2H + O = H₂O

rückgängig gemacht wird[21]; das wäre richtig, wenn durch den Strom erst

eine Zerlegung der Wassermoleküle in ihre beiden Komponenten bewirkt

würde. Die Tätigkeit des Stromes besteht aber darin, daß ~vorhandene~

Ionen in den atomistischen Zustand übergeführt werden; es spielen sich

also bei der Elektrolyse die den folgenden Gleichungen entsprechenden

Vorgänge ab:

2H· + 2⊖ = 2H[22]

O′′ + 2⊕ = O bezw.

2OH′ + 20⊕ = 2OH und

H + H = H₂ } Molekülbildung

O + O = O₂ }

bezw. 2OH = H₂O + O.

Wir sind gar nicht berechtigt, zu behaupten, daß die diesen Prozessen

entsprechende Energie gleich ist der Wärmetönung des Vorganges, bei dem

sich Wasserstoff und Sauerstoff miteinander verbinden[23]. Ferner haben

wir gesehen, daß bei gewissen galvanischen Elementen nicht nur die der

Wärmetönung entsprechende Energie in elektrische umgewandelt wird,

sondern auch noch Wärme, die den Substanzen des Elementes bezw. der

Außenwelt entzogen wird: dementsprechend dürfen wir ~bei der Elektrolyse

nicht erwarten, daß die Zersetzungsspannung durch die Wärmetönung allein

bestimmt sei~.

Die Helmholtz’sche Relation gilt, wie wir gesehen haben, für

umkehrbare galvanische Elemente. Ist die Knallgaskette ein umkehrbares

Element, so dürfen wir auf dasselbe die Helmholtz’sche Gleichung

anwenden. Smale fand, wie bereits bemerkt wurde, daß bei 1,1 Volt[24]

zwischen Palladiumelektroden, die bekanntlich Wasserstoff sehr stark

absorbieren, eine sichtbare Gasentwicklung stattfand. Bei mäßiger

Entladung zeigte das Gaselement bei 20° Celsius dieselbe

elektromotorische Kraft (also 1,1 Volt). Wenden wir die Helmholtz’sche

Relation an, so ergibt sich die Gleichung:

34200

1,1 = ----- + c . 293.

23070

Hieraus ergibt sich für den Temperaturkoeffizient c der Wert -0,0014.

Durch Messungen ergab sich, daß der Temperaturkoeffizient den aus der

Helmholtz’schen Gleichung gefundenen Wert hat. Die Wasserzersetzung

resp. Wasserbildung mit 1,1 Volt ist also ein reversibler Prozeß.

[1] Die Frage, welche Verbindung des Bleies mit Sauerstoff sich

bildet, ist unwesentlich. Aus dem vorhandenen Oxyde bildet die Säure

wahrscheinlich zuerst Bleisulfat, und dieses wird zu Blei reduziert.

[2] Allerdings nicht vollständig; mit wachsendem Druck wird der

Unterschied in der Durchlässigkeit immer kleiner.

[3] Schon ~Helmholtz~ hatte in seiner Faraday-Rede der Elektrizität

eine atomistische Struktur zugeschrieben. Die Elektrizitätsatome

sollen im Folgenden als ~Elektronen~ bezeichnet werden; für diese

wählen wir die Symbolen ⊕ und ⊖. Die Elektronen sehen wir als neue

einwertige Elemente an. Ein positives Elektron kann sich mit einem

negativen vereinigen zu einem Neutron ⊕-⊖.

[4] Dieses wurde von zwei schwedischen Forschern, ~Guldberg~ und

~Waage~, aufgestellt. Näheres siehe Nernst, Theoretische Chemie.

[5] Dieses oder ein anderes vorhandenes Kupfersulfatmolekül spaltet

sich elektrolytisch, so daß das SO₄-Ion neu gebildet wird. Der Effekt

ist also derselbe, als ob ein Kupferatom der positiven Elektrode, mit

Elektrizität beladen, also als Ion, in die Lösung gegangen wäre. Nimmt

man dieses an, so ist der ganze Vorgang rein primär.

[6] S. Nernst, Theoretische Chemie, 4. Aufl., S. 468.

[7] Caspari, Zeitschr. für physik. Chemie, 1899, 30, 89.

[8] Bei höherer Stromdichte (Anzahl Ampere pro 1 dm²) wächst die

Überspannung noch und erreicht ihren maximalen Wert erst, nachdem die

Elektrolyse längere Zeit in Gang gehalten worden ist. Ähnliches gilt

für die anodische Überspannung.

[9] ~Coehn~ und ~Osaka~, Zeitschr. für anorganische Chemie, 1903,

=34=, 86.

[10] Näheres s. ~H. Danneel~, Spezielle Elektrochemie, S. 44, und über

die Bildung von Überschwefelsäure ebendaselbst S. 67.

[11] ~Smale~ benutzte Palladiumelektroden, die bekanntlich die

abgeschiedenen Gase, besonders Wasserstoff in hohem Grad zu

absorbieren vermögen; er beobachtete schwache Gasentwicklung bei 1,062

Volt (~Arrhenius~, Lehrbuch d. Elektrochemie, 1901, S. 241). ~Nernst~

und ~Glaser~ (ebenso ~Bose~) konnten nachweisen, daß eine sichtbare

Gasentwicklung schon bei 1,08 Volt eintritt, wenn man eine kleine

Platinspitze als Kathode und eine große platinierte Platinplatte (eine

unpolarisierbare Elektrode) als Anode benutzt. Bei dieser Spannung

werden die Sauerstoff- und Wasserstoffionen entladen. Über den

Reststrom s. S. 14 und 29.

[12] Aus der Formel

H₂O schließen wir, daß 1 g H bindet 8 g O;

8 g O = 1 Grammäquiv. O.

HCl „ „ „ 1 g H „ 35,5 g Cl;

35,5 g Cl = 1 „ Cl.

Na(OH) „ „ „ 23 g Na ersetzen 1 g H;

23 g Na = 1 „ Na.

Aus den Formeln H₂SO₄ und ZnSO₄ schließen wir, daß 65 g Zn ersetzen 2

g H, oder daß 65/2 g Zn äquivalent sind 1 g H usw. Chemisch

äquivalente Mengen enthalten im Ionenzustand gleiche

Elektrizitätsmengen (~Faraday’sches Gesetz~). 1 Grammäquivalent

enthält im Ionenzustand 96540 Coulomb.

[13] Schichtet man z. B. über eine starke Kupferchloridlösung eine

schwache Lösung desselben Salzes und taucht in beide Lösungen

Kupferelektroden ein, so findet man, daß ein Galvanoskop, dessen

Klemmen man mit den Elektroden verbindet, einen Strom anzeigt. An der

einen Elektrode geht Kupfer in Lösung, an der anderen schlägt sich

Kupfer nieder. Die elektrische Energie entsteht hier überhaupt nicht

aus chemischer Energie.

[14] Näheres siehe ~Ostwald~, Entwicklung der Elektrochemie, Leipzig

1910.

[15] Ist t die Temperatur in Celsius-Graden, so ist 273 + t = T die

absolute Temperatur.

[16] Auch aus anderen Gründen ist das Element als Akkumulator

praktisch nicht brauchbar.

[17] _B_ = Batterie, _W_ = Kurbelrheostat, _A_ = Ampèremeter, _V_ =

Voltmeter, _An_ = Anode, _K_ = Kathode.

[18] Von einer Gaspolarisation kann beim Bleiakkumulator höchstens

gegen Ende der Ladung die Rede sein.

[19] Alle negative Ionen liefernde Elemente haben einen hohen

Lösungsdruck.

[20] Vor Stromschluß verhinderte der osmotische Druck der

Wasserstoffionen innerhalb des Elektrolyten das Eindringen der

Wasserstoffionen. -- Verschwinden aus der Säure zwei Wasserstoffionen,

so ist das Gleichgewicht gestört.

[21] Das geschieht, wenn man Wasserdampf sehr stark erhitzt.

[22] Das Wasserstoffion hat einen anderen Energieinhalt als das

Wasserstoffatom, d. h. dem oben angegebenen Prozesse entspricht eine

Wärmetönung. Diese ist allerdings im vorliegenden Falle nicht groß,

bei anderen Ionen aber hat sie bedeutende Werte.

[23] Wenn man eine Säure und eine Base, beide in wässeriger Lösung,

mischt, so verbinden sich Wasserstoff- und Hydroxylionen zu Wasser.

Beim Zusammentreten von 1 Gramm Wasserstoffionen mit der

entsprechenden Menge OH-Ionen werden 13700 cal. frei. Wir dürfen daher

annehmen, daß, wenn durch elektrolytische Dissoziation des Wassers 1

Gramm H-Ionen entsteht, 13700 cal. verbraucht werden. Diese Wärme wird

dem Wasser bezw. der Umgebung entzogen. Man ist daher eher berechtigt

zu sagen: die Wärmetönung, die der Elektrolyse des Wassers entspricht,

ist (34200-13700) cal., als zu behaupten, sie beträgt 34200 cal.

[24] Die elektromotorische Kraft, die der Bildung von Wasser aus den

Elementen, beide von ~Atmosphären~druck, entspricht, wird neuerdings

zu 1,23 Volt angegeben (siehe Handbuch der anorganischen Chemie. 2.

Band, 1. Abteilung. S. 85).

Zweites Kapitel.

Die Theorie des Bleiakkumulators.

Die ~Geschichte des Akkumulators~ beginnt mit ~Ritters~ Entdeckung der

Polarisationsströme. ~Sinsteden~ erhielt besonders kräftige

Polarisationsströme, als er statt Platin Blei benutzte. Das Verdienst

aber, die Bedeutung des Bleies für die Aufspeicherung der elektrischen

Energie erkannt zu haben, gebührt ~Planté~[25]. Seine ersten Versuche

fielen in die Mitte des vorigen Jahrhunderts, 1879 trat er mit seiner

Erfindung hervor (s. auch Kap. 6).

~Chemische Theorie.~ Zunächst soll die Stromerzeugung im Bleiakkumulator

besprochen werden, ohne daß auf die Ionentheorie Rücksicht genommen

wird, d. h. vom rein chemischen Standpunkte aus.

~Planté~ war der Ansicht, daß nur die Elemente des Wassers bei der

Ladung und Entladung an den chemischen Veränderungen, die sich an den

Elektroden abspielen, beteiligt seien. Welche Oxydationsstufe des Bleies

sich an der positiven Elektrode bildet, läßt Planté offen. Das Bild, das

er sich von den Vorgängen verschafft hat, dürfte etwa folgendes sein:

Bei der Entladung wird Bleisuperoxyd (PbO₂) durch Wasserstoff, der

durch die Zersetzung des Wassers frei wird, in eine niedrigere

Oxydationsstufe verwandelt, und Blei wird durch Sauerstoff oxydiert. Das

durch den Strom zersetzte Molekül Wasser wird an der positiven Elektrode

wieder gebildet. Mithin müßte das spezifische Gewicht der Säure während

der Entladung konstant bleiben. Die Erfahrung lehrt uns aber, daß dies

nicht der Fall ist. Die Änderungen der Säuredichte während der Ladung

und Entladung hatte Planté zwar auch beobachtet, aber merkwürdiger Weise

nicht bei der Aufstellung der Theorie verwertet.

Im Laufe der Zeit sind eine ganze Reihe von Theorien über die chemischen

Vorgänge im Akkumulator aufgestellt worden, von denen verschiedene den

Grundsätzen der physikalischen Chemie ganz und gar widersprechen. Es

soll hier nur diejenige Theorie besprochen werden, die, wie ~Dolezalek~

in seinem bekannten Werke über Akkumulatoren[26] sagt, bis auf den

heutigen Tag alle Anfechtungen siegreich bestanden hat; es ist dies die

~Sulfattheorie~, als deren Begründer die englischen Forscher ~Gladstone~

und ~Tribe~ (1883) anzusehen sind. Nach dieser Theorie bildet sich bei

der Entladung an beiden Elektroden Bleisulfat; die Vorgänge können durch

die beiden folgenden Gleichungen dargestellt werden:

+Elektrode: PbO₂ + H₂ + H₂SO₄ = PbSO₄ + 2H₂O,

-Elektrode: Pb + SO₄ = PbSO₄.

Durch Addition erhalten wir die dem ~ganzen~ stromliefernden Prozeß

entsprechende Gleichung:

PbO₂ + Pb + 2H₂SO₄ = 2PbSO₄ + 2H₂O (1).

[Illustration: Fig. 5.]

Bei der Ladung (s. Fig. 5) tritt der Strom an der positiven Elektrode in

die Flüssigkeit ein. Da der Wasserstoff mit dem Strom wandert, so wird

er jetzt an der negativen Platte frei (bei der Entladung an der

positiven Elektrode). Die Prozesse, die sich bei der Ladung abspielen,

entsprechen den folgenden Gleichungen:

+Elektrode: PbSO₄ + SO₄ + 2H₂O = PbO₂ + 2H₂SO₄

-Elektrode: PbSO₄ + H₂ = Pb + H₂SO₄.

Addiert man die beiden Gleichungen und zieht auf beiden Seiten 1 Molekül

Schwefelsäure ab, so erhält man

2PbSO₄ + 2H₂O = PbO₂ + Pb + 2H₂SO₄ (2).

Die beiden Gleichungen (1) und (2) kann man zu einer einzigen

zusammenfassen:

PbO₂ + Pb + 2H₂SO₄ ⇄ 2PbSO₄ + 2H₂O (3).

Während der Ladung wird also Wasser verbraucht und Schwefelsäure

gebildet, so daß unsere Gleichung der bekannten Tatsache Rechnung trägt,

daß die ~Säuredichte bei Stromzufuhr größer wird~; während der

~Entladung~ wird nach unserer Gleichung Schwefelsäure verbraucht und

Wasser gebildet, so daß die ~Konzentration~ der Säure ~abnimmt~.

Wir wollen zunächst die in unserer Gleichung vorkommenden Substanzen

kurz besprechen und vor allem zusehen, wieviel Gramm von jeder einzelnen

pro Amperstunde verbraucht oder gebildet werden.

Das Bleisuperoxyd hat eine braunrote Farbe. Es leitet in der festen

Form, wie es auf den Platten der Akkumulatoren vorkommt, nach

~Streintz~[27] die Elektrizität halb so gut wie Quecksilber. Der

Verbrauch pro Amperstunde kann folgendermaßen berechnet werden. Auf 2

Atome Wasserstoff, die herauselektrolysiert werden, kommt gemäß der

Gleichung

Die Akkumulatoren: ihre Theorie, Herstellung, Behandlung und Verwendung. · 第 32 / 66 题