1. Mauerbiene. 2. Schlafbiene. 3. Tapezierbiene. 4. Wollbiene.]

Aber wie kommt nun die am unteren Ende sitzende Biene heraus? Ihr Ei

wurde zuerst gelegt, und sie hat acht oder zehn andere über sich. Und

da besteht nun die sonderbare Tatsache, daß die Bienen aufeinander

warten Sie werden ungefähr zur gleichen Zeit alle vollkommene

Bienen, und wenn nun eine, die unten sitzt, eher in ihrer Entwicklung

fertig ist als die anderen, so frißt sie sich durch den Deckel ihrer

Zelle und versucht sich an ihrer Nachbarin vorbeizudrängen. Aber wenn

die über ihr Sitzende so groß ist, daß sie nicht an ihr vorbei kann,

ohne sie zu beschädigen, so wartet sie geduldig, bis alle fertig sind.

Eine andere kleine Biene, die ihr oft finden könnt, ist die Schlafbiene

(vergl. bunte Tafel VI. 2). Sie führt diesen Namen, weil sie oft im

Grunde von Blüten schläft, wo ihr sie finden könnt. Sie ist dünn

und schwarz mit einem viereckigen Kopfe und starken Kinnbacken und

hat einen feinen gelben Flaum auf dem Hinterleibe. Auch sie baut in

Pfosten, aber sehr oft legt sie auch ihr Nest im Innern eines dicken

Strohhalmes an. In alten Zeiten, als man die Dorfhäuser noch mit Stroh

deckte, pflegten Hunderte von diesen Bienen in den größeren Strohhalmen

zu bauen, und man konnte sie um das Dach herumsummen hören.

Dann gibt es noch eine andere Biene, die überall zu finden ist. Es

ist die Tapezierbiene (vergl. bunte Tafel VI. 3), auch Blattschneider

genannt. Ihr habt wohl schon einmal Rosenblätter gefunden, aus deren

Kante halbmondförmige Stücke herausgeschnitten waren. Wenn ihr aufpaßt,

könnt ihr eine solche Biene bei der Arbeit sehen.

Die Tapezierbiene hat ungefähr dieselbe Größe wie eine Honigbiene,

aber einen kräftigeren Körperbau. Ihr schwarzer Körper ist mit weichen

braunen Haaren bedeckt. Sie hängt sich an das Blatt und beißt im

Weiterkriechen ein halbmondförmiges Stück aus demselben heraus. Kurz

ehe sie damit fertig ist, öffnet sie die Flügel und hält sich schwebend

in der Luft. Wenn dann der letzte Riß getan ist, fliegt sie mit dem

Blattstückchen fort, indem sie es zwischen den Füßen und den Kinnbacken

trägt.

[Illustration: Nest der Tapezierbiene in einem Baumstamm. 1. Blattstück

für die Seiten, 2. für den Boden der fingerhutähnlichen Brutzelle.]

Sie fliegt zu einem Loche in der Erde, das zuerst senkrecht

hinunterführt und sich dann wendet und unter der Oberfläche hinläuft.

Hier läßt sie den Blattabschnitt zurück und holt dann mehrere von

derselben Art. Damit baut sie eine kleine fingerhutförmige Zelle, in

die sie ein Ei legt. Sie versorgt die Zelle mit Nahrung und schließt

sie mit 3 oder 4 runden Blattstückchen. Dann beginnt sie eine andere

Zelle zu bauen, die sie etwas in die erste hineinschiebt. In dieser

Weise baut sie ungefähr sieben Zellen und legt in jede ein Ei und

versieht sie mit Bienenbrot, so daß die Larven zu fressen haben, bis

sie sich in Bienen verwandeln. Obwohl man die Bienen leicht beim

Schneiden der Blätter beobachten kann, kann man doch nicht so leicht

ihre Löcher finden, denn sie verdecken die Ausmündung mit Erde, so

daß man den Eingang nicht sehen kann. Man tut am besten, einer Biene,

die man beim Blattschneiden beobachtet hat, zu folgen; aber da sie so

schnell ist, muß man auch sehr behend sein. Manchmal macht sie auch ihr

Loch in einem Weidenbaum, wenn das Holz weich ist.

Es gibt noch eine ähnliche einzeln lebende Biene, die ihr Nest im

Stengel der Brombeere baut. Sie höhlt das Mark aus und bedeckt damit

die Zellen. Wenn man einen Brombeerzweig findet, von dem das Ende

abgebissen ist, so kann man den Versuch machen, ihn aufzuschneiden,

um zu sehen, ob ein Gang mit Bienen- oder Wespenzellen im Inneren

vorhanden ist.

[Illustration: Nest einer Mauerbiene in einem Brombeerzweige. Eine

Zelle ist aufgeschnitten und läßt eine Puppe erkennen.]

Eine andere sehr sonderbare Biene, die Wollbiene (vergl. bunte Tafel

VI. 4), polstert den von ihr gebauten Gang mit flaumigen Haaren und

wollartigen Substanzen aus, die sie von verschiedenen Pflanzen holt.

Ihr erinnert euch wohl, daß der Stengel der Kuckucksblume und des

Himmelschlüssels mit dickem Flaum bedeckt sind. Die Wollbiene streift

diesen Flaum von den Pflanzen ab, rollt ihn zu einem Ball zusammen

und fliegt damit zu ihrem im Erdboden befindlichen Neste, wo sie ihn

benutzt, um ihre Zellen daraus zu bauen.

Einsame Bienen sammeln keinen Winterhonig wie die Honigbienen. Sie

sterben alle im Herbste, einige Weibchen ausgenommen, die in Löcher

kriechen und bis zum Frühling schlafen, wo sie ihre Nester bauen und

Eier legen.

Es gibt so viele einzeln lebende Bienen, daß ich euch nicht von allen

erzählen kann. Ihr müßt selbst darauf achten, und ihr werdet bald

lernen, die kleinen Löcher in den Bäumen und im Boden zu beachten. In

einigen derselben werdet ihr sicher seltsame Geschöpfe finden.

Beobachte verschiedene Arten der einzeln lebenden Biene und versuche,

ihre Löcher im Frühling zu finden.

Lektion 9.

Honigbienen.

Honigbienen finden sich in unseren Gärten so häufig, daß ich fürchte,

die meisten Leute denken, sie kennen sie ganz genau und beachten sie

deshalb wenig. Dies ist schade, weil die Bienenzucht sehr interessant

ist, und Landleute leicht Geld damit verdienen könnten und zugleich

diese fleißigen kleinen Insekten lieben lernen würden.

Wenn alle Bienen im Stock jedesmal beim Herausnehmen der Honigwaben

getötet werden müßten, so würden wir uns kaum über unsere Bienen freuen

können. Aber jetzt kann jedermann Bienenstöcke mit beweglichen Waben

haben, die man leicht herausnehmen kann, ohne die kleinen Freunde, die

sie für uns füllen, zu vernichten.

Die Honigbiene ist ein wunderbares Insekt. Sie hat drei Paar Beine und

zwei Paar Flügel, gerade wie eine Wespe. Aber das hintere Beinpaar ist

länger als die anderen, und die Biene hat eine vertiefte Stelle auf

der Außenseite der Hinterschienen, das sogenannte Körbchen. Da hinein

packt sie Blütenstaub und trägt ihn dann nach Hause, um Bienenbrot für

ihre Larven daraus zu bereiten. Man kann oft eine Biene in den Stock

kriechen sehen, deren Hinterbeine schwer mit klebrigem Blütenstaube

beladen sind. Es scheint ein Rätsel, wie sie denselben in das Körbchen

bekommt, aber wenn man das Bein genauer ansieht, wird man finden, daß

es mit Haaren bedeckt ist, die eine kleine Bürste bilden. Wenn sie aus

einer Blüte kommt, ist ihr behaarter Körper mit Blütenstaub bedeckt;

diesen bürstet sie mit einem Beine ab, macht einen kleinen Klumpen

daraus und packt ihn in das Körbchen des anderen Beines.

[Illustration: Hinterbeine der Biene. 1. Außenseite, 2. Innenseite mit

Bürste.]

Der Mund der Biene ist zu einem sehr nützlichen Werkzeuge ausgebildet,

um Honig zu erlangen. Wenn sie nicht saugt, so ist der Rüssel unter die

starken Kiefer zurückgezogen. Aber sobald sie nach Honig sucht, wird

dieser Rüssel, dessen wichtigster Teil eine Verlängerung der Unterlippe

mit einer behaarten Zunge im Inneren bildet, in die Blüte gestoßen und

saugt den Blumennektar empor, den sie hinunterschluckt. Er gelangt in

einen erweiterten Teil der Speiseröhre, den Honigmagen, der vor dem

eigentlichen Magen der Biene liegt.

Dann fliegt sie nach dem Bienenstock zurück. Hier nehmen andere Bienen

beim Hineinkriechen den Blütenstaub aus den Körbchen; sie selbst

kriecht weiter zu den Zellen und füllt sie mit dem mitgebrachten Honig.

Ein Teil desselben wird gebraucht, um die Bienenlarven zu füttern, und

das übrige, um die Honigwaben für den Winter zu füllen.

Junge Bienen, die noch nicht ausfliegen, erzeugen das Wachs zum Aufbau

der Zellen. An der Bauchseite von vier Hinterleibsringen tritt das

Wachs in Form kleiner Schüppchen hervor. Über diesen Stellen liegen im

Innern des Hinterleibes die Wachsdrüsen, die mit dem Alter der Tiere

immer niedriger werden und dann, wenn die Bienen erst ausfliegen und

Honig einsammeln, kein Wachs mehr ausscheiden. Die alten und die jungen

Bienen teilen sich also in die Arbeit: jene tragen Honig ein, und diese

bereiten Wachs. Mit den Füßen werden die Wachsschüppchen abgenommen und

in warmem Zustande, wo das Wachs recht leicht zu formen ist, zum Bau

der Zellen verwandt.

[Illustration: Unterseite der Biene mit den 4 Paar Wachstaschen.]

In der Zeit, wo die Bienen Honig und Blütenstaub sammeln, sind sie

dem Gärtner sehr nützlich. Ihr erinnert euch, daß die Kürbisse nicht

wachsen können, wenn die Bienen nicht Blütenstaub von einer Blüte zur

anderen tragen. Unsere Pflanzen haben zahlreichere Samen und unsere

Obstbäume tragen mehr Früchte, wenn die Bienen hin- und herfliegen und

Blütenstaub von einer Blume zur anderen tragen.

Aber wenn die Biene den Honig, wie es der Zufall bringt, von einer

Art Blume zu einer anderen, d. h. fremden Art trüge, so würde dies

von geringem Nutzen sein, denn der fremde Blütenstaub würde die

Samenanlagen nicht zum Wachsen bringen. Beobachtet man aber eine Biene,

so wird man finden, daß sie selten mehr als eine Blumenart an demselben

Tage besucht. Sie pflegt von einem Veilchenbeet zu einem anderen oder

von einem Apfelbaum zu einem anderen zu fliegen. Aber sie wird während

eines Ausfluges nicht von einem Apfelbaum zu einem Birnbaum oder von

einem Veilchen zu einer Primel fliegen. Wir wissen nicht, warum sie es

so macht, aber sie nützt uns auf diese Weise sehr, und jeder Gärtner

sollte die Bienen in seinem Garten schützen.

[Illustration: Bienenstock mit einem Aufsatz aus Holzrähmchen auf dem

oberen Teile und einem Glasfenster in der Seite.]

Wollt ihr nun Bienen züchten, so müßt ihr einige einfache Regeln

beobachten. Ihr müßt immer sehr sanft und ruhig mit ihnen umgehen. Sie

werden euch bald kennen lernen und merken, daß ihr euch nicht vor ihnen

fürchtet.

Ein Bienenstock aus Stroh sollte ungefähr 45 ~cm~ breit und 25 ~cm~

hoch sein; oben ist er flach und muß eine Öffnung (s. S. 53) haben,

in der ein Pflock steckt. Man setzt diesen Bienenstock an eine warme

geschützte Stelle des Gartens auf eine hölzerne Bank ungefähr einen

halben Meter über dem Boden. Im Mai kauft man dann einen Bienenschwarm,

der gerade aus dem Stock eines Nachbars gekommen ist. Man kann den

eigenen Bienenstock im Innern mit Zucker bestreichen und hält ihn unter

den Zweig, an welchem der Schwarm hängt. Man schüttelt nun sanft am

Zweige, bis die Bienen in den Korb fallen, den man dann umdreht und am

Abend vorsichtig an die Stelle trägt, wo er bleiben soll. Am nächsten

Morgen werden die Bienen fleißig bei der Arbeit sein. Die großen

schwerfälligen Drohnen kriechen faul umher, aber die kleineren Arbeiter

werden ausfliegen und Honig sammeln oder sich im Stock aufhängen, bis

sie Wachs in ihren Drüsen haben (siehe S. 50) und anfangen können, die

Honigwabe zu bauen.

Wenn der Schwarm, den ihr eingebracht habt, der erste war, der den

Stock verließ, so wird die alte Königin, die sich in seiner Mitte

befand, bald beginnen, Eier in die Zellen zu legen: sie legt täglich

ungefähr 200. Aber ein zweiter Schwarm wird von einer jungen Königin

geführt, und diese wird mit den Drohnen ausfliegen, ehe sie im Stocke

Eier legt.

[Illustration: Tafel VII

Fliegen.

1. Blaue Schmeißfliege, ~a~) Eier, ~b~) Larven, ~c~) Puppen. 2.

Rinderbiesfliege (Dasselfliege). 3. Magenbremse des Pferdes. 4. Bremse.

5. Kohlschnake.]

Nun müssen die Arbeiterinnen sehr geschäftig sein. In zwei oder drei

Tagen kommen die ersten Eier aus und eine Anzahl der Arbeiterinnen

füttern die Larven mit Honig und Blütenstaub, den die anderen Bienen

einbringen. In ungefähr fünf oder sechs Tagen schließen sie die

Öffnungen der Zellen und die Bienenlarve spinnt ihren seidenen Kokon,

in dem sie sich in zehn weiteren Tagen zu einer Biene entwickelt. Dann

kriecht sie aus und arbeitet mit den übrigen.

Die leere Zelle wird bald mit Honig gefüllt sein; aber er ist braun,

nicht weiß und rein wie der Jungfernhonig, mit dem die Zellen gefüllt

werden, in denen noch keine Brut herangezogen wurde. Nach ungefähr

sechs Wochen legt die Königin einige Eier in größere Zellen, aus denen

männliche Bienen oder Drohnen auskriechen. Dann legt sie ungefähr alle

drei Tage ein Ei in eine fingerhutförmige Zelle am Rande der Wabe. Die

Larve darin wird mit besonders guter Nahrung gefüttert, und wird eine

Königin.

[Illustration: Bienen.

Aus dem Leben der Insekten · 第 16 / 18 题