Zn + H₂SO₄ = ZnSO₄ + H₂

dargestellt werden.

Bei der Ladung wird das Zink nicht wieder gebildet; es bildet sich

vielmehr Kupfersulfat (Kupfer geht in Lösung), und es wird auch jetzt

Wasserstoff frei:

Cu + H₂SO₄ = CuSO₄ + H₂.

Man kann also durch Elektrizitätszufuhr das Element nicht wieder in

seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzen. Nach Entnahme und darauf

folgender Zufuhr von je 96540 Coulomb ist ein Grammäquivalent Zink und

ein Grammäquivalent Kupfer in der Lösung, und zwei Grammäquivalente

Wasserstoff sind in Freiheit gesetzt, so daß also ein gewisser

chemischer Umsatz zu verzeichnen ist, für den eine Kompensation

vorhanden sein muß. Die bei der Ladung dem Element zugeführte

elektrische Energie muß größer sein als die bei der Entladung gewonnene.

Da aber die Strommenge in beiden Fällen dieselbe ist (96540 Coulomb), so

muß die Ladespannung größer sein als die elektromotorische Kraft des

Elementes. „Dies ist nur möglich, wenn durch den Transport von

Elektrizität eine elektromotorische Gegenkraft geweckt wird, d. h. wenn

das Element sich polarisiert‟. (Nernst, Theoretische Chemie.) Das

Voltasche Element, von dem die Rede war, ist ein nichtumkehrbares.

Unsere Betrachtungen über galvanische Elemente haben uns zu der

Erscheinung der ~Polarisation~ geführt, die bei der Elektrolyse der

verdünnten Schwefelsäure, von der wir ausgegangen sind, eine sehr

wichtige Rolle spielt. Bevor wir die Polarisation vom Standpunkte der

Ionentheorie betrachten, wollen wir uns Klarheit verschaffen über die

~osmotische Theorie der Stromerzeugung~. Als Ausgangspunkt diene ein

Nichtelektrolyt, und zwar wählen wir eine Zuckerlösung. Der feste

Zucker, in Wasser gebracht, hat die Tendenz, seine Moleküle in das

Wasser zu treiben (man vergleiche hiermit die Verdampfungstension). Der

osmotische Druck der bereits in Lösung gegangenen Zuckermoleküle wirkt

der ~Lösungstension~ entgegen, er sucht Zuckermoleküle auf die

Zuckerstückchen zu befördern. Solange die Lösung nichtgesättigt ist,

überwiegt der Lösungsdruck (die Lösungstension). Dieser ist also gleich

dem osmotischen Drucke einer gesättigten Zuckerlösung.

Wir haben also ähnliche Verhältnisse wie bei der Verdampfung; der

Verdampfungstension wirkt der Dampfdruck entgegen, und die Verdampfung

geht solange vor sich, bis sich die beiden Kräfte das Gleichgewicht

halten.

Nach der ~Nernstschen Theorie~ hat jedes Metall, das in Wasser oder in

eine Lösung eingetaucht wird, mehr oder weniger das Bestreben sich zu

lösen; man muß den Metallen also eine Lösungstension zuschreiben. Von

anderen Substanzen unterscheiden sich die Metalle aber wesentlich

dadurch, daß sie nicht anders als positiv geladen, d. h. in Gestalt

positiver Ionen, in Lösung zu gehen imstande sind. Man bezeichnet daher

ihre Lösungstension als ~elektrolytische~. Befinden sich in der Lösung

Ionen des betreffenden Metalles, so wirkt der osmotische Druck dieser

Ionen der Lösungstension entgegen.

[Illustration: Fig. 1.]

Das Zink hat eine außerordentlich hohe Lösungstension, sie ist größer

als der höchste erreichbare osmotische Druck der Zinkionen in

Zinksalzlösung. Taucht man daher eine Zinkstange in Zinksulfatlösung

ein, so treibt das Zink Ionen in die Lösung hinein, wie dies in Fig. 1

schematisch angedeutet ist. Infolgedessen wird das Metall negativ

elektrisch und die Flüssigkeit in nächster Nähe positiv.

Die in die Lösung getriebenen Zinkionen befinden sich in unmittelbarster

Nähe des Zinkstabes und werden von der negativen Elektrizität der

Elektrode angezogen. Wie man leicht einsieht, wirkt die elektrostatische

Anziehung („ungleichnamige Elektrizitäten ziehen sich gegenseitig an‟)

in demselben Sinne wie der osmotische Druck der vorhandenen Zinkionen

und entgegen der Lösungstension. Sie erreicht wegen des außerordentlich

kleinen Abstandes der beiden Ladungen, schon wenn ganz minimale Mengen

Zink in Lösung gegangen sind, einen außerordentlich hohen Wert. Noch ehe

wägbare Mengen Zink in Lösung gegangen sind, hat sich ein

Gleichgewichtszustand ausgebildet.

Die Lösungstension des Kupfers ist klein; sie ist kleiner als der

osmotische Druck selbst sehr stark verdünnter Kupfersulfatlösungen. Wenn

man also einen Kupferstab in Kupfervitriollösung eintaucht, so gehen,

getrieben durch den osmotischen Druck, Kupferionen aus der Lösung auf

den Kupferstab; das Kupfer wird also positiv und die Flüssigkeit negativ

elektrisch. Auch hier bildet sich bald ein Gleichgewichtszustand aus.

Das Potential macht an der Grenze Metall -- Flüssigkeit einen Sprung.

Wenn man beim Daniell-Element den Zinkstab und die Kupferelektrode

miteinander verbindet, so fließt positive Elektrizität von der Kupfer-

und negative von der Zinkelektrode weg, das Gleichgewicht an beiden

Elektroden wird gestört, so daß neues Zink in Lösung gehen und neues

Kupfer sich auf der positiven Elektrode niederschlagen kann. An der

einen Elektrode werden also positive Ionen in den Elektrolyten hinein-,

an der anderen aus dem Elektrolyten herausgedrückt.

Wir wollen jetzt annehmen, daß wir ~verdünnte Schwefelsäure zwischen

Platinelektroden elektrolysieren~. An der Kathode wird Wasserstoff frei.

Platin hat nun die Fähigkeit, Gase, besonders Wasserstoff, zu

absorbieren. Man kann sich hiervon leicht durch den Augenschein

überzeugen: Man schalte in den Stromkreis ein Amperemeter ein; obschon

dieses bei Stromschluß einen stärkeren Strom anzeigt, beobachtet man

doch nicht sofort das Auftreten von Gasblasen. Das unmittelbar nach

Stromschluß entwickelte Gas dringt in das Platin ein und zwar zunächst

in eine unendlich dünne an der Oberfläche liegende Schicht, es wird

gelöst (okkludiert). Ferner wird ein Teil des nach Stromschluß frei

gewordenen Wasserstoffs bezw. Sauerstoffs von dem Elektrolyten

absorbiert.

[Illustration: Fig. 2.]

Wir haben also, wenn der zersetzende Strom, der primäre Strom, kurze

Zeit durch den Wasserzersetzungsapparat geflossen ist, eine mit

Wasserstoff und eine mit Sauerstoff beladene Elektrode in verdünnter

Schwefelsäure vor uns, und diese Kombination ist ein galvanisches

Element, die sogen. ~Knallgaskette~. Unterbrechen wir den primären

Strom, so fließt bei der Schaltung nach Fig. 2[17] ein Strom durch das

Voltmeter (~Polarisationsstrom~). Die elektromotorische Kraft unserer

Gaskette nimmt nach Abschaltung der den Zersetzungsstrom liefernden

Stromquelle schnell ab, auch wenn man ihr keinen Strom entnimmt, indem

die von den Elektroden absorbierten Gase in die Flüssigkeit und in die

tieferen Schichten der Elektroden hineindiffundieren, sodaß die

Konzentration der Gase in den Elektroden kleiner wird.

Sobald die Elektrolyse der verdünnten Schwefelsäure beginnt, wird unser

elektrolytischer Apparat in eine Knallgaskette umgewandelt. Die

abgeschiedenen Gase haben das Bestreben, in den Ionenzustand

zurückzukehren, und es wird eine elektromotorische Gegenkraft geweckt.

Diese sucht einen Strom ins Leben zu rufen, der den Batteriestrom

bekämpft. Das Auftreten einer elektromotorischen Gegenkraft in einem

elektrolytischen Apparate nennt man ~Polarisation~[18].

Die bei der Elektrolyse des Wassers auftretende Polarisation ist von

verschiedenen Umständen abhängig, von der Natur, Gestalt, Größe der

Elektroden, von den Veränderungen, die sie während der Elektrolyse

erleiden, von den Konzentrationsänderungen des Elektrolyten an den

Elektroden, von der Stromdichte etc.

Um eine ~Gaselektrode~ zu erhalten, steckt man ein platiniertes

Platinblech von unten in ein oben geschlossenes Rohr, dessen unterer

Teil in den Elektrolyten eintaucht. Das Rohr sei mit dem betreffenden

Gase (z. B. Wasserstoff) derart gefüllt, daß sich das Platinblech zum

großen Teil im Gase befindet, zum kleinen Teile in der Flüssigkeit (Fig.

3). Das platinierte Platin absorbiert eine gewisse Gasmenge, es ist

selbst elektromotorisch nicht tätig, dient nur als Zu- und Ableiter der

Elektrizität. „Vermöge seines Lösungsvermögens für Gase kommt ihm die

Fähigkeit zu, den Übergang aus dem Gas- in den Ionenzustand und

umgekehrt ohne Hindernis zu gestatten. Eine solche Elektrode, z. B. eine

Wasserstoffelektrode, gehört, wie ~Le Blanc~ experimentell gezeigt hat,

zu der Klasse der umgekehrten Elektroden (wie Kupfer in

Kupfersulfatlösung). Dieselbe Arbeit, die wir beim freiwilligen

Übergang aus dem Gas- in den Ionenzustand gewinnen können, müssen wir

aufwenden, um den Vorgang rückgängig zu machen.‟ (Le Blanc, Lehrbuch der

Elektrochemie, S. 162.)

[Illustration: Fig. 3.]

Tauchen zwei Gaselektroden der beschriebenen Art, und zwar eine von

Wasserstoff und eine von Sauerstoff bespülte, in verdünnte Schwefelsäure

(s. Fig. 3), so erhält man eine Knallgaskette, die längere Zeit, falls

der entnommene Strom eine gewisse Stärke nicht überschreitet, eine

konstante elektromotorische Kraft hat. Der Vorgang in der Kette ist nach

~Glaser~ folgender: Die Sauerstoffelektrode sendet Sauerstoffionen in

den Elektrolyten[19]. Dort verbinden sie sich mit zwei Wasserstoffionen

zu Wasser. Das überschüssige SO₄-Ion veranlaßt zwei Atome des

okkludierten Wasserstoffs als Ionen in die Lösung zu treten[20]. Der

stromliefernde Prozeß ist also die Vereinigung von Wasserstoff und

Sauerstoff zu Wasser.

Die elektromotorische Kraft der Knallgaskette hängt von dem Drucke ab,

unter dem die Gase stehen. Von diesem Drucke hängt die Konzentration des

Gases (nicht der Ionen) in der Lösung und von dieser die Konzentration

des in der Elektrode absorbierten Gases ab; je größer aber diese

letztere Konzentration ist, um so größer wird die elektrolytische

Lösungstension des Gases, um so größer auch die elektromotorische Kraft.

Bei Atmosphärendruck beträgt die elektromotorische Kraft der

Knallgaskette etwa 1,1 Volt. Erniedrigt man den Druck, so nimmt die

elektromotorische Kraft ab; ist der Druck der beiden Gase so klein, daß

er nahezu Null ist, so hat die elektromotorische Kraft einen sehr

kleinen Wert. Schalten wir eine elektromotorische Kraft entgegen (d. h.

verbinden wir den positiven Pol einer fremden Stromquelle mit der

Sauerstoffelektrode usw.), die die elektromotorische Kraft der

Knallgaskette nur um einen ganz geringen Betrag übertrifft, so wird das

zwischen den Elektroden befindliche Wasser zersetzt.

Die ~Wasserzersetzung zwischen platinierten Platinelektroden ist daher

ein reversibler Vorgang~ oder die Knallgaskette gehört zu den

umkehrbaren Elementen.

Für den Fall, daß die Elektrolyse sichtbare Gasblasen liefert, ist die

Zersetzungsspannung, d. h. die Potentialdifferenz der beiden Elektroden,

um die anodische und kathodische Überspannung größer als die

elektromotorische Kraft der Knallgasketten (ca. 1,1 Volt). Le Blanc wies

nach, daß die Mindestspannung bei Platinelektroden 1,68 Volt beträgt.

Berücksichtigen wir, daß die elektromotorische Kraft der Knallgaskette

mit abnehmendem Drucke der beiden Gase kleiner wird, so ergibt sich das

höchst beachtenswerte Resultat, daß die zur Zersetzung des Wassers

aufzuwendende Energie von einem sehr kleinen Betrage bis zu einer

gewissen Höhe variieren kann.

Auch dann, wenn man einen Wasserzersetzungsapparat mit einer

Stromquelle verbindet, deren elektromotorische Kraft kleiner als 1,1

Volt ist, fließt, wie man an einem eingeschaltenen Galvanometer

erkennen kann, Strom durch die Zelle. Da nach Unterbrechung des

Stromes ein Polarisationsstrom nachweisbar ist, so muß eine

Elektrolyse stattgefunden haben. Man kann dies folgendermaßen

erklären: Beim Einschalten ist noch keine elektromotorische Gegenkraft

vorhanden; es fließt also Strom durch die Zelle, und es werden geringe

Mengen H und O an den Elektroden abgeschieden. Diese werden von den

unmittelbar an der Oberfläche liegenden (unendlich dünnen) Schichten

der Elektroden absorbiert, und es entsteht eine Gegenspannung. Da dann

der absorbierte Wasserstoff bezw. Sauerstoff in die tiefer gelegenen

Schichten der Elektrode und in die umgebende Flüssigkeit

hineindiffundiert, so sinkt die Gegenspannung. Würde diese Gasabgabe

nicht erfolgen, so würde bald die Gegenspannung gleich der

elektromotorischen Kraft der Stromquelle sein und der Strom

verschwinden.

Außer der Gaspolarisation kommen bei galvanischen Elementen und

bei der Elektrolyse noch ~Störungen~ in Betracht, die ~durch

Konzentrationsänderungen~ innerhalb des Elektrolyten ~verursacht~

werden.

Die beiden Ionenarten eines Elektrolyten erfahren zwar, falls sie gleich

große Ladungen haben, gleichen Antrieb in dem Felde zwischen den

Elektroden, sie haben aber, da ihre Beschaffenheit (Masse, Größe) nicht

die gleiche ist, verschiedene Widerstände zu überwinden (Hittorf).

Infolge ungleicher Wanderungsgeschwindigkeit der beiden Ionenarten wird

nun der Elektrolyt in der Nähe der einen Elektrode stärker, in der Nähe

der anderen Elektrode schwächer konzentriert.

Elektrolysiert man z. B. Kupfervitriollösung zwischen Kupferelektroden,

so wird, obschon der gesamte Gehalt an CuSO₄ unverändert bleibt, der

Elektrolyt in der Nähe der positiven Elektrode reicher und in der Nähe

der Kathode ärmer an CuSO₄; die Konzentrationsänderungen werden bei

größerer Stromdichte nach etwa 1 Stunde ohne weiteres sichtbar, wenn man

als elektrolytischen Apparat eine Röhre benutzt, deren Achse vertikal

gerichtet ist, wie es in der Fig. 4 angedeutet ist. Indirekt kann man

die Konzentrationsunterschiede dadurch nachweisen, daß man nach

Abschaltung der den Zersetzungsstrom liefernden Stromquelle die

Elektroden mit einem Galvanoskop verbindet. Die elektromotorische Kraft

der Konzentrationskette, in die sich ein elektrolytischer Apparat bei

(längerem) Stromdurchgang verwandelt, ist der elektromotorischen Kraft

der Batterie ebenfalls entgegengesetzt gerichtet.

[Illustration: Fig. 4.]

Wie sich aus den vorhergehenden Betrachtungen ergibt, ist die

Polarisation bei der Elektrolyse der verdünnten Schwefelsäure

keineswegs eine konstante Größe. Man kann sich hiervon leicht in

folgender Weise überzeugen: Man messe bei verschiedenen Stromstärken

i₁, i₂, i₃ die Klemmenspannung des Wasserzersetzungsapparates; die

gefundenen Werte seien e₁, e₂, e₃. Unter der Annahme, daß die

Polarisation konstant sei, berechne man aus je zweien der drei

Gleichungen

e₁ - e e₂ - e e₃ - e

i₁ = ------, i₂ = ------, i₃ = ------

w w w

(e = elektromotorische Kraft der Polarisation)

den Widerstand w des elektrolytischen Apparates; man erhält dann für w

Werte, die sehr verschieden sind.

Wir haben früher durch (vorläufige) energetische Berechnungen das

Resultat abgeleitet, daß die Spannung, die für die Zersetzung des

Wassers nötig ist, etwa 1,5 Volt betragen müßte; andererseits haben wir

gesehen, daß man schon bei elektromotorischen Kräften von etwa 1,1 Volt

eine Elektrolyse des Wassers beobachtet hat. Es fragt sich, wie man den

(scheinbaren) Widerspruch beseitigt. Zunächst ist zu berücksichtigen,

daß bei der Elektrolyse des Wassers keineswegs der Prozeß

Die Akkumulatoren: ihre Theorie, Herstellung, Behandlung und Verwendung. · 第 31 / 66 题