet.
Während der der Ladung vorausgegangenen Ruhepause bedecken sich die
Elektroden wahrscheinlich mit einer sehr dünnen Schicht von
schlechtleitendem Bleisulfat (s. Sulfatierung). Dieses wird, wenn die
Ladung beginnt, in kurzer Zeit gelöst. Im übrigen wird durch die
Änderung des inneren Widerstandes während der Ladung die Klemmenspannung
nur wenig beeinflußt. Das anfängliche schnelle und das spätere langsame
Wachsen der Klemmenspannung ist auf die Änderung der Konzentration der
Säure in den Poren der wirksamen Masse und der äußeren Säure
zurückzuführen. Sobald die Stromzufuhr beginnt, wird in den Poren Säure
frei, die Konzentration (und damit die elektromotorische Kraft) steigt
so lange, bis in jedem Zeitteilchen gerade soviel Säure durch Diffusion
nach außen gelangt, wie in den Poren durch den chemischen Umsatz erzeugt
wird. Je größer die Ladestromstärke ist, um so größer wird der
Unterschied der Konzentration der beiden Säuren, um so größer wird die
Klemmenspannung. Die Differenz der beiden Konzentrationen können wir,
wenn mit konstanter (nicht zu großer) Stromdichte geladen wird, als
konstant ansehen; wächst also die Dichte der äußeren Säure, so nimmt
auch diejenige der Säure in den Poren zu.
Gegen Ende der Ladung werden von den Platten Gase absorbiert, man
spricht daher von einer „Gaspolarisation‟. Da die Okklusionsfähigkeit
des Bleies nur eine geringe ist, so ist es sehr zweifelhaft, ob die
Gaspolarisation überhaupt eine Rolle spielt. Übrigens kann man, wie wir
gesehen haben, den starken Anstieg der Spannung gegen Ende der Ladung
darauf zurückführen, daß der Elektrolyt an Bleisulfat verarmt und daher
die Konzentration der Blei- und Bleisuperoxydionen[69] eine sehr
geringe wird (siehe Theorie von ~Liebenow~).
Verschiedene Firmen schreiben vor, daß die von ihnen gelieferten
Akkumulatoren ab und zu nach Beginn der lebhaften Gasentwicklung noch
längere Zeit, etwa 2-3 Stunden lang, weiter geladen werden sollen. Der
Zweck der ~Überladung~, die im allgemeinen schädlich ist, weil durch die
entweichenden Gase Teilchen der aktiven Masse abgerissen werden, die
ferner eine nicht unwesentliche Verringerung des Nutzeffektes zur Folge
hat, ist ein zweifacher. Es kommt zuweilen vor, daß einzelne Zellen
einer Batterie aus irgend einem Grunde gegen die anderen
„zurückbleiben‟. Bei diesen Zellen erfolgt die Umwandlung von Bleisulfat
in Blei bezw. Bleisuperoxyd langsamer als bei den übrigen Elementen, die
sich in normalem Zustande befinden. Während der Überladung geht nun die
chemische Umwandlung in den kranken Zellen noch weiter vor sich, so daß
ihnen Gelegenheit gegeben wird, sich zu erholen. Ferner werden durch die
während der Überladung entweichenden Gasblasen Strömungen in der Säure
hervorgerufen (die Säure wird aufgewühlt), die eine Vermischung der
unteren, dichteren Schichten mit den oberen, weniger dichten zur Folge
haben. Die Konzentrationsverschiebungen kommen dadurch zustande, daß
während der Ladung konzentrierte Schwefelsäure zu Boden sinkt. (Die
Konzentrationsunterschiede kann man leicht nachweisen, indem man mittels
eines Hebers Säure aus den oberen und den unteren Schichten entnimmt und
mittels des Aräometers die Dichte mißt.)
~Die Stromdichte darf bei der Ladung einen gewissen oberen Grenzwert
nicht überschreiten~, weil sonst 1. die Umwandlung nur oder fast
ausschließlich an der Oberfläche der Platten vor sich geht (s.
Kapazität), 2. die Ladespannung einen zu hohen Wert hat (s. Nutzeffekt)
und 3. infolge der schnellen, den chemischen Umsatz begleitenden
Volumänderungen sich der Zusammenhang zwischen der aktiven Masse lockern
kann (s. auch S. 14, Überschwefelsäure).
Die größte zulässige Stromdichte hängt von der wirksamen Oberfläche, von
der Dicke der aktiven Schicht und von der Porosität der Platten ab.
Gewöhnlich beträgt ~der maximale Ladestrom~ (wie er von den Fabriken
angegeben wird) so viel Amper, wie der dritte Teil der Kapazität bei
dreistündiger Entladung angibt. Ist z. B. die Kapazität bei
dreistündiger Entladung 120 Amperstunden, so ist die maximale
Ladestromstärke gleich 40 Amp.
Kennt man die ~maximale Ladestromstärke~ nicht, so bestimme man die
projizierte Oberfläche der Positiven; ist die Länge einer Platte a cm,
die Breite b cm, so ist die Oberfläche einer Platte 2 a b cm²; pro
Quadratdezimeter darf man 0,6 bis 0,7 Amp. rechnen.
~Eine untere Grenze für die Ladestromstärke gibt es nicht~; im
Gegenteil, je kleiner die Stromstärke, um so günstiger die Ökonomie,
um so gründlicher erfolgt der chemische Umsatz. Besonders wenn Zellen
zu sehr in Anspruch genommen wurden, oder einige Zeit in entladenem
Zustande gestanden haben, ist ihnen eine Ladung mit schwachem Strome
von Nutzen.
Über die ~Ladung~ von Akkumulatoren bei ~konstanter Spannung~ hat
~Heim~[70] eingehende Versuche ausgeführt.
Einer Reihe von Ladungen mit (angenähert) konstanter Stromstärke, wie
sie für drei- bis vierstündige Ladung vorgeschrieben ist, d. h. von
normalen Ladungen, folgten Ladungen mit konstanter Spannung von 2,4
Volt, später von 2,5 Volt pro Zelle. Hierbei ist die anfängliche
Stromstärke eine verhältnismäßig sehr große, sie sinkt aber schnell. Die
Zellen nehmen in jedem Augenblicke diejenige Elektrizitätsmenge auf, die
ihrem momentanen Ladezustande angemessen ist; bei Beginn der Ladung ist
die Aufnahmefähigkeit der Zelle eine sehr große. Es ergab sich, daß „der
Nutzeffekt beim Laden mit konstanter Spannung von 2,4 bis 2,5 Volt und
einer Ladezeit von etwa ½ Stunde nicht sehr wesentlich ungünstiger
ausfällt, als man ihn bei 3½- bis 4stündigen Ladungen und 3stündigen
Entladungen mit konstantem Strome erzielt‟. Ferner fand ~Heim~, daß
durch eine 1½stündige Ladung bei konstanter Spannung von 2,4 Volt die
Zellen nicht ganz, bei 2,5 Volt dagegen fast so weit geladen werden, wie
durch 3½stündige Ladungen mit konstanter Stromstärke. Durch ½stündige
Ladung bei 2,4 Volt erreicht man die Hälfte, durch ½stündiges Laden mit
2,5 Volt zwei Drittel der beim Laden mit konstanter Stromstärke
erzielten Kapazität. Der Wirkungsgrad in Amperstunden war fast so
günstig wie bei der Ladung mit konstanter Stromstärke.
Von der Ladung mit konstanter Spannung wird man aber nur in
Ausnahmefällen Gebrauch machen, wohl nur dann, wenn die Zeit, die für
die Ladung zur Verfügung steht, knapp bemessen ist, da ihrer Anwendung
die schnellere Abnutzung der Platten und vielfach auch der hohe Betrag
der anfänglichen Stromstärke im Wege steht. War doch die Stromstärke bei
Beginn der Ladung mit 2,5 Volt 6-7 Mal größer als der höchste zulässige
Ladestrom[71] und zwar bei einer Type „für starke Entladung‟.
2. Wir wollen uns jetzt mit den verschiedenen ~Stromquellen~
beschäftigen, die ~für die Ladung~ von Akkumulatoren in Betracht kommen.
Am einfachsten gestaltet sich die Ladung, wenn vorhanden ist ein a)
~Anschluß an ein Gleichstromnetz~. Da die positive Leitung an den
positiven Pol der Batterie anzuschließen ist, so muß man in
zweifelhaften Fällen zunächst die Polarität der Leitungen bestimmen. Am
einfachsten benutzt man die elektrochemische Methode: Man kann z. B.
einen Wasserzersetzungsapparat mit den Drähten des Netzes verbinden,
wobei eventuell durch einen Vorschaltwiderstand der Strom abzuschwächen
ist; diejenige Elektrode, an der die Gasentwickelung am stürmischsten
erfolgt, ist mit der negativen Leitung verbunden. Vielfach benutzt man
für die Bestimmung der Polarität Polreagenzpapier[72]. Dieses wird vor
dem Gebrauche mit Wasser angefeuchtet und auf eine isolierende Unterlage
(die Tischplatte) gelegt. Die Enden der Drähte, deren Polarität man
bestimmen will, drückt man gegen das Papier; dieses färbt sich, wenn es
mit der Lösung eines Alkalisalzes (+ Phenolphtaleïn) imprägniert ist, an
derjenigen Stelle, wo es von dem negativen Leitungsdrahte berührt wird,
rot.
Ob man bei der Ladung alle Zellen hintereinanderschaltet oder
gruppenweise (z. B. die Hälfte) hintereinander und die Gruppen parallel
schaltet, hängt von der zur Verfügung stehenden Netzspannung ab.
Beträgt z. B. die Netzspannung 110 Volt, und rechnen wir als
Endspannung jeder Zelle 2,7 Volt, so kann man 110/2,7 = 41 Zellen in
Hintereinanderschaltung laden. Soll eine größere Anzahl von Zellen
geladen werden, handelt es sich beispielsweise um 80 Zellen, so werden
je 40 Zellen in Reihe geschaltet; wir erhalten dann vier freie Pole,
zwei positive und zwei negative. Man verbindet nun die beiden positiven
Pole durch einen Draht miteinander und ebenso die beiden negativen; an
die beiden Verbindungsdrähte wird die Netzleitung angeschlossen (siehe
auch S. 97).
In den Ladestromkreis schaltet man ein Ampermeter und einen
veränderlichen Widerstand ein. Je größer die Spannung des Netzes und je
kleiner die Anzahl der zu ladenden Zellen ist, um so größer muß der
Rheostat sein.
Beispiel: Netzspannung 110 Volt, Anzahl der Zellen 20, Ladestromstärke
15 Amper. Da die Spannung jeder Zelle bei Beginn der Ladung rund 2
Volt beträgt, so müssen in dem Vorschaltwiderstand 110 - 40 = 70 Volt
erdrosselt werden. Der Spannungsabfall in einem Widerstande von w Ohm
beträgt aber, wenn ein Strom von i Amper durch den Widerstand fließt,
w · i Volt. Mithin muß der Vorschaltwiderstand 70/15 = 4,7 Ohm haben.
Ist er etwas kleiner, so schadet das weiter nichts, da die
Gegenspannung jeder Zelle in ganz kurzer Zeit auf 2,1 Volt steigt. --
Will man mit konstanter Stromstärke laden, so muß man von Zeit zu Zeit
einen Teil des Vorschaltwiderstandes abschalten[73].
Wenn nur wenige Zellen geladen werden sollen und die Netzspannung hoch
ist, so kann man statt eines Kurbelrheostates Glühlampen als
Vorschaltwiderstand benutzen (Lampenwiderstand). 16kerzige Lampen für
110 Volt verbrauchen rund 0,5 Amper, haben also bei normalem
Stromdurchgang einen Widerstand von etwa 220 Ohm (der Widerstand des
Kohlefadens nimmt mit steigender Temperatur ab). Schaltet man n solcher
Lampen parallel, so entsprechen diese einem Widerstand von 220/n Ohm; je
größer man also n macht, um so stärker wird der Ladestrom. Das
Schaltungsschema ist in Fig. 9 dargestellt: _L_₁ und _L_₂ sind die
Drähte der Starkstromleitung, _L.W._ ist der Lampenwiderstand, _B_ die
Batterie.
[Illustration: Fig. 9.]
Handelt es sich um die Ladung einer kleinen Anzahl von Zellen, so ist
die Stromentnahme aus einem Netze höherer Spannung nicht ökonomisch,
da der größte Teil der entnommenen Energie in dem Vorschaltwiderstand
nutzlos in Wärme umgesetzt wird.
b) ~Anschluß an ein Wechselstromnetz.~ Wechselstrom kann man für die
Ladung einer Batterie nicht verwenden. Es muß also entweder eine
Umformung in Gleichstrom erfolgen, oder es muß die eine Hälfte einer
jeden Stromwelle unterdrückt bezw. stark geschwächt werden.
Die Umformung erfolgt entweder in einem ~Motorgenerator~ (Motordynamo)
oder in einem ~Einanker-Umformer~ (auch rotierender Umformer genannt).
Ersterer besteht aus einem Wechselstrommotor und einer von diesem
angetriebenen Gleichstrommaschine, letzterer ist eine Dynamomaschine,
deren Anker auf der einen Seite mit Schleifringen, auf der anderen mit
einem Kommutator (Kollektor) versehen ist. Die Benutzung eines
Motorgenerators gewährt den Vorteil, daß man die Spannung der
Gleichstrommaschine in einfacher Weise regulieren kann, während eine
Änderung der Gleichstromspannung bei einem rotierenden Umformer zwar
möglich, aber ziemlich kompliziert ist. Es ist nämlich das Verhältnis
zwischen der eingeleiteten Wechselspannung und der von den Bürsten
abgenommenen Gleichstromspannung ein festes[74], und zwar geben
theoretisch bei Einphasenstrom-Gleichstromumformern 100 Volt zugeführte
(effektive) Spannung 141 Volt (100:√½) Gleichstromspannung und bei
Drehstrom-Gleichstromumformern entsprechen 100 Volt Spannung zwischen
zwei Schleifringen (Phasenstromspannung) 163 Volt (100:½√⅔) an den
Bürsten.
Als „~Gleichrichter~‟ kann auch die ~Quecksilberdampflampe~ von ~Cooper
Hewitt~ benutzt werden, die u. a. von der Firma Heräus in Hanau auf den
Markt gebracht wird. Stellt man zwischen ungleichartigen Elektroden (z.
B. zwischen Eisen und einer Dochtkohle) einen Wechselstromlichtbogen
her, so geht der Strom leichter in dem einen Sinne (vom Eisen zur
Kohle) über als im anderen Sinne[75]. Bei der Quecksilberdampflampe sind
die Elektroden Eisen und Quecksilber. In der Physikal.-Techn.
Reichsanstalt wurden eingehende Versuche und zwar durchaus
zufriedenstellende mit diesem Gleichrichter angestellt, die sich auf
Einphasen- und Drehstrom bezogen[76]. Es ergab sich, daß der
Spannungsverlust bei 3 Amp. 18 Volt und bei 10,5 Amp. 15 Volt betrug.
Beträgt also die Netzspannung 150 Volt, so beträgt der Energieverlust
bei 10,5 Amp. Stromstärke 10%. Ein Vorzug des Quecksilber-Gleichrichters
besteht auch darin, daß er ohne Beaufsichtigung (während der Nacht) im
Betrieb bleiben kann.
Die ~elektrolytischen Umformer~, welche die Umwandlung von Wechselstrom
in pulsierenden Gleichstrom bezwecken, beruhen auf folgendem Prinzip.
Bildet man aus einer Aluminium- und einer Blei- (oder Platin-)elektrode
und verdünnter Schwefelsäure (oder einer Lösung der Sulfate der Alkalien
oder des Alauns) einen elektrolytischen Apparat, so fließt bei
Verwendung von Gleichstrom, falls die Spannung einen gewissen Betrag
nicht übersteigt, nur dann Strom durch die Zelle, wenn Aluminium die
negative Elektrode ist (unipolare Elektrode). Man nimmt an, daß sich bei
der umgekehrten Richtung das SO₄ mit Aluminium zu einer sehr dünnen
unlöslichen Schicht von basischem Aluminiumsulfat verbindet, das den
elektrischen Strom nicht leitet[77]. Nachdem also eine geringe
Elektrizitätsmenge durch den Apparat geflossen ist, wird die Zelle zu
einem Kondensator. Schaltet man eine hinreichend große Anzahl der Zellen
hintereinander und verbindet die Endklemmen mit einem Wechselstromnetze,
so wird von jeder Stromwelle die Hälfte unterdrückt und man erhält
pulsierenden Gleichstrom[78].
[Illustration: Fig. 10.]
Sollen die beiden halben Wellen des Wechselstromes ausgenutzt werden, so
wendet man die in Fig. 10 angegebene Schaltung an. Ist die Klemme _K_₁
der Wechselstrommaschine die positive, so geht der Strom durch die Zelle
_2_, durch die zu ladende Batterie _B_, durch die Zelle _3_ zur Maschine
zurück; ist _K_₂ positiv, so geht der Strom durch die Zellen _4_ und
_1_. Für 110 Volt Wechselstrom genügen 4 Zellen.
[Illustration: Fig. 11.]
c) ~Laden mittels einer Gleichstrommaschine.~ Am besten eignet sich die
Nebenschlußmaschine. Eine solche (mit 2 Polen) ist in Fig. 11
schematisch dargestellt. Der im Anker _A_ erzeugte Strom teilt sich
hinter der positiven Bürste; ein kleiner Teil (_i_) fließt durch die
zahlreichen Windungen des linken Elektromagnetschenkels, durch den
Regulierwiderstand _R_, die Windungen auf der rechten Seite und endlich
durch die Bürste _B_₂ zum Anker zurück. Der Hauptstrom _J_ fließt durch
die Akkumulatorenbatterie, deren positiver Pol mit der positiven Bürste
verbunden sein muß.
Verringert man bei einer bestimmten Klemmenspannung den Widerstand in
_R_ (durch Drehen der Kurbel), so wächst _i_, der Erregerstrom, und es
wird, falls die Feldmagnete nicht schon vorher gesättigt waren, das
magnetische Feld verstärkt, so daß die elektromotorische Kraft der
Maschine steigt. Umgekehrt kann man durch Vergrößerung von _R_ die
elektromotorische Kraft verringern. Da man mit Hilfe des Rheostates die
Spannung regulieren kann, so nennt man ihn Regulator. Die
Spannungsregulierung kann in ziemlich weiten Grenzen vorgenommen werden.
Wir wollen annehmen, daß die Tourenzahl der Maschine, wie es meistens
zutrifft, nicht verändert werden kann. Man kann dann nur durch
Verstärkung des Erregerstromes die Spannung steigern, natürlich nur so
lange, bis die Elektromagnete gesättigt sind. Im allgemeinen wird nun
die Maschine so gebaut, daß ihre Feldmagnete bei der normalen Spannung
(z. B. 110 Volt) nahezu gesättigt sind. Soll eine Nebenschlußmaschine
also zeitweise eine wesentlich höhere Spannung, als man sie gewöhnlich
von ihr verlangt, liefern, so muß der Magnetismus der Feldmagnete bei
der normalen Spannung noch ziemlich weit vom Maximum entfernt sein, d.
h. das Material (das Eisen) wird nur zeitweise vollständig ausgenutzt,
die Maschine ist also verhältnismäßig teuer.
Die Gründe, weshalb sich die Nebenschlußmaschine für die Ladung von
Akkumulatoren besonders eignet, sind folgende. Da die Klemmenspannung
eines Akkumulators während der Ladung um 30-40% steigt[79], so muß,
wenn man nicht durch einen Vorschaltwiderstand den Strom zuerst
abschwächen will, die elektromotorische Kraft der Lademaschine
allmählich erhöht werden, was, wie schon gezeigt, bei der
Nebenschlußmaschine, ohne daß man die Tourenzahl ändert, leicht
geschehen kann. Nehmen wir ferner an, daß die elektromotorische Kraft
der Maschine aus irgend einem Grunde, etwa infolge Gleitens des Riemens,
plötzlich so stark sinkt, daß sie kleiner wird als die Spannung der
Batterie, die geladen wird; es schickt dann die Batterie Strom in die
Maschine[80]. Man erkennt nun leicht, wenn man die Fig. 11 betrachtet,
daß der durch die Elektromagnetwickelung fließende Akkumulatorenstrom
dieselbe Richtung hat wie der von der Maschine selbst vor Eintritt der
Störung in den Nebenschluß geschickte Strom. Die Feldmagnete ändern also
ihre Polarität nicht, sie werden nicht ~umpolarisiert~[81], und es
behält daher auch die im Anker induzierte elektromotorische Kraft ihre
Richtung bei; sie ist mithin stets der elektromotorischen Kraft der
Batterie entgegengesetzt gerichtet. Hört die Störung auf, so wächst die
induzierte elektromotorische Kraft, und die Maschine schickt wieder
Strom in die Batterie.
Wie sich die Ladung gestaltet, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Es
soll nur ein bestimmter, in der Praxis häufig vorkommender Fall
besprochen werden. Es handle sich um eine Anlage mit 110 Volt; die
Anzahl der Zellen sei 60, die Spannung der Nebenschlußmaschine möge bis
zu 150 Volt erhöht werden können. Die Steigerung der Spannung um 40 Volt
wird nun nicht allein durch Vergrößerung der Feldstärke des
Magnetsystems, sondern auch durch Verringerung der Ankerrückwirkung
bewirkt. Da aber die Ankerreaktion von der Ankerstromstärke abhängig
ist, so ist man gegen Ende der Ladung, um die letzte Spannungserhöhung
zu erzielen, gezwungen, den Strom zu verringern. -- Bevor man die Dynamo
auf die Batterie schaltet, mißt man die Klemmenspannung der Batterie,
diese sei E. Dann erregt man die leer laufende Dynamo (mittels des
Nebenschlußregulators) so, daß ihre Spannung um einige Volt höher ist
als E und verbindet (durch Drehen des Schalters) die Dynamo mit der
Batterie; unter Beobachtung des Ampermeters wird die elektromotorische
Kraft der Maschine derartig reguliert, daß der gewünschte Ladestrom
zustande kommt. Im Verlaufe der Ladung muß von Zeit zu Zeit eine
Nachregulierung erfolgen.
Bei den angenommenen Verhältnissen kann die ganze Batterie so lange
geladen werden, bis die Spannung pro Zelle 150/60 = 2,5 Volt beträgt.
Will man bis zu 2,7 Volt laden, so müssen einige Zellen abgeschaltet
werden (s. Zellenschalter).
Wenn eine Dynamo vorhanden ist, die nur die für den normalen Betrieb
nötige Spannung (z. B. 110 Volt) liefern kann, so wird in vielen Fällen
eine ~Zusatzdynamo~ verwendet, die mit der Hauptmaschine in Reihe
geschaltet wird und die fehlende Spannung liefert. Meistens wird die
Zusatzdynamo durch einen Elektromotor angetrieben, dem Strom aus dem
Netze zugeführt wird.
Wenn eine Zusatzmaschine nicht vorhanden ist und die Hauptmaschine nur
die für die Speisung der Lampen und Motoren nötige Spannung liefert, so
kann man die Batterie ~in zwei Hälften laden~ (s. S. 88). Hierbei muß
eventuell ein Teil der Maschinenspannung in einem Vorschaltwiderstand
getötet werden, dessen Größe man allmählich verringert. Sobald die
Ladung der Batterie beendigt ist, werden die beiden Gruppen wieder
hintereinander geschaltet.
Die Ladung in zwei Hälften ist mit größeren Energieverlusten
verbunden. Besteht z. B. die Batterie bei 110 Volt Netzspannung aus 62
Zellen, und rechnen wir als mittlere Ladespannung 2,2 Volt, so müssen
durchschnittlich (110 - 31 . 2,2) Volt = 41,8 Volt erdrosselt werden,
so daß 38% der von der Dynamo abgegebenen Energie im
Vorschaltwiderstand in Wärme umgesetzt werden. Die Ladung mit
Zusatzmaschine wird daher vorgezogen.
Die Zusatzmaschine erhalte Strom von der Hauptmaschine. Rechnen wir
den Wirkungsgrad des Antriebsmotors und den der Zusatzmaschine zu 85%,
so ist der Wirkungsgrad des Aggregates gleich 0,85 . 0,85 = 0,7225.
Der Energieverlust beträgt also bei unseren Annahmen 27¾% der dem
Aggregate zugeführten Energie.
Eine ~Schaltung~, die fast die ganze Netzspannung auszunutzen gestattet,
hat ~Micka~ angegeben. Angenommen, es sollen bei 110 Volt Netzspannung
63 Zellen geladen werden. Aus diesen werden drei gleich große Gruppen
gebildet, die wir mit I, II, III bezeichnen wollen. Die Zellen jeder
Gruppe werden in Reihe und die beiden Gruppen II und III parallel
geschaltet. Diese Doppelbatterie wird mit I in Serie geschaltet, so daß
die für 42 Zellen erforderliche Spannung vorhanden sein muß. Gruppe I
erhält also den vollen Ladestrom J, während II und ebenso III mit dem
Strome J/2 geladen werden. Mithin sind die Zellen der ersten Gruppe
früher geladen als die anderen. Nach Abschaltung von I werden II und III
hintereinander geschaltet. Es ist auch hier die Vorschaltung eines
Widerstandes nötig. Man kann auch in drei Zeitabschnitten laden, indem
man z. B. zuerst unter Vorschaltung eines Widerstandes Gruppe I und II
in Serie lädt, dann I und III und zuletzt II und III. (Siehe E. T. Z.
1908, S. 943).
d) ~Ladung mittels der Thermosäule.~ Die Verwendung der Thermosäule für
die Ladung von Akkumulatoren ist besonders am Platze, wenn es sich um
eine kleinere Anzahl von Zellen handelt. Das Verfahren ist höchst
einfach, billig und mühelos: ein Vorschaltwiderstand ist überflüssig;
die Einschaltung eines Ampermeters ist nicht erforderlich, einer
Beaufsichtigung bedarf die Ladung nicht, man kann die Ladung auch
während der Nacht fortsetzen; der Gasverbrauch beträgt pro Stunde ⅕ bis
⅙ Kubikmeter (für etwa 2 Pfg.); da endlich mit geringer Stromdichte
geladen wird, so ist die chemische Umwandlung eine gründliche.
Die ~Gülcher~sche Thermosäule besteht aus 66 hintereinander
geschalteten Elementen. Die elektromotorische Kraft ist am Abend etwas
höher als am Tage, da die Gaswerke am Tage den Gasdruck auf einer
etwas geringeren Höhe halten. Es ist jedoch nicht nötig, einen
Gasdruckregulator, dessen Verwendung vielfach empfohlen wird,
einzuschalten. Nach dem Anzünden der Gasflämmchen, das nicht sofort
nach Öffnung des Gashahnes, sondern erst etwa ¼ Minute später
geschehen darf, steigt die elektromotorische Kraft zuerst schnell,
dann langsam und erreicht in etwa 20 Minuten ihren Endwert von ca. 3,7
Volt (am Abend). Der innere Widerstand der Säule beträgt rund 0,7 Ohm.
Man verbindet die Akkumulatoren erst einige Minuten nach dem Anzünden
der Gasflammen mit den Polen der Thermosäule (+ mit +, - mit -), weil
sonst der Akkumulator noch eine Zeitlang Strom abgibt. Wenn man sich
vergewissern will, ob der Akkumulator auch wirklich Strom aufnimmt, so
schaltet man ein Ampermeter ein[82]. Bei Beginn der Ladung gibt die
Thermosäule einen Strom von rund 2 Amper ab, später geht die
Stromstärke etwas zurück.
Sind mehrere Zellen zu laden, so muß man diese parallel schalten, da
die Spannung der Thermosäule schon für die Ladung von zwei in Reihe
geschalteten Zellen zu klein ist. Es sei an dieser Stelle die
Bemerkung eingeschoben, daß man ~bei der Parallelschaltung~ der Zellen
~keine Gewißheit~ hat, ~daß alle Zellen Strom aufnehmen~[83]. Ist bei
einer Zelle Sulfatierung erfolgt (s. S. 112), ihr Widerstand also sehr
groß, oder ist ein Kontakt mangelhaft, oder ein Verbindungsdraht
durchgebrochen o. dgl., so nimmt die Zelle keinen oder doch nur einen
ganz schwachen Strom auf. Um sich zu vergewissern, ob in alle Elemente
Strom fließt, verbinde man für einen Augenblick jede Zelle einzeln mit
der Thermosäule (Einschaltung eines Ampermeters). Gegen Ende der
Ladung sieht man zu, ob sich in jeder Zelle an beiden Elektroden Gase
entwickeln.
Nach Beendigung der Ladung schaltet man zuerst den Akkumulator ab,
dann ~bläst man die Gasflämmchen aus~ und dreht den Gashahn zu. Wenn
man das Ausblasen unterläßt, erfolgt meistens eine Explosion, die der
Thermosäule schaden kann.
Es schadet dem Akkumulator nicht, wenn man, bevor er gefüllt ist, die
Ladung unterbricht, ihm Strom entnimmt und später die Ladung fortsetzt
(s. jedoch Kap. 7). Auch darf man den Akkumulator aufladen, d. h. ihm
Strom zuführen, ohne daß er vorher erschöpft war.
e) Wenn keine der vorher erwähnten Stromquellen für die Ladung der
Akkumulatoren zur Verfügung steht, so muß man seine Zuflucht zu
~galvanischen Elementen~ nehmen.
Daniell-Elemente sind weniger geeignet, da ihre elektromotorische
Kraft nur etwas mehr als 1 Volt (1,08) und ihr innerer Widerstand
ziemlich groß ist. Man muß mindestens drei Elemente hintereinander
schalten. Gut brauchbar sind Bunsen-Elemente: Zink[84] in verdünnter
Schwefelsäure (ca. 10%), Kohle in Salpetersäure. Das Element hat eine
elektromotorische Kraft von etwa 1,8 Volt, der innere Widerstand
beträgt bei den Elementen mittlerer Größe 0,1 bis 0,2 Ohm. Zwei
Elemente genügen also für einen Akkumulator bezw. mehrere parallel
geschaltete Zellen; die Stromstärke beträgt anfänglich 5-7 Amp. Da die
Salpetersäure gesundheitsschädliche Dämpfe abgibt, so stellt man die
Elemente unter den Gasabzug oder ventiliert den Raum gut, in dem die
Ladung erfolgt.
Die Reichspostämter benutzen für die Ladung der Akkumulatoren vielfach
Kupferelemente. Von einer Beschreibung dieses Elementes soll aber
Abstand genommen werden.
Endlich sei noch erwähnt, daß manchmal die ~Ladung einer kleinen
Batterie aus einer großen~ empfehlenswert ist. Wenn bei der großen
Batterie Schaltzellen vorhanden sind, so entnimmt man den Strom den
beiden letzten mit dem Zellenschalter verbundenen Elementen. Durch
Einschaltung eines kleinen Widerstandes schwächt man den Strom ab.
3. ~Die Entladung.~ Schaltet man nach beendigter Ladung die
Ladestromquelle ab, so beobachtet man an einem mit den Klemmen
verbundenen Voltmeter, daß die elektromotorische Kraft des Akkumulators
zuerst schnell und dann langsam zurückgeht. Erst nach Verlauf von 40-50
Minuten (wenn kein nennenswerter Strom entnommen wird) bleibt die
Spannung konstant und hat dann den der Säuredichte entsprechenden Wert
von 2-2,1 Volt (siehe S. 44). Für die Abnahme der Spannung lassen sich
verschiedene Gründe angeben: (Verschwinden der Gaspolarisation?),
Abnahme der hohen Säurekonzentration in den Poren, die zuerst schnell,
dann langsam erfolgt, Eindringen von Bleisulfat in den Elektrolyten, das
eine Zunahme der Konzentration der Blei- und Bleisuperoxydionen zur
Folge hat; ferner ist zu berücksichtigen, daß ein Teil der Ladespannung,
wenn Gasentwicklung erfolgt, als Überspannung anzusehen ist, die, sobald
man den Ladestrom abschaltet, wegfällt.
[Illustration: Fig. 12.]
Manchmal beobachtet man, daß nach Abschaltung der Ladestromquelle noch
eine ziemlich starke, kurze Zeit dauernde Gasentwicklung erfolgt.
~Dolezalek~ erklärt diese Erscheinung folgendermaßen[85]: „Hat man durch
lange Überladung alles auf der Elektrode befindliche Sulfat zersetzt, so
bildet sich das Sulfat durch freiwillige Entladung (s. S. 106) zurück,
was sich durch eine starke, kurz dauernde Wasserstoffentwicklung bei
Öffnung des Ladestromes zu erkennen gibt‟. Es ist aber auch möglich, daß
das sogen. Nachkochen durch metallische Verunreinigungen hervorgerufen
wird (s. Selbstentladung).
Wird der Akkumulator entladen, so sinkt die Klemmenspannung zunächst
sofort um den Betrag i · w_{i}[86], hierzu kommt in den ersten
Minuten ein ziemlich starker Spannungsabfall, der durch den
Schwefelsäureverbrauch in den Poren der aktiven Masse und in
unmittelbarster Nähe der Elektrodenoberfläche zu erklären ist (s. S.
48). Wie man ferner aus der Entladekurve, von der ein Teil in Fig. 12
abgebildet ist, ersehen kann, bleibt die Spannung nach dem ersten Abfall
längere Zeit nahezu konstant: das Hineindiffundieren der Säure in die
Poren hält gleichen Schritt mit dem Säureverbrauch für die
Sulfatbildung. Den betreffenden Unterschied der Konzentration der
äußeren (C_{a}) und der inneren Säure (C_{i}) wollen wir δ nennen. Nun
nimmt im Laufe der Entladung C_{a} ab; soll also δ konstant bleiben, so
muß auch C_{i} abnehmen. Die Spannung muß demnach, der Abnahme der
Konzentration der äußeren Säure (wie sie mittels eines eingetauchten
Aräometers gemessen wird) entsprechend, langsam sinken. Je mehr
Elektrizität man dem Akkumulator entnimmt, um so mehr wird, wie schon
gezeigt wurde, der Säure das Eindringen in die aktive Masse erschwert.
Daher ist gegen Ende der Entladung ein schnellerer Spannungsabfall zu
erwarten (s. Fig. 13).
Man hört mit ~der Entladung auf, wenn die Klemmenspannung bei
Stromentnahme~ 1,83 ~bis~ 1,8 ~Volt beträgt~, weil eine zu weit
getriebene Entladung dem Akkumulator schädlich ist und durch sie die
folgende Ladung erschwert wird; auch gibt ein Akkumulator, wenn er bis
zu dem angegebenen Punkte entladen ist, keine beachtenswerte
Elektrizitätsmenge mehr ab. (S. auch „Erholung‟ S. 105 und „Behandlung‟
Kap. 7.)
Bei Zentralen kommt noch hinzu, daß, wenn man mit der Entladespannung
noch unter 1,8 Volt heruntergehen wollte, das Konstanthalten der
Spannung in der Zentrale umständlich wäre und die Zahl der Zellen
vergrößert werden müßte. Diese nämlich ist abhängig von der
Netzspannung und der Endspannung der Zellen. Bei 110 Volt Netzspannung
sind 110/1,8 Zellen erforderlich.
[Illustration: Fig. 13[87].]
Wie bei der Ladung, so darf auch bei der Entladung eine ~gewisse
Stromdichte nicht überschritten werden~ -- wenigstens für längere Zeit
nicht, weil sich die Platten bei zu starker Stromentnahme (infolge der
plötzlichen und starken Volumänderungen) krümmen („werfen‟) und die
aktive Masse abbröckeln kann. Durch eine stärkere Krümmung der Platten
kann ein innerer Kurzschluß herbeigeführt werden, der, falls er nicht
bald beseitigt wird, zu einem vollständigen Ruine des Akkumulators
führt. Die ~maximale Stromstärke~ wird von den Fabriken für die
einzelnen Typen angegeben und ist meistens gleich der maximalen
Ladestromstärke (s. auch Kap. 7).
Nur dann, wenn man mit sehr geringer Stromdichte entlädt, wird fast
alles Bleisuperoxyd in Bleisulfat umgewandelt. Wie durch ~Ayrton~,
~Lamb~ und ~Smith~ nachgewiesen wurde, bleiben selbst bei 15stündiger
Entladung noch 40% des bei Beginn der Entladung vorrätigen
Bleisuperoxydes zurück. Entsprechendes wird für den Bleischwamm gelten
(s. Kapazität). Es erklärt sich so die Tatsache, daß positive
„entladene‟ Platten noch eine braunrote Farbe haben.
[67] Die Spannung in den verschiedenen Stadien der Ladung ist von der
Säuredichte, der Plattenkonstruktion usw., vor allem aber von der
Stromdichte abhängig.
[68] Die Akkumulatoren für stationäre elektrische Anlagen. 4. Aufl.
1906.
[69] In der Formel für die elektromotorische Kraft des Akkumulators
kommt das Produkt dieser beiden Konzentrationen im Nenner vor.
[70] E. T. Z. 1900 Nr. 14 ff.
[71] Der einstündigen Entladung entsprechend.
[72] Über die Anfertigung von Polreagenzpapier siehe Lüpke-Bose,
Grundzüge der Elektrochemie, 5. Aufl. S. 22.
[73] Schaltungsschema siehe Figur 2 a. S. 26.
[74] Man muß also, wenn man die Gleichstromspannung variieren will,
die Spannung des Wechselstromes ändern; es kann dies durch
Einschaltung von Drosselspulen oder mittels Transformatoren mit
abschaltbaren Spulen geschehen.
[75] Siehe E. T. Z. 1900 S. 336 u. 403, 1903 S. 187 u. 395.
[76] E. T. Z. 1909 S. 297. Siehe auch Handbuch der Elektrotechnik I, 2
S. 362.
[77] Nach einer anderen Erklärung bildet sich, wenn das Aluminium
Anode ist, Al₂O₃.
[78] Näheres siehe E. T. Z. 1903, S. 432 und 527.
[79] Von rund 2 Volt bis zu etwa 2,7 Volt.
[80] Man kann durch Einschaltung eines Schwachstromautomats
(Minimalausschalters) in die Ladeleitung verhindern, daß die Batterie
Strom in die Dynamo schickt; jedoch kann es vorkommen, daß der Automat
nicht funktioniert.
[81] Bei der Hauptstrommaschine würden die Feldmagnete umpolarisiert
werden.
[82] Wenn der Akkumulator keinen Strom aufnimmt, so zeigt ein mit
seinen Klemmen verbundenes Voltmeter die Spannung der Thermosäule an.
[83] Wenn ein Aräometer nicht benutzt wird. Gegen Ende der Ladung ist
das Ausbleiben der Gasentwicklung ein Zeichen.
[84] Das Zink muß amalgamiert werden, weil sonst der Zinkverbrauch zu
groß ist. Der theoretische Zinkverbrauch beträgt pro Amperstunde nur
1,2 Gramm. Je mehr Wasserstoff sich an der Zinkelektrode entwickelt,
um so mehr wird die theoretische Zinkmenge überschritten.
[85] l. c. S. 63.
[86] Dieser ist, wenn ~nur~ ein Voltmeter von größerem Widerstand mit
den Klemmen verbunden ist, verschwindend klein; bei dem der
dreistündigen Entladung entsprechenden Strome beträgt w_{i} · i einige
Hundertstel Volt.
[87] Der Akkumulator wurde mit einer Stromdichte von etwa 0,6 Amp.
(bezogen auf die Positiven) entladen. -- Die Gestalt der
Entladungskurve hängt von der Stromstärke ab. Je größer die
Stromdichte ist, um so stärker ist der Spannungssturz in den ersten
Minuten und gegen Ende der Ladung.
Fünftes Kapitel.
Die Vorgänge im ruhenden Akkumulator.
1. ~Erholung.~ Wir haben gesehen, daß die Klemmenspannung eines
Akkumulators bei der Entladung sinkt, weil der Elektrolyt im Innern der
Platten und dicht an der Oberfläche an Säure verarmt. Für die
Richtigkeit dieser Erklärung spricht auch diejenige Erscheinung, die man
als ~Erholung~ bezeichnet. Sie besteht darin, daß nach Verringerung der
Belastung, besonders nach Öffnung des Stromkreises, infolge des
Ausgleiches der Konzentrationsunterschiede die Spannung zuerst schnell,
dann langsam bis zu dem der augenblicklichen Dichte der ~ganzen~ Säure
entsprechenden Werte steigt. Wenn man die Erscheinung der Erholung nicht
kennt oder nicht beachtet, so kann man sich leicht über den Zustand des
Akkumulators täuschen. Aus dem Umstande, daß die elektromotorische Kraft
rund 2 Volt beträgt, darf man nicht schließen, daß noch eine große
Elektrizitätsmenge aufgespeichert sei. Dies geht aus den folgenden
Messungen hervor.
Eine Zelle, die bei vierstündiger Entladung eine Kapazität von etwa 16
Amperstunden hat, wurde mit 4 Amp. entladen; die anfängliche
elektromotorische Kraft betrug 2,08 Volt. Nach 1 Stunde zeigte das
Voltmeter eine Klemmenspannung von 1,95 Volt an; die Entladung wurde
unterbrochen. Als sie nach 15stündiger Ruhe fortgesetzt wurde, ergab
sich eine elektromotorische Kraft von 2,03 Volt; 3⅙ Stunden später
belief sich die Klemmenspannung auf 1,8 Volt. Nach 5stündiger Pause
zeigte das Voltmeter 2,02 Volt an; bei Entnahme von 4 Amp. fiel die
Spannung in 5 Minuten auf 1,83 Volt. Aus diesen Beobachtungen ergibt
sich wohl von selbst, was man zu tun hat, wenn man sich ein Urteil über
die Frage bilden will, wann man mit der Stromentnahme aufhören muß.
2. ~Selbstentladung.~ Läßt man einen geladenen Akkumulator unbenutzt
stehen, so nimmt seine Kapazität von Tag zu Tag ab, und die Säuredichte
sinkt allmählich. Die langsam infolge chemischer Prozesse, die sich in
der offenen Zelle abspielen, erfolgende Abnahme der Nutzkapazität
bezeichnet man als Selbstentladung.
Hierzu gehört also nicht die durch mangelhafte Isolation verursachte
Entladung, die besonders bei Batterien für hohe Spannungen eine Rolle
spielt. Der Vorgang ist folgender: Von der positiven Klemme der
Batterie fließt ein schwacher Strom durch die Säure über die feuchte
Wand der Zelle usw. zum negativen Pole der Batterie. Außerdem können
Ströme von dem positiven Pole einer Zelle über die Glaswand nach dem
negativen Pole ~derselben~ Zelle übergehen.
Die Umwandlung von Blei und Bleisuperoxyd in Bleisulfat, die erfolgt,
ohne daß der Akkumulator Strom abgibt, kann durch verschiedene
Erscheinungen verursacht werden.
a) Die Säure absorbiert Sauerstoff der Luft; gelangt dieser an die
Bleischwammelektrode, so wird Blei oxydiert. Da die Absorption und
Diffusion[88] des Sauerstoffs nur sehr langsam erfolgen, so ist die
betreffende Kapazitätsabnahme nur gering.
b) Bei der Ladung sättigt sich die Säure in der Nähe der Elektroden und
in den Poren der aktiven Masse mit Sauerstoff bezw. mit Wasserstoff,
auch werden von den Elektroden selbst geringe Mengen dieser Gase
aufgenommen (Okklusion). Nach beendigter Ladung diffundiert der
Wasserstoff langsam in die Säure hinein und gelangt nach der positiven
Elektrode, wo er reduzierend wirkt; der Sauerstoff wandert langsam nach
der Bleiplatte, wo er Oxydation hervorruft. Auch die diesen Vorgängen
entsprechenden Verluste spielen keine große Rolle.
c) Größere Elektrizitätsverluste können durch die Anwesenheit von
fremden Metallen in der Schwefelsäure verursacht werden. Jedoch sind
keineswegs alle Metalle zu den schädlichen zu rechnen, sondern nur
diejenigen, die mit Blei in verdünnter Schwefelsäure ein galvanisches
Element bilden, bei dem Blei der negative Pol ist. Wir werden hierauf
unten noch näher eingehen. Einstweilen nehmen wir an, daß ein
schädliches Metall, etwa Platin, in der Akkumulatorsäure enthalten sei.
Durch Blei wird das Platin ausgefällt, es schlägt sich also Platin auf
der Bleischwammelektrode nieder (wie sich Kupfer auf einem Zinkstabe
niederschlägt, den man in die Lösung eines Kupfersalzes eintaucht). Es
sei jetzt an folgenden Versuch erinnert: Befinden sich ein Zinkstab und
eine Kupferplatte in verdünnter Schwefelsäure, und neigt man die Metalle
so, daß sie sich innerhalb der Säure berühren, so beobachtet man an der
Berührungsstelle lebhafte Gasentwickelung (Wasserstoff). Die Anordnung
bildet ein innerhalb der Säure kurz geschlossenes Voltasches Element;
der Strom geht vom Kupfer durch die Berührungsstelle zum Zink, durch die
Säure zum Kupfer zurück. In unserem Akkumulator befinden sich nun
außerordentlich viele, sehr kleine kurzgeschlossene Elemente, jedes
Platinteilchen bildet mit seiner Unterlage ein solches. Die Vorgänge
sind ähnliche wie diejenigen, die sich in dem Voltaschen Elemente
abspielen (s. S. 22) und können durch die Gleichung dargestellt werden
Pb + H₂SO₄ = PbSO₄ + H₂.
Dieses gilt auch, wenn sich ein anderes schädliches Metall in dem
Elektrolyten befindet.
Die eben erwähnten sehr kleinen Elemente nennt man ~Lokalelemente~ und
die entsprechenden chemischen Vorgänge ~Lokalaktion~. Da infolge der
Lokalaktion Blei in Bleisulfat umgewandelt wird, so muß die Kapazität
der negativen Platte abnehmen.
Je leichter die Wasserstoffentwicklung an einem der schädlichen Metalle
erfolgt, um so stärker werden die Lokalströme, um so schneller erfolgt
die Selbstentladung. Wenn man daher die Metalle nach dem Grade ihrer
Schädlichkeit in eine Reihe ordnen will, so muß man die „Überspannung‟
mit berücksichtigen (s. S. 13). Beträgt diese bei einem Metalle
mehr als die elektromotorische Kraft der Kombination Blei |
verdünnte Schwefelsäure | Wasserstoffelektrode, so kann eine
Wasserstoffentwickelung, falls sich das betreffende Metall in der Säure
bezw. auf der Bleischwammelektrode befindet, nicht erfolgen und demnach
auch keine Umwandlung von Blei in Bleisulfat. Nach ~Dolezalek~[89] sind
folgende Metalle dem Akkumulator gefährlich: Platin, Gold, Eisen,
Silber, Nickel, Kupfer, und zwar Platin am meisten, Kupfer am
wenigsten[90].
Daß ~Platin~ dem Akkumulator schädlich ist, zeigt ein einfacher
Versuch: Berührt man mit einem Platindrahte oder mit einem Platinblech
innerhalb der Säure eine negative Platte, so beobachtet man lebhafte
Gasentwickelung. -- Spuren von Platin können in die Schwefelsäure
gelangen, wenn dieselbe in einem Platinkessel eingedampft wird. Es
genügen ganz minimale Mengen von Platin, den Akkumulator unbrauchbar
zu machen; die anderen Metalle sollen, wenn sie nur in sehr geringer
Menge zugegen sind, im Laufe der Zeit am Schädlichkeit abnehmen,
wahrscheinlich, weil sie sich mit dem Blei langsam legieren.
~Kupfer~ kann besonders bei offenen Zellen, die im Laboratorium benutzt
werden, in die Säure gelangen, wenn Messingklemmschrauben oder
Kupferdrähte an die Pole befestigt werden. Durch ~Säuredämpfe~
oder durch Säurepartikeln, die bei der Ladung von den entweichenden
Gasblasen mitgerissen werden, vielleicht auch durch „kriechende‟ Säure,
wird das Kupfer angegriffen, es bildet sich ein Kupfersalz, von dem
sich Teilchen loslösen usw. -- Stehen Akkumulatoren in der Nähe einer
Dynamomaschine, bei der Kupferbürsten benutzt werden, so können kleine
Kupferpartikelchen in die Säure fliegen.
Eine bis jetzt noch nicht aufgeklärte Beobachtung hat ~Kugel~[91]
gemacht. Er fand, daß, wenn mehrere Metalle, die für sich allein nur
in geringem Grade schädlich sind, gleichzeitig in der Säure zugegen
sind, eine stärkere Selbstentladung erfolgt.
Durch Untersuchungen von ~Kayser~ und ~Ost~ soll nachgewiesen sein, daß
Kupfer, wenn es allein in der Säure vorkommt, eine Entladung nicht
hervorruft; jedoch fand auch dann Selbstentladung statt, sobald ein
zweites geeignetes Metall in der Säure war (s. ~Hoppe~, Die
Akkumulatoren für Elektrizität). -- Verfasser weiß aus Erfahrung, daß
Zellen, in die Kupferstaub geraten war, vollständig verdorben wurden.
Wenn durch metallische Verunreinigungen eine Selbstentladung verursacht
wird, so gasen die Negativen nach Unterbrechung des Ladestromes noch
längere Zeit nach und die Dichtigkeit der Akkumulatorsäure nimmt ab,
dementsprechend sinkt die elektromotorische Kraft langsam.
d) Ferner ist die Anwesenheit ~schädlicher Metalle in den Platten~
selbst zu erwähnen. Hier gelten dieselben Betrachtungen wie eben.
Natürlich kann eine metallische Verunreinigung nur dann Selbstentladung
verursachen, wenn das betreffende Metall mit der Säure in Berührung
kommt.
e) ~Lokalaktion an der positiven Platte.~ Dort findet eine Berührung
zwischen Blei- und Bleisuperoxydteilchen statt, die mit hinzutretender
Schwefelsäure Lokalelemente bilden. Die Lokalaktion besteht in der
Umwandlung von Bleisuperoxyd der aktiven Masse und Blei des Trägers in
Bleisulfat, bewirkt also eine Abnahme der augenblicklichen Kapazität der
positiven Platten (und eine Zunahme der späteren, s. Formation).
Auch an der negativen Elektrode sollen nach ~Darrieus~ Lokalaktionen
stattfinden (?), da Hartblei (s. S. 118) und Bleischwamm in verdünnter
Schwefelsäure ein galvanisches Element von 0,520 Volt (nach ~Sieg~ von
0,225 Volt) bilden.
f) Endlich kann eine ganz schwache Selbstentladung durch
Verunreinigungen der Säure herbeigeführt werden, die leicht oxydierbar
sind und in zwei verschiedenen Oxydationsstufen vorkommen, z. B. Eisen,
das Ferro- und Ferrisalze bildet. Sie nehmen an der positiven Elektrode
Sauerstoff auf, diffundieren als sauerstoffreiche Verbindungen nach der
negativen Elektrode hin, geben dort Sauerstoff ab, gelangen durch
Diffusion wieder nach der positiven Platte usw.
Die Geschwindigkeit, mit der die Selbstentladung erfolgt, wächst mit der
Konzentration der Säure, weil die elektromotorischen Kräfte der
verschiedenen in Betracht kommenden Elemente mit der Säuredichte
ansteigen. Dies gilt besonders von der Kombination Blei | verdünnte
Schwefelsäure | Wasserstoff. Je größer die elektromotorische Kraft
dieser Kette ist, je mehr sie also die „Überspannung‟ übertrifft, um so
leichter erfolgt Wasserstoffentwicklung. Ist die Säure stark
konzentriert, so kann sich auch chemisch reines Blei unter lebhafter
Wasserstoffentwicklung auflösen (es gehen Bleiionen in die Lösung und
Wasserstoffionen aus der Lösung auf das Blei, wo sie ihre Ladung abgeben
und als Blasen entweichen[92]).
Über die Größe der Stromverluste infolge der Selbstentladung[93] können
genaue Angaben nicht gemacht werden; sie hängt eben von Zufälligkeiten
ab, vor allem von der Reinheit der Materialien und von der Konstruktion
der Platten. Für positive Platten wird sie im allgemeinen eine andere
sein als für negative. Ferner dürfte die Selbstentladung um so größer
sein, je weiter die sogen. Oberflächenentwicklung getrieben ist, lehrt
doch die Erfahrung, daß für Großoberflächenplatten der Verlust durch
freiwillige Entladung in einer bestimmten Zeit bedeutend größer ist als
für sogen. Masseplatten[94]. In den ersten Tagen nach der Ladung ist
der prozentuale Verlust größer als später.
Da die Selbstentladung mit einem Verbrauch von Schwefelsäure Verbunden
ist, so kann man sich mit Hilfe des Aräometers ein angenähertes Bild
von dem Zustande der Zelle verschaffen.
Auf die Schlüsse, die sich aus der Selbstentladung für die Praxis
ergeben, wird später näher eingegangen (s. Kap. 7). Hier sei nur darauf
aufmerksam gemacht, daß man bei der Wahl des Systems in manchen Fällen
auf die Selbstentladung Rücksicht nehmen muß. Je größer die
Selbstentladung ist, um so größer ist die Gefahr, daß der Akkumulator
Schaden leidet, wie sich aus dem folgenden Abschnitte ergibt.
~Sulfatierung.~ Läßt man einen Akkumulator in entladenem Zustande
längere Zeit stehen, so beobachtet man, daß sich auf der Oberfläche der
Platten weiße Flecke bilden, die im Laufe der Zeit an Größe zunehmen;
schließlich (nach mehreren Wochen) ist die ganze Oberfläche mit einer
weißen Schicht bedeckt. Wie die chemische Analyse zeigt, besteht die
Masse, die sich auf den Platten ansetzt, aus reinem Bleisulfat (daher
der Name Sulfatierung oder Sulfatisierung). Diese Sulfatschicht
unterscheidet sich von dem bei jeder Entladung entstehenden Bleisulfat
dadurch, daß sie aus größeren Krystallen besteht, während letzteres
einen mit Schwefelsäure überall durchtränkten Überzug bildet. Wir müssen
also schließen, daß die Sulfatierung auf eine ~physikalische~
Veränderung des schwefelsauren Bleies zurückzuführen ist. ~Elbs~[95]
gibt folgende Erklärung: Die Löslichkeit des Bleisulfates in verdünnter
Schwefelsäure nimmt mit der Temperatur schnell zu. Nun unterliegt die
Temperatur des Raumes, in dem sich der Akkumulator befindet und daher
auch die Temperatur der Säure forwährenden Schwankungen. Steigt die
Temperatur (am Tage), so geht neues, an den Elektroden vorrätiges
Bleisulfat in Lösung, sinkt die Temperatur (abends, in der Nacht), so
scheidet sich ein Teil des gelösten Sulfates in kristallinischem
Zustande ab. Bei dem folgenden Temperaturanstieg geht wieder Sulfat in
Lösung. Da sich aber das strukturlose, bei der vorhergegangenen
Entladung entstandene Salz leichter löst, so nehmen die schon
vorhandenen Kristallnadeln nur wenig an Größe ab. Bei der nächsten
Abkühlung geht wieder Bleisulfat aus der Lösung heraus und setzt sich an
die vorhandenen Kristallnadeln an. So wachsen also die Kristalle im
Laufe der Zeit auf Kosten des bei der Entladung entstandenen Sulfates,
bis schließlich die ganze Oberfläche mit einer zusammenhängenden, für
Flüssigkeiten fast undurchdringlichen Kruste von kristallinischem
Bleisulfat bedeckt ist.
Für die Richtigkeit dieser Erklärung dürfte der folgende vom Verfasser
angestellte Versuch sprechen: In verdünnte Schwefelsäure, in der sich
fein verteiltes Bleisulfat befand, wurde eine Bleiplatte eingetaucht.
Nach Verlauf von mehreren Wochen war die Bleiplatte zum Teil mit einer
ziemlich dicken, weißen Kruste bedeckt. Besonders stark hatte sich das
Bleisulfat an den Teilen der Platte angesetzt, die sich in der Nähe
der Oberfläche der Säure befanden. Dort nimmt die Säure am leichtesten
die Temperatur der Umgebung an (das Glasgefäß war luftdicht
abgeschlossen).
Schließt man eine Zelle, in der stärkere Sulfatierung erfolgt ist, an
ein Voltmeter an, so findet man, daß ihre elektromotorische Kraft nahezu
Null ist. Die folgende Ladung ist mit erheblichen Schwierigkeiten
verbunden, weil der innere Widerstand der Zelle ein ungewöhnlich großer
ist. Die starke Zunahme des inneren Widerstandes ist darauf
zurückzuführen, daß die Sulfatschichten dem Strome das Eindringen in den
Elektrolyten erschweren[96]. Nimmt die Zelle Strom auf, so sinkt der
innere Widerstand einige Zeit nach Beginn der Ladung langsam.
Die Erfahrung lehrt, daß bei einem Akkumulator mit sulfatierten Platten
die Ladung mit Ruhepausen von Vorteil ist; man lädt also kurze Zeit,
schaltet die Stromquelle ab, setzt nach einiger Zeit die Ladung fort
usw. Ferner soll sich die schädliche Sulfatschicht auf den Positiven
leichter entfernen lassen als auf den Negativen.
Meines Erachtens ist die Erklärung für diese Erfahrungstatsachen
folgende: 1. Das kristallinische Bleisulfat löst sich nur sehr langsam
in der Säure; daher wird, auch wenn mit kleiner Stromdichte geladen
wird, bei Stromzufuhr mehr Bleisulfat herauselektrolysiert als sich
löst, so daß die Säure bald an Bleisulfat verarmt. Während der
Ruhepause sättigt sich die Säure mit Bleisulfat usw. 2. Die Dichte der
Säure unmittelbar an der Oberfläche der positiven Elektrode nimmt bei
der Ladung stärker zu als an der negativen Platte, da an ersterer nach
der Sulfattheorie Wasser verbraucht und Schwefelsäure gebildet wird.
Die Löslichkeit des Bleisulfates wächst mit der Säuredichte
schnell[97]. Man darf daher wohl den Schluß ziehen, daß das
kristallinische Bleisulfat der positiven Platten leichter und
schneller in Lösung geht, als dasjenige an der negativen Elektrode.
Die Neigung zur Sulfatierung wächst mit der Säuredichte, weil die
Löslichkeit des Bleisulfates -- für das hier in Betracht kommende
Intervall -- mit dem Schwefelsäuregehalt steigt (s. Fußnote) und damit
die Geschwindigkeit einer Umkristallisierung.
Auf den ersten Blick hat es den Anschein, als ob bei einer Zelle, die
ein Glied einer Akkumulatorenbatterie ist, Sulfatisierung ausgeschlossen
sei, wenn die Batterie nach Vorschrift geladen und entladen wird. Dies
ist aber keineswegs der Fall. Nehmen wir nämlich an, daß bei einer
Zelle, die wir mit Z bezeichnen wollen, eine leitende Verbindung
zwischen einer positiven und einer negativen Platte entstanden sei, etwa
durch herabgefallene aktive Masse. Es fließt dann fortwährend Strom von
der positiven Elektrode durch den Kurzschluß nach der negativen Platte,
so daß die Zelle viel früher entladen ist als die anderen Elemente.
Erfolgt die nächste Ladung, so fließt der Ladestrom in Z zum Teil durch
die Säure, zum größten Teil durch den metallischen Leiter in der Zelle,
und dieser letztere Teil kommt für die Elektrolyse nicht in Betracht.
Sind also die übrigen Zellen vollgeladen, so ist Z noch weit zurück.
Nach der Ladung entlädt sich die betreffende Zelle ziemlich schnell. Sie
befindet sich also fast immer im entladenen Zustande, wodurch die
Sulfatierung begünstigt wird. Denn je mehr fein verteiltes Sulfat
vorhanden ist, um so leichter kann sich kristallisiertes Sulfat bilden.
Ferner kann Sulfatierung erfolgen, wenn die Kapazität eines Elementes
aus irgend einem Grunde kleiner ist als diejenige anderer, mit denen es
in Serie geschaltet ist, wenn z. B. ein altes Element mit einem neuen
zusammenarbeitet. Die betreffende Zelle wird dann bei jeder Entladung
der Batterie zu stark beansprucht; die Ladung wird erschwert, die
zwischen Ladung und Entladung liegende Zeit ist bei ihr größer als bei
den übrigen Zellen.
Die Erfahrung lehrt, daß die Sulfatierung schneller erfolgt, wenn die
Entladung zu weit getrieben wird. Sie ist oft mit einer Krümmung der
Platten verbunden, durch die ein innerer Kurzschluß herbeigeführt werden
kann.
[88] Die Absorption erfolgt an der Oberfläche der Säure, durch
Diffusion gelangt der absorbierte Sauerstoff in das Innere.
[89] ~Dolezalek~ l. c. S. 75.
[90] Verbindet man eine frisch geladene Bleischwammelektrode und ein
Kupferblech (beide in verdünnter Schwefelsäure) mit einem
empfindlichen Voltmeter, so findet man, daß die Spannung schnell auf
einige Millivolt fällt.
[91] Elektrot. Ztschr. 1892 S. 12.
[92] Die Säure muß, wenn dieses geschehen soll, eine so große Dichte
haben, daß die elektromotorische Kraft der vorhin erwähnten Kette
gleich der Überspannung für Blei ist, nämlich 0,64 Volt.
[93] Nach ~Bein~ (Elemente und Akkumulatoren, Leipzig 1908, S. 184)
soll die Selbstentladung in Schwefelsäure von 1,8 Dichte nach 2 Tagen
bis zu 14% betragen. Unter normalen Verhältnissen dürfte jedoch der
Verlust durch Selbstentladung viel geringer sein. Auch ~Dolezalek~
gibt kleinere Zahlen an.
[94] Man vergl. die Untersuchungen von ~Albrecht~, E. T. Z. 1907,
Seite 539.
[95] ~Elbs~, Die Akkumulatoren, 4. Aufl., S. 46.
[96] Daß der Elektrolyt, wie vielfach behauptet wird, stark an Säure
verarmt, konnte der Verfasser nicht finden.
[97] Aus dem vorhandenen Beobachtungsmaterial muß man schließen, daß
die Löslichkeit des Bleisulfates mit der Säuredichte zuerst abnimmt,
bei etwa 1,22 ein Minimum hat und dann stark steigt.
Sechstes Kapitel.
Plattenkonstruktionen, Herstellung der Platten, Formation.
I. ~Plattenkonstruktionen~. ~Planté~, den wir bereits als den Erfinder
des Bleiakkumulators kennen lernten (s. S. 34), benutzte für seine
Untersuchungen glatte Bleiplatten; von diesen wurden zwei
aufeinandergelegt und durch Kautschukbänder voneinander getrennt; das
Ganze wurde zu einer Spirale aufgewickelt. Bei solchen glatten Platten
eine auch nur einigermaßen befriedigende Kapazität zu erhalten, war sehr
umständlich (s. Formation).
Um die Kapazität zu erhöhen und die Formationszeit zu verringern, trug
~Faure~[98], dessen Deutsches Patent vom 8. Februar 1881 datiert ist,
auf glatte Bleiplatten einen aus Bleioxyden (Bleiglätte, Mennige) und
verdünnter Schwefelsäure hergestellten dicken Brei auf. Die Schicht
wurde durch einen Überzug aus poröser Masse (Filz oder dergl.)
festgehalten.
Eine bedeutende Vereinfachung und Verbesserung des Faureschen Verfahrens
erzielte ~Volckmar~ -- Patent vom 9. Dez. 1881 -- dadurch, daß er als
Träger der aktiven Masse Bleiplatten benutzte, in denen sich zahlreiche
rechteckige oder sonstwie geformte Löcher befanden. Die Rippen
verjüngten sich nach außen. Die Füllmasse, die sogenannte Paste, wurde
als Brei in die Löcher eingetragen; sie bestand aus Bleipulver oder
Bleimehl, das mit verdünnter Schwefelsäure angerührt wurde. Volckmar ist
also der Erfinder der sogenannten ~Gitterplatten~, die man auch wohl
~gepastete~ oder ~pastierte~ Platten oder Masseplatten nennt.
~De Kabath~ suchte bei möglichst kleinem Gewichte der Platten, ohne
Bleisalze zu verwenden, eine möglichst große Oberfläche zu erzielen. Er
stellte wellenförmige Bleistreifen von 1 cm Breite her, die in
Bleischeiden geschoben wurden.
[Illustration: Fig. 14.]
In der Folgezeit wurden zahlreiche Gitterkonstruktionen erfunden; nomen
eorum est legio. Die meisten waren aber Eintagsfliegen, sie konnten sich
im Betriebe nicht bewähren, vor allem weil dem Umstande nicht genügend
Rechnung getragen war, daß die kleinen Kuchen oder Pastillen beim Laden
und Entladen ihr Volumen ändern, so daß der Zusammenhang zwischen der
aktiven Masse und den Gitterstäben mangelhaft wurde oder die Pastillen
rissen und herausfielen. Um diese Übelstände zu beseitigen, konstruierte
~Correns~ (1888) eine Platte, die man als ~Doppelgitter~ bezeichnen
kann. Wie man sieht, haben die Stege _a b_ dreieckigen Querschnitt, und
es liegen je zwei, etwas gegeneinander versetzt, übereinander (siehe
Fig. 14). Die Pastillen sind in der Mitte infolgedessen etwas
eingeschnürt. Die zwischen je zwei Querbalken _c d_ liegenden Felder
stehen im Zusammenhang. Das ~Corrensgitter~ wird von den Akkumulatoren-
und Elektrizitätswerken vorm. W. A. ~Boese~ in Berlin hergestellt. Auf
die Entwicklung der Großoberflächenplatten werden wir noch zurückkommen.
Wir wenden uns jetzt zu den neueren Konstruktionen; es sollen aber nur
die bekanntesten deutschen Fabrikate berücksichtigt werden. Man kann die
Akkumulatorenplatten nach verschiedenen Gesichtspunkten einteilen. 1.
Mit Rücksicht auf die Verwendung, die der Akkumulator finden soll, kann
man unterscheiden zwischen Platten für stationäre und transportable
Elemente. Bei ersteren kommt es auf das Gewicht weniger an, verlangt
wird eine große Lebensdauer. Diese ist, wie wir noch sehen werden, bei
dicken Platten größer als bei dünnen. Auch die Beanspruchung im Betriebe
wird bei der Konstruktion bezw. bei der Wahl der Platten eine Rolle
spielen; für Pufferbetrieb wird man eine andere Platte wählen als für
Telephonbetrieb.
2. Man kann ferner inbezug auf das Material unterscheiden zwischen
Platten aus reinem Blei oder einer Legierung von Blei und Antimon, die
man Hartblei nennt, und Platten aus Blei und Bleisalzen (Paste):
zwischen Großoberflächen- oder Planté-Platten und Masse- oder
Faure-Platten. Mit Rücksicht auf den Träger der wirksamen Masse[99] kann
man einteilen in ~Kernplatten~, d. h. Platten, die in der Mittelebene
einen zusammenhängenden Kern haben, auf dem sich die Rippen oder dergl.
erheben, in ~Einfachgitterplatten~ und ~Doppelgitter~.
~Großoberflächenplatten.~ Die große Oberfläche erzielt man dadurch, daß
man die Platte mit zahlreichen Rippen, Zähnen, Leisten u. dergl.
versieht. Die von der Säure benetzte, daher der Stromwirkung zugängliche
Oberfläche nennt man die ~abgewickelte~ Oberfläche.
Hat eine Platte von 1 dm Länge und 1 dm Breite, deren ~projizierte~
Oberfläche also 1 dm² beträgt, eine abgewickelte Oberfläche von 4 dm²,
so sagt man, daß die ~Oberflächenentwickelung~ eine vierfache sei. Die
Großoberflächenplatte wurde besonders von den Gebrüdern ~Tudor~
(~Akkumulatorenfabrik Aktien-Gesellschaft~, ~Hagen~ i. W.) ausgebildet.
Anfänglich wurden die Platten (positive), die auf beiden Seiten mit
relativ hohen, dünnen Rippen versehen waren, bis sie die volle
Kapazität erreicht hatten, nach Planté formiert (s. S. 127). Dieses
Verfahren war langwierig und sehr kostspielig. Daher wurden die
Platten später zuerst eine Zeitlang nach Planté formiert; dann wurden
die Zwischenräume zwischen den Rippen mit einem Brei aus Mennige und
Schwefelsäure ausgefüllt. Schließlich wurden die hergerichteten
Platten mehrmals geladen und entladen, wodurch die Mennige in
Bleisuperoxyd umgewandelt wurde. Die aufgetragene Masse diente
vorläufig als aktives Material. Je nach der Beanspruchung der Platte
inbezug auf Höhe des Lade- und Entladestromes, sowie der entnommenen
Elektrizitätsmenge (Kapazitätsbeanspruchung) wird ~jede künstlich auf
eine positive Bleiplatte aufgetragene Masse früher oder später weich~
und fällt auf den Boden. Bei den ~Tudor~-Platten war nach 1 bis 2
Jahren die aufgetragene Masse herausgespült. In dieser Zeit aber hatte
sich die Bleisuperoxydschicht um so viel weiter aus dem Bleikern
entwickelt, daß die Dicke derselben einschließlich der Reste der
aufgetragenen Masse, die fest mit der Schicht verwachsen waren,
nunmehr genügte, der Platte die von ihr verlangte Kapazität zu geben;
die Platte war dann eine reine ~Planté~-Platte.
Da die Platte nach einiger Betriebsdauer als reine
Großoberflächenplatte arbeiten sollte, so mußte natürlich, damit die
Leistung pro Kilogramm aufzuwendenden Bleimaterials möglichst groß
wurde, die Zahl der auf der Flächeneinheit des Kerns stehenden Rippen
möglichst gesteigert und die Höhe der Rippen möglichst groß gewählt
werden, die Nuten wurden also eng und tief gemacht. Es zeigte sich
nun, daß dann die in die Rillen eingetragene Masse nicht mehr schnell
genug von der Säure durchdrungen wurde. Infolgedessen blieb von einer
gewissen Steigerung der Oberflächenentwickelung ab die gewünschte
Mehrleistung aus. Um diesen Übelstand zu beheben, suchte man das
Eintragen der aktiven Masse ganz zu vermeiden. Die Platte wird jetzt
unter Benutzung eines neuen Verfahrens in der Fabrik so weit formiert,
daß sie von vornherein die gewünschte Kapazität hat. Da keine Masse
eingetragen wird, so kann die Oberflächenentwickelung wesentlich
vergrößert werden.
[Illustration: Fig. 15.]
Fig. 15 zeigt den Querschnitt und die bildliche Darstellung der für
Beleuchtungsbatterien zur Verwendung kommenden positiven Platten der
~Akkumulatoren-Fabrik Aktien-Gesellschaft~. Die Platte wird ohne Kern
hergestellt. _a b_ sind die Längsrippen; sie werden durch Stege _c d_
zusammengehalten. Die Oberflächenentwickelung ist eine achtfache. Die
Rippen sind vollständig frei, so daß die Säure gut zirkulieren kann.
Eine zu weit getriebene Oberflächenentwickelung hat, wenn man den
Akkumulator, wie es beim Pufferbetrieb der Fall ist, mit relativ hoher
Stromdichte beansprucht, einen Nachteil, nämlich, daß der
Spannungsabfall in der Säure wächst. Es geht dies aus folgendem
Beispiele hervor. Von einer positiven Platte mit achtfacher
Oberflächenentwickelung denken wir uns ein Stück von 1 dm Länge und 1
dm Breite als positive Platte in einem Akkumulator; die negative
Platte sei gerade so groß; der Abstand der Oberflächen der beiden
Platten werde der Einfachheit halber zu 1 cm angenommen; der
spezifische Widerstand der Säure sei ρ Ohm (bezogen auf 1 cm³). Der
Widerstand, den der Strom in der Säure zu überwinden hat, ist gleich
ρ[100]/100 Ohm. Die einer ~glatten~ Oberfläche von 1 dm²
entsprechende Stromstärke sei i, dann wäre also, wenn der Akkumulator
der Oberflächenentwickelung entsprechend ausgenutzt wird, die in
Rechnung zu setzende Stromstärke 8i und der durch den Widerstand in
der Säure bedingte Spannungsabfall E₁ = 8i.ρ/100 Volt. Bei einem
zweiten Akkumulator sei die Oberflächenentwickelung der positiven
Platte eine einfache (glatte Oberfläche ohne Rippen). Soll dieser
zweite Akkumulator dasselbe leisten wie der erste, so muß seine
positive Platte 8 mal größer sein; bei sonst gleichen Umständen
(gleiche Säuredichte, gleiche Größe der negativen Platte wie eben)
wäre dann der Widerstand in der Säure ¼.ρ/100 (nicht ρ/(8×100), da der
mittlere Säurequerschnitt 4 dm² ist) und der Spannungsverlust in der
Säure E₂ = 8i.¼.ρ/100 = ¼E₁. Wir gelangen also zu dem Resultate, daß
eine ~der Oberflächenentwickelung entsprechende Beanspruchung einen
größeren Spannungsabfall zur Folge~ hat. Dies ist besonders bei
Pufferbatterien zu berücksichtigen.
Die genannte Firma verwendet für Pufferbatterien eine mit der in Fig. 15
abgebildeten inbezug auf die Konstruktion übereinstimmende Platte, die
aber nur eine 6fache Oberflächenentwickelung hat.
~Großoberflächenplatten~ sollen sich, wie von Fachleuten oft
behauptet wird, ~nicht als negative~ Platten eignen, da der Bleischwamm
keinen festen Halt habe, während das Bleisuperoxyd fest mit dem
Bleikern verwächst. In neuerer Zeit jedoch versucht man die
Großoberflächenplatten auch als negative Elektroden auszubilden.
~Gitterplatten~ oder pastierte Platten werden als positive und negative
Elektroden benutzt. Die Gitter dienen hier dazu, die eingetragene Masse
(Füllmasse) festzuhalten und den Strom den einzelnen Teilen zuzuführen.
Sie müssen genügende mechanische Festigkeit haben. Die Stromverteilung
muß eine möglichst gleichmäßige sein, weil sonst eine ungleichmäßige,
den chemischen Umsatz begleitende Volumänderung erfolgt und eine
Deformation der Platte (Krümmung), sowie schlechter Kontakt zwischen
Träger und aktiver Masse eintreten kann. Je kürzer die Entladedauer, um
so enger sollte daß Gitter sein.
Die Paste[101] wird hergestellt aus Mennige (Pb₃O₄, rot) oder Bleiglätte
(Bleioxyd, PbO, gelblichrot) oder aus einer Mischung der beiden Oxyde.
Für die Anode wird, um die Formation zu beschleunigen, Mennige, für die
Kathode Bleiglätte bevorzugt. Auch Bleimehl kann verwendet werden.
Als Bindemittel verwendet man verdünnte Schwefelsäure,
Glyzerinschwefelsäure, d. h. eine Mischung aus Schwefelsäure und
Glyzerin, oder Magnesiumsulfatlösung und noch andere Flüssigkeiten. Die
Schwefelsäure soll frei sein von Arsenverbindungen, Chlor, Salpetersäure
und salpetriger Säure. Wie die Säure auf diese Verunreinigungen hin
untersucht wird, werden wir später sehen. Die Paste wird nach
sorgfältiger Reinigung der Träger (Gitter) mittels eines eichenen
Spatels eingetragen (Schmieren); die pastierten Platten werden in einem
mäßig warmen Raume getrocknet. Es verbindet sich die Schwefelsäure
während des Trocknens mit Bleiglätte allmählich zu Bleisulfat und die
Paste erhärtet infolge Verdunstung des Wassers, die Masse wird
porös[102]. Die Mennige verbindet sich langsamer mit der Schwefelsäure,
wahrscheinlich unter Bildung von Bleisulfat und Abscheidung von
Bleisuperoxyd nach der Gleichung:
Pb₃O₄ + 2H₂SO₄ = 2PbSO₄ + 2H₂O + PbO₂.
[Illustration: Fig. 16.]
Der Bleischwamm der negativen Platten hat die Neigung, im Laufe der
Jahre zusammenzusintern, eine Erscheinung, die man als ~Schrumpfen~ oder
~Verbleiung~ bezeichnet. Die Masse verliert ihre lockere Struktur, und
die Folge ist, daß die Kapazität der negativen Platten allmählich
zurückgeht. Um diesem Übelstande zu steuern, mischt man der Masse
gewisse Stoffe bei, durch die das Zusammenbacken der Bleischwammteilchen
verhindert wird, wie Kaolin, Glaspulver usw. Wird soviel von diesem
indifferenten Material beigemischt, daß das Sintern dauernd unmöglich
ist, so macht sich ein anderer Übelstand bemerkbar; es tritt nämlich ein
so starkes Quellen ein, daß die Masse aus dem gewöhnlichen, alten Gitter
herauswächst und als unwirksam zu Boden fallen kann. Dieses kann nun
dadurch verhütet werden, daß man die Gitterplatte auf beiden Seiten mit
einer perforierten Scheibe aus Hartgummi oder dergl. bedeckt. Die
~Akkumul.-Fabrik, Akt.-Gesellsch.~ hüllt ihre aus einem weitmaschigen
Gitter bestehende negative Platte in ein mit zahlreichen kleinen Löchern
versehenes Bleiblech ein (s. Fig. 16). Das Gitter besteht aus zwei
Hälften; jedes wird auf ein perforiertes Blech aufgegossen. Die
Massepastillen werden besonders hergestellt und in die eine Gitterhälfte
eingelegt. Dann wird die andere Plattenhälfte aufgelegt, und die beiden
Hälften werden fest miteinander verbunden. Da die Pastillen also
gleichsam in kleinen Kästchen mit perforierter Grund- und Deckfläche
liegen, so wird die Platte als ~Kastenplatte~ bezeichnet.
[Illustration: Fig. 17.]
~Gottfried Hagen~ in Cöln-Kalk verwendet als Anoden und Kathoden
Gitterplatten. Dies hat, wie die Firma sagt, den Vorzug, daß die
Kapazität beider Plattenarten gänzlich unabhängig von der Sorgfalt bei
der Formation wird und stets die gleiche bleiben muß, da alle Platten
derselben Art und Größe stets die gleiche Menge wirksamer Bleisalze
enthalten. Die viereckigen Gitteröffnungen werden bei den für stationäre
Batterien bestimmten Platten um so enger gemacht, je kürzer die
Entladedauer oder je größer die Stromdichte bei der Entladung sein soll.
Für starke Beanspruchung wird das in Fig. 17 abgebildete Gitter
benutzt. Es gleicht in seinem Aussehen den Großoberflächenplatten; es
wird aus reinstem Weichblei hergestellt, während die Gitter mit großen
Öffnungen (Elektromobile), um genügende mechanische Festigkeit zu
erzielen, aus Hartblei (Blei und Antimon) gegossen werden.
[Illustration: Fig. 18.]
In neuerer Zeit hat die Firma die negativen Platten wesentlich geändert,
und zwar beziehen sich die Änderungen sowohl auf das Gitter wie auf die
Zusammensetzung der Masse. Die Beschaffenheit des neuen Gitters ist aus
den Figuren 18 und 19 zu ersehen; die letztere zeigt einen Ausschnitt in
größerem Maßstabe. Es sind, wie man sieht, außer den nach außen spitz
zulaufenden Längsrippen flache, die mechanische Festigkeit erhöhende
Bänder vorhanden. Durch die Mitte der Platte (s. Fig. 18) läuft eine
starke Leiste, so daß die ganze Platte aus zwei Rahmen besteht.
[Illustration: Fig. 19.]
Für transportable Akkumulatoren verwenden die ~Akkumulatoren- und
Elektrizitätswerke Akt.-Ges. vormals W. A. Boese & Co.~ sogenannte
~Masseplatten~. Diese bestehen aus einem Hartbleirahmen mit einer
geringen Anzahl großer Felder (siehe Fig. 20); das Trägergewicht ist
also auf ein Minimum reduziert. Die die Felder ausfüllende Masse ist
zementartig erhärtet; in jedem Felde befinden sich mehrere kleinere und
ein größeres Loch, um den Zutritt der Säure zu den einzelnen Teilen und
die Zirkulation zwischen den Platten zu ermöglichen. Besonders bei
Entladungen mit längeren Ruhepausen, z. B. bei Telephonbetrieb, erzielt
man günstige Leistungen, zumal die Selbstentladung bei solchen Platten
eine verhältnismäßig geringe ist[103]. Für Akkumulatoren mit kürzerer
Lade- und Entladezeit sind solche Masseplatten nicht geeignet.
[Illustration: Fig. 20.]
~Formation~. Das Verfahren, durch welches auf den Platten eine genügend
dicke Schicht von Bleischwamm bezw. von Bleisuperoxyd gebildet wird,
nennt man Formation oder Formierung.
Da bei der Formation Schwefelsäure nicht verbraucht wird, es sei denn,
daß man zuerst Blei oder die Bleisalze in Bleisulfat verwandeln will, so
kann man saure, alkalische und neutrale Lösungen verwenden. Entweder
wird die ganze Formation in ~einer~ Lösung ausgeführt, oder man
behandelt die Platten nacheinander in zwei verschiedenen Lösungen, z. B.
zuerst in alkalischer und dann in saurer Lösung. Ferner können Anode und
Kathode ~gleichzeitig~ in demselben Bade formiert werden, oder es findet
eine ~getrennte Formation~ statt. Jede dieser Methoden hat ihre Vor- und
Nachteile, auf die aber hier nicht eingegangen werden soll.
a) ~Reine Planté-Formation~. Wenn man als Elektroden reine Bleiplatten
benutzt und die Zelle lädt, so erfolgt schon nach kurzer Zeit
Gasentwicklung. Sobald sich nämlich die positive Platte mit einer sehr
dünnen Schicht von Bleisuperoxyd bedeckt hat, hört die Einwirkung des
Stromes auf, da das metallisch leitende Superoxyd den darunter liegenden
Bleikern vor dem weiteren Angriff des Stromes schützt. Um nun die
Kapazität der Elektroden zu vergrößern, lockerte ~Planté~ die Platten an
der Oberfläche auf, so daß auch unmittelbar unter der Oberfläche
liegende Schichten der Stromwirkung zugänglich wurden. Das angewandte
Formierungsverfahren war folgendes: Das Element wurde kurze Zeit
geladen, dann nach einer Ruhepause entladen, hierauf wieder geladen u.
s. f. Bei den verschiedenen Ladungen, deren Dauer wegen der wachsenden
Kapazität allmählich größer wurde, schickte er den Strom bald in der
einen, bald in der anderen Richtung durch die Zelle, da nur diejenige
Elektrode angegriffen und aufgelockert wird, die bei der Ladung Anode
ist.
Inwiefern die Ruhepause von Vorteil ist, zeigten später ~Gladstone~ und
~Tribe~. Die Superoxydteilchen bilden mit Bleiteilchen und Säure kleine,
kurzgeschlossene Elemente (siehe Selbstentladung). Diese entladen sich
während der Ruhepause; hierbei werden Blei und Bleisuperoxyd in
Bleisulfat umgewandelt. Bei der nächsten Ladung kann daher eine größere
Menge Bleisulfat in Bleisuperoxyd (bezw. in Bleischwamm, wenn die
Stromrichtung geändert wird) verwandelt werden.
Die reine Planté-Formation ist umständlich und dauert Wochen, ja Monate
lang; sie ist wegen des großen Stromverbrauchs auch teuer.
b) ~Beschleunigte Formation der positiven Planté-Platten~. Schon
~Planté~ fand, daß die Formation schneller vor sich geht, wenn man die
Platten zuerst in mäßig konzentrierte Salpetersäure eintaucht und dann
formiert; durch die Salpetersäure wird die Platte rein chemisch
aufgelockert. Die so erhaltene Superoxydschicht fällt aber leicht ab,
sie ist nicht so innig mit dem Bleikern verwachsen wie die bei der rein
elektrochemischen Formierung entstandene. Auch ist die Gefahr vorhanden,
daß Spuren von Salpetersäure trotz sorgfältigen Abspülens der Platte
zurückbleiben. Die Elektrode formiert sich dann im Betriebe immer
weiter, so daß das Bleigitter oder der Bleikern nach verhältnismäßig
kurzer Zeit zerstört wird.
Später sind zahlreiche Vorschläge gemacht worden, um beschleunigte
Formation besonders bei den positiven Großoberflächenplatten zu
erzielen. Sie bestehen fast alle darin, daß auf rein chemischem Wege
Bleiverbindungen gebildet werden, die auf elektrochemischem Wege in
Bleisuperoxyd umgewandelt werden. Wird die lösend wirkende Substanz dem
Elektrolyten zugesetzt, so spielen sich beide Vorgänge gleichzeitig ab.
~Epstein~ behandelt die Bleiplatten in heißer verdünnter Salpetersäure
elektrochemisch (s. oben). Eine Platte wird dann zwischen zwei
Bleibleche gehängt, die leitend miteinander verbunden sind; der
elektrolysierende Strom tritt an der zu formierenden Platte ein.
Nach P. ~Schoop~ (l. c. I S. 106) erreicht man am sichersten eine
tiefgehende Auflockerung des Bleies bei Verwendung einer Lösung von
Natriumbisulfat und Kaliumchlorat. In den Elektrolyten werden drei
Bleiplatten aufgehängt, die Außenplatten werden miteinander verbunden
usw. (s. oben). Auf der Mittelplatte (Anode) bildet sich eine braune
Substanz, die aber kein Bleisuperoxyd ist. Das Chlor wird aus der Platte
entfernt, wenn die Substanz zu Bleischwamm reduziert wird. Dies
geschieht elektrochemisch in stark verdünnter Schwefelsäure. Die Platten
werden sorgfältig mit destilliertem Wasser ausgewaschen, um alles
Chlor[104] (Salzsäure) zu entfernen, dann getrocknet und erhitzt. Es
bildet sich ein gleichmäßiger und festhaftender Überzug von Bleioxyd;
dieses wird durch elektrochemische Formation in verdünnter Schwefelsäure
in Superoxyd umgewandelt.
c) ~Formation der pastierten Platten~. α) Negative Platten. Die
Füllmasse besteht aus basischem, sowie aus neutralem Bleisulfat und aus
nicht zersetztem Bleioxyd. Da sie ziemlich grobkörnig ist und nur zum
Teil aus Bleisulfat besteht, so geht dieses nur langsam in Lösung.
Infolgedessen wird, wenn man nicht mit sehr geringer Stromdichte
arbeitet, der Elektrolyt an Bleisalz oder an Bleiionen bald verarmen.
Nimmt aber die Konzentration dieser Ionen in der Nähe der Platte ab, so
steigt die Spannung an der Kathode und erreicht bald die für die
Wasserstoffabscheidung nötige Höhe. Um die unnütze und auch schädliche
Wasserstoffentwickelung zu verhüten, muß man dafür sorgen, daß die
Konzentration der Wasserstoffionen eine möglichst kleine oder diejenige
der Bleiionen eine möglichst große ist. Da neutrale Salze bei der
elektrolytischen Dissoziation keine Wasserstoffionen liefern, so sind
neutrale Lösungen für die Formation der negativen Platten vorzuziehen;
besonders eignen sich Magnesium- und Aluminiumsulfat (von ~Fitz-Gerald~
zuerst ausgeführt, von P. ~Schoop~ wieder aufgenommen). Hierbei bildet
sich an der negativen Platte gallertartiges Magnesium- bezw.
Aluminiumhydroxyd, das aber durch Säure, die bei der Formation (aus der
Paste) frei wird, neutralisiert wird. Eine Verarmung des Elektrolyten an
Bleiionen -- das zweite Mittel, die Wasserstoffentwickelung
zurückzudrängen -- kann man dadurch erreichen, daß man die Löslichkeit
des Bleisulfates steigert, z. B. durch Erwärmung des Elektrolyten[105],
oder eine Substanz zusetzt (z. B. Natriumacetat), die mit Blei ein
lösliches Salz bildet (Bleiacetat). Von dieser Methode hat man in der
Praxis keine Anwendung gemacht, da selbst sehr geringe zurückbleibende
Mengen des Zusatzes dem Akkumulator sehr schädlich sind.
Erfolgt die Formation in verdünnter Schwefelsäure zwischen zwei mit
einander verbundenen Bleiblechen (Anoden), so dauert sie mehrere Tage.