Bei diesen Vorgängen wird

in _A_ eine gewisse Menge PbO₂ verbraucht,

in _B_ die gleiche Menge PbO₂ erzeugt,

in _A_ eine gewisse Menge Pb verbraucht,

in _B_ die gleiche Menge Pb erzeugt,

in _A_ bildet sich eine gewisse Menge PbSO₄,

in _B_ verschwindet die gleiche Menge PbSO₄.

Betrachten wir die beiden Akkumulatoren als ein chemisches System, so

folgt, daß sich die dem chemischen Umsatze entsprechenden Wärmetönungen,

soweit die festen Substanzen in Betracht kommen, gegenseitig aufheben.

Ferner ändert sich in beiden Akkumulatoren die Konzentration der Säure,

und zwar wird sie in _A_ geringer und in _B_ größer. Die Änderungen der

Säuredichte kann man sich nun auch in der Weise vollzogen denken, daß

aus _A_ Schwefelsäure nach _B_ und aus _B_ Wasser nach _A_ befördert

wird. Diese Transporte (die Wegnahme bezw. der Zusatz von Flüssigkeiten)

sind mit einem Arbeitsgewinn verbunden. Es ergibt sich dies aus

folgenden Betrachtungen.

Wenn man in Wasser Schwefelsäure gießt, so wird Wärme frei, und zwar ist

die Wärmeentwickelung bei der Mischung von a Grammolekül[37]

Schwefelsäure und b Grammolekül Wasser nach Thomson

a . b

w = --------- . 17860 cal.

1,8 a + b

Nehmen wir an, daß wir 1 Mol Schwefelsäure nicht auf einmal, sondern in

kleinen Quantitäten nach und nach dem Wasser zusetzen, etwa jedesmal 1

Gramm; es wird dann keineswegs bei jedem Zusatz die gleiche Wärmemenge

frei, sondern zuerst eine größere als später. Es folgt dies schon aus

dem Umstande, daß keine Wärme entwickelt wird, wenn man zu

konzentrierter Schwefelsäure reine Schwefelsäure gießt. Wird umgekehrt

einer Schwefelsäurelösung Schwefelsäure entzogen, so wird Wärme

gebunden, und zwar ist die (negative) Wärmetönung um so kleiner, je

größer die Konzentration der Säure ist. Nennen wir also die

Wärmeentwickelung, die der Beimischung von a Gramm Schwefelsäure zu der

Säure des Akkumulators _B_ entspricht, q₁, und den Wärmeverbrauch bei

der Wegnahme von a Gramm Schwefelsäure aus _A_ q₂, so ist q₁>q₂. Für die

Wärmeentwickelung und den Wärmeverbrauch, mit der die Beimischung und

Entnahme des Wassers verbunden ist, gilt das Umgekehrte wie eben. Die

Wärmetönung des stromliefernden Prozesses besteht also aus vier Posten,

von denen zwei positiv und zwei negativ sind.

Wollen wir die Helmholtz’sche Relation (s. S. 19) auf das System,

bestehend aus den beiden gegeneinander geschalteten Akkumulatoren,

anwenden, so haben wir für e die Differenz der beiden elektromotorischen

Kräfte (ΔE) zu setzen; die in der Gleichung mit c bezeichnete Größe ist

nicht etwa der Temperaturkoeffizient eines der beiden Akkumulatoren,

vielmehr hat c in dem vorliegenden Falle folgende Bedeutung. A sowohl

wie B möge um 1° Celsius erwärmt werden, dann nimmt ΔE einen etwas

anderen Wert an, der neue Wert sei ΔE′. Es ist dann

c = ΔE′ - ΔE.

Da man die Temperaturkoeffizienten des Akkumulators für die

verschiedenen Säuredichten kennt, so kann man den

Temperaturkoeffizienten des Systems und somit auch ΔE bestimmen. Es sind

also alle Größen zur Berechnung der elektromotorischen Kraft (ΔE) mit

Hilfe der Helmholtz’schen Gleichung bekannt.

Von der Besprechung des anderen Weges, den Dolezalek angibt, die

Änderung der elektromotorischen Kraft mit der Säuredichte zu berechnen,

soll abgesehen werden. Aus der folgenden Tabelle ist zu ersehen, wie

groß die Übereinstimmung zwischen Rechnung und Messung ist.

Elektromotorische Kraft

Säuredichte berechnet gemessen

1,553 2,39 Volt 2,355 Volt

1,420 2,25 „ 2,253 „

1,266 2,10 „ 2,103 „

1,154 2,06 „ 2,008 „

1,035 1,85 „ 1,887 „

Der Berechnung der elektromotorischen Kraft des Akkumulators bei

verschiedenen Konzentrationen der Säure liegt die Annahme zugrunde, daß

der Verbrauch an Schwefelsäure und die Bildung von Wasser in einer

unserer Reaktionsgleichung entsprechenden Weise erfolgt. Die gute

Übereinstimmung zwischen den berechneten und den gemessenen Werten der

elektromotorischen Kraft kann daher als ein weiterer überzeugender

Beweis für die Richtigkeit der Sulfattheorie angesehen werden.

Wir gehen jetzt auf den früher erwähnten Einwand gegen die Sulfattheorie

näher ein. Nach dieser wird bei der Ladung des Akkumulators an beiden

Elektroden Bleisulfat zersetzt und Schwefelsäure gebildet, und zwar

entsteht die Säure sowohl an der Oberfläche der Platten als auch in den

Poren der ~aktiven Masse~[38]. Die an den Plattenoberflächen entstandene

Säure sinkt, wie man an der sogenannten Schlierenbildung gut erkennen

kann, langsam zu Boden. Da aber während der Ladung fortwährend

Schwefelsäure entsteht, so ist jede Elektrode in eine sehr dünne

Schwefelsäureschicht eingehüllt. Ferner füllt sich kurze Zeit nach

Beginn der Ladung jede Pore der aktiven Masse mit stark konzentrierter

Säure; diese wird in den Poren mechanisch festgehalten (Kapillarität)

und kann nur durch Diffusion in den Elektrolyten außerhalb der Platten

gelangen[39]. Die Diffusion aber ist ein Vorgang, der sich nur langsam

vollzieht. Die aktive Masse ist also in Berührung mit Säure höherer

Konzentration. Da aber die elektromotorische Kraft des Akkumulators mit

der Säuredichte nicht unerheblich ansteigt, so ist die Gegenspannung

während der Ladung anormal hoch (s. auch S. 82).

Die mittels des Aräometers nachweisbare Zunahme der Konzentration der

Säure (zwischen den Platten, die wir die äußere Säure nennen wollen)

hat zwar auch ein Wachstum der elektromotorischen Kraft zur Folge.

Die dieser Zunahme entsprechende Änderung der elektromotorischen Kraft

beträgt nur einige Hundertstel Volt.

Während der Entladung wird an beiden Elektroden Säure verbraucht; die

Folge ist, daß die Konzentration der Säure in den Poren der aktiven

Masse und unmittelbar an der Oberfläche stark abnimmt. Die

elektromotorische Kraft hat daher einen kleineren Wert als denjenigen,

welcher der Dichte[40] der äußeren Säure entspricht.

Der Unterschied zwischen Lade- und Entladespannung ist der Hauptgrund

für den verhältnismäßig geringen Nutzeffekt (s. S. 73). Da dieser nun

mit Hilfe der Sulfattheorie erklärt ist, so liegt natürlich kein

Widerspruch vor.

Wenn die Ladespannung deshalb größer wäre, weil die Vorgänge bei der

Ladung nicht die umgekehrten sind wie bei der Entladung, so müßte, wenn

man plötzlich von der Entladung zur Ladung übergeht oder umgekehrt, die

Spannung sich sprungweise ändern; der Versuch zeigt aber, daß dieses

nicht der Fall ist.

Falls die aus der Sulfattheorie hergeleitete Erklärung für den

Unterschied zwischen Lade- und Entladespannung den Tatsachen

entspricht, muß dieser Unterschied, wenn man mit sehr geringer

Stromdichte lädt und entlädt, verschwindend klein werden. Ein einfacher

Versuch zeigt, daß dieser Schluß der Wirklichkeit entspricht.

Ein Akkumulator von etwa 14 Amperstunden Kapazität (bei 3stündiger

Entladung) wurde mit einem Strome von 0,12 Amper geladen. Ein

Millivoltmeter von Siemens und Halske mit Vorschaltwiderstand zeigte

vor Beginn der Ladung 2,01 Volt

nach einer Ladezeit von 1 Min. 2,02 „

„ „ „ „ 15 „ 2,03 „

„ „ „ „ 35 „ 2,04 „

„ „ „ „ 45 „ 2,04 „

Wurde die Ladestromquelle abgeschaltet und dem Akkumulator sofort ein

Strom von 0,12 Amper entnommen, so sank die Spannung nur um 1-2

Millivolt. -- Zu beachten ist übrigens bei dem Versuche, daß der durch

das Ampermeter gehende Strom nur zum Teil Ladestrom ist, indem der

durch das Voltmeter fließende Strom mitgemessen wird. Bei meinem

Versuche nahm das Voltmeter 0,11 Amp. auf, so daß die Ladestromquelle

0,23 Amp. abgeben mußte.

Die bisherigen Darlegungen berechtigten zu der Aufstellung der These,

daß ~nur diejenigen Theorien, die über den Bleiakkumulator aufgestellt

sind, einer streng wissenschaftlichen Prüfung Stand halten, nach denen

der Akkumulator ein umkehrbares Element im Sinne unserer

Reaktionsgleichung~ (Seite 36) ist. -- Es sei hier darauf aufmerksam

gemacht, daß unsere Gleichung nur besagt, daß das System PbO₂ + Pb +

2H₂SO₄ bei der Entladung übergeht in das System 2PbSO₄ + 2H₂O und daß

bei der Ladung das letztere System in das erstere übergeführt wird. Auf

die Frage, wie diese Umwandlung erfolgt, gibt uns natürlich unsere

Gleichung keine Auskunft; jedoch müssen alle Vorgänge bei der Ladung

stromliefernd (primär) erfolgen, ähnlich wie es bei dem Daniell-Elemente

der Fall ist[41].

Der eben genannten Bedingung genügen die Theorie von Le Blanc und

diejenige von C. Liebenow, die wir ausführlich besprechen wollen.

~Theorie von Le Blanc.~ I. _Entladung_. ~Le Blanc~ nimmt an, daß

Bleisuperoxyd in verdünnter Schwefelsäure in geringem Maße löslich ist.

Die in Lösung gegangenen PbO₂-Moleküle bleiben aber nicht als solche in

der Flüssigkeit, sondern verbinden sich mit Wasser unter Bildung von

vierwertigen Bleiionen und Hydroxylionen:

PbO₂ + 2H₂O = Pb···· + 4OH′ (1).

Da es chemische Verbindungen gibt, in denen das Blei vierwertig ist,

so können auch vierwertige Bleiionen existieren; das Salz PbCl₄,

dessen Existenz nachgewiesen ist, wird sich sicher nach der Gleichung

Die Akkumulatoren: ihre Theorie, Herstellung, Behandlung und Verwendung. · 第 36 / 66 题