1. Sandlaufkäfer. 2. Kurzflügler. 3. Totengräber, eine Maus begrabend.]

Aber hat man einen gefangen, so wird man sehen, daß er große Augen hat,

die aus beiden Seiten des Kopfes hervorstehen, und zwei scharfzackige

Kiefer, mit denen er seine Beute zerreißen kann, während die

Unterkiefer mit steifen Borsten besetzt sind, um sie halten zu helfen.

Und nun müssen wir nach der Larve suchen, die ein sehr sonderbares

Geschöpf ist. Man findet sie am besten an einer weichen Stelle eines

sandigen Feldes, wo man Sandkäfer hat umherlaufen sehen. Dann achte

man auf kleine Löcher im Sande und versuche eins zu finden, das zu

einem Gang im Erdboden führt. Die Larve des Sandkäfers sitzt an der

Mündung dieses Ganges, um vorbeikommende Insekten zu fangen. Sie wird

verschwinden, sobald man in ihre Nähe kommt, aber wenn man einen

Grashalm in das Loch steckt und ihn hin- und herbewegt, so erfaßt die

Larve denselben, und man kann sie daran herausziehen.

Dann kann man beobachten, welche Werkzeuge sie besitzt. Es ist eine

lange, weiche Larve mit einem hornartigen Kopfe und sichelförmigen

Kinnbacken; neben ihren sechs braunen, beborsteten Füßen hat sie zwei

weiche Höcker auf dem Rücken des 5. Hinterleibringes, die mit kleinen

Haken besetzt sind. Sobald die Larve im Erdboden ausgekrochen ist,

bohrt sie einen Gang in den weichen Sand mit ihren borstigen Beinen

und zieht sich dann bis an die Öffnung desselben hinaus, wo sie sich

mit ihren Beinen und den Haken auf ihrem Rücken festhält. Ihr Kopf

füllt gerade das Loch aus, und da sie ein armes schwaches Geschöpf

ist, das sich nicht schnell bewegen kann, verhält sie sich ganz ruhig,

bis irgend ein Insekt vorbeikommt; dann schnellt sie den Kopf hinaus

und zieht ihr Opfer hinunter. Wenn man Geduld genug besitzt, um einige

solche Gänge aufzusuchen, und dann still sitzt und sie beobachtet, so

sieht man vielleicht, wie die Larve ihre Beute erfaßt.

Die Raubkäfer oder Kurzflügler (siehe bunte Tafel IV. 2), die wir

in der ersten Lektion erwähnten, sind sehr nützlich durch das

Vertilgen von Insekten, obwohl sie durchaus nicht schön sind. Aber die

Laufkäfer, die oft nur sehr kleine, mitunter auch keine Flügel unter

den Flügeldecken haben und selten fliegen, sind die besten Jäger. Man

sieht oft einen ziemlich großen Käfer durch das Gras dahinrennen. Sein

Körper ist schwarz mit violett bronzefarbenen, bläulich gerandeten

Flügeldecken, die mit dichten, feinen, in Längsseiten stehenden

Grübchen versehen sind. Das ist der violette Hain-Laufkäfer, der sich

immer auf der Jagd nach Larven und Drahtwürmern befindet.

Es gibt noch einen sehr sonderbaren Käfer, der nicht schwer zu finden

ist, und der euch sehr interessieren wird. Dies ist der Totengräber.

Wenn ihr irgendwo auf dem Felde eine tote Maus oder einen toten Vogel

findet, so hebt den Körper vorsichtig auf. Hat er schon einige Tage

gelegen, so wird er schon einen schlechten Geruch haben, und man kann

ziemlich sicher sein, zwei oder drei Käfer mit dickem Körper und

starken Beinen darunter zu finden. Sie sind gewöhnlich schwarz mit

roten Fühlern und zwei rotgelben Querbinden auf den Flügeldecken. Dies

sind Totengräber (vergl. bunte Tafel IV. 3), die den toten Körper

gewittert haben und oft aus ziemlicher Entfernung herbeifliegen, um ihn

zu begraben.

Sie kratzen die weiche Erde darunter weg, bis der Körper hinuntersinkt

und dann bedecken sie ihn mit Erde. Weshalb tun sie dies wohl? Weil

der weibliche Käfer seine Eier in den toten Körper legen will, damit

die Larven von dem Fleische fressen können. Er tut dies, sobald das

Tier begraben ist, und in einigen Tagen kommen die Larven aus. Sie

sind schmal, haben sechs Beine und eine Anzahl von Stacheln auf dem

Rücken. Sie schlängeln sich in und durch das Fleisch und fressen darauf

los, bis sie sich selbst in den Boden einwühlen, um sich in Käfer zu

verwandeln.

Sehr viele Käfer werden uns dadurch nützlich, daß sie lebende und tote

Tiere fressen. Unter diesen ist auch der kleine runde Marienkäfer, der

seine Beine anzieht und sich tot stellt, wenn er berührt wird, und der

Leuchtkäfer oder das Glühwürmchen, das so hell in Sommernächten in

Hecken und Büschen leuchtet.

Ein guter Gärtner, der ein Glühwürmchen in einer Hecke sieht, wird es

immer vorsichtig aufnehmen und es wenn möglich in seinen Garten setzen.

Denn die weiche Larve des Glühwürmchens (3, S. 36) bohrt sich in die

Gehäuse der kleinen Schnecken hinein und nährt sich von ihnen.

Wenn man ein trockenes Schneckenhaus mit einer weißen Larve darin

findet, so wird diese wahrscheinlich die des Glühwürmchens sein. Man

kann sie an einem Büschel weißer Fäden erkennen, die am Hinterleibsende

sitzen, und die sie gebraucht, um den Schleim der Schnecke von ihrem

Rücken abzubürsten.

[Illustration: Glühwürmer. 1. Weibchen mit glänzendem Licht. 2.

Männchen, weniger hell leuchtend. 3. Larve.]

Von den vollentwickelten Glühwürmchen kann man das Weibchen (1) sehr

leicht bei Nacht finden, da es ein so helles Licht ausstrahlt. Es hat

keine Flügel, und man könnte es für eine Larve halten, wenn nicht die

sechs Beine wären. Das männliche Glühwürmchen (2) hat zwei leuchtende

Punkte am Hinterleibsende. Aber es leuchtet nicht so hell wie das

Weibchen. Es hat lange weiche Flügeldecken und breite Flügel, mit denen

es oft in ein erhelltes Zimmer fliegt, wenn das Fenster geöffnet ist.

Der letzte nützliche Käfer, den wir erwähnen wollen, ist das

Marienkäferchen. Es nährt sich sein ganzes Leben lang von den Wanzen

und Blattläusen, die unsere Pflanzen zerstören. Wo es auch immer

Blattläuse gibt, da legt das Marienkäferchen ein Häufchen gelbe Eier,

und wenn die langen, düster graublau gefärbten Larven ausgekrochen

sind, klettern sie an den Stengeln hinauf und stopfen die Läuse mit

ihren Vorderfüßen in den Mund. Beim Verpuppen kleben sie den Hinterleib

an ein Blatt und hängen daran, mit dem Kopfe nach unten, bis ein

Marienkäfer daraus wird, der dann fortfliegt, um sich auf einem anderen

Busch von Blattläusen zu nähren und wieder Eier zu legen.

Suche einen Sandkäfer und seine Larve. Suche unter toten Tieren nach

einem Totengräber. Fange einen Marienkäfer, ein männliches und ein

weibliches Glühwürmchen. Suche nach der Larve des Marienkäfers.

Lektion 7.

Wespen und ihre Lebensweise.

Wir alle haben Schmetterlinge gern, weil sie hübsch sind, und Bienen,

weil sie uns Honig geben. Aber niemand liebt Wespen, denn wir fürchten

stets, daß sie uns stechen und unsere Gartenfrüchte benagen. Wespen

sind jedoch sehr fleißig und interessant. Sie wirken gleichsam als

Straßenkehrer, fressen Abfall, rohes Fleisch und Insekten und stechen

niemals, wenn man sie nicht erschreckt. Man kann wohl gestochen werden,

wenn man eine Wespe berührt, ohne es zu wissen; aber die Leute sind

sehr töricht, die nach ihnen schlagen und herumspringen, wenn eine in

der Nähe ist. Sitzt man ganz ruhig, so werden sie niemand verletzen.

Wir sind genötigt, die Wespen zu töten, denn sonst würden sie sich

zu stark vermehren und viel von unserm Obst verzehren. Am besten ist

es, im Frühjahr und Anfang Sommer ordentlich aufzupassen. Die wenigen

großen, die dann umherfliegen, sind Königinnen oder Mutterwespen, und

jede von ihnen wird ein Nest gründen. Es ist weniger grausam, diese zu

töten, als die Nester im Sommer zu vernichten, wenn 3000-4000 Wespen

in jedem sitzen. Manche von euch haben wohl schon gesehen, wie ein

Wespennest bei Nacht ausgegraben wird, aber wahrscheinlich habt ihr

noch niemals eins sorgfältig betrachtet. Laßt uns sehen, wie es gebaut

ist!

Wenn die Königin unter dem Moos- oder Grasbüschel, wo sie den Winter

verbracht hat, herauskommt, sucht sie nach einem Loch im Boden, das

vielleicht von einer Maus oder einem Maulwurf verlassen ist. Sie

kriecht hinein und macht es größer dadurch, daß sie Erdklümpchen

abbeißt und mit ihren Hinterfüßen hinauswirft. Dann fliegt sie fort und

kratzt kleine Faserstückchen von Bäumen und Pflanzen. Manchmal kann

man sehen, wie sie an Fensterrahmen und Holzpfosten nagt. So bekommt

sie kleine Holzschnitzel. Mit diesen fliegt sie nach dem Loche zurück

und verarbeitet sie mit ihrem klebrigen Speichel zu einer grauen

papierähnlichen Masse.

Ehe diese hart wird, macht sie einen dicken Klumpen daraus und klebt

diesen an der Decke des Loches an die Wurzeln von Pflanzen. Dann

sammelt sie mehr Holzfasern und baut einige wenige Zellen unter den

Klumpen.

[Illustration: Inneres des Nestes der gemeinen Wespe.]

In jede dieser Zellen legt sie ein Ei, und dann bereitet sie mehr

von der klebrigen Masse und baut mehr Zellen. In ungefähr acht Tagen

kriechen die ersten beinlosen Larven aus den Eiern aus, und die Königin

füttert sie mit Honig und vorwiegend mit Insekten, während sie dabei

mit ihrer Arbeit fortfährt. In ungefähr drei Wochen verpuppen sich die

Larven innerhalb eines Kokons, und in einer weiteren Woche kriechen aus

diesen Arbeitswespen aus. Nun folgen täglich andere, und die Königin

überläßt ihnen die Arbeit des Nestbaues und des Fütterns der Larven,

während sie selbst nur Eier legt.

Die Wespen bauen nicht nur Zellen, sie bedecken das Nest auch mit

mehreren papierartigen Hüllen, die gleich einem offenen Regenschirm von

dem Klumpen an der Decke herabhängen. Diese Hüllen umschließen mehrere

wagerechte Waben. Eine fertige Wabe sieht aus wie ein runder Teller,

der oben glatt ist, und an dessen Unterseite eine große Anzahl von

Zellen sitzen, die alle nach unten geöffnet sind.

[Illustration: 1. Männchen. 2. Königin. 3. Arbeiter.]

An mehrere Säulchen unter diese Wabe kleben die Wespen nun eine neue

darunterliegende fest, die sie in derselben Weise bauen wie die

erste. So geht es weiter bis zum August, wo vielleicht fünfzehn bis

sechszehn flache, runde Waben untereinanderhängen; sie sind durch jene

senkrechten Säulchen verbunden. Dann werden die papierähnlichen Hüllen

bis zur Unterseite des Nestes heruntergebaut, so daß es eine runde oder

eiförmige Gestalt hat. Diese Hüllen verhindern, daß die Feuchtigkeit

in das Nest eindringt.

[Illustration: Tafel V

Einzellebende Wespen.

Aus dem Leben der Insekten · 第 14 / 18 题