Wir müssen noch, ehe wir die Gleichung

q

E = ----- + c . T,

23070

anwenden können, den ~Temperaturkoeffizienten~ des Akkumulators kennen.

Dieser ist zuerst von ~Streintz~ experimentell bestimmt worden. Dieser

Forscher fand, daß c von der Säuredichte abhängig ist. Bei einer

Säuredichte von 1,16 erreicht er ein Maximum, dieses beträgt 0,36

Millivolt pro 1° Temperaturänderung. ~Dolezalek~ bestimmte auf

theoretischem Wege den Temperaturkoeffizienten und gelangte zu dem

Resultate, daß ~derselbe sowohl positiv wie negativ sein kann~. Bei

einer Säuredichte von 1,044 ist er[35] gleich Null, bei höheren

Konzentrationen ist er positiv, bei niedrigeren negativ. Hat die

Akkumulatorsäure die übliche Dichte, nämlich 1,18 bis 1,2 nach

beendigter Ladung, so ist c = 0,0004 Volt (angenähert).

Da bei 1,044 Säuredichte (68,6 Gramm H₂SO₄ pro Liter) c = 0, so muß bei

dieser Konzentration die Thomsonsche Regel angewendet werden. Wird also

durch unsere Gleichung (3) der chemische Umsatz richtig wiedergegeben,

so muß die elektromotorische Kraft

43350

E = ----- = 1,88 Volt sein.

23100

Mißt man die elektromotorische Kraft bei der angegebenen Säuredichte, so

findet man den Wert 1,89 Volt.

Bei der gewöhnlichen Säuredichte ist die Wärmetönung etwas kleiner als

43350 cal. Die jetzt anzuwendende Helmholtzsche Relation liefert aber

trotzdem einen höheren Wert für die elektromotorische Kraft als den

eben gefundenen (1,88 Volt), weil das Glied c . T einen Wert von mehr

als 0,1 Volt (bei 17° Celsius) hat. Der berechnete und der gemessene

Wert von E stimmen auch jetzt vorzüglich überein.

Da eine ganze Reihe von Beweisen für die Richtigkeit unserer Behauptung

beigebracht sind (s. auch S. 45), daß der Akkumulator ein umkehrbares

Element ist, in dem sich die chemischen Veränderungen nach der Gleichung

(3) vollziehen, da ferner das ganze Verhalten des Akkumulators mit der

Reaktionsgleichung im Einklang steht, so dürfte es überflüssig sein, auf

andere Theorien näher einzugehen.

Von den Gegnern der Sulfattheorie wird folgender Einwand erhoben. Wenn

bei einem umkehrbaren galvanischen Elemente der innere Widerstand sehr

klein ist, so darf die für die Ladung nötige Energie nicht oder doch nur

sehr wenig verschieden sein von der bei der Entladung entnommenen

Arbeit. Beim Bleiakkumulator ist aber das Verhältnis zwischen der

abgegebenen und zugeführten elektrischen Energie nur etwa 0,8. Diese

Tatsache dürfte mit dem Charakter der Irreversibilität unvereinbar sein.

Ehe wir zeigen, daß gar kein Widerspruch gegen die Sulfattheorie

vorliegt, daß man vielmehr mit Hilfe unserer Gleichung die Differenz

zwischen Lade- und Entladeenergie zwanglos erklären kann, wollen wir uns

beschäftigen mit der ~Änderung der elektromotorischen Kraft mit der

Säurekonzentration~[36]. Diese wurde zuerst von ~Streintz~

nachgewiesen; nach seinen Untersuchungen ist zu Anfang der Entladung

E = 1,85 + 0,917 (s - 1),

wo s das spezifische Gewicht der Säure nach der Ladung ist. Man findet

mit Hilfe dieser Gleichung, daß

für s = 1,05 E = 1,896

s = 1,1 E = 1,942

s = 1,2 E = 2,033

s = 1,3 E = 2,125

s = 1,55 E = 2,350

Diese Werte stimmen mit den durch direkte Messung gefundenen ziemlich

gut überein.

Es liegt die Frage nahe, warum man in der Praxis bei einer Säuredichte

von 1,1 bis 1,2 geblieben ist. Hier ist zu beachten, daß die

Löslichkeit des Bleisulfates bei hohen Konzentrationen stark zunimmt;

bei 1,6 Säuredichte ist sie etwa 4 mal so groß wie bei einer

Säuredichte von 1,16. Auch tritt bei höheren Säuredichten leichter

Sulfatierung ein (s. Kap. 5) und der spezifische Widerstand der

verdünnten Schwefelsäure liegt bei der üblichen Säuredichte nahe beim

Minimum, bei 1,6 ist er beinahe 3 mal so groß wie bei 1,2.

Wenn noch ein Zweifel an der Richtigkeit der Sulfattheorie bestand, so

würde dieser gehoben durch Untersuchungen von ~Dolezalek~ über die

Abhängigkeit der elektromotorischen Kraft von der Säuredichte; es ergab

sich, daß die durch Anwendung der Thermodynamik berechneten Werte

vorzüglich mit den experimentell gefundenen übereinstimmten. Der den

Berechnungen zu Grunde liegende Gedanke ist folgender:

Zwei Akkumulatoren, die wir mit _A_ und _B_ bezeichnen wollen, seien

gegeneinander geschaltet: _A_ enthalte konzentriertere, _B_ verdünntere

Lösung (s. Fig. 6). Man findet, wenn man noch ein Galvanoskop

einschaltet, daß der Akkumulator _A_ Strom abgibt. _A_ wird also

entladen und _B_ geladen.

[Illustration: Fig. 6.]

Die Akkumulatoren: ihre Theorie, Herstellung, Behandlung und Verwendung. · 第 35 / 66 题