Wenn ihr keinen Bienenstock mit einem Glasfenster habt, könnt ihr alles
dies nicht beobachten. Aber man kann annehmen, daß gegen Anfang Juni
der Stock voll von Bienen und Honigwaben ist. Dann ist es Zeit den
Pflock am oberen Ende herauszunehmen und einen Aufsatzkasten, der mit
Rähmchen versehen ist (siehe S. 51), oben aufzusetzen. In diese werden
die Bienen Waben bauen, die man fortnehmen kann. Man muß ein kleines
Stückchen Wabe hineintun, um die Bienen zum Bauen zu veranlassen, und
dann muß man das Ganze mit einem Strohkorb oder alten Tüchern bedecken,
um es warm, trocken und dunkel zu halten.
In ungefähr einem Monat wird man den Aufsatzkasten voll von Honigwaben
finden und kann ihn abnehmen. Der Honig in den Zellen dieser Waben ist
rein und klar, und man kann ihn fortnehmen, ohne eine einzige Biene zu
töten.
Im Juli bekommt man dann einen oder mehrere neue Schwärme, und wenn
dann der September naht, muß man den Aufsatz fortnehmen und die Öffnung
des Bienenstockes für den Winter verschließen. Aber man muß bedenken,
daß man einen großen Teil des Futtervorrats der Bienen fortgenommen
hat, und muß sie während der kalten Jahreszeit mit Honig und Zucker
füttern.
Untersuche drei Bienen, Männchen, Weibchen und Arbeiterin. Untersuche
Rüssel und Hinterschienen der Arbeiterinnen. Nimm ein Stück brauner
Honigwabe mit Überresten von Bienenbrot und jungen Bienen und
vergleiche es mit einer reinen Wabe. Beobachte eine Biene unter den
Blumen. Suche eine Honigwabe mit fingerhutähnlichen Zellen am Rande.
Lektion 10.
Zweiflügler.
Es gibt eine Menge von kleinen fliegenden Insekten, die zu derselben
Familie gehören wie Bienen und Wespen, wie z. B. die Blattwespe, die
unsere Pflanzen zerstört, oder die Gallwespe, die so merkwürdige Gallen
erzeugt, die wir an den Eichen und anderen Bäumen finden. Man faßt sie
zusammen unter der Ordnung der Hautflügler, und sie sind gekennzeichnet
durch vier gleichartige mit ästig verzweigten Adern durchzogene Flügel.
Die in diesem Kapitel zu besprechenden Insekten dagegen haben alle nur
zwei Flügel und werden daher Zweiflügler genannt.
Versuche so viele Zweiflügler wie möglich zu finden. Da ist die
gewöhnliche Stubenfliege, die Schmeißfliege oder Brummer, Mücken,
Schnaken, Bremsen und viele andere.
Die Stubenfliege und der Brummer sind an der richtigen Stelle sehr
nützlich, denn sie verzehren faulende Substanzen und tote Tiere. Aber
sie tun großen Schaden, wenn wir zulassen, daß sie sich an der falschen
Stelle stark vermehren.
Wenn ihr sehr viele Fliegen im Hause habt, so könnt ihr sicher sein,
daß sich irgendwo Schmutz befindet; denn die Stubenfliege legt ihre
Eier in Misthaufen und faulige Stoffe oder in irgend welchen Schmutz,
den sie finden kann, z. B. hinter eine Tür, einen Fensterladen oder in
eine ungefegte Ecke.
Sie legt ungefähr 150 Eier zu gleicher Zeit, und in ein oder zwei Tagen
kriechen die kleinen, beinlosen Larven aus und nähren sich von den sie
umgebenden Stoffen. In vier oder fünf Tagen hören sie auf zu fressen
und ruhen in ihrer Larvenhaut, die hart und braun wird. Im Sommer
kommen sie dann nach ungefähr einer Woche als erwachsene Fliegen aus.
Aber im Winter liegt die harte Puppe oft Monate lang, und Leute, die
im Herbst ihr Haus nicht gründlich reinigen, werden wahrscheinlich im
nächsten Jahre eine Fliegenplage haben.
Die Schmeißfliege, auch Brummer (vergl. bunte Tafel VII. 1) genannt,
legt ihre Eier (~a~) auf Fleisch jeder Art oder auf Körper toter Tiere.
Wenn ihre Larven ausgekrochen sind, nützen sie uns dadurch, daß sie
uns von schlecht riechenden Stoffen befreien, denn sie geben eine Art
Flüssigkeit von sich, die das Verderben des Fleisches beschleunigt, so
daß sie es fressen können.
Wohl jedermann kennt die Maden der Schmeißfliege (~b~), die zum Angeln
gebraucht werden. Wenn diese mit Fressen fertig sind, ziehen sie sich
zu einer eiförmigen Puppe zusammen. Diese gibt eine Flüssigkeit von
sich, die ihre Haut zu einem glänzend rötlichbraunen Gehäuse verhärtet.
Im Inneren desselben bildet sich die Schmeißfliege, die nach Erlangung
der Reife ihren Kopf so stark hervorschiebt, daß der obere Teil der
Puppenhülle wie ein Deckel zurückklappt.
[Illustration: Kopf der Schmeißfliege mit den großen, zusammengesetzten
Augen.]
Fängt man einen Brummer und setzt ihn mit einen Körnchen Zucker
unter eine Glasglocke, so kann man beobachten, wie er seinen Rüssel
ausstreckt und frißt. Man wird sehen, daß er den Zucker dreht und
wendet, als ob er damit spiele. Aber er benetzt ihn dabei fortwährend
mit einer Flüssigkeit, die er durch den Rüssel ausfließen läßt, um das
harte Zuckerstückchen zu einer Art Syrup umzuwandeln, den er aufsaugen
kann. Wenn man die Brust der Schmeißfliege sanft zwischen Finger und
Daumen drückt, so wird sie ihren Rüssel ausstrecken, und man kann
die dicken Lippen am Ende desselben mit der dazwischen liegenden
Saugvorrichtung (~A~) sehen. Aber man braucht ein Vergrößerungsglas
oder Mikroskop, um einen kleinen Stachel (~l~) zu erkennen, der im
Innern des Rüssels sitzt, und den sie gebraucht, um die Schale von
Früchten, deren Saft sie aufsaugen will, zu durchbohren.
Es gibt aber zwei Arten von Fliegen, die viel schädlicher sind als
die Stuben- und die Schmeißfliege. Dies sind die Bremsen und die
Dasselfliegen.
Ihr kennt eine der kleinen Bremsfliegen ganz gut, denn sie läßt sich
auf unsere Hände oder unseren Hals nieder, wenn wir im Freien sitzen.
Ihr Dasein zeigt sie uns dadurch an, daß sie uns einen scharfen Stich
versetzt, um uns das Blut auszusaugen. Wir nennen sie Pferdebremse,
weil sie die Pferde im Sommer so sehr quält. Viele andere derselben
Gattung sind uns nicht so gut bekannt. Die größte deutsche Bremsfliege
(vergl. bunte Tafel VII. 4) ist ungefähr 2-3 ~cm~ lang.
[Illustration: Rüssel der Schmeißfliege mit verdickten Lippen: ~A.~
Saugende. ~l.~ Spitze zum Bohren.]
Die Dasselfliegen sind gefährlicher, da ihre Larven Rinder, sowie auch
Hirsche und Rehe schwer schädigen können. Die Dasselfliege legt ihre
Eier an und in die Haare der Tiere. Lecken diese nun jene Stellen,
so gelangen die Eier oder die ausgeschlüpften Larven auf die Zunge
und von da in den Anfangsteil des Magens. Die Larven durchbohren die
Magenwand und wandern in den Körpern ihrer Wirte, wo sie nach etwa
sechs Monaten unter der Rückenhaut anlangen. Dort bleiben sie längere
Zeit und erzeugen eiternde Geschwüre, die sogenannten „Dasselbeulen“.
Haben sie dort ihre Entwicklung vollendet, so durchbrechen sie die
Haut nach außen, lassen sich zur Erde fallen und verpuppen sich in
dieser, um nach einiger Zeit als fertiges Insekt zu erscheinen. Eine
der gewöhnlichsten ist die Rinder-Dasselfliege oder Rinderbiesfliege
(vergl. bunte Tafel VII. 2), die einer Hummel sehr ähnlich sieht; sie
hat aber zwei Flügel, während die Hummel vier hat.
Die Pferdemagenbremse (vergl. bunte Tafel VII. 3) klebt ihre Eier
den Pferden mit etwas Schleim an die Haare der Brust und des übrigen
Vorderkörpers. Ist das Ei nun reif, so bringt die warme Zunge des
Pferdes, wenn es sich beleckt, dasselbe zum Platzen. Die Made bleibt
daran kleben und gleitet in den Magen des Tieres hinunter. Hier oder im
Darme befestigt sie sich mit ihrem Mundhaken, verpuppt sich dann, und
die Puppe gelangt mit dem Kote ins Freie.
Das beste Mittel gegen diese Made ist, die Haut des Pferdes rein und
das Haar kurz zu halten. Diese Magenbremse ist etwas größer als die
Stubenfliege, sieht meistens bräunlichgelb aus und hat einen stark
behaarten Körper.
Eine andere Familie der Zweiflügler sind die Mücken. Sie haben einen
dünnen, schlanken Körper und fadenförmige Fühler. Wir haben über die
gemeine Stechmücke im zweiten Buche gelesen, aber ihr solltet noch eine
andere Art kennen lernen, die Weizen und anderes Getreide angreift.
Die zitronengelbe Weizengallmücke ist ein kleines Insekt, das
ungefähr die Größe einer sehr kleinen Stechmücke hat. In der Frühe
eines Junimorgens, wenn die Weizenblüte sich entwickelt, kann man
diese Mücken von den Halmen schütteln und sie dicht über dem Boden
umherfliegen sehen. Die Weibchen haben eine scharfe, haarfeine
Röhre, mit der sie ihre Eier in die Blüten der Weizen- und seltener
der Roggenähre legen. Dort kommen aus ihnen kleine gelbe Maden aus,
die sich von dem Fruchtknoten nähren und dadurch die Körnerbildung
verhindern. Sie vernichten auf diese Weise oft einen großen Teil der
Ernte.
Ihr solltet auch die Larve der Bachmücke oder Kohlschnake kennen, die
in Gärten und Kohlfeldern Schaden anrichten kann. Wenn ihr eine Schnake
an einem Grashalm hängen seht, so ist sie höchst wahrscheinlich gerade
dabei, mit ihrer Legeröhre Eier in den Boden zu legen.
Aus diesen kommen beinlose braune Maden aus mit starken Kiefern und
einem Paar kurzer Hörner. Man kann sie beim Umpflügen eines feuchten
Feldes finden. Man findet auch wohl die harte Puppe, die wie eine
Schnake mit zusammengefalteten Flügeln geformt ist; die Beine sind
zusammengezogen, und die beiden Hörner sitzen schon auf dem Kopfe. Sie
hat Dornen an ihrem Hinterleib, mit denen sie sich an die Erdoberfläche
hinaufzieht, wenn sie sich verwandeln will.
Man wird die schädlichen Larven am besten los, wenn man den Boden tief
umpflügt und die Eier oder Maden vergräbt, so daß sie sterben oder
nicht an die Oberfläche gelangen können; man kann auch eine Lösung von
Gaskalk oder einer anderen für die Insekten tödlichen Flüssigkeit auf
das Land spritzen. Stare erweisen sich gegen diese Schädlinge sehr
nützlich, da sie die Maden aus dem Boden ziehen und vernichten.
Suche Made und Puppe der Schmeißfliege. Untersuche Beine, Körper
und Rüssel einer Schmeißfliege. Versuche Eier der Stubenfliege zu
finden. Suche eine Pferdebremse sowie die Rinderdasselfliege und
Pferdemagenbremse. Suche eine zitronengelbe Weizengallmücke und ihre
Made; ferner die Made und Puppe der Bachmücke.
Lektion 11.
Heimchen und Heuschrecken.
Bei allen Insekten, von denen wir bis jetzt gehört haben, sind die
Larven von dem voll entwickelten Insekte ganz verschieden. Aber junge
Heimchen und Heuschrecken sehen, wenn sie aus dem Ei kommen, fast
ebenso aus wie das ausgebildete Insekt, abgesehen davon, daß sie
kleiner sind und keine Flügel haben. Sie springen, fressen und benehmen
sich genau so wie die Alten. Sie häuten sich vier- oder fünfmal. Nach
der letzten Häutung kann man die Flügeldecken unter der Haut sehen, und
sobald diese zerreißt, breiten sie die Flügel aus und fliegen.
Wenn man sich einen Käfig aus Drahtgaze macht, einige junge Heimchen
hineinsetzt und sie mit Küchenabfällen füttert, so kann man diese
Verwandlungen beobachten. Aber man darf es nicht mit einer Bedeckung
von Musselin versuchen wie einer meiner Freunde, denn die Heimchen
haben starke Kiefer und fressen sich bald hindurch.
[Illustration: Tafel VIII
1. Grüne Heuschrecke -- Weibchen mit Legeröhre. 2. Kleine Heuschrecke.
3. Feldgrille. 4. Langflügelige Heuschrecke. 5. Flügellose weibliche
Heuschrecke.]
Die kleinen grünen Heuschrecken sind leicht auf den Feldern in großer
Anzahl zu finden, aber das große grüne Heupferd (vergl. bunte Tafel
VIII. 1) ist nicht so häufig. Wenn ihr aber wißt, wo ihr suchen müßt,
wird es euch nicht schwer werden, eins zu fangen. Es ist sehr
lehrreich, dieses Insekt zu untersuchen. Der Kopf ist von der Brust
scharf getrennt. Es hat zwei lange Fühler, die nach hinten über dem
Körper liegen. Seine Kiefer sind sehr stark, und wenn man ihm ein Blatt
unter einem Glase zu fressen gibt, so kann man sehen, wie sie sich
seitwärts bewegen, um die Nahrung zu zerkleinern; man kann auch die
Ober- und Unterlippe erkennen, durch die die Nahrung zu den kauenden
Kiefern im Innern hindurchgeht.
Wenn ihr ein Weibchen gefangen habt, so werdet ihr sehen, daß es eine
lange Legeröhre hat, die es in den Boden bohrt, um seine Eier zu legen.
Hieran könnt ihr beobachten, wie die kleineren Insekten es machen.
Und nun werdet ihr wissen wollen, wie ein Grashüpfer zirpt; denn ihr
wißt ja, daß kein Insekt irgend ein Geräusch mit den Mundwerkzeugen
machen kann. Schiebt euren Finger sanft unter dem linken Vorderflügel
des großen grünen Heupferdes entlang bis dahin, wo dieser mit dem
Körper verbunden ist. Ihr werdet fühlen, daß der Flügel an dieser
Stelle so rauh wie eine Feile ist. Das Heupferd reibt diese Feile gegen
eine scharfkantige Leiste, die den oberen, inneren Rand der rechten
Flügeldecke bildet und erzeugt so das schrillende Geräusch. Eine ganz
dicht daneben liegende feinhäutige Stelle der Flügeldecke wird dabei
mit in zitternde Bewegung versetzt und verstärkt so den Ton.
Die kleine grüne Heuschrecke (vergl. bunte Tafel VIII. 2), deren kurze
Fühler nach vorn stehen, bringt ihr zirpendes Geräusch in anderer
Weise hervor. Sie hat eine Feile an der Innenseite des Hinterbeines,
deren Zähnchen über eine vorspringende Ader der Flügeldecken geführt
werden und diese dadurch in tönende Schwingungen versetzen. Dieser
kleine Grashüpfer ist tatsächlich eine kleine Heuschrecke wie die, die
in Schwärmen im südöstlichen Europa dahinfliegen und alles Grüne, das
ihnen in den Weg kommt, auffressen. Glücklicherweise ist aber unser
kleiner Freund, obwohl auch er gierig frißt, nicht so verderblich wie
sie. Diese kleinen Heuschrecken haben keine Legeröhre; sie lassen ihre
Eier in die lose Erde fallen und bedecken sie damit.
Heimchen sind den Grashüpfern sehr ähnlich und erzeugen das zirpende
Geräusch, indem sie ihre Flügel zusammenreiben. Die Weibchen haben
lange Legeröhren, wie man sehen kann, wenn man ein solches in der Küche
fängt. Es legt seine Eier hinter den Ofen oder in die Nähe des Herdes,
wo sie das ganze Jahr hindurch in der Wärme ausgebrütet werden.
Grashüpfer und Heimchen zirpen nicht, um uns zu erfreuen; sie rufen
einander. Sie müssen also hören können. Wo erwartet ihr nun wohl, ihre
Gehörorgane zu finden? Ihr werdet es sicher nicht raten.
[Illustration: Bein vom großen grünen Heupferde. ~e.~ Gehörorgan.]
Sieh unter den Flügel der kleinen grünen Heuschrecke auf den ersten
Ring ihres Hinterleibes, der hinter ihren Hinterbeinen liegt! Da, ein
wenig über den Atemlöchern, wirst du eine sehr kleine Grube finden.
Diese ist mit einer dünnen Haut bedeckt und ist das Gehörorgan (Ohr)
der Heuschrecke. Das große grüne Heupferd hat sein Ohr an einer noch
sonderbareren Stelle, nämlich auf seinem Vorderbeine unter dem Knie
(~e~, S. 62).
Ich erwarte, daß ihr die Feldgrille (vergl. bunte Tafel VIII. 3) kennt,
denn obwohl sie sehr furchtsam und am Tage äußerst vorsichtig und
scheu ist, kann man sie doch leicht fangen, wenn man an ihrem Zirpen
herausgefunden hat, wo sie sich aufhält. Man stößt einen Grashalm
in das Loch, den sie sicher ergreifen wird, so daß man sie daran
herausziehen kann. Viele Landkinder fangen sie auf diese Weise. Eine
Feldgrille ist bedeutend größer als ein Hausheimchen; ihr Körper ist
dunkler, ihr Zirpen schriller. Sie ist im Garten sehr nützlich, denn
sie nährt sich ebenso von Pflanzen wie von Insekten und sitzt nachts
vor ihrem Loche, um diese zu fangen. Auch an warmen, sonnigen Tagen
kannst du sie vor ihrer Höhle sehen, sonst aber sitzt sie immer in der
Erde, wo die Larven den ganzen Winter lang bleiben, bis sie Flügel
bekommen haben.
Ich möchte wissen, ob ihr jemals eine Maulwurfsgrille gefunden habt.
Es gibt ihrer eine Menge im sandigen Boden, besonders auf feuchten
Feldern, an den Ufern von Kanälen und Flüssen. Aber sie kommen nicht
überall vor, und sie sind so scheu, daß sie nur in der Nacht aus ihrem
Bau herauskommen. Sie verursachen ein seltsames Geräusch, und daran
könnt ihr erkennen, daß welche in der Nähe sind. Dann müßt ihr am
Flußufer oder in einem sandigen und zugleich feuchten Teile des Gartens
suchen, und wenn ihr dann kleine Erhöhungen aufgeworfen seht, so ist es
höchst wahrscheinlich, daß die Maulwurfsgrille darunter arbeitet.
[Illustration: Maulwurfsgrille, fliegend und ruhend.]
Sie ist ein sehr sonderbares Insekt, mehr als 5 ~cm~ lang mit kleinem
Kopfe und langen Fühlern, einer sehr breiten Brust und dicken, flachen
Vorderbeinen, die wie beim Maulwurf in Grabfüßen endigen, die mit
scharfen, schwarzen Klauen versehen sind. Damit bahnt sie sich ihren
Weg durch die Erde, gerade wie der Maulwurf. Ihr Körper ist mit weichen
Haaren bedeckt, die oben braun und unten gelb sind und die feuchte
Erde abhalten. Sie richtet großen Schaden an, wenn sie in einen Garten
kommt, denn sie wühlt lange Gänge und frißt die Wurzeln und Stengel der
Pflanzen. Die weibliche Maulwurfsgrille hat keine Legeröhre, denn sie
braucht eine solche unter der Erde nicht. Sie legt ungefähr 200 Eier
in eine Höhle am Ende des Ganges und die jungen Maulwurfsgrillen leben
dort zwei oder drei Jahre lang, ehe sie Flügel bekommen. Hat man das
Glück, ein Nest mit einigen Jungen darin zu finden, so wird man sich
über die sonderbare Gestalt derselben wundern.
Es gibt noch zwei andere Geradflügler, die ihr sehr gut kennt. Der
eine ist der Ohrwurm, vor dem sich törichte Leute wegen der langen
Kneipzange am Ende des Leibes fürchten, obwohl er niemand Schaden
tut. Er hat sehr kurze Flügeldecken und längs- und quergefaltete
Hinterflügel. Der einzige Schaden, den er anrichtet, entsteht dadurch,
daß er unsere Blumen benagt. Das Weibchen ist sehr liebevoll. Es trägt
die Jungen weg, wenn sie gestört werden, und wacht über sie, bis sie
erwachsen sind.
Der andere Geradflügler ist die Küchenschabe, die manche Leute für
einen Käfer halten. Aber das Insekt ist kein Käfer, denn es entsteht
nicht aus einer Larve. Die Jungen sind den Alten gleich, nur kleiner
und ohne Flügel. Die weibliche Küchenschabe hat überhaupt keine Flügel.
Sie trägt ihre Eier in einer sonderbaren Art und Weise am Ende ihres
Körpers in einem Behälter, der wie eine Tasche aussieht, und verbirgt
diese in Ritzen hinter dem Ofen oder zwischen den Dielen, kurz bevor
die Larven auskommen. Diese Behälter sind braun und hornig. Im Inneren
liegen ungefähr sechszehn Eier, sauber in zwei Reihen geordnet wie
Erbsen in einer Schote. Schaben sind sehr unangenehme und schädliche
Insekten. Sie fressen alles, was sie bekommen können, und haben einen
widerlichen Geruch.
Versuche die verschiedenen Arten des Grashüpfers und des Heimchens zu
finden, und zwar ausgewachsene und solche ohne Flügel. Untersuche die
Flügel eines Ohrwurms. Suche die Eierbehälter der Küchenschabe.
Lektion 12.
Ameisen und ihre Honigkühe.
Ameisen sind die intelligentesten aller Insekten. Wir lernten etwas
über den Ameisenhügel im ersten Buch, und da könnt ihr euch die
Abbildungen der Männchen, Weibchen und Arbeiter mit ihren Larven und
Kokons ansehen.
Wir wollen nun einige andere Ameisen betrachten und etwas über ihre
Lebensweise lernen. Es gibt zwei ganz gewöhnliche Arten, die man in
jedem Garten finden kann. Die eine ist rot und die andere schwarz.
Beide bauen ihre Wohnungen unter dem Erdboden, indem sie die Erde mit
ihren Kiefern und Füßen fortschaffen und Gänge und Kammern anlegen. Man
findet da, wo sie bei der Arbeit sind, gewöhnlich eine kleine Erhöhung,
die sich kuppelförmig über das Nest wölbt, aber diese ist nicht so
auffallend wie der Hügel der Waldameise. Wenn man ein Loch an einer
Seite eines Nestes gräbt, so wird man die Kammern öffnen, und man kann
die Larven im Innern sehen; hat man das Loch nicht zu groß gemacht, so
werden die Ameisen es bald wieder in Ordnung bringen.
[Illustration: 1. Ameise mit einem, 2. Ameise mit zwei Knoten am
Hinterleibsstiel.]
Ihr könnt auch einige Kokons nehmen und sie mit etwas Erde unter ein
Glas bringen, um zu sehen, wie die jungen Ameisen auskommen. Aber nehmt
die Larven nicht, ohne einige Ameisen mit hineinzusetzen, denn sie
können sich nicht selbst ernähren.
Bei den Ameisen kann man schwarze, rote und gelbe Arten unterscheiden.
Genauer aber werden die einzelnen nach der Ausbildung des feinen
Stieles bestimmt, der Brust und Hinterleib verbindet: der
„Hinterleibsstiel“ kann aus einem oder zwei Gliedern bestehen und diese
können an ihrer Oberseite wieder schuppen- oder knopfförmig ausgebildet
sein (2, S. 66). Außerdem können wir feststellen, daß manche Arten
einen Stachel besitzen, der anderen fehlt. Die, welche keinen Stachel
haben, greifen ihre Feinde mit ihren starken Kiefern an und spritzen
eine scharfe Säure in die Bißwunde aus der am Hinterleibe befindlichen
Giftblase.
Es gibt eine kleine braune Ameise, die häufig in unseren Häusern lebt
und sich von unseren Lebensmitteln nährt. Sie hat zwei Verdickungen
und sticht sehr scharf. Ich schnitt einst einen Kuchen an, der einige
Tage im Schranke gestanden hatte und fand ihn im Innern voll von diesen
Ameisen. Sie krochen in ganzen Scharen auf meine Hand, die von ihren
Stichen wie Feuer brannte. Diese Ameise baut ihr Heim gewöhnlich hinter
dem Ofen.
Wenn ihr einige Ameisen unter ein Glas setzt und ihnen ein Stückchen
Nuß oder Brot gebt, so könnt ihr sehen, wie sie ihre äußeren Kiefer
gebrauchen, um etwas davon abzuschaben, und ihre zierliche Zunge, um
den Saft oder das Öl abzulecken, während sie die Nahrung nach den
inneren Kiefern weiterschieben, gerade wie die Bienen und Wespen. Man
kann auch sehen, wie sie ab und zu innehalten, um ihren Körper mit
ihren Vorderbeinen zu streicheln. Seht diese letzteren genau an, und
ihr werdet einen kleinen Stachel in der Nähe des letzten Gelenkes
finden. Dieser Stachel ist mit mehr als fünfzig feinen Zähnen besetzt
und an dem Beine selbst sitzen noch einige gröbere Zähne. Dies ist die
Bürste und der Kamm der Ameise. Sie kratzt sich mit ihnen und zieht sie
durch ihre äußeren Kiefern oder Mandibeln, um sie zu reinigen.
Die Ameise hat sehr kleine Augen und benutzt stets ihre Fühler, um
etwas ausfindig zu machen, was sie wissen will. Diese stehen über den
sonderbaren flachen Kopf hervor und sind ganz geheimnisvolle Werkzeuge.
Wenn Ameisen sich verständigen wollen, so berühren sie gegenseitig ihre
Fühler und können so auf irgend eine sonderbare Weise sich mitteilen,
wohin sie gehen, und was sie tun sollen.
[Illustration: Ameise streichelt Blattläuse, um süßen Saft zu erhalten.]
Die Gartenameisen leben viel mehr unter der Erde als die Waldameisen,
aber man kann sie oft im Garten sehen, wo sie sich sonnen oder
Grashalme mit ihren Kiefern abschneiden, um ihre Nester damit zu
polstern, oder eine Spinne oder Fliege zerreißen. Sie scheinen oft
hierhin und dorthin zu laufen, als ob sie nicht wüßten, was sie tun
sollten, aber bei näherer Beobachtung wird man finden, daß jede ein
Ziel hat. Einige tragen Gegenstände ins Nest, andere klettern an den
Stengeln der Blumen hinauf, um deren Honig zu saugen. Wenn diese mit
Honig beladenen Ameisen nach Hause laufen und einer Ameise begegnen,
die andere Arbeit verrichtet hat und hungrig ist, so pressen sie etwas
Honig heraus, um ihre Freundin zu füttern. Denn es scheint Regel unter
den Ameisen zu sein, daß sie einander helfen.
Und nun müßt ihr Tag für Tag aufpassen, bis ihr etwas noch viel
Wunderbareres seht. Ihr erinnert euch, daß wir in der ersten
Lektion von den kleinen Blattläusen sprachen, die den Saft aus den
Pflanzenstengeln saugen. Aber wir bemerkten nicht, daß sie zwei kleine
Hörner am Ende ihres Körpers haben. Aus diesen Hörnern scheiden sie
einen wachsartigen Stoff ab, mit dem sie die Mundwerkzeuge ihrer Feinde
(s. Marienkäfer S. 37) zu verkleben suchen. Wenn sie fortwährend
saugen, füllen sie bald ihren Darmkanal mit Pflanzensäften. Dieser
Saft wird nun wenig verdaut und als stark zuckerhaltige Flüssigkeit in
Tröpfchen wieder ausgeschieden.
Der abgesonderte süße Saft ist gerade das, was die Ameise liebt, und
ihr habt vielleicht das Glück, die Gartenameise dabei zu beobachten,
wie sie ihn zu gewinnen sucht. Sie kriecht hinter eine Blattlaus und
streicht die Seiten derselben mit ihren Fühlern, so daß diese einen
Tropfen Honig ausfließen läßt.
Sie hat noch eine Herde dieser „Honigkühe“ unter der Erde verborgen,
wo ihr sie nicht sehen könnt. Sie trägt die Blattläuse in ihre Gänge
und setzt sie auf Pflanzenwurzeln. Da sorgt sie für sie, als ob es
ihre eigenen Larven wären und bringt deren Eier und Jungen durch den
Winter, um sie im nächsten Frühling zu benutzen. In unserem Klima
halten die Ameisen einen Winterschlaf, aber in wärmeren Ländern bleiben
sie wach und sammeln Vorräte für die ungünstige Jahreszeit.
Wenn man das Nest einer Gartenameise ausgräbt und die Wurzeln, die man
herausholt, sorgfältig betrachtet, so wird man wahrscheinlich einige
Blattläuse darauf finden. Legt man die Wurzel wieder an dieselbe
Stelle, so werden sich diese nicht beunruhigen, und die kleine Ameise
wird ihre Honigkühe nicht verlieren.
Es gibt eine kleine gelbe Ameise, Wiesenameise genannt, die in großen
Mengen auf der Heide und auf Wiesen lebt und keinen Stachel hat.
Sie hält fast alle ihre Honigkühe unter der Erde und setzt sie auf
Graswurzeln. Manchmal, wenn man ein Feld pflügt, durchschneidet man
eins dieser Nester. Vorkommendenfalls haltet einen Augenblick an und
beobachtet die Ameisen. Ihre erste Sorge gilt den Larven und Kokons.
Aber sobald diese in Sicherheit sind, wird man sehen, wie sie die
kleinen grünen Blattläuse ebenso sorgsam holen, als wenn es ihre
eigenen Kinder wären.
Die Waldameise bringt die Blattläuse nicht nach Hause. Sie besucht sie
auf den Pflanzen, und viele Schlachten zwischen den Ameisen zweier
Nester beginnen, weil die eine Kolonie sich mit den „Honigkühen“
einer anderen zu schaffen gemacht hat. Dann kommen die Arbeiter aus
beiden Nestern heraus und fallen übereinander her, indem sie sich
auf den Hinterbeinen stehend mit ihren Kiefern beißen und versuchen,
Ameisensäure über den Feind zu spritzen. Diese Schlachten dauern oft
mehrere Tage lang, bis die eine Partei erschöpft ist.
Die Arbeiter, von denen Tausende sich in einem großen Neste finden,
sind es, die die Schlachten schlagen und die Honigkühe ausnützen. Die
Königin arbeitet nicht; sie legt nur Eier. In einem großen Neste sind
vielleicht zwei oder drei Königinnen, aber sie streiten sich niemals
wie bei den Bienen. Wenn sie zu Hause Eier legen, haben sie keine
Flügel; aber im Sommer wächst eine Anzahl von weiblichen und männlichen
geflügelten Ameisen heran, und an einem warmen Tage fliegen sie aus,
und man kann sie wie Mücken in der Luft auf- und abschweben sehen.
Dann fallen sie hilflos auf den Boden und kriechen umher. Die Männchen
werden von Vögeln gefressen oder sterben. Keins von ihnen kehrt zum
Neste zurück. Den Weibchen, die nicht getötet werden, reißen die
Arbeiter die Flügel ab, oder sie tun das selbst, und dann kehren sie
entweder zum Neste zurück, um Eier zu legen, oder sie vereinigen sich
zu einem neuen Neste.
Suche alle möglichen Ameisen. Behalte sie kurze Zeit, füttere sie mit
Honig und gib ihnen etwas Erde zum Bauen. Halte einige Blattläuse
auf einer Pflanze, um den süßen Saft zu sehen. Untersuche ein
Ameisennest, dadurch, daß du es an der Seite öffnest; setze die
Blattläuse und Kokons sorgsam wieder hinein.
Wissenschaftliche Namen der Ordnungen der Insekten mit Erklärung.
(„~ptera~“ [Plural] bedeutet Flügel.)
~A-ptera~ = Ohne Flügel. Flöhe und Läuse.
~Hemi-ptera~ = Halbflügler, d. h. mit ungleichartigen Flügeln; die
vorderen sind leder- oder hornartig, die hinteren durchsichtig.
Blattläuse, Schaumzikade, Wasserwanzen.
~Di-ptera~ = Zweiflügler. Fliegen, Mücken und Schnaken.
~Lepido-ptera~ = Schuppenflügler. Flügel mit feinen Schuppen bedeckt.
Schmetterlinge.
~Coleo-ptera~ = Scheidenflügler. Die Vorderflügel sind hornig und
bilden Flügeldecken. Käfer.
~Neuro-ptera~ = Netzflügler. Die Flügel sind mit einem Netzwerk von
Adern durchzogen. Ameisenjungfer, Köcherfliege.
~Ortho-ptera~ = Geradflügler. Die Flügel sind in gerade Falten gelegt
wie ein Fächer. Heuschrecken, Grashüpfer, Heimchen, Ohrwurm.
~Hymeno-ptera~ = Hautflügler. Flügel mit durchsichtiger Membrane.
Bienen, Wespen, Raubwespen, Schlupfwespen, Gallwespen, Blattwespen,
Ameisen.
[Illustration]
[Illustration:
KUNSTANSTALT
FR. EUGEN KÖHLER, G.m.b.H.
GERA-UNTERMHAUS.
]