(s. S. 123) und Bleiglätte bezw. Mennige. Die Abscheidung der
Bleisuperoxydionen, deren Existenz wir annehmen wollen (s. S. 55), muß
durch Steigerung der Konzentration dieser Ionen gefördert werden (die
Sauerstoffentwickelung also verringert werden). Nun ist die
Konzentration dieser Ionen umgekehrt proportional der vierten Potenz der
Wasserstoffionen; mithin muß letztere Konzentration auf einer möglichst
geringen Höhe gehalten werden. In neutraler Lösung erfolgt also die
Formation schneller als in saurer[106]. Man verwendet Aluminium- und
Magnesiumsulfat. Während der Formation bildet sich Schwefelsäure, durch
deren Dissoziation Wasserstoffionen entstehen; die Säure muß
neutralisiert werden; man erreicht dies durch aufgeschwemmtes Magnesium-
oder Aluminiumhydroxyd.
[98] Über die verschiedenen Patentansprüche und die historische
Entwickelung des Akkumulators siehe ~Hoppe~, Akkumulatoren für
Elektrizität, 5. Auflage, ferner P. ~Schoop~, Die Sekundär-Elemente.
[99] Bei Großoberflächenplatten ist das mit dem Bleikern verwachsene
Bleisuperoxyd, bei Gitterplatten die ganze eingetragene Masse gemeint.
[100] In Wirklichkeit ist er etwas größer, da ein Teil des Stromes in
die Säure innerhalb der Rippen eindringt.
[101] Näheres über die Fabrikation findet man in: F. ~Grünwald~, Die
Herstellung der Akkumulatoren, 3. Aufl., 1903. W. Knapp.
[102] M. U. ~Schoop~ berechnet in der früher erwähnten Schrift die
Porosität einer formierten, gut geladenen Bleisuperoxydplatte
(Gitterplatte) zu angenähert 43%, d. h. beträgt der für die Füllmasse
zur Verfügung stehende Raum 100 cm³, so sind 43 cm³ mit Säure
angefüllt. Für die Bleischwammplatte ergab sich eine noch größere
Porosität.
[103] Näheres siehe E. T. Z. 1907, S. 539.
[104] Für Chlor gilt ähnliches wie für Salpetersäure (s. S. 128).
[105] Nicht zu empfehlen, da bei Erwärmung die wirksame Masse zu
locker wird.
[106] Eine saure Lösung ist eine solche, in der sich Wasserstoffionen
befinden; je größer die Konzentration der H·, um so größer ist die
Acidität.
Siebentes Kapitel.
Aufstellung der Batterie, Einbau der Platten, Vorschriften über die
Behandlung, Lebensdauer.
~Aufstellung.~ Der ~Raum~, in dem die Akkumulatorenbatterie
untergebracht wird, soll kühl, trocken und vor allem gut ventilierbar
sein, damit die Säure nicht zu stark verdunstet, die Außenwände der
Zellen trocken gehalten werden können (Isolation) und die bei der Ladung
sich bildenden Gase schnell entweichen. Während der Ladung dürfen
brennende oder glühende Körper in dem Akkumulatorenraume nicht geduldet
werden, da die Möglichkeit nicht ausgeschlossen ist, daß sich bei
schlechter Ventilation eventuell vorhandenes Knallgas entzündet. Zur
Beleuchtung dürfen nur elektrische Lampen verwendet werden, die im
luftleeren Raume brennen.
Der Fußboden soll fest und solide sein, natürlich muß er auch säurefest
sein. Allen Anforderungen dürfte ein Asphaltboden auf Untergrund aus
Zementbeton genügen[107].
Die Elemente müssen so aufgestellt werden, daß man zu jeder Zelle freien
Zutritt hat zwecks einer Besichtigung, Messung der Säuredichte oder
sonstiger vorzunehmender Arbeiten, z. B. Auswechselung defekt gewordener
Platten. Daher sollten bei kleineren Zellen nicht mehr als zwei Reihen
neben- und übereinander auf demselben Gestelle stehen; größere Zellen
müssen auf dem Boden nebeneinander aufgestellt werden. Nach den
Vorschriften des Verbandes Deutscher Elektrotechniker müssen die Zellen
von Batterien für hohe Spannungen so angeordnet sein, daß bei der
Bedienung eine zufällige gleichzeitige Berührung von 2 Punkten, zwischen
denen eine Potentialdifferenz von mehr als 250 Volt herrscht, nicht
stattfinden kann. Bei Batterien in Anlagen mit mehr als 250 Volt
Gebrauchsspannung zwischen 2 Leitern oder mehr als 2 × 250 Volt in
Dreileiteranlagen sind nach den Vorschriften des V. D. E.
Lattenlaufböden erforderlich. (Isolation gegen Erde.)
Die ~Gestelle~ werden aus sorgfältig geteerten oder mit Paraffinöl
durchtränkten Balken hergestellt. Der Gebrauch von Nägeln, Schrauben,
Bandagen aus Eisen ist zu verwerfen, da diese durch die Säure
angegriffen werden; die Verbindung der einzelnen Teile des Gestelles muß
daher durch Holzpflöcke geschehen.
Große Sorgfalt ist auf die ~Isolation~ zu verwenden, da die Außenseiten
der Elemente auch bei guter Bedienung nicht ganz trocken bleiben. Die
einzelnen Zellen sind gegeneinander und gegen das Gestell und dieses
gegen die Erde durch nichthygroskopische Unterlagen zu isolieren. Bei
größerer Batteriespannung kann man Ölisolatoren verwenden, deren oberer
Teil größer ist als der untere, so daß etwa herabfließende Säure über
den oberen (überhängenden) Teil hinwegtropft, der untere Teil des
Isolators also trocken bleibt.
Die im Akkumulatorenraume verlegten Drähte müssen mit säurefester Farbe
angestrichen werden. --
Als ~Zellen~ benutzt man Gefäße aus Glas, Zelluloid, Hartgummi und Holz.
Glas isoliert gut, ist billig und ermöglicht eine genaue Besichtigung
des Inneren des Elementes. Für transportable Akkumulatoren verwendet man
Hartgummi oder Zelluloid und versieht die Zellen mit einem Deckel; noch
vorhandene Fugen werden mit einem säurefesten und elastischen Kitt
verstrichen. Zelluloid soll bei Akkumulatorenbatterien für mehr als 16
Volt Spannung als Material für Gefäße nicht verwendet werden.
Zelluloid ist zwar leicht entzündbar, da aber die Wände von innen
durch die Säure gekühlt werden, so wird es nicht leicht vorkommen, daß
das Zelluloid bis zur Entzündungstemperatur erhitzt wird. Es hat die
Vorzüge, daß es gegen Stöße unempfindlich ist, leicht verarbeitet
werden kann und durchsichtig ist; ferner können Gefäße aus diesem
Stoffe repariert werden.
Für große Elemente benutzt man Holzkasten, die mit Bleiblech im Innern
verkleidet werden. Natürlich dürfen die Platten diese Verkleidung nicht
berühren.
[Illustration: Fig. 21.]
~Einbau~. Die Platten werden bei stationären Elementen meistens mittels
zweier Fahnen oder Nasen auf dem oberen Rande des Gefäßes aufgehängt (s.
Fig. 21), damit sie sich frei ausdehnen können. Die Oberflächen der
einzelnen Platten müssen genau parallel laufen, und der Abstand zwischen
zwei benachbarten Platten soll in der ganzen Zelle derselbe sein. Hängt
nämlich eine Platte schief, so werden die Stellen, die den kleinsten
Abstand haben, am stärksten beansprucht, so daß Krümmungen eintreten
können; diese können wiederum Abbröckeln der aktiven Masse und
Kurzschluß herbeiführen. Hat ferner eine positive Platte von den beiden
benachbarten Elektroden ungleichen Abstand, so werden ihre beiden Seiten
nicht gleichmäßig ausgenutzt, ebenso nicht die der betreffenden
positiven Platte zugewendeten Seiten der negativen Elektroden.
Parallelität und gleiche Abstände erreicht man am einfachsten dadurch,
daß man zwischen je zwei Platten eine genügende Anzahl von Glasstäben
schiebt, die alle denselben Durchmesser haben, und durch elastische
Bleistreifen oder Gummipuffer einen seitlichen Druck gegen die Platten
ausüben läßt (s. Fig. 21).
Zwischen der unteren Plattenkante und dem Boden des Gefäßes muß sich ein
größerer Zwischenraum befinden, in dem sich herabfallende aktive Masse
sammeln kann (Vermeidung eines inneren Kurzschlusses).
[Illustration: Fig. 22.]
In Fig. 22 ist schematisch dargestellt (für 2 Elemente), wie die Platten
angeordnet und mit einander verbunden werden. Warum die erste und letzte
Platte einer jeden Zelle negativ sind, wurde früher dargelegt (s. S.
62). Man sieht, daß die positiven Fahnen der ersten Zelle mit den
negativen Fahnen der zweiten durch eine Bleileiste verbunden sind. --
Bei kleinen Elementen, die nur aus einer positiven und zwei negativen
Platten bestehen, verbindet man die beiden letzteren wohl auch durch
einen Steg.
Der Abstand der Platten richtet sich nach deren Größe; einerseits darf
er nicht zu groß sein, damit der innere Widerstand der Zelle nicht
unnötig groß wird, anderseits darf er nicht so klein sein, daß eine
Besichtigung der Platten erschwert oder unmöglich wird; auch kann sich
bei geringen Abständen leicht Kurzschluß bilden. Bei kleinen Platten
(bis etwa 3 qdm einseitiger Oberfläche) beträgt der Abstand in der Regel
8 bis 10 mm, bei mittelgroßen (bis 6 qdm) 10 bis 12 mm und bei großen 12
bis 15 mm. Bei kleinen transportablen Akkumulatoren sollte der Abstand
der Platten reichlich groß gewählt werden, damit Kurzschluß durch
herausfallende Masse möglichst vermieden und eine genaue Besichtigung
des Innern der Zelle leicht ausführbar ist.
[Illustration: Fig. 23.]
Seit einigen Jahren ist man dazu übergegangen zwischen die einzelnen
Platten ~Holzbrettchen~ oder dergl. zu schieben. Wir haben bereits
gesehen, daß man der aktiven Masse der negativen Platten indifferente
Substanzen zusetzt, um die Verbleiung zu verhindern. Die aktive Masse
quillt dann leicht aus dem Gitter, sie kann herausfallen und Kurzschluß
bewirken. Um diesem Übelstande zu steuern, bedeckt die Firma ~Gottfried
Hagen~ in Cöln-Kalk die negative Elektrode mit einer gelochten
Hartgummiplatte, die durch die Glasröhren gegen das Gitter gepreßt wird.
Die Perforierung ist eine so feine, daß jedes Durchtreten von Partikeln,
die sich loslösen, durch die Öffnungen ausgeschlossen ist und die Säure
dennoch leicht zirkulieren kann. Werden Holzkasten für die Zellen
verwendet, bei denen Glasröhren keinen Zweck haben, da man ohnehin nicht
das Zelleninnere besichtigen kann, so werden Hartgummiplatten verwendet,
die auf der einen Seite mit Rippen versehen sind (s. Fig. 23); diese
vertreten die Stelle der Glasröhren.
[Illustration: Fig. 24.]
Nach den Montagevorschriften der ~Akkumulatoren-Fabrik
Aktien-Gesellschaft~ werden zwischen die einzelnen Platten Holzbrettchen
geschoben, die etwas größer sind als die Platten. Die Brettchen werden
in die Schlitze von Holzstäben geschoben (siehe Fig. 24). Diese sind
etwas dünner als die Plattenzwischenräume und sitzen anfangs etwas lose.
Da die Stäbe in der Säure quellen, so sitzen sie bald fest. Auf diese
Weise wird erreicht, daß zwischen Platten und Brettchen ein enger
Zwischenraum ist und die aktive Masse mit einer genügend großen Menge
von Säure in Berührung ist. Die Brettchen erfahren eine besondere
Vorbehandlung in der Fabrik, und es sollen (infolgedessen?) aus dem Holz
Stoffe in Lösung treten, die ein Sulfatieren der Platten fast unmöglich
machen, so daß die Kapazität lange bleibt. Die Wirksamkeit der Brettchen
soll, da die betreffenden Stoffe sich nur langsam ausscheiden, für
lange Jahre vorhalten. Außerdem dienen die Brettchen auch als Mittel zur
Verhinderung von Kurzschluß.
Es empfiehlt sich, die Zellen mit Glasplatten zu bedecken, weil dann
Säurepartikelchen, die beim „Kochen‟ durch die Gase mitgerissen werden,
zurückgehalten werden und verhindert wird, daß von der Decke
abbröckelnder Kalk oder dgl. in die Säure fällt.
Für die Elemente der ~Automobilbatterien~ werden Hartgummikasten
verwendet. Die Platten werden auch mit Zwischenlagen aus perforiertem
Hartgummiblech oder aus Holzbrettchen eingebaut. Die einzelnen Elemente
werden so miteinander verbunden, daß schadhafte Zellen leicht
ausgewechselt werden können; man benutzt biegsame Verbindungen aus
Bleistreifen oder verbleiten Kupferstreifen, die beiderseits durch
Schrauben befestigt werden.
~Säure~. An die ~Reinheit~ der Schwefelsäure und des zum Nachfüllen zu
benutzenden Wassers sind, wie sich aus früheren Betrachtungen (s. S. 107
und S. 110) ergeben dürfte, die ~höchsten Anforderungen zu stellen~. Sie
müssen vor allem frei sein von metallischen Verunreinigungen. Fremde
Metalle (s. Selbstentladung) bewirken das sogen. Nachgasen. Man prüft
die Säure auf die Anwesenheit schädlicher Metalle dadurch, daß man
mittels eines sauberen Holzspans ein Stückchen Zink in eine Probe
bringt, die sich in einem Reagenzglas befindet. Sind schädliche Metalle
in der Säure, so bilden sich Lokalelemente, und es wird elektrolytisch
Wasserstoff abgeschieden, man sieht beständig feine Gasbläschen
emporsteigen. Der Versuch, der etwa ½ Stunde dauern sollte, wird 3mal
wiederholt; bleibt ~einmal~ die stetige Bläschenbildung aus, so ist die
Säure frei von schädlichen Metallen.
Der Elektrolyt muß ferner frei sein von Chlor, Salpetersäure und
salpetriger Säure, Arsenverbindungen und Essigsäure. Auch ganz minimale
Mengen dieser Substanzen sind dem Akkumulator sehr schädlich; sie wirken
nämlich zerstörend auf den Bleikern, indem sie Blei lösen. Die
Bleiverbindung wird durch den Strom zersetzt und die Verunreinigung wird
wieder frei usw. (s. Formation).
~Untersuchung auf Salpetersäure~: Man löst etwas Brucin in
konzentrierter Schwefelsäure und setzt der Schwefelsäureprobe einige
Tropfen der Lösung zu. Bei Gegenwart auch der geringsten Menge
Salpetersäure erfolgt Rotfärbung.
Stickstoffverbindungen können auch in der Weise nachgewiesen werden,
daß man in Wasser eine gleiche Menge konzentrierter Schwefelsäure
eintropfen läßt und der heißen Lösung etwas Indigolösung zusetzt. Wird
die Flüssigkeit entfärbt, so ist die Säure nicht brauchbar.
~Die Untersuchung auf Chlor~ ist mit besonderer Sorgfalt auszuführen.
5 cm³ (ca. 9 Gramm) Säure werden mit 50 cm³ destilliertem Wasser
gemischt[108]; nach 5-6 Stunden setzt man etwas Salpetersäure und
20prozentige Silbernitratlösung (Höllensteinlösung) zu. Nach
einstündigem Stehen darf die Flüssigkeit keine weiße Färbung,
höchstens ganz schwaches Opalisieren zeigen. (Es bildet sich bei
Gegenwart von Chlorverbindungen unlösliches, weißes Chlorsilber.)
~Arsenverbindungen~ werden durch eingeleiteten Schwefelwasserstoff in
braunes, unlösliches Schwefelarsen umgewandelt.
Zum Füllen der Elemente benutzt man verdünnte Schwefelsäure vom
spezifischen Gewichte 1,15 bis 1,17; sind die Positiven
Großoberflächenplatten, so kann die Säure etwas stärker sein. Die Dichte
der Säure wird bei den ersten Ladungen etwas größer, da die Paste noch
weiter formiert wird und hierbei Schwefelsäure frei wird. -- Da bei der
Vermischung von Schwefelsäure und Wasser eine starke Wärmeentwickelung
erfolgt und explosionsartige Erscheinungen auftreten, wenn man Wasser
in Schwefelsäure gießt, so muß man die Schwefelsäure in dünnem Strahle
unter Umrühren dem Wasser zusetzen. Mittels des Aräometers konstatiert
man, ob die Mischung das gewünschte spezifische Gewicht hat. Erst nach
dem Erkalten darf die Säure in die Akkumulatorengefäße gegossen werden.
Muß man einen Trichter benutzen, so verwende man einen solchen aus Glas
oder Porzellan.
Da die Untersuchung der Schwefelsäure und die Herstellung der Mischung
umständlich ist, so empfiehlt es sich, die Säure durch die
Akkumulatorenfabrik oder durch Handlungen zu beziehen, die von der
Akkumulatorenfabrik empfohlen werden.
Die Säure soll die oberen Kanten der Platten mindestens 1 cm überragen;
vor allem darf es nicht vorkommen, daß der obere Teil der Platten aus
der Säure herausragt. Im Laufe der Zeit ändert sich die Menge und die
Dichte der Säure, da Wasser verdampft, kleine Säureteilchen von den bei
der Ladung sich bildenden Gasblasen mitgerissen werden und die Kapazität
der Platten zu- bezw. abnehmen kann; wächst diese im Laufe der Zeit, so
wird bei der Entladung mehr Säure verbraucht und die Schwankungen der
Säuredichte werden größer. Meistens genügt es, durch Zusatz von
destilliertem Wasser[109] die Säure auf die richtige Höhe zu bringen;
von Zeit zu Zeit jedoch muß man die Säuredichte der einzelnen Zellen
sowohl im vollständig geladenen wie im vollständig entladenen Zustande
messen und eventuell Akkumulatorensäure hinzufügen (nie konzentrierte
Säure, da diese die Platten angreift). Man setzt am besten die Säure vor
Beginn der Ladung zu, indem die Gasblasen eine Vermischung bewirken. Im
entladenen Zustande beträgt die Säuredichte meist 1,15, im geladenen
Zustande kann sie bis 1,20 betragen. Eine zu niedrige Säuredichte
schadet übrigens dem Akkumulator nicht, wohl aber eine zu hohe
(Begünstigung der Sulfatierung, Verringerung der Lebensdauer). Säure,
die beim Nachfüllen verschüttet wird, ist sofort abzuwaschen, damit die
Isolatoren trocken bleiben.
Die Säuredichte mißt man mittels eines ~Aräometers~, dessen Körper so
flach ist, daß man es in den engen Zwischenraum zwischen den Platten
einführen kann. Sind die Zellen mit einem Deckel versehen, so benutzt
man ein ~Aräometer~ mit ~Saugheber~ und Gummiball. Bei genauen
Untersuchungen ist zu beachten, daß die Säure in der Nähe des
Gefäßbodens etwas konzentrierter ist. Durch Einblasen von Luft kann man
eine Vermischung herbeiführen.
In der folgenden Tabelle ist das spezifische Gewicht, das
Mischungsverhältnis und der Widerstand von 1 cm³ verdünnter
Schwefelsäure angegeben.
Spezifisches | Gewichts- | Grade | Widerstand eines
Gewicht bei | prozente | Baumé | Kubikcent.
15° | H₂SO₄ | | (angenähert)
=============+===========+=======+==================
1,10 | 14,35 | 13,0 | 2,2 Ohm
1,12 | 17,01 | 15,4 | 1,8 „
1,14 | 19,61 | 17,7 | 1,6 „
1,16 | 22,20 | 19,8 | 1,5 „
1,18 | 24,76 | 22,0 | 1,45 „
1,20 | 27,32 | 24,0 | 1,4 „
1,22 | 29,84 | 26,0 | 1,38 „
1,224 | 30,50 | 26,6 | 1,36 „ (Minimum)
Zuweilen verwendet man für die Füllung transportabler Akkumulatoren
~gelatinöse Schwefelsäure~, die aus Schwefelsäure, Wasserglas und
Asbest hergestellt wird. Die ~Trockenfüllung~ leidet an den Nachteilen,
daß der innere Widerstand des Elementes stark erhöht und die Kapazität
wesentlich verringert wird. Die Füllung muß mit einer Schicht flüssiger
Säure von etwa 5 mm Dicke bedeckt sein, ev. ist destilliertes Wasser
oder stark verdünnte Säure zuzusetzen.
Für Automobilbatterien verwendet man, da man die Säuremenge, um das
Gewicht zu verringern, möglichst klein macht, Säure von etwas höherer
Konzentration als bei Zellen für stationäre Anlagen; im geladenen
Zustande darf die Säuredichte den Wert 1,25 erreichen.
Muß eine Zelle ~geleert werden~, so zieht man die Säure mittels eines
Hebers ab; die Platten werden in destilliertem Wasser aufbewahrt. Die
betreffende Zelle muß, nachdem sie neu montiert ist, stark überladen
werden. Zu dem Zwecke schaltet man sie während der Ladung der Batterie
mit den anderen Zellen in Reihe, man verbindet sie also mit den beiden
benachbarten Zellen. Nach Beendigung der Ladung wird eine der beiden
Verbindungen beseitigt und der positive Pol des einen Nachbars mit dem
negativen Pole des anderen verbunden (~Überbrückung~). Unsere Zelle ist
also während der Entladung der Batterie ausgeschaltet. Bei der folgenden
Ladung wird sie wieder mitgeladen usw.
~Die Vorschriften für die Ladung und Entladung~ weichen in einzelnen
Punkten bei den verschiedenen Firmen voneinander ab, was ja schon durch
den Umstand erklärt werden kann, daß die Fabrikate verschieden sind. Die
folgenden Vorschriften dürften aber allgemein gültig sein.
Die ~erste Ladung~ (nach der Montage) soll, wenn eben möglich, ohne
Unterbrechung so lange fortgesetzt werden, bis bei allen Zellen an
beiden Elektroden reichlich Gas entwickelt wird. Ihre Dauer ist eine
große (24-48 Stunden), da die aktive Masse, besonders bei den negativen
Platten, an der Luft (während des Transportes, der Montage) verändert
wird, so daß eine nachträgliche Formierung erfolgen muß. Am längsten
dauert natürlich die erste Ladung, wenn die negativen Platten unformiert
versandt wurden.
Die späteren Ladungen sollen, wenn möglich sofort, spätestens aber 24
Stunden nach Beendigung der Entladung erfolgen (s. Sulfatierung). Falls
die ~Batterie stark erschöpft~ ist, was bei Betriebsstörungen, z. B. bei
einer Reparatur der Dynamo, vorkommen kann, so muß ~sofort~ gründlich
aufgeladen werden. Zu beachten ist, daß man den positiven Pol der
Batterie mit dem positiven Pole der Stromquelle verbinden muß (ev.
Polreagenzpapier benutzen). Der maximale Ladestrom (gewöhnlich gleich
der maximalen Entladestromstärke) darf nicht überschritten werden. Man
lädt so lange, bis bei sämtlichen Elementen der Batterie an beiden
Elektroden lebhafte Gasentwicklung erfolgt. Der Wärter hat die Pflicht,
bei jeder Ladung nachzusehen, ob alle Zellen gasen[110].
Finden täglich mehrere Teilladungen statt, so darf nur ~eine~ bis zur
vollen Gasentwicklung durchgeführt werden, die anderen dagegen sind
sofort abzubrechen, wenn an einer Elektrode Gasentwicklung beginnt.
Will man (im Laboratorium) große und kleine Zellen gleichzeitig laden,
so schaltet man zwei oder mehrere der kleinen Zellen parallel, bildet
aus diesen gleichsam einen größeren Akkumulator, oder man wählt den
Strom so, daß er der kleinsten Type angepaßt ist.
Es ist darauf zu achten, daß die mit dem Zellenschalter verbundenen
Elemente nicht zu lange überladen werden.
Auch dann, wenn eine Batterie nicht oder nur wenig benutzt wird
(Laboratorium), muß von Zeit zu Zeit, etwa alle 14 Tage, aufgeladen
werden (siehe Selbstentladung). Automobilbatterien sollen nach jeder
Fahrt geladen werden.
Die Ladestromstärke darf, wie wir bereits sahen, eine gewisse Größe
nicht überschreiten; sie ist, wenn an beiden Platten Gasentwicklung
erfolgt, auf etwa die Hälfte des ursprünglichen Wertes herabzusetzen.
Hierfür kann man verschiedene Gründe angeben. Wird die Gasentwicklung zu
stürmisch, so werden viele kleine Partikelchen der wirksamen Masse
losgesprengt. Ferner hat die Elektrodenspannung, wenn die Stromstärke
nicht vermindert wird, einen hohen Wert, und es kann sich
Überschwefelsäure bilden (s. S. 14). Auch wird bei starker
Gasentwicklung zu viel Säure verspritzt.
Bei Lichtanlagen arbeiten die Dynamo und Batterie parallel. Die Ladung
der Batterie muß, ehe der Parallelbetrieb beginnt, beendet sein, ein
~Nachladen~ bei ausgeschaltetem Ladeschalter ist unter allen Umständen
~zu vermeiden~, weil es zu einer Schädigung der mittleren Schaltzellen
führt.
Wir wollen uns dies an einem bestimmten Falle klar machen. Es handle
sich um eine Lichtanlage, bei der die Spannung in der Zentrale 115
Volt beträgt. Es sind 115:1,8 = 64 Zellen erforderlich; von diesen
seien 12 mit dem Doppelzellenschalter Verbunden. Die Ladung sei soweit
fortgeschritten, daß die Spannung jeder Zelle 2,2 Volt beträgt. Dann
werde zum Parallelbetrieb übergegangen. Die Ladung kann nur durch den
Entladeschalter geschehen (s. S. 173). Es können dann nur 115:2,2 = 52
Zellen Strom bekommen, die 12 letzten Zellen werden also nicht mit
geladen. Muß die Batterie später Strom abgeben, so sind anfänglich
115 : 2 = 58 Zellen an der Stromlieferung beteiligt. Die Zellen 53 bis
58 werden also überanstrengt, da sie bei der Nachladung keinen Strom
erhielten.
Die Akkumulatoren-Fabrik Akt.-Ges. schreibt für ihre Batterien vor, daß
unter normalen Verhältnissen etwa alle 3 Monate eine ~Ladung mit
Ruhepausen~ erfolgen soll (s. S. 114). Durch diese sucht man offenbar
einer beginnenden Sulfatation vorzubeugen. Die Ladung geschieht in der
Weise, daß die Maschine abgeschaltet wird, sobald an beiden Elektroden
die Gasentwicklung beginnt; die Batterie ist vom Netze zu trennen. In
diesem Ruhezustande soll sie mindestens 1 Stunde stehen bleiben. Dann
wird wieder geladen bis zur Gasentwicklung, wieder abgeschaltet etc.
Ladungen und Ruhepausen sollen solange aufeinander folgen, bis ~sofort~
nach dem Einschalten der Maschine Gasentwicklung beginnt. Bei den
Nachladungen soll die Stromstärke natürlich kleiner als die normale
sein. Dasselbe Verfahren soll angewandt werden, wenn die Batterie zu
stark beansprucht und wenn sie wiederholt ungenügend geladen worden ist.
Zellen, die voraussichtlich längere Zeit nicht benutzt werden, sind
gründlich aufzuladen (Selbstentladung); besonders schnell geht die
Selbstentladung bei Großoberflächenplatten vor sich.
Der Wärter hat die Pflicht, alle ~Zellen bei~ jeder ~Ladung~ zu
beobachten; besondere Aufmerksamkeit soll er den Schaltzellen zuwenden.
Es kommt zuweilen vor, daß eine ~Zelle~ gegen die anderen
~zurückbleibt~[111]; es erfolgt keine Gasentwicklung, wenn die Nachbarn
schon lange „kochen‟, die Säuredichte steigt nicht oder doch nur sehr
langsam an. Eine solche Zelle ist auf ~Kurzschluß~ zu untersuchen. Ein
solcher kann verursacht werden dadurch, daß sich eine Platte krümmt oder
dadurch, daß ein Fremdkörper in die Zelle hineinfällt oder daß aktive
Masse aus dem Gitter herausfällt. Er hat zur Folge, daß der Ladestrom
sich verzweigt und nur ein Bruchteil des Stromes durch die Säure fließt,
d. h. eine elektrochemische Wirkung ausübt. Nach der Ladung entlädt sich
die Zelle in sich selbst; denn der den Kurzschluß bewirkende Körper
bildet eine leitende Verbindung zwischen den beiden Polen. Bei einer
solchen Zelle tritt bald Sulfatierung ein, die mit einer
Kapazitätsabnahme verbunden ist.
Das Vorhandensein eines Kurzschlusses kann man mittels eines kleinen
Kompasses feststellen. Diesen legt man nacheinander zwischen zwei
benachbarte Fahnen; kommt man an eine Platte, die Kurzschluß hat, so
wird die Nadel durch das magnetische Feld des Stromes abgelenkt.
Die ~Vorschriften für die Entladung~ sind größtenteils schon in den
Betrachtungen des Kapitels 4 enthalten. Es sei daran erinnert, daß eine
gewisse Stromstärke nicht überschritten werden darf. Dies ist besonders
beim Experimentieren im Laboratorium etc. zu beachten. Ist man im
Zweifel, wie stark der Strom bei einem Versuche wird, so muß man einen
Rheostaten und ein Ampermeter mit einschalten, wie es in Fig. 25
angedeutet ist. In dieser soll _A_ den Apparat darstellen, dem Strom
zugeführt wird, _Amp._ ein Ampermeter, _W_ einen veränderlichen
Widerstand, _B_ die Batterie, _Voltm._ ein Voltmeter.
Die Frage, woran man erkennt, ob ein Akkumulator entladen ist, hat große
praktische Bedeutung (man vergleiche die Bemerkungen auf S. 102 und die
Darlegungen über die Erholung). Weiß man nicht bestimmt, ob man einer
Zelle noch Strom entnehmen darf, so verbindet man die Klemmen mit einem
Voltmeter und läßt das Element den der dreistündigen Entladung
entsprechenden Strom abgeben. Ist die Zelle erschöpft, so sinkt die
Klemmenspannung in kurzer Zeit auf 1,8 Volt. -- Dauert ein Versuch
längere Zeit, so sollte stets ein Voltmeter mit den Klemmen des
Elementes bezw. der Batterie verbunden sein (Schaltung s. Fig. 25).
[Illustration: Fig. 25.]
Um zu prüfen, wie groß noch ungefähr die Elektrizitätsmenge ist, die
man entnehmen darf, kann man das Aräometer benutzen. Kennt man die
Säuredichte der Zelle in geladenem und entladenem Zustande, so kann
man aus dem augenblicklichen spezifischen Gewichte einen Schluß über
den Energieinhalt ziehen. Weiß man z. B., daß die Säuredichte des
vollgeladenen Elementes 1,20 und diejenige der entladenen Zelle 1,16
ist, und findet man, daß das spezifische Gewicht den Wert 1,17 hat, so
enthält der Akkumulator noch ungefähr ¾ seiner Elektrizitätsmenge.
Elemente, die sehr selten oder nie ganz entladen werden, gehen in ihrer
Kapazität zurück. Soll dies vermieden werden, so müssen die Zellen von
Zeit zu Zeit, etwa alle 4-5 Wochen einmal, mit möglichst der
garantierten Kapazität beansprucht werden. Diese Vorschrift ist
besonders für solche von Wichtigkeit, die Anlagen in Schulen etc. zu
beaufsichtigen haben.
~Sulfatieren~, ~Krümmen~. Bei Batterien macht sich stärkere
~Sulfatierung~ in einer oder mehreren Zellen in der Weise bemerkbar, daß
bei der gewöhnlichen anfänglichen Ladespannung nur ein schwacher Strom
zustande kommt. Um die schadhafte Zelle herauszufinden, mißt man die
Spannung der Elemente einzeln mittels eines Voltmeters für geringe
Spannungen (Taschenvoltmeter bis 3 Volt); in stromlosem Zustande ist die
Klemmenspannung der betreffenden Zelle sehr klein. Bei der Ladung kann
in der kranken Zelle Gasentwicklung erfolgen, ohne daß ein chemischer
Umsatz an den Platten erfolgt.
Bedeckt das kristallinische Bleisulfat noch nicht die ganze Oberfläche,
oder ist es nur in sehr dünner zusammenhängender Schicht vorhanden, so
gelingt es meistens, die Zelle unter Anwendung einer höheren Spannung
(3-4 Volt) aufzuladen. (Im Laboratorium benutzt man am besten die
Thermosäule; bei größeren Batterien kann man den Ladestrom den
Schaltzellen entnehmen.) Während der Ladung schalte man ab und zu (etwa
nach je 10 Minuten) eine Ruhepause (5-10 Minuten) ein (S. 114). Nach der
ersten Ladung hat das Element noch nicht seine volle Kapazität. Man
behandelt daher die Zelle in der früher angegebenen Weise.
Die Sulfatierung ist in der Regel mit einem ~Krümmen~ der Platten
verbunden. Findet man, daß eine Platte die Neigung zum Werfen hat, so
schiebt man zwischen sie und die benachbarte Platte Glasstäbe, so daß
eine weitere Verringerung des Plattenabstandes nicht erfolgen kann, oder
man drückt die Platte durch breite flache Hölzer, deren Dicke gleich
dem Plattenabstand ist, gerade. Gelingt dies nicht, so ist die Platte
durch eine neue zu ersetzen. Die Kölner Akkumulatoren-Werke schreiben
vor, daß in Zellen, die dauernd zu arbeiten haben, Platten aus der
letzten Schaltzelle kommen, also Platten, die gut durchgearbeitet sind,
während die neuen Platten in die Schaltzellen eingesetzt werden.
Damit man beginnende Krümmung oder andere Fehler entdeckt, muß man von
Zeit zu Zeit eine Revision sämtlicher Zellen vornehmen. Man bedient sich
hierbei, besonders wenn es sich um große Zellen oder um Elemente in
Holzkästen handelt, einer ~Ableuchtlampe~, d. h. einer elektrischen
Lampe mit Schutzkorb, Schutzglas, einer Schlauchleitung und einem
Stöpsel für Wandkontakt[112].
~Automobilzellen~ sind von Zeit zu Zeit, unter normalen Verhältnissen
alle drei Monate, zu ~reinigen~. Die Plattensätze werden zu dem Zwecke,
nachdem die Batterie entladen ist, zusammen mit dem Deckel vorsichtig
aus den Kasten herausgehoben, durch mehrmaliges Heben und Senken in
destilliertem Wasser abgespült; die Kasten werden entleert und
gereinigt, dann werden die Plattensätze wieder eingeschoben und Säure
vom spez. Gew. 1,16-1,17 zugesetzt. Nach jeder Reinigung muß eine
gründliche Aufladung mit etwa dem halben normalen Ladestrom erfolgen.
Im Übrigen sei bemerkt, daß die Firmen genaue Vorschriften über die
Behandlung der von ihnen gelieferten Batterien geben und daß sie gegen
eine jährliche Prämie die Überwachung und Instandhaltung der Batterien
übernehmen (~Akkumulatorenversicherung~).
~Die Lebensdauer~ des ~Akkumulators~ hängt in hohem Maße von der Art der
Behandlung ab. Über diese können allgemein gültige Angaben kaum gemacht
werden. Dünne Platten, wie sie für Traktionszwecke benutzt werden, die
mit relativ hoher Stromdichte beansprucht werden, müssen nach 100 bis
200 Entladungen ausgewechselt werden. Planté-Platten haben eine andere
Widerstandsfähigkeit als Faure-Platten. Auch spielt die Art der
Formation eine wichtige Rolle; eine zu stark beschleunigte Formierung
scheint die Lebensdauer ungünstig zu beeinflussen.
Werden bei der Formation dem Elektrolyten Chemikalien zugesetzt, die
Blei chemisch angreifen, so kann es leicht vorkommen, daß in den Platten
geringe Mengen dieser Substanzen zurückbleiben und in die
Akkumulatorensäure gelangen. Das Blei des Trägers wird im Laufe der Zeit
„angefressen‟, so daß die mechanische Festigkeit immer kleiner wird.
Die Lebensdauer der positiven Platten ist durch die Zeit gegeben, bis zu
welcher das Blei der Rippen und des Kerns durch Umwandlung in Superoxyd
aufgebraucht wird (s. Lokalaktion, S. 110); die mechanische Festigkeit
der Platten wird geringer und ihr Widerstand größer. Daraus ergibt sich,
daß die Menge des festen Bleies in hohem Grade maßgebend ist für die
Lebensdauer der positiven Platten.
Bei älteren negativen Platten geht der Bleischwamm langsam in festes,
dichtes Blei über, er schrumpft unter beträchtlicher Volumänderung
zusammen; es bilden sich Risse, und der Zusammenhang zwischen der
Unterlage und der aktiven Masse wird gelockert. Man nennt diese
Erscheinung ~Schrumpfen~, ~Sintern~, ~Verbleiung~. Sie ist natürlich mit
einer Kapazitätsabnahme verbunden, da die Säure nicht mehr in das Innere
eindringen kann. Durch Zusatz gewisser indifferenter Substanzen (z. B.
Koks, Bimsstein) in fein verteiltem Zustande zu dem Breie, den man in
die Gitter schmiert, soll das Sintern verhindert bezw. verlangsamt
werden (s. S. 136).
Durch zu starke Beanspruchung der negativen Platten wird das Schrumpfen
beschleunigt. Daher dürfte ein weiteres Mittel, dem Verbleien
vorzubeugen, darin bestehen, die Kapazität der Bleischwammplatten von
vornherein größer zu wählen als die der positiven Elektroden.
Vor allem muß sich jeder, der Akkumulatoren benutzen will, mit den
Vorgängen im Akkumulator und mit seinen Eigentümlichkeiten genau bekannt
machen und sich von vornherein daran gewöhnen, mit der nötigen Vorsicht
zu Werke zu gehen.
[107] Siehe Zentralblatt für Akkumulatorentechnik 1907, S. 30 oder E.
T. Z. 1907, S. 611.
[108] Das betr. Glas ist mit destilliertem Wasser gut auszuspülen.
[109] Das destillierte Wasser ist auf Chlor zu untersuchen, s. S. 139.
[110] Alle Zellen mit Ausnahme der Schaltzellen müssen zu gleicher
Zeit und gleichmäßig zur Gasentwicklung gelangen.
[111] Ist ein Doppelzellenschalter vorhanden, so können
zurückgebliebene Schaltzellen in der Weise nachgeladen werden, daß man
sie zwischen Lade- und Entladehebel nimmt. Durch diese Zellen geht
dann der ganze von der Dynamo abgegebene Strom, der natürlich den
maximalen Ladestrom nicht überschreiten darf. Bei anderen Zellen
wendet man die Überbrückungsmethode an (s. S. 142).
[112] Zum ~Reinigen der Akkumulatoren~ kann man einen Apparat
benutzen, der zum Absaugen des Schlammes dient. Er besteht aus einer
Luftpumpe und Vakuumkessel, an dem ein Schlauch mit passendem
Bleimundstück angeschlossen ist Man zieht zuerst die Säure ab, saugt
dann den Schlamm ab und füllt wieder ein. Das Herausnehmen der Platten
ist also überflüssig.
Achtes Kapitel.
Der alkalische Akkumulator.
An den Bleiakkumulatoren wird als ein Nachteil getadelt, daß sie ein im
Vergleich zu ihrer Leistung großes Gewicht haben. Dieses ist in erster
Linie bedingt durch das hohe spezifische Gewicht und das große
elektrochemische Äquivalent des Bleies. Auch der Umstand, daß Blei ein
weiches Metall ist, wäre hier zu erwähnen. Der Träger der aktiven Masse
muß nämlich aus Blei bestehen, die Platten müssen, damit sie genügend
fest sind, eine ziemlich große Dicke haben. Endlich ist der
Bleiakkumulator auch deshalb ein schwerer Akkumulator, weil der
Elektrolyt in verhältnismäßig großer Menge vorhanden sein muß. Denn die
Säure ist an dem chemischen Umsatze beteiligt, so daß man gezwungen ist,
pro Amperstunde eine gewisse Säuremenge zu verwenden. Wird die Säure
knapp bemessen, so sinkt ihre Dichte während der Entladung stark; dies
hat zur Folge, daß der innere Widerstand größer und die
elektromotorische Kraft kleiner wird. Nimmt man wenig, aber ziemlich
stark konzentrierte Säure, so wird die Sulfatierung begünstigt und die
Lebensdauer verringert. Das Gewicht der Säure beträgt bei stationären
Akkumulatoren etwa 20% des Gesamtgewichtes. Was das Gewicht der Platten
anbelangt, so kann man durch Verringerung der Dicke das Verhältnis
zwischen Leistung und Gewicht wesentlich verbessern. Eine derartige
Steigerung der Leistung pro Kilogramm Zellengewicht wird aber nur auf
Kosten der Lebensdauer erkauft. Nach E. ~Sieg~[113] haben Zellen der
Kölner Akkumulatorenwerke für Traktionszwecke (Automobile), die ca. 30
Wattstunden pro Kilogramm geben, als mittlere Lebensdauer nur ca. 100
Entladungen.
Es gibt nun zwei Möglichkeiten, einen leichteren Akkumulator zu
konstruieren, nämlich erstens Metalle zu verwenden, deren spezifisches
Gewicht und elektrochemisches Äquivalent kleiner ist als bei Blei[114],
zweitens das Elektrodenmaterial und den Elektrolyten so zu wählen, daß
der Elektrolyt bei Stromzufuhr und Stromentnahme seine Konzentration
nicht ändert.
Nach beiden Richtungen hin sind von zahlreichen Erfindern schon seit
mehr als 20 Jahren Versuche angestellt worden.
Verdünnte Schwefelsäure hat folgende wertvolle Eigenschaften: 1. sie
leitet den elektrischen Strom sehr gut (natürlich im Vergleich zu
anderen Elektrolyten), 2. sie verändert sich an der Luft nicht, 3. sie
bleibt in dem Gefäße, in dem sie sich befindet, sie kriecht nicht, wie
es viele andere Lösungen tun, an den Wänden langsam empor. Will man an
der Verwendung der verdünnten Schwefelsäure für einen Sammler
festhalten, so hat man unter den Metallen keine große Wahl, da sich
die meisten bezw. ihre Oxyde in diesem Elektrolyten lösen.
Beachtung verdient hier vor allem das ~Kupferoxyd-Zink~-Element
(Lalande, Edison, Wedekind), das als Vorläufer des Edison-Akkumulators
bezeichnet werden kann. Als Elektrolyt dient Natron- oder Kalilauge. Das
Kupferoxyd verliert während der Entladung seinen Sauerstoff, das Zink
geht als Zinkhydroxyd in Lösung. Das entstandene poröse und schwammige
Kupfer nimmt an der Luft, besonders wenn es erhitzt wird, Sauerstoff
auf.
Wir wenden uns jetzt zu dem Hauptgegenstande dieses Kapitels, nämlich zu
dem ~Edison-Akkumulator~. ~Darrieus~[115] beschäftigte sich vor etwa 18
Jahren schon mit der Herstellung eines Akkumulators, bei dem an Stelle
des schweren Bleies andere Metalle und als Elektrolyt Kali- oder
Natronlauge benutzt werden sollten. Unter den Metallen, die er aufzählt,
befinden sich auch Eisen, Nickel, Kadmium. Im Jahre 1899 wurde dem
Schweden ~Jungner~ ein Patent erteilt, das sich auf einen alkalischen
Akkumulator mit Silber- und Kupferelektroden bezieht. Die Versuche
erstreckten sich aber auch auf Eisen, Nickel und Kadmium. Es sind etwas
mehr als 8 Jahre her, als Dr. Kenelly die Aufmerksamkeit der ganzen Welt
auf eine neue Erfindung Edisons lenkte, nämlich auf ein Element, das
nach den Nachrichten, die zu uns gelangten, berufen zu sein schien, dem
biederen Bleiakkumulator den Todesstoß zu versetzen. Die ersten Zellen,
die D-Zellen, kamen i. J. 1903 nach Europa. Aber sie wurden schon nach
kurzer Zeit vom Markte zurückgezogen. Später wurde die Fabrikation der
H-Zellen in großem Maßstabe aufgenommen, auch in Berlin (Deutsche
Edison-Akkumulatoren-Company). Diese wird im Folgenden ausführlich
besprochen werden.
Edison hatte sich die Aufgabe gestellt, einen Akkumulator herzustellen,
der nicht nur pro Wattstunde ein geringeres Gewicht als der
Bleiakkumulator haben sollte, sondern auch gegen schlechte Behandlung
unempfindlich sein sollte. Inwiefern es Edison gelungen ist, dieses
Ziel zu erreichen, werden wir später sehen.
~Vorgänge in der Edison-Zelle.~ Die wirksame Masse der positiven
Elektrode besteht aus Nickelhydroxyd, Ni(OH)₂, dem etwa 20% eines
flockigen Graphits zugesetzt werden. Der Graphitzusatz bewirkt nicht nur
eine Verbesserung der Leitfähigkeit der aktiven Masse, sondern er
verhindert auch ein Aufschwemmen der Masse bei der Ladung; in erster
Linie aber soll seine Bedeutung darin liegen, daß er trotz der starken
Pressung der Masse (s. unten) eine gewisse Porosität gewährleistet. Als
negatives Elektrodenmaterial wird Eisenhydroxyd verwendet, dem ca. 10%
Quecksilberoxyd beigemischt werden. Letzteres dient dazu, die
Leitfähigkeit der Masse zu verbessern, und soll dazu beitragen, die
Zelle gegen starke Stromstöße unempfindlich zu machen. Welche Vorgänge
sich in der Zelle bei Stromdurchgang abspielen, steht noch nicht mit
Sicherheit fest. Nach ~Elbs~[116] wird das Eisenhydroxyd durch
Wasserstoff zu Eisen reduziert, während Nickelhydroxyd durch OH
(hervorgegangen aus OH-Ionen) auf eine höhere Oxydationsstufe gebracht
wird. Die Vorgänge, die sich bei der Ladung und Entladung abspielen,
kann man durch die Gleichung darstellen:
Fe(OH)₂ + 2Ni(OH)₂ ⇄ Fe + 2Ni(OH)₃.
Der Effekt ist also ein solcher, als ob bei der Ladung zwei OH von der
negativen zur positiven Elektrode wanderten, und umgekehrt bei der
Entladung. Elbs fand auch, daß die elektromotorische Kraft von der
Konzentration der Lauge abhängig ist. Nach der obigen Reaktionsgleichung
ist die Kalilauge (21%) an dem chemischen Umsatze nicht beteiligt.
~Förster~[117] wies aber nach, daß die Kalilauge nach der Entladung
weniger Wasser enthält als am Ende der Ladung. Es scheint demnach, als
ob die vorige Gleichung die Vorgänge nicht genau wiedergäbe. (Möglich
wäre es allerdings, daß Wasserstoff und Sauerstoff von dem
Elektrodenmaterial absorbiert werden.)
J. ~Zedner~ hat unter Leitung von Prof. ~Dolezalek~[118] Untersuchungen
über den ~Eisen-Nickel-Akkumulator~ angestellt. Er fand, daß die
positive Elektrode im geladenen Zustande Ni(OH)₃, im entladenen Zustande
Ni(OH)₂.2H₂O enthält. Während der Entladung wird also dem Elektrolyten
Wasser entzogen. Dem entsprechend müßte die elektromot. Kraft von der
Konzentration der Lauge abhängig sein, was auch in der Tat der Fall ist.
Die Entladung erfolgt in zwei Stufen; zuerst wird das Nickelhydroxyd in
Hydroxydul umgewandelt; die zweite Stufe beruht auf der Verbindung des
Sauerstoffs mit Wasserstoff, der während des Ladens von der wirksamen
Masse und zwar zumeist von dem ihr beigemischten Graphit eingeschlossen
wurde.
~Roloff~[119] ist der Ansicht, daß außer der von Elbs angegebenen
Reaktion noch eine andere stattfindet, wie der stufenweise erfolgende
Abfall des Potentials der Eisenelektrode beweise. Das Ni(OH)₂, das auf
den entladenen Platten ist, hat keine grüne Farbe. Er fand, daß Ni(OH)₂
schwarz wird, wenn es Wasser addiert, z. B. ist das Hydrat Ni(OH)₂.2H₂O
schwarz.
Nach der Reaktionsgleichung kommen auf 1 Atom Eisen, das oxydiert wird,
2 Atome Nickel, die an dem Umsatze beteiligt sind; dem entsprechend ist
bei Edison die Zahl der Nickelektroden eine doppelt so große wie
diejenige der Eisenelektroden.
Da die Kalilauge an dem Umsatze nicht beteiligt ist, so kann der Abstand
zwischen den Elektroden sehr klein gemacht werden. Dies ist auch aus dem
Grunde von Wert, weil die Anzahl der Platten, um eine bestimmte
Kapazität zu erreichen, eine große sein muß. Die Nickel- und Eisenmasse
nämlich leiten den Strom sehr schlecht, wahrscheinlich ist auch ihre
Porosität wegen des hohen Druckes, dem sie bei der Fabrikation
ausgesetzt werden, eine sehr geringe; der chemische Umsatz ist aber,
obschon der Elektrolyt nicht an ihm beteiligt ist, nur dort möglich, wo
die aktive Masse mit der Lauge in Berührung ist. Die Umwandlungen
erfolgen daher nur in einer außerordentlich dünnen Oberflächenschicht.
Man muß also eine verhältnismäßig große Anzahl von Platten benutzen, um
eine gewünschte Kapazität zu erhalten. Die Ersparnis an Elektrolyt, die
man durch das nahe Zusammenrücken der Platten erzielt, wird, wie man
leicht einsieht, dadurch wieder z. T. illusorisch, daß man die Anzahl
der Platten vergrößern muß.
~Konstruktion der Edison-Zelle.~ Die positive aktive Masse gewinnt
Edison dadurch, daß er aus einer Nickelnitratlösung durch
Magnesiumhydroxyd das grüne Nickelhydroxydul, Ni(OH)₂ fällt; dieses wird
durch Chlor zu Nickelhydroxyd Ni₂(OH)₆ oxydiert. Die negative Masse wird
aus Eisenoxyd hergestellt, über dieses wird bei etwa 250° lange Zeit
trockener Wasserstoff geleitet, das Fe₂O₃ wird in Fe₃O₄ umgewandelt.
[Illustration: Fig. 26.]
Die Konstruktion der positiven und negativen Elektroden stimmt,
wenigstens bei der H-Type, überein. Das aktive Material, dem Graphit
bezw. Quecksilberoxyd (s. oben) zugesetzt wird, wird von kleinen Taschen
(77 mm × 13 mm) aufgenommen, die aus dünnem, vernickeltem Eisenblech
hergestellt werden[120]. Dieses ist perforiert, damit der Elektrolyt
Zutritt hat; auf 1 cm² kommen fast 300 Löcher. Eine größere Anzahl
dieser Taschen wird in ein Gitter aus vernickeltem Stahlblech eingesetzt
(s. Fig. 26). Die Platte wird dann sehr stark gepreßt, so daß die
Taschen fest und mit gutem Kontakte in dem Rahmen sitzen. In einer
zweiten Presse werden die Taschenwände in der Querrichtung gewellt. Die
Platten haben oben einen mit einer runden Öffnung versehenen Ansatz.
Durch diese wird beim Einbau ein Eisenbolzen geschoben; zwischen je 2
Platten wird eine Eisenscheibe gelegt, um den richtigen Abstand zu
erhalten und zu sichern. Platten und Scheiben werden durch Schrauben an
den Enden der Bolzen gegeneinander gedrückt. Der Bolzen trägt einen
vertikalen Eisenstab, den Polbolzen (s. Fig. 27). Wie schon bemerkt,
enthält die Zelle doppelt so viele Nickelelektroden wie Eisenelektroden,
die Reihenfolge ist also: Nickel, Eisen, Nickel; Nickel, Eisen, Nickel
usw. Zur Isolierung der Platten verschiedenen Potentials gegeneinander
dienen Hartgummistäbe.
[Illustration: Fig. 27.]
Der Plattensatz kommt in eine vierkantige Kanne aus vernickeltem
Eisenblech, das, um seine Festigkeit zu erhöhen, gewellt ist (s. Fig.
27); er ist gegen den Boden der Kanne durch Hartgummiprismen isoliert
und gegen die Seitenwände durch dünne Hartgummiformstücke. Die Zelle
wird durch einen Deckel verschlossen, durch den die beiden Polbolzen
hindurchgehen, die durch übergeschobene Hartgummibüchsen und
Weichgummiringe gegen den Deckel isoliert sind. Der Deckel ist mit einer
Füllöffnung und einem Ventil versehen, durch das die bei der Ladung in
großer Menge sich bildenden Gase entweichen; es ist so eingerichtet, daß
die mitgerissenen Teilchen des Elektrolyten zurückgehalten werden.
Der Elektrolyt soll stets ca. 12 mm über Oberkante der Platten stehen.
Den richtigen Stand der Kalilauge konstatiert man mit Hilfe eines
Glasrohres mit kleiner Ausflußöffnung, das man wie eine Pipette benutzt.
Sinkt der Stand der Flüssigkeit unter das vorgeschriebene Maß, so ist
destilliertes Wasser nachzufüllen.
[Illustration: Fig. 28.]
Vor einiger Zeit hat Edison die Nickelelektrode wieder anders gestaltet.
Die Taschen haben eine runde Form erhalten (s. Fig. 28). Sie sind aus
spiralig gewundenem, fein gelochtem Stahlband gefertigt und werden mit
Hilfe von Stahlringen außerordentlich verstärkt. Das Nickelhydroxyd
wird nicht mehr mit Graphit sondern mit Nickelflocken vermischt, auch
soll etwas Wismutoxyd beigemengt werden. Der Kaliumlösung wird eine
geringe Menge von Lithium zugesetzt. Die Gasentwickelung soll bei der
neuen Type (Type A) geringer[121] und die Leistung bei gleichem Gewichte
etwa 25% höher[122] sein als bei der H-Type.
Die ~Edison-Zelle im Betriebe~. Die elektromotorische Kraft der
geladenen Zelle beträgt etwa 1,5 Volt. Wird sie mit der normalen
Stromdichte, d. h. derjenigen, die der 3¾-stündigen ~Entladung~
entspricht, beansprucht, so beträgt, wie man aus der Fig. 29 ersieht,
die anfängliche Klemmenspannung etwas weniger als 1,4 Volt, gegen Ende
der Entladung etwa 1,15 Volt. Im Mittel beläuft sich die Nutzspannung
auf 1,23 Volt. Sie ist noch geringer, wenn mit stärkerem Strome entladen
wird.
[Illustration: Fig. 29.]
Die Stromstärke bei der normalen ~Ladung~, die auch rund 3¾ Stunde
dauert, ist größer als die Entladestromstärke; z. B. wird die Type H₂₇
mit 45 Amp. entladen und mit 65 Amp. geladen. Wie die Klemmenspannung
verläuft, ist aus der Fig. 29 zu ersehen. Nach etwa 3⅓ Stunden hat also
die Spannung den Wert 1,8 Volt; man soll dann noch 30-40 Minuten weiter
laden. Da die Zelle schon kurz nach Beginn der Ladung gast (daher der
niedrige Wirkungsgrad) und die Konzentration des Elektrolyten nur sehr
wenig schwankt, so ist es, wenn man ein Voltmeter nicht benutzt, nicht
möglich, anzugeben, wann das Ende der Ladung nahe ist. Am besten lädt
man dann mit vorgeschriebener Stromstärke und hört nach 3¾ Stunden auf;
allerdings vergeudet man, wenn die Batterie nicht erschöpft war, unter
Umständen viel Energie. --
Vor Beginn der Ladung soll man sich von dem Stande des Elektrolyten
überzeugen und ev. nachfüllen. Ein Zusatz von Wasser ist nach jeder
zweiten oder dritten Ladung nötig. Die Konzentration der Lauge nimmt
langsam ab, da durch die Gase trotz des Ventils kleine Partikelchen des
Elektrolyten mitgerissen werden; nach ca. 300 Entladungen soll der
Elektrolyt erneuert werden. Die mitgerissenen Laugeteilchen sammeln sich
auf dem Deckel und „bilden im Laufe der Zeit einen weißlichen,
kristallinischen Niederschlag, der durch gelegentliches Reinigen mit
einem Tuch oder Pinsel entfernt wird‟ (~Kammerhoff~ l. c. S. 43).
~Wirkungsgrad~ und ~Nutzeffekt~, die wie beim Bleiakkumulator von der
Stromstärke und der zwischen Ladung und Entladung liegenden Zeit
abhängig sind, haben ziemlich niedrige Werte; sie werden bei 3¾stdg.
Ladung und Entladung zu 72% und 52% angegeben. Die ~Kapazität~ ist viel
weniger von der Entladezeit abhängig als beim Bleiakkumulator. Sie
nimmt übrigens im Laufe der Zeit ab; diese Abnahme ist abhängig von der
Beanspruchung; nach etwa 600 Entladungen mit stark schwankendem
Stromverbrauch, wie er beim Elektromobilbetrieb vorkommt, ist die
Kapazität um etwa 15% gesunken.
~Vergleich zwischen Blei- und Edison-Akkumulator.~ Die Endspannung
bei dem Edison-Akkumulator sei 1,15 Volt, beim Bleiakkumulator ist
sie 1,8 Volt. Für eine 110 Volt-Anlage sind also 110:1,15 = 96
Eisen-Nickel-Zellen, dagegen nur 110:1,8 = 61 Bleiakkumulatoren
erforderlich. Weiterhin folgt, daß die Anzahl der mit dem Zellenschalter
zu verbindenden Elemente bei Verwendung von Edison-Zellen bedeutend
größer ist als bei Benutzung von Bleiakkumulatoren. Was die Überwachnung
und Wartung anbelangt, so sind diese, soweit es sich um stationäre
Anlagen handelt, für Bleiakkumulatoren einfacher als für
Edison-Zellen[123], besonders wenn erstere in Glasgefäße eingebaut sind.
Andererseits hat aber die Edison-Zelle manche Vorzüge vor ihrem älteren
Rivalen voraus; vor allem ist sie gegen Überanstrengung, sei es daß
diese in zu weitgetriebener Entladung, z. B. bis zu 0,5 Volt Spannung,
oder in Entnahme anormal starken Stromes besteht, fast ganz
unempfindlich; ferner kann die Zelle im entladenen Zustande lange
stehen, ohne daß sie Schaden leidet, und daher ist das oft höchst
lästige Nachladen, das bei Bleiakkumulatoren erfolgen muß, wenn die
Batterie längere Zeit nicht benutzt wird, überflüssig; endlich sind zu
erwähnen die große mechanische Festigkeit, verbunden mit der
Widerstandsfähigkeit gegen Stöße, und der feste Halt der wirksamen
Masse.
Diese Eigenschaften sind in manchen Fällen so wertvoll, daß man die
Mängel gern mit in den Kauf nimmt. Das Hauptgebiet, das sich der
Edison-Akkumulator zu erobern gedenkt, ist das Elektromobil. Hier
spielen das Gewicht pro Einheit der Leistung und die Raumbeanspruchung
eine maßgebende Rolle. Wir wollen zusehen, welcher von den beiden
Akkumulatoren in dieser Hinsicht den Vorzug verdient. Dem schon mehrmals
erwähnten Buche von ~Kammerhoff~ entnehme ich, daß die Type H₂₇, d. h.
die H-Type mit 27 normalen Platten, für jedes Kilogramm Totalgewicht 24
Wattstunden leistet[124]; unter Totalgewicht ist das Gewicht der
kompletten Zelle inkl. Holzträger zu verstehen. Der Berechnung liegt
3¾stündige Entladung zugrunde. In einem Vortrage von ~Roloff~ findet man
die Angaben, daß man erhält
bei einem stationären Bleiakkumulator pro 1 kg Gew. 8 W-Std.,
„ „ transportablen[125] „ „ „ „ 32,5 „ ,
5stündige Entladung vorausgesetzt. Will man unparteiisch urteilen, so
muß man bei dem transportablen Bleiakkumulator auch 3¾stünd. Entladung
annehmen. Die dieser Zeit entsprechende Kapazität kann zu 5-6% geringer
angenommen werden als die bei 5stündiger Entladung; auch ist zu
berücksichtigen, daß die mittlere Klemmenspannung etwas kleiner ist. Auf
keinen Fall aber bedeutet der Edison-Akkumulator, wenn es sich um
transportable Zellen handelt, die in 3-4 Stunden entladen werden sollen,
einen Fortschritt hinsichtlich einer Gewichtsverringerung[126].
~Peters~[127] gelangt zu der Ansicht, daß der Edison-Akkumulator in
keiner Hinsicht mit dem Bleiakkumulator konkurrieren könne.
~Graefenberg~ findet, daß der Edison-Akkumulator 16-18 Wattstunden pro
1 kg Gesamtgewicht leiste.
Die Zahlen ändern sich aber zugunsten der Edison-Zelle, wenn es sich um
schnelle Entladungen handelt, indem nämlich die Kapazität der Bleizelle
in viel höherem Maße von der Entladedauer abhängig ist als diejenige der
Edison-Zelle. Auch spricht die Lebensdauer ein wichtiges Wort mit, und
diese dürfte bei Bleiakkumulatoren, die 25-30 Wattstunden pro 1 kg
Gewicht leisten, keine besonders große sein; wie es in dieser Hinsicht
mit den Edison-Zellen bestellt ist, darüber fehlen noch unparteiische
Angaben.
Was die Raumbeanspruchung anbelangt, so hat der Bleiakkumulator von
vornherein einen Vorsprung, weil er eine viel höhere mittlere Spannung
hat als die Edison-Zellen (Verringerung der Zellenzahl). ~Kammerhoff~
berechnet, daß die Type H₂₇ bedarf
bei 3¾stdg. Entladung pro 1 Kilowattstd. 31,17 l,
„ 1¼ „ „ „ 1 „ 35,07 l;
angenommen ist, daß je 6 Zellen in einen Holzkasten eingebaut sind. Für
eine Bleizelle, die für Elektromobilbetrieb bestimmt ist, wird
angegeben, daß ohne Holzkasten erforderlich sind
bei 5stdg. Entladung pro 1 Kilowattstd. 13,08 l,
„ 1 „ „ „ 1 „ 25,46 l.
Nach ~Roloff~ sind für transportable Bleizellen 12 l pro Kilowattstunde
und für die Edison-Zelle 19 l erforderlich. Auch hier fragt es sich, ob
die Raumverringerung nicht auf Kosten der Lebensdauer erkauft ist.
Die Angaben, die man über die Lebensdauer der für Elektromobilbetrieb
bestimmten Batterien findet, widersprechen sich. Während ~Joly~ in dem
(a. S. 160) zitierten Aufsatze behauptet, daß der Bleiakkumulator
3000-3500 Meilen leiste, die Edison-Zelle aber nur 2500 Meilen,
berechnet ~Kammerhoff~ (l. c. S. 152), daß die Lebensdauer des
Bleiakkumulators im günstigsten Falle 9750 Wagenkilometern und
diejenige einer um etwa 30% leistungsfähigeren Edison-Batterie 54000
Wagenkilometern entspreche. Natürlich sind auch die Preise für die
Batterien in Rechnung zu setzen. Übernimmt die Fabrik gegen Zahlung
einer gewissen Summe, sei es pro Jahr oder sei es pro Wagenkilometer,
die volle Unterhaltung (inkl. Erneuerung der Platten), so spielt die
Lebensdauer für den Besitzer des Wagens keine Rolle, und es treten
dann die früher erörterten Faktoren um so mehr in den Vordergrund.
Ein definitives Urteil über den Wert des Eisen-Nickel-Akkumulators kann
noch nicht gefällt werden; man muß berücksichtigen, daß er erst einige
Jahre alt ist, während der Bleiakkumulator auf eine etwa 25jährige
Vergangenheit zurückblicken kann, während deren an seiner
Vervollkommnung Tausende von Theoretikern und Praktikern gearbeitet
haben. Einstweilen kann der Edison-Akkumulator nur in einigen
beschränkten Anwendungsgebieten mit dem Bleiakkumulator erfolgreich
konkurrieren.
Der ~Zink-Nickel-Sammler~ ist einstweilen nur von theoretischem
Interesse und soll nur der Vollständigkeit halber erwähnt werden. Analog
wie die Nickelplatten des Edison-Akkumulators lassen sich Masseplatten
aus Zink herstellen. Der Masse wird Graphit und Pottasche zugesetzt,
ersterer verhindert, daß der bei der Ladung sich bildende Zinkschwamm
zusammensintert, die Pottasche löst sich, und es bilden sich Hohlräume,
die beim Quellen der Masse Platz gewähren.
[113] E. T. Z. 1905 S. 301.
[114] Letzteres ist für zweiwertiges Blei 103,2, für zweiwertiges
Nickel nur 29,3.
[115] S.: A. ~Kammerhoff~. Der Edisonakkumulator. Berlin, 1910.
[116] E. T. Z. 1905, S. 756.
[117] Zeitschr. für Elektrochemie 1908, Nr. 21.
[118] Zeitschr. für Elektrochemie 1906, S. 463 oder E. T. Z. 1906, S.
999.
[119] E. T. Z. 1905, S. 756.
[120] Aus der aktiven Masse werden kleine Briketts von etwa 1 mm Dicke
hergestellt.
[121] Siehe Elektrische Kraftbetriebe und Bahnen, 1910, Nr. 23
(Kammerhoff) oder E. T. Z. 1910, S. 404.
[122] Siehe The Electrical Times, 1910 (17. Nov.).
[123] Man vergleiche die Vorschriften über Ladung, Entladung usw.
[124] Für die neueste Type werden 30 Wattstunden pro 1 kg Totalgewicht
angegeben. Siehe E. T. Z. 1910, S. 404.
[125] Ohne Holzkasten oder dgl.
[126] Über die neueste Type (s. S. 159) liegt noch zu wenig
Beobachtungsmaterial vor.
[127] E. T. Z. 1908, S. 1232.
[128] Zentralblatt für Akkum. u. Galvanotechnik 1908, S. 49.
Neuntes Kapitel.
Die Verwendung der Akkumulatoren.
Die Verwendung der Akkumulatoren ist eine so vielseitige, daß es ganz
ausgeschlossen ist, sie in diesem kleinen Werkchen auch nur einigermaßen
erschöpfend zu behandeln.
1. Am wichtigsten ist die ~Verwendung~ der Akkumulatoren ~in
elektrischen Anlagen~. Wir beschränken uns hier auf den einfachsten
Fall, nämlich auf die ~Zweileiteranlage~, bei der die Batterie parallel
zur Dynamo geschaltet wird. Machen wir uns zunächst klar, welchen
~Nutzen~ die Verwendung ~der Akkumulatoren~ gewährt. Eine Lampe brennt
nur dann ruhig, wenn die Potentialdifferenz zwischen den
Zuleitungsdrähten konstant ist. Bei reinem Maschinenbetrieb ist es aber
ganz unmöglich, in einer Anlage mit stark schwankendem Konsum die
Klemmenspannung der Dynamo konstant zu halten[129]. Ist nun eine
Akkumulatorenbatterie parallel zur Dynamo geschaltet, so werden durch
sie die Schwankungen ausgeglichen, so daß die Lampen ein gleichmäßiges
Licht ausstrahlen. Ja, man kann, wenn man Akkumulatoren zu Hilfe nimmt,
Kraftmaschinen benutzen, die an und für sich nicht sehr regelmäßig
laufen, z. B. Wasserräder. Sodann ermöglichen die Akkumulatoren eine
ökonomische Ausnutzung der Maschinen. Bekanntlich nämlich arbeiten
Dampfmaschinen und Dynamos mit dem günstigsten Wirkungsgrade, wenn sie
voll belastet sind. Ist nun der Konsum gering, so kann die Dynamo Strom
an die Batterie abgeben; wird die Netzbelastung so groß, daß ~eine~
Dynamo zu stark belastet sein würde und ~zwei~ zu schwach, so gibt die
Batterie so lange Strom ab, bis es sich lohnt, die zweite Dynamo in
Betrieb zu setzen. In den frühen Morgen- und späten Abendstunden ist die
Energieabgabe der Zentrale meistens so gering, daß eine Dynamomaschine
verhältnismäßig schwach belastet sein würde. Man überträgt dann der
Batterie die Stromlieferung. Hierdurch wird nicht nur eine nicht
unbedeutende Ersparnis an Betriebsmaterial, sondern auch eine einfachere
und billigere Bedienung ermöglicht.
Bei kleineren Anlagen können die Akkumulatoren im Sommer die Speisung
der Lampen usw. eventuell ganz übernehmen.
Die stete Bereitschaft der Akkumulatoren kann endlich unter Umständen
von großem Nutzen sein (Reparaturen an Maschinen usw.). Durch die
Batterie wird also die ~Betriebssicherheit~ bedeutend ~erhöht~, sie
bildet die letzte, aber durchaus zuverlässige Reserve.
Der Umstand, daß sich die Spannung des Akkumulators sowohl während der
Entladung als auch besonders während der Ladung ändert, bedingt die
Anwendung eines besonderen Apparates, des ~Zellenschalters~. Da während
der Entladung die Klemmenspannung der Elemente langsam sinkt[130], so
muß man, wenn die Spannung in der Zentrale möglichst auf konstanter
Höhe gehalten werden soll, von Zeit zu Zeit eine der in der Reserve
stehenden Zellen zu den bereits an der Stromlieferung beteiligten
hinzuschalten. Bei 110 Volt z. B. genügen bei Beginn der Entladung etwa
55 Elemente, ist die Spannung jeder Zelle bis zu 1,97 Volt gesunken, so
fehlen ca. 1,8 Volt, so daß die Zelle Nr. 56 hinzugeschaltet werden
muß. Da man bis zu etwa 1,8 Volt entlädt, so sind 61 Zellen
erforderlich[131], von denen die 6 letzten als Schaltzellen dienen.
Diese werden natürlich nicht so stark beansprucht wie die Elemente 1 bis
55. Wird nun geladen, so fangen die Schaltzellen früher an zu gasen und
müssen abgeschaltet werden.
[Illustration: Fig. 30.]
Derjenige Apparat, der es ermöglicht, nach Bedarf Zellen ab- oder
hinzuzuschalten, ist der ~Zellenschalter~. Das Prinzip desselben soll an
der Hand der Fig. 30 erläutert werden. Die 6 letzten Zellen der Batterie
sind mit I, II bis VI bezeichnet und durch Drähte mit den Kontaktstücken
_c_₁ bis _c_₆ des Zellenschalters verbunden. Diese und ebenso der
drehbare Schleifkontakt _H_ sind auf einer gut isolierenden Unterlage
montiert. Die Nutzleitung ist mit dem positiven Pole der letzten Zelle
und mit dem Hebel verbunden. Befindet sich _H_ in der Lage _1_, so
fließt der Strom durch die Nutzleitung, die Lampen _L_, nach _a_, über
_c_₂ zum negativen Pole der Schaltzelle _II_. Die mit _III_ bis _VI_
bezeichneten Elemente sind also an der Stromlieferung nicht beteiligt.
Dreht man _H_ in die Lage _2_, so sind alle Zellen eingeschaltet.
Soll der Strom während des Hinzu- oder Abschaltens einer Zelle nicht
unterbrochen werden, so muß der Hebel _H_ den folgenden Kontakt schon
berühren, bevor er den vorhergehenden verläßt.
Liegt nun _H_ beispielsweise zugleich auf _c_₂ und _c_₃, so ist die
Zelle _III_ kurz geschlossen; denn ihr positiver Pol ist durch die nach
_c_₂ und _c_₃ gehenden Verbindungsdrähte, durch den Hebel und die beiden
erwähnten Kontaktstücke mit dem negativen Pole verbunden. Durch den
Kurzschluß kann die Zelle Schaden leiden. Um den Übelstand zu
beseitigen, schaltet man zwischen die Kontaktstücke _c_₁, _c_₂ usw.
kleinere Kontaktstücke _a_, _b_, _c_ usw., die sogenannten
Zwischenkontakte, und verbindet, wie es aus der Fig. 31 zu ersehen ist,
die Zwischen- und die Hauptkontakte durch Widerstände _w_. Natürlich
darf jetzt der Schleifkontakt nicht so breit sein, daß er zwei
Hauptkontakte, z. B. _c_₁ und _c_₂, gleichzeitig berührt.
[Illustration: Fig. 31.]
Bei der durch unsere Figur angedeuteten Anordnung muß für jede
Schaltzelle ein besonderer Zwischenwiderstand vorgesehen werden. Man
kommt aber mit einem Zwischenwiderstand aus, wenn man den Schleifkontakt
_H_ (Fig. 30) der Länge nach halbiert und die gegeneinander isolierten
Hälften durch einen Widerstand (eine Drahtspirale) miteinander
verbindet. Die Zwischenkontakte _a_, _b_, _c_ usw. der Fig. 31 können
bei dieser jetzt meistens benutzten Anordnung in Wegfall kommen. Um aber
eine ganz ebene Schleiffläche für die Kontaktbürste zu erzielen, legt
man zwischen die Kontaktstücke Scheiben aus Glas oder Schiefer.
[Illustration: Fig. 32.]
Ein solcher Einfachzellenschalter ist in Fig. 32 abgebildet.
~Schaltung.~ In Fig. 33 ist die Parallelschaltung mit
Einfachzellenschalter schematisch dargestellt. Die Batterie kann nicht
gleichzeitig Strom aufnehmen und abgeben. Während der Ladung hat die
Maschine _D_ eine höhere Spannung als die normale, die wir zu 110 Volt
annehmen wollen. Dem Zellenschalterhebel _h_ gibt man eine solche Lage,
daß die Spannung der zwischen ihm und dem Punkte _e_ liegenden Zellen
110 Volt beträgt, die Lampen _L_ also mit normaler Spannung brennen. Der
von der Maschine kommende Strom teilt sich an dem Schleifkontakte _h_
des Zellenschalters; durch die Zellen, die rechts von dem Schalthebel
(zwischen _h_ und _d_) liegen, fließt also der ganze Maschinenstrom,
durch die anderen Elemente die Differenz zwischen diesem Strome und dem
durch die Lampen gehenden. Die zuerst erwähnten Zellen sind also früher
geladen (auch aus dem Grunde, weil sie bei der Entladung weniger stark
beansprucht wurden). Da sie aber nicht abgeschaltet werden können, so
müssen sie so lange Strom aufnehmen, bis die übrigen Zellen vollgeladen
sind. Dies hat zwei Nachteile; erstens ist hierdurch ein nicht
unbedeutender Arbeitsverlust bedingt, zweitens ist das jedesmalige
Überladen den Elementen schädlich. Daher ist der Betrieb mit
Doppelzellenschalter vorzuziehen.
[Illustration: Fig. 33.]
Die Anzahl der Schaltzellen ist bei der Schaltung nach Fig. 33 eine
große. Sind z. B. bei 110 Volt 61 Zellen vorhanden, und rechnen wir als
Endspannung einer Zelle bei der Ladung 2,75 Volt, so dürfen gegen Ende
der Ladung nur 110 : 2,75 = 40 Elemente mit dem Netze verbunden sein; es
müssen also 21 Zellen abschaltbar sein.
Die Schaltung bei Verwendung eines ~Doppelzellenschalters~ ist in Fig.
34 dargestellt[132]. Der Betrieb gestaltet sich folgendermaßen:
a) Die Batterie und die Dynamo _D_ geben Strom ab (Parallelbetrieb).
Der Hebel _v_ des Umschalters liegt auf dem Kontakte _2_, hat also
die in der Figur angedeutete Lage; der Entladehebel _c_₁ des
Doppelzellenschalters wird so lange gedreht, bis die Spannung der
zwischen _B_ und _c_₁ liegenden Zellen gleich ist der Klemmenspannung
der Maschine. Diese wird gemessen, wenn man den Hebel des
Voltmeterumschalters auf den mit _3_ bezeichneten oder auf den zur
Leitung _4_ (oder _5_) zugehörigen Kontakt legt[133]. Ob die Batterie
Strom abgibt oder aufnimmt, erkennt man an dem Stromrichtungszeiger _R_,
der aus einer durch den Strom abgelenkten Magnetnadel besteht.
[Illustration: Fig. 34.
_D_ = Dynamo, _E_ = Automatischer Schwachstromschalter, _B_ =
Bleisicherung, _A_₁, _A_₂ = Ampermeter, _V_ = Voltmeter, _R_ =
Stromrichtungsanzeiger.]
b) ~Ladung.~ _v_ liegt auf _1_; die Meßleitung _5_ steht also jetzt mit
dem Ladehebel in Verbindung. Ehe die Maschine auf die Batterie
geschaltet wird, muß sie bis zu einer Spannung erregt werden, die etwas
höher ist als die Spannung der Batterie (siehe auch S. 94). Die
Maschinenspannung bei geöffnetem Stromkreise (der Schwachstromautomat
_E_ ist noch nicht eingeschaltet) wird gemessen, wenn man den Hebel des
Voltmeterumschalters auf den Kontakt der Leitung _4_ legt; die
Batteriespannung erhält man, wenn man _c_ auf das Kontaktstück der
letzten Zelle dreht und das Voltmeter mit der Leitung _5_ verbindet. Der
Maschinenstrom fließt durch die zwischen _c_ und _c_₁ liegenden Zellen
und teilt sich bei _c_₁, indem ein Teil durch den Entladehebel nach den
Lampen _L_, ein Teil durch die links von _c_₁ liegenden Zellen geht.
Natürlich muß _c_₁ so gedreht werden, daß die Spannung der zuletzt
erwähnten Elemente 110 Volt beträgt.
~Feststellung der richtigen Type.~ Es ist von Wichtigkeit, daß man bei
einer solchen Anlage die richtige Akkumulatorentype wählt. Um diese zu
erhalten, bestimmt man die verlangte Leistung in Amp.-Stdn. -- sie sei
_Q_ -- und die höchste vorkommende Entladestromstärke. Der Akkumulator
muß so bemessen werden, daß er mit dem Strome _J_ beansprucht werden
darf und seine Kapazität auch bei Entladung mit dem Strome _J_
mindestens gleich _Q_ ist[134]. Natürlich wählt man im Zweifel lieber
eine zu große Type.
~Pufferbatterien.~ Batterien, die den Zweck haben, die Stöße, die durch
starke und schnell wechselnde Belastungsschwankungen auf die Maschinen
ausgeübt werden, von den letzteren fernzuhalten, nennt man
Pufferbatterien. Ihre Verwendung gewährt also den Vorteil, daß die
Belastung der Dynamo eine gleichmäßigere und daher ihre Lebensdauer und
ihr Wirkungsgrad höher sind; ferner wird die Betriebssicherheit erhöht.
Von Wichtigkeit ist auch, daß, wenn eine Pufferbatterie projektiert
wird, die Maschinenanlage nicht dem nur für kurze Zeit vorhandenen
maximalen Strome, sondern dem mittleren Konsume zu entsprechen braucht.
Besonders bei elektrischen Bahnanlagen finden solche Batterien
ausgedehnte Verwendung. Hier -- zumal bei kleiner Anzahl der Wagen --
können größere Belastungsänderungen durch das Halten und Anfahren der
Wagen und durch stärkere Steigungen verursacht werden. Die
Pufferbatterie soll, wenn die Klemmenspannung der Dynamo, mit der sie
parallel geschaltet ist, bei stärkerer Zunahme der Netzstromstärke _J_
abzufallen beginnt (Ankerrückwirkung), Strom in die Leitung schicken und
Strom aufnehmen, wenn _J_ unter den normalen Betrag sinkt. Könnte die
Batterie ihre Aufgabe in vollkommener Weise erfüllen, so würden Dynamo
und Dampfmaschine stets gleichmäßig belastet sein und mit dem
günstigsten Wirkungsgrade arbeiten.
Soll die Batterie nur die Belastungsschwankungen ausgleichen, so gibt
sie im Laufe eines Tages ungefähr so viel Strom ab, wie ihr zugeführt
wird; wählt man die Batterie so groß, daß sie im Notfalle eine oder
mehrere Maschinengruppen vertreten kann, oder regelmäßig bei schwachem
Konsume den Strombedarf deckt, so wird sie zur ~Kapazitätsbatterie~.
Das Verhalten einer Pufferbatterie während des Betriebes erfordert ein
eingehendes Studium, da eine ganze Reihe von Momenten zu berücksichtigen
ist; hier können nur einige Andeutungen Platz finden. Daß die Dynamo mit
konstantem Strome arbeitet, ist ganz ausgeschlossen. Denn wenn das der
Fall wäre, so wäre ihre Klemmenspannung ebenfalls konstant, und dann
könnte die Batterie weder Strom aufnehmen noch Strom abgeben. Die
Spannung der Dynamo ~muß~ sich also mit der Belastung ändern. Wenn z. B.
der Verbrauchsstrom wächst, so muß zunächst die Klemmenspannung der
Dynamo abfallen, diese aber sinkt erst dann, wenn die Maschine einen
stärkeren Strom abgibt[135].
Die Pufferwirkung ist, was die Batterie anbelangt, abhängig von dem
Spannungsabfall bei Stromabgabe und von dem Spannungsanstieg bei
Stromzufuhr, und zwar nicht nur dem dem inneren Widerstande
entsprechenden, sondern vor allem dem durch die Änderung der
elektromotorischen Kraft verursachten. Dieser letztere Teil hängt von
der Stromdichte und der Geschwindigkeit ab, mit der sich die
Konzentration der Säure in den Poren der wirksamen Masse ändert, also
von der Plattenkonstruktion und von der Porosität der aktiven Masse.
Auch die Dauer der Entladung und der Ladezustand der Zellen spielen eine
Rolle. Eine Zelle, die fast bis zur Gasentwicklung geladen ist, verhält
sich, wenn man zur Entladung übergeht, anders wie eine Zelle, die nahezu
erschöpft ist[136]. Bei größerer Stromaufnahme steigt die
Klemmenspannung eines ~Akkumulators~ schnell, mag das Element fast
entladen oder nahezu voll geladen sein (man vergleiche die Kurve Fig. 35
mit derjenigen in Fig. 7 a. S. 81).
[Illustration: Fig. 35.]
Am ungünstigsten dürften die Verhältnisse liegen, wenn sich an eine
Periode schwachen Konsums, in der die Batterie Strom aufnimmt, sofort
eine Periode stärkeren Stromverbrauchs, verbunden mit Stromabgabe
seitens der Batterie, anschließt; denn es wird dann in ganz kurzer
Zeit auch bei geringer Stromabgabe die Zellenspannung stark abfallen.
Soll die Batterie dauernd ihre Kapazität behalten, so muß sie in jeder
Woche (nach den Vorschriften der Akkum. Fabr. Akt.-Ges.) zweimal
mindestens mit ihrer halben Kapazität beansprucht werden, außerdem muß
sie täglich bis zu 2,75 Volt pro Zelle geladen werden. Sieht man von
dieser umständlichen Behandlung ab, so erfolgt geringe Sulfatierung, die
Batterie wird dann in irgend einem Bedarfsfalle nicht die volle
Kapazität abzugeben in der Lage sein, jedoch immer noch allen
praktischen Anforderungen gerecht werden.
Die Entladung darf mit der der einstündigen Beanspruchung entsprechenden
Stromstärke geschehen. Die Kapazitäts-Batterie soll möglichst oft zur
Arbeitsleistung herangezogen werden und täglich morgens vor Beginn des
Maschinenbetriebes und abends nach Stillsetzen der Maschinen zur
Stromabgabe benutzt werden.
Um die Pufferwirkung, die an und für sich wegen der schnellen
Änderungen der elektromotorischen Kraft nicht in befriedigender Weise
erfolgt, zu erhöhen, hat man besondere Schaltungen ersonnen. Eine
häufig angewandte Anordnung besteht in der Verwendung der ~Piranischen
Pufferzusatzmaschine~. Diese wird durch einen Elektromotor angetrieben
und hat 2 Magnetwicklungen. Die eine, mit hohem Widerstande, ist mit den
Polen der Akkumulatorenbatterie verbunden, die zweite, von geringem
Widerstand, ist einem vom Netzstrome durchflossenen Widerstande parallel
geschaltet. Die beiden Ströme wirken im entgegengesetzten Sinne
magnetisierend. Der normale Netzstrom sei J und der augenblickliche J¹.
Ist J = J¹, so heben sich die beiden Erregerströme auf, die
Zusatzmaschine entwickelt keine Spannung, und der Akkumulator gibt
keinen Strom ab. Ist J¹>J, so hat die Maschine eine Spannung, die sich
zu derjenigen der Batterie addiert, so daß sie Strom abgibt, etc.
Auch bei ~Drehstrom~ gelangen Akkumulatorenbatterien zum Puffern
zuweilen zur Anwendung[137]. Man kann an das Netz einen Motorgenerator,
d. h. einen Drehstrommotor, der eine Gleichstrommaschine antreibt, oder
einen Drehstrom-Gleichstrom-Umformer anschließen. Die Gleichstromseite
ist mit einer Batterie parallel geschaltet. Wenn nun in der Zentrale die
Umdrehungszahl der Drehstromdynamo sinkt, so sinkt auch diejenige des
Motors bezw. Umformers, die Gleichstrommaschine hat niedrige Spannung
und die Batterie gibt Strom ab. Der Umformer wird durch Gleichstrom
angetrieben und wirkt als Drehstromgenerator, d. h. er gibt Strom an das
Netz ab. Umgekehrt nimmt die Batterie Strom auf, wenn sich die
Umdrehungszahl der Motordynamo erhöht. Die Anordnung ist besonders dann
am Platze, wenn der Kraftbedarf sehr stark schwankt, wie es z. B. bei
Fördermaschinen in Bergwerken der Fall ist.
~Umwandlung der Spannung.~ Bei großen elektrischen Anlagen benutzt man
zuweilen auch Akkumulatorenbatterien, um die hohe Netzspannung in
niedrigere Gebrauchsspannung umzuwandeln. Nehmen wir z. B. an, daß man
Bahnstrom von 600 Volt einer an der Bahnstrecke gelegenen Gemeinde für
die Speisung von Lampen von 110 Volt zuführen will. Man kann dann an dem
betreffenden Orte etwa 220 Zellen, die in Reihe geschaltet sind, durch
den Bahnstrom direkt oder durch eine Motordynamo laden, die durch den
Bahnstrom angetrieben wird. Bei der Entladung bildet man aus der großen
Batterie Gruppen, die parallel geschaltet werden.
~Akkumulatorenwagen~ für Bahnbetrieb. In den letzten Jahren sind wieder
vielfach Versuche mit Akkumulatoren-Triebwagen gemacht worden. Diese
sollen dem Zwecke dienen, auf Haupt- und Nebenbahnen, wo ein genügendes
Bedürfnis vorhanden ist, einen Zwischenverkehr neben den großen
durchgehenden Hauptzügen zu ermöglichen (Vorortverkehr, Anschluß an
Stationen, wo Schnellzüge halten usw.). Nach dem Entwurf des Geheimen
Baurats ~Wittfeld~ sind für die preußischen Staatsbahnen
Akkumulatoren-Doppelwagen[138] ausgeführt worden. Ein solcher besteht
aus zwei kurzgekuppelten zweiachsigen Einzelwagen, von denen jeder in
einem Vorbau mit einer Achse eine Akkumulatorenbatterie enthält. Diese
besteht aus 168 Zellen mit 368 Amp.-Stdn. Kapazität. Die Wagen können
ca. 100 km mit voller Belastung zurücklegen. Lötverbindungen sind
vermieden, so daß man die einzelnen Teile (Hartgummikästen) leicht
herausnehmen kann (Akk.-Fabrik, Akt.-Ges.). Auf pfälzischen Bahnen sind
seit längerer Zeit mit Akkumulatorenwagen so günstige Erfahrungen
gemacht worden, daß eine größere Anzahl von Wagen in Auftrag gegeben
wurde.
~Elektromobile.~ An die Batterien für Elektromobile werden besondere
Anforderungen gestellt: Möglichst geringes Gewicht pro Einheit der
Leistung, ohne daß die Lebensdauer zu sehr herabgesetzt wird (siehe S.
164), große Widerstandsfähigkeit gegen mechanische Erschütterungen, die
während der Fahrt oft recht stark sein können, Unempfindlichkeit gegen
Überlastungen (Anfahren etc.), möglichst geringe Raumbeanspruchung. Für
jede Tonne Gewicht, das zu bewegen ist, ist eine gewisse Zugkraft nötig
(13-30 kg), die man als Traktionskoeffizient bezeichnet. Dieser hängt
von verschiedenen Umständen ab: von der Bereifung (Vollgummi, Pneumatik,
Eisen), von dem Totalgewichte selbst, vor allem von der Beschaffenheit
und dem Zustande der Straßen. Ein Personen-Elektromobil erfordert etwa 3
PS. bei 20 km Geschwindigkeit einschl. Energie-Verlust im Motor und
Kontroller, der durchschnittlich etwa 25% beträgt. Da schon geringe
Steigungen recht hohe Anforderungen an die Batterie stellen, so sind in
bergischen Gegenden Elektromobile nicht am Platze. Sie kommen
einstweilen nur für Städte in Frage. (Näheres siehe ~Kammerhoff~ l. c.
S. 116, ferner seien hervorgehoben die Arbeiten von E. ~Sieg~ in der E.
T. Z. 1905, S. 311 und in E. T. Z. 1906, S. 1017.)
~Sieg~ weist nach, daß der Akkumulator für Elektromobile pro 1 kg
Gewicht mindestens 30 Wattstunden leisten muß, wenn er bei den
üblichen Geschwindigkeiten von 25-30 km in der Stunde die geringsten
Betriebskosten fordern soll. Die Platten werden in der früher
beschriebenen Weise durch gewellte Hartgummischeiben oder
Holzbrettchen gegeneinander isoliert. Die übliche Zellenzahl ist
40-44, entsprechend 110 Volt Endspannung bei der Ladung. Die
Akkumulatoren werden in Holzkästen untergebracht. Der Antrieb erfolgt
am besten durch die Vorderräder; die Motoren werden entweder
unmittelbar mit dem Rade gekuppelt oder in dieses eingebaut, oder man
kann den Motor durch Zahnradübersetzung auf die Räder wirken lassen.
Auch bei Automobilen mit Benzinmotoren finden Akkumulatoren Anwendung
und zwar für die Beleuchtung, die elektrische Huppe, als Zünderzellen
etc.
Im ~Telegraphenbetrieb~ sind die Akkumulatoren besonders dann den
Primärelementen überlegen, wenn es sich um den Betrieb langer
Kabelleitungen handelt. Bei diesen spielt die elektrostatische Kapazität
eine wichtige Rolle. Bei jedem Zeichen nämlich, das telegraphiert wird,
d. h. bei jedem Stromschluß, muß das Kabel zunächst durch die
Stromquelle geladen werden; die Ladung verläuft aber umso schneller, je
kleiner der innere Widerstand der Batterie ist. Durch Verwendung von
Akkumulatoren wird somit die Telegraphiergeschwindigkeit vergrößert. Bei
vielen Ämtern werden seit Jahren Sammler von 14 Amp.-Stdn. Kapazität
verwendet, die entweder aus Kupferelementen oder aus dem Netz des
Elektrizitätswerkes geladen werden.
Im ~Telephonbetrieb~ haben sich Akkumulatoren als Stromquellen
für die Vermittlungsämter und bei dem Vielfachsystem mit
Zentralbatteriebetrieb[139] gut bewährt. Dagegen scheinen ausgedehnte
Probeversuche, den Akkumulator als Stromquelle für die Mikrophone bei
den einzelnen Sprechstellen zu verwenden, nicht zu einem befriedigenden
Resultate geführt zu haben, indem die wegen des Mangels einer -- kaum
durchzuführenden -- genügenden Überwachung der einzelnen Elemente häufig
vorkommende Sulfatierung der Platten und die damit verbundene
Schwierigkeit der Ladung große Unterhaltungskosten verursachen[140].
Am besten dürften sich für Telephonbetrieb Akkumulatoren mit
Masseplatten bezw. Faureplatten eignen, da bei diesen die
Selbstentladung während der Ruhepausen geringer ist als bei
Großoberflächenplatten und daher auch die Gefahr, daß Sulfatierung
erfolgt (s. S. 111).
Sogenannte ~Kleinakkumulatoren~ finden zahlreiche Verwendungen, von
denen noch folgende hervorgehoben seien: Beleuchtung von Lampen in
Wagen, tragbare Lampen (Taschenlampen, Handlampen), Beleuchtung von
Treppen, Antrieb von kleinen Ventilatoren usw.
~Verwendung der Akkumulatoren im Laboratorium~ (Lehrzwecke,
therapeutische Zwecke etc.). Bei sachgemäßer Behandlung bilden die
Akkumulatoren eine Stromquelle, die allen Anforderungen in bester Weise
genügt; sie sind stets betriebsbereit, die Bedienung und Kosten sind im
Vergleich zu Primärelementen außerordentlich gering, man kann längere
Zeit nahezu konstanten und starken Strom entnehmen. Versagt ein
Akkumulator frühzeitig, so ist der Grund fast immer in Fehlern zu
suchen, die bei der Behandlung gemacht worden sind; vor allem wird oft
gegen die Vorschriften gesündigt, daß eine gewisse Stromstärke bei der
Entladung nicht überschritten werden darf, daß die Entladung nur bis zu
einem gewissen Punkte getrieben werden darf und daß zwischen Entladung
und Ladung nur eine kurze Zeit liegen soll.
Am besten werden Glaszellen verwendet, damit man das Innere besichtigen
kann. Werden die Elemente bald hier, bald dort verwendet, so stellt man
sie in mit Griffen oder Tragriemen versehene Holzkästen, deren Höhe etwa
⅔ der Höhe der Zelle beträgt, oder bei denen die Vorder- und Hinterwand
zum Teil herausgenommen sind, wie es die Fig. 36 zeigt.
[Illustration: Fig. 36.]
Damit man die Spannung leicht ändern kann, befestigt man an einer Seite
des Kastens ein Schaltbrettchen, dessen Kontaktstücke mit den Polen der
einzelnen Zellen verbunden sind. Durch Stöpsel, die man in die zwischen
den Kontaktstücken befindlichen Löcher schiebt, kann man die Schaltungen
vornehmen, z. B. kann man bei 4 Zellen auf 2, 4 und 8 Volt schalten. Zu
beachten ist, daß man nicht durch falsche Stöpselung Kurzschluß
herstellt. Bequemer ist die Verwendung eines ~Pachytrops~, einer
Einrichtung, bei der die verschiedenen Schaltungen durch Drehen einer
Walze oder eines Rades vorgenommen werden; die Herstellung von
Kurzschluß ist ausgeschlossen. In Fig. 37 ist eine Batterie aus 12
Elementen, wie sie von ~Kohl~ in Chemnitz in den Handel gebracht wird,
abgebildet. Die auf der Pachytropwalze schleifenden federnden
Kontaktstreifen sind mit den Polen der Elemente durch Drähte verbunden,
die durch Klemmen festgehalten werden, so daß man jedes einzelne
Element zwecks Besichtigung leicht aus dem Kasten heben kann.
[Illustration: Fig. 37.]
Für kleine Batterien, die nur selten ganz entladen werden, sind
Faure-Platten (als positive und negative) den Großoberflächenplatten
vorzuziehen, da bei ersteren die Selbstentladung und daher auch die
Gefahr, daß Sulfatierung eintritt, geringer ist als bei letzteren. Zu
beachten ist auch, daß die Zellen zuweilen ganz entladen werden müssen
(s. Kap. 7). Werden die Akkumulatoren oft transportiert, so fällt leicht
aktive Masse heraus, durch die ein Kurzschluß bewirkt werden kann. Es
empfiehlt sich daher, bei solchen Zellen den Plattenabstand reichlich
groß zu wählen.
Für viele Untersuchungen, z. B. über die Bewegung der Elektrizität durch
Gase, sind ~Hochspannungsbatterien~ die besten Stromquellen, weil sie
bei der geringen erforderlichen Stromstärke den Elektroden der Röhre
lange Zeit konstante Spannung zuführen. Größere Verbreitung hat die
Hochspannungsbatterie nach ~Feußner~[141] gefunden. In einem auf Rollen
laufenden starken Eichenschrank befinden sich 500 kleine Elemente mit je
einer positiven und einer negativen Elektrode. Als Glasgefäß dienen
Pulverflaschen. Damit keine Säure herauskriechen und Nebenschlüsse
herstellen kann, werden die Gläser mit einer Harzschicht luftdicht
zugegossen; für die bei der Ladung auftretenden Gase wird ein besonderer
Austrittsweg (Glasröhrchen) vorgesehen. Die die einzelnen Gruppen (25
Elemente) tragenden Bretter ruhen auf 4 Porzellanglocken. Zwei
Schaltleisten aus Hartgummi mit Hartgummigriffen gestatten mit einem
Handgriff Parallelschaltung der Batterie zur Ladung mit 125 Volt oder
Hintereinanderschaltung auf 1000 Volt vorzunehmen. Die Kapazität beträgt
ca. 1 Amperstunde bei 0,1 Amp. Entladestrom.
* * * * *
Am Schlusse dieses Kapitels sei noch hervorgehoben, daß der
Bleiakkumulator selbst ein interessantes Versuchsobjekt ist. Es seien
folgende Versuche und Arbeiten erwähnt: Änderung der elektromot. Kraft
am Anfang und gegen Ende der Ladung und Entladung, Bestimmung der
Kapazität, Abhängigkeit der Kapazität von der Säuredichte, Ermittelung
des Wirkungsgrades und des Nutzeffektes, Änderung der elektromot. Kraft
mit der Säuredichte und der Temperatur (s. S. 42). Bei verschiedenen
dieser Arbeiten muß eine genaue ~Messung der elektrom. Kraft~
vorgenommen werden. Dieser wichtigen Aufgabe sollen noch einige Worte
gewidmet werden. In den meisten Fällen erhält man die gesuchte Größe mit
hinreichender Genauigkeit, wenn man die Klemmen des nicht belasteten
Akkumulators mit einem empfindlichen Voltmeter für kleine Spannungen
verbindet. Da aber solche Voltmeter einen Strom von 1/20-1/10 Amp.
verbrauchen, so macht sich bei kleinen Zellen schon die
Konzentrationspolarisation bemerkbar. Am einwandfreiesten ist die
~Kompensationsmethode nach Poggendorff~, bei der die elektromot. Kraft
bestimmt wird, ohne daß die Zelle Strom abgibt. Das Prinzip dieser
Methode ist folgendes: Es sei _B_ in Fig. 38 eine Batterie von 2 kleinen
Akkumulatoren, _W_ ein Widerstand von 4000 Ohm, _a c_ ein Widerstand von
6000 Ohm, _X_ ein Normalelement, dessen elektromotorische Kraft E_{n}
man genau kennt. Die Batterie gibt, wenn die Gleichgewichtsbedingung
erfüllt ist, d. h. wenn durch den Nebenkreis _a X G d_ kein Strom
fließt, einen Strom von E/10000 Amp. ab, wo E ihre elektrom. Kraft ist.
Mithin beläuft sich der Spannungsverlust in _a c_ auf 6000.E/10000 =
0,6.E Volt (angenähert auf 2,4 Volt). Da auf jeden Fall die elektrom.
Kraft des Normalelementes kleiner ist als 0,6.E, so gibt es zwischen _a_
und _c_ einen Punkt _d_, so daß der dem Batteriestrom entsprechende
Spannungsabfall von _a_ bis _d_ gleich E_{n} ist. Hat man diesen Punkt
gefunden, so fließt durch das Galvanoskop _G_ kein Strom. Der Widerstand
zwischen _a_ und _d_ betrage W_{n} Ohm, dann ist E_{n} = W_{n}.E/10000
Volt.
[Illustration: Fig. 38.]
Jetzt wird das Normalelement durch den Akkumulator ersetzt, dessen
elektrom. Kraft man messen will, und man sucht wieder einen Punkt
zwischen _a_ und _c_ so, daß _G_ stromlos ist; dieser sei _d′_. Der
Widerstand in _a d′_ betrage _W′_ Ohm, damit ist X = W′.E/10000.
Dividiert man diese Gleichung durch die vorige, so ergibt sich X =
E_{n}.W′/W_{n}.
In Wirklichkeit wird _G_ mit _C_ verbunden und man variiert die
Potentialdifferenz zwischen _a_ und _c_. Zu diesem Zwecke ersetzt man
den Widerstand _a c_ durch einen Stöpselrheostaten und ändert diesen so
lange, bis durch _G_ kein Strom fließt. Selbstverständlich müssen jetzt
die vorigen Gleichungen etwas umgeändert werden.
Zwischen den Punkten _a_ und _c_ muß ein großer Widerstand liegen, damit
es ausgeschlossen ist, daß das Normalelement einen stärkeren Strom
abgibt. Solche Elemente dürfen nämlich nur mit ganz schwachem Strome
(etwa 0,0001 Amp.) beansprucht werden. Dadurch, daß man auch für _W_
einen Widerstand von mehreren tausend Ohm wählt, erreicht man, daß der
Spannungsabfall in _a c_ der zu messenden elektrom. Kraft nahe kommt und
daß, bevor die elektrom. Kraft E_{n} kompensiert ist, nur ein ganz
schwacher Strom in das Element gelangen kann.
[129] Von dem Spannungsverluste in dem Netze wird abgesehen.
[130] Auch ist die Klemmenspannung von der Stromdichte abhängig. Diese
Änderung wird im Folgenden der Einfachheit halber nicht
berücksichtigt.
[131] In Wirklichkeit ist die Zahl etwas größer, da der
Spannungsverlust in der Leitung gedeckt werden muß.
[132] In der schematischen Figur ist angenommen, daß die beiden
Zellenschalter getrennte Apparate sind, so daß für jede Schaltzelle
zwei Verbindungsleitungen nötig sind. In Wirklichkeit werden die
beiden Zellenschalter zu einem Apparate vereinigt; sie haben
gemeinsame Kontaktstücke, auf denen die beiden Hebel schleifen. Man
nennt einen solchen Apparat ~Doppelzellenschalter~.
[133] Ist die Maschine abgeschaltet, so wird durch das Voltmeter bei
der gezeichneten Stellung der Hebel die Spannung der an der
Stromlieferung beteiligten Elemente gemessen.
[134] Das von ~Peukert~ (E. T. Z. 1907, S. 705) angegebene Verfahren
dürfte nur in vereinzelten Fällen anwendbar sein.
[135] Mit der Frage, in welchem Umfange die Dynamo an den
Belastungsschwankungen beteiligt ist, hat sich ~Brandt~ beschäftigt.
Siehe E. T. Z. 1899, S. 730.
[136] Nach ~Brandt~ (l. c.) ist die Pufferwirkung am günstigsten, wenn
die Zellenspannung 2,07 Volt beträgt.
[137] E. T. Z. 1906, S. 314.
[138] E. T. Z. 1908, S. 89 u. S. 943, ebendaselbst 1910, S. 272.
[139] Bei diesem System werden die einzelnen Sprechstellen vom
Vermittlungsamte aus über die Anschlußleitungen mit Strom versorgt.
[140] Näheres siehe E. T. Z. 1904, S. 838.
[141] E. T. Z. 1899 S. 632.
_Otto Wigand, Verlagsbuchhandlung m.b.H., Leipzig_
RITTERS
GEOGRAPHISCH-
STATISTISCHES
LEXIKON
über die Erdteile, Länder, Meere, Häfen, Seen,
Flüsse, Inseln, Gebirge, Staaten, Städte,
Flecken, Dörfer, Bäder, Kanäle, Eisenbahnen,
Post- und Telegraphenämter u.s.w.
Ein Nachschlagewerk über jeden geographischen Namen der Erde von
irgendwelcher Bedeutung für den Weltverkehr
Neunte, revidierte Auflage 1910
Zwei Halbleder-Bände M. 50.--
[Illustration]
Das hinsichtlich seiner Reichhaltigkeit und Genauigkeit nicht zu
übertreffende Werk enthält in etwa 400 000 Artikeln auf 2700 Seiten alle
wichtigen geographischen und statistischen Notizen, alle Postämter,
Telegraphenämter, Land- und Seeverbindungswege, Gerichtsbehörden,
Import, Export, Handelsstatistiken u.s.w. Es ist ein unentbehrliches
Nachschlagewerk für jeden Geographen, Statistiker, Volkswirtschaftler
und -- last not least -- für jeden Kaufmann.
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zu jedem Konversations-Lexikon