3. Kapitel.

Kapazität, Wirkungsgrad, Nutzeffekt, innerer Widerstand.

1. ~Kapazität.~ Unter der Kapazität eines Akkumulators versteht man

diejenige Elektrizitätsmenge, ausgedrückt in Amperstunden, die der

Akkumulator, wenn er nach Vorschrift behandelt wird, abgeben kann. Vor

allem muß der Akkumulator, wenn man seine Kapazität bestimmen will,

vorschriftsmäßig geladen werden (s. Kap. 4); ferner ist zu

berücksichtigen, daß bei der Entladung eine gewisse Stromstärke nicht

überschritten werden darf; die Entladung hat man als beendigt anzusehen,

wenn die anfängliche Spannung um etwa 10% gesunken ist.

Meistens haben die beiden Elektroden eine ungleiche Kapazität;

natürlich ist dann praktisch die Kapazität des Elementes durch

diejenige der Elektrode mit geringerer Kapazität gegeben.

Bei der gewöhnlichen Säuredichte ist die elektromotorische Kraft des

vollgeladenen Akkumulators 2,03 Volt, sodaß man mit der Entladung

solange fortfahren kann, bis die Klemmenspannung etwa 1,8 Volt beträgt

(nicht die elektromotorische Kraft, s. S. 105). Wird ein Akkumulator mit

der konstanten Stromstärke J entladen, und dauert die Entladung in dem

angegebenen Sinne t Stunden, so beträgt die Kapazität (bei t-stündiger

Entladung) J × t Amperstunden.

Da die Elektrizität, die ein Akkumulator abgibt, aus chemischer Energie

entsteht, so hängt die Kapazität von der Menge des Bleischwammes und der

Menge des Bleisuperoxydes ab, die sich in Bleisulfat umwandeln können.

Der Umsatz kann natürlich nur dort erfolgen, wo die wirksame Masse mit

Schwefelsäure in Berührung steht und wo sie Kontakt mit der Unterlage

hat. Die Tiefe, bis zu der die Stromlinien (besser gesagt: Der

Elektrolyt) in die Platten eindringen, beträgt nur Bruchteile eines

Millimeters; sie ist etwas größer, wenn sich in der aktiven Masse poröse

Substanzen befinden. Man ist daher, wenn man die Kapazität eines

Akkumulators und damit seine Leistung steigern will, darauf angewiesen,

die Oberfläche der Platten zu vergrößern. Es sei hier die Bemerkung

eingeschoben, daß man in der Technik zwischen der ~projizierten~

Oberfläche, wie sie sich durch Multiplikation von Länge und Breite

ergibt, und der ~wirksamen~, d. h. der von dem Elektrolyten benetzten

Oberfläche unterscheidet; letztere nennt man auch die ~abgewickelte~

Oberfläche. Diese beiden sind umsomehr von einander verschieden, je

poröser die aktive Masse ist, und je mehr Rippen, Zähne oder dergleichen

sich auf der Platte befinden. Ist die gesamte projizierte Oberfläche der

positiven Elektrode a dm² und die Stromstärke J Amp., so ist J/a die

~Stromdichte~, bezogen auf 1 dm².

Würde man bei Elementen für größere Leistungen nur ~eine~ positive und

eine negative Platte benutzen, so würde die Zelle unförmlich große

Dimensionen haben. Man vereinigt daher in einem Elemente fast immer

mehrere kleinere positive und negative Platten; die gleichnamigen

Platten werden durch Bleileisten miteinander verbunden (s. Kap. 7). Die

Verwendung mehrerer positiver und negativer Platten gewährt noch einen

anderen Vorteil; enthält nämlich eine Zelle nur zwei Platten (~eine~

positive und ~eine~ negative), so sind fast nur die beiden sich

gegenüberliegenden Oberflächen an der Stromlieferung beteiligt[52], es

werden also bei jeder Platte nur etwa 50% der Gesamtoberfläche

ausgenutzt. Besteht der Akkumulator aber aus einer positiven und zwei

negativen Platten, so sind von 6 Flächen nur 2 an dem chemischen Umsatze

im beschränktem Maße beteiligt, d. h. nur etwa 33⅓% usw.

Die Anzahl der negativen Platten ist immer um 1 größer als die der

positiven, wenn die Zelle mehr als zwei Platten enthält; die erste,

dritte usw. letzte Platte ist negativ. Ist also die Kapazität pro

Quadratdezimeter projizierter Oberfläche bei der negativen Platte die

gleiche wie bei der positiven, so ist die Gesamtkapazität der negativen

etwas größer als diejenige der positiven. Im Laufe der Zeit vergrößert

sich, wie später gezeigt wird, die Kapazität der Positiven im Vergleich

zu derjenigen der Negativen. Durch die angedeutete Anordnung wird also

verhindert, daß die gesamte Kapazität der Positiven von derjenigen der

Negativen später stark verschieden ist. Positive Platten werden auch aus

dem Grunde nicht als Endplatten benutzt, weil sie, einseitig

beansprucht, sich krümmen.

Die ~Kapazität~ eines gegebenen Akkumulators ~hängt~ in hohem Maße von

der ~Entladestromstärke~ ab. Bei der Entladung nämlich wird Säure für

die Sulfatbildung verbraucht, so daß stets neue Säure in die Poren der

aktiven Masse eindringen muß. Wird nun mit großer Stromdichte entladen,

so kann die für den chemischen Umsatz nötige Säure nicht schnell genug

in das Innere der Platten eindringen (hineindiffundieren), so daß die

elektromotorische Kraft, die ja von der Säuredichte abhängig ist, stark

abnimmt, obschon noch größere Mengen von Blei und Bleisuperoxyd

vorhanden sind; wenn ferner keine Schwefelsäure mehr in Berührung mit

der aktiven Masse ist, so hört der chemische Umsatz, d. h. der

stromliefernde Prozeß, auf.

Meines Erachtens spielen hier auch die Volumänderungen, mit denen der

chemische Umsatz verbunden ist, eine Rolle. Das aus 1 Gramm Blei oder

Bleisuperoxyd entstandene Bleisulfat nimmt einen größeren Raum ein als

das Blei oder Bleisuperoxyd. Während der Entladung werden sich daher

die vorhandenen Poren verengen und mit Bleisulfat ganz ausfüllen. Wird

mit schwachem Strom entladen, so verengt sich die Pore in den

verschiedenen Querschnitten nahezu gleichmäßig; bei großer Stromdichte

aber wird sie hauptsächlich an der dem Elektrolyten zugewendeten Seite

enger oder verstopft sich; die Säurediffusion wird sehr erschwert und

hört bald auf. Bei der Ladung verringert sich das Volumen der aktiven

Masse, und die Poren erweitern sich. Nach dieser Erklärung müßte die

Aufnahmefähigkeit[53] bei der Ladung (Ladungskapazität) weniger von

der Stromdichte abhängig sein als die Kapazität bei der Entladung. Die

Erfahrung zeigt, daß dies in der Tat der Fall ist.

Ferner muß man schließen, daß die ~Kapazität der Negativen in höherem

Maße von der Entladezeit~ oder von der Stromdichte bei der Entladung

~abhängig ist~ als die Kapazität der Positiven.

Denn der Unterschied im Volumen einer bestimmten Menge (z. B. 3,85

Gramm) Blei und des daraus gebildeten Bleisulfates ist größer als die

Differenz des Volumens der äquivalenten Menge Bleisuperoxyd (z. B.

4,46 Gramm) und des aus diesem entstandenen Bleisulfats.

Durch eingehende Untersuchung gelangt auch ~E. Sieg~ zu diesem

Resultate (l. c. S. 83), er findet nämlich, „daß die

Bleischwammplatten (und zwar Großoberflächen- und gepastete Platten)

bei genau gleicher „absoluter‟ Kapazität, d. h. derjenigen Kapazität,

die von den Platten geleistet werden kann, wenn die Entladestromstärke

sehr klein gewählt wird, gegen Erhöhung der Beanspruchung

empfindlicher sind als Superoxydplatten‟. Daraus würde sich dann der

Schluß ergeben, daß bei Akkumulatoren, die mit großer Stromdichte

entladen werden sollen, die absolute Kapazität der negativen Platten

größer zu wählen ist als diejenige der positiven.

~Dolezalek~ folgert aus dem Umstande, daß die Konzentrationsänderungen

an der Superoxydelektrode erheblich größer sind als an der

Bleischwammelektrode (weil an ersterer auch Wasser gebildet wird), daß

die Kapazität der Superoxydelektrode geringer sein muß als die einer

aus gleicher Paste formierten Bleischwammplatte (l. c. S. 86). Wenn

demnach die Konzentrationsänderungen allein maßgebend wären, so müßte

die positive Platte die empfindlichere sein.

Man kann weiter schließen, daß die Kapazität von der Porosität der

aktiven Masse abhängig sein wird, besonders bei Entladungen mit großer

Stromdichte. Auch die Dicke der Schicht, in der sich der chemische

Umsatz vollzieht, spielt eine Rolle.

Da ferner bei der Ladung die Substanzen gebildet werden, die sich bei

der Entladung in Bleisulfat umwandeln, so ist es selbstverständlich, daß

die Art der vorhergegangenen Ladung auf die Kapazität einen Einfluß

ausübt. Je geringer die Stromdichte bei dieser Ladung war, um so mehr

Bleischwamm ist auf der negativen Platte vorhanden und um so mehr PbO₂

auf der positiven.

Bei stationären Akkumulatoren (Beleuchtungsanlagen) geht man in der

Regel nicht unter dreistündige Entladezeit herab. Nennt man die

Kapazität bei dreistündiger Entladung c₃ und die bei zehnstündiger c₁₀,

so gilt meistens mit großer Annäherung die Beziehung c₃ : c₁₀ = 26 : 35

oder ungefähr = 3 : 4.

~Schröder~[54] gelangte auf Grund von Untersuchungen an Akkumulatoren

der Akkum.-Fabrik Akt.-Ges. Hagen i. W. zu der Formel

K · ∛J² = m,

wo K die Kapazität in Amperstunden, J die Entladestromstärke und m

eine für den betreffenden Akkumulator charakteristische Konstante ist.

Für die meistens in der Praxis vorkommenden Intervalle von J liefert

die Formel hinreichend genaue Werte. -- C. ~Liebenow~ fand, daß für

schwache Entladungen

m

K = ---------

1 + c . J

(m und c sind Konstante).

Die Akkumulatoren: ihre Theorie, Herstellung, Behandlung und Verwendung. · 第 57 / 66 题