Aber hat man einen gefangen, so wird man sehen, daß er große Augen hat,
die aus beiden Seiten des Kopfes hervorstehen, und zwei scharfzackige
Kiefer, mit denen er seine Beute zerreißen kann, während die
Unterkiefer mit steifen Borsten besetzt sind, um sie halten zu helfen.
Und nun müssen wir nach der Larve suchen, die ein sehr sonderbares
Geschöpf ist. Man findet sie am besten an einer weichen Stelle eines
sandigen Feldes, wo man Sandkäfer hat umherlaufen sehen. Dann achte
man auf kleine Löcher im Sande und versuche eins zu finden, das zu
einem Gang im Erdboden führt. Die Larve des Sandkäfers sitzt an der
Mündung dieses Ganges, um vorbeikommende Insekten zu fangen. Sie wird
verschwinden, sobald man in ihre Nähe kommt, aber wenn man einen
Grashalm in das Loch steckt und ihn hin- und herbewegt, so erfaßt die
Larve denselben, und man kann sie daran herausziehen.
Dann kann man beobachten, welche Werkzeuge sie besitzt. Es ist eine
lange, weiche Larve mit einem hornartigen Kopfe und sichelförmigen
Kinnbacken; neben ihren sechs braunen, beborsteten Füßen hat sie zwei
weiche Höcker auf dem Rücken des 5. Hinterleibringes, die mit kleinen
Haken besetzt sind. Sobald die Larve im Erdboden ausgekrochen ist,
bohrt sie einen Gang in den weichen Sand mit ihren borstigen Beinen
und zieht sich dann bis an die Öffnung desselben hinaus, wo sie sich
mit ihren Beinen und den Haken auf ihrem Rücken festhält. Ihr Kopf
füllt gerade das Loch aus, und da sie ein armes schwaches Geschöpf
ist, das sich nicht schnell bewegen kann, verhält sie sich ganz ruhig,
bis irgend ein Insekt vorbeikommt; dann schnellt sie den Kopf hinaus
und zieht ihr Opfer hinunter. Wenn man Geduld genug besitzt, um einige
solche Gänge aufzusuchen, und dann still sitzt und sie beobachtet, so
sieht man vielleicht, wie die Larve ihre Beute erfaßt.
Die Raubkäfer oder Kurzflügler (siehe bunte Tafel IV. 2), die wir
in der ersten Lektion erwähnten, sind sehr nützlich durch das
Vertilgen von Insekten, obwohl sie durchaus nicht schön sind. Aber die
Laufkäfer, die oft nur sehr kleine, mitunter auch keine Flügel unter
den Flügeldecken haben und selten fliegen, sind die besten Jäger. Man
sieht oft einen ziemlich großen Käfer durch das Gras dahinrennen. Sein
Körper ist schwarz mit violett bronzefarbenen, bläulich gerandeten
Flügeldecken, die mit dichten, feinen, in Längsseiten stehenden
Grübchen versehen sind. Das ist der violette Hain-Laufkäfer, der sich
immer auf der Jagd nach Larven und Drahtwürmern befindet.
Es gibt noch einen sehr sonderbaren Käfer, der nicht schwer zu finden
ist, und der euch sehr interessieren wird. Dies ist der Totengräber.
Wenn ihr irgendwo auf dem Felde eine tote Maus oder einen toten Vogel
findet, so hebt den Körper vorsichtig auf. Hat er schon einige Tage
gelegen, so wird er schon einen schlechten Geruch haben, und man kann
ziemlich sicher sein, zwei oder drei Käfer mit dickem Körper und
starken Beinen darunter zu finden. Sie sind gewöhnlich schwarz mit
roten Fühlern und zwei rotgelben Querbinden auf den Flügeldecken. Dies
sind Totengräber (vergl. bunte Tafel IV. 3), die den toten Körper
gewittert haben und oft aus ziemlicher Entfernung herbeifliegen, um ihn
zu begraben.
Sie kratzen die weiche Erde darunter weg, bis der Körper hinuntersinkt
und dann bedecken sie ihn mit Erde. Weshalb tun sie dies wohl? Weil
der weibliche Käfer seine Eier in den toten Körper legen will, damit
die Larven von dem Fleische fressen können. Er tut dies, sobald das
Tier begraben ist, und in einigen Tagen kommen die Larven aus. Sie
sind schmal, haben sechs Beine und eine Anzahl von Stacheln auf dem
Rücken. Sie schlängeln sich in und durch das Fleisch und fressen darauf
los, bis sie sich selbst in den Boden einwühlen, um sich in Käfer zu
verwandeln.
Sehr viele Käfer werden uns dadurch nützlich, daß sie lebende und tote
Tiere fressen. Unter diesen ist auch der kleine runde Marienkäfer, der
seine Beine anzieht und sich tot stellt, wenn er berührt wird, und der
Leuchtkäfer oder das Glühwürmchen, das so hell in Sommernächten in
Hecken und Büschen leuchtet.
Ein guter Gärtner, der ein Glühwürmchen in einer Hecke sieht, wird es
immer vorsichtig aufnehmen und es wenn möglich in seinen Garten setzen.
Denn die weiche Larve des Glühwürmchens (3, S. 36) bohrt sich in die
Gehäuse der kleinen Schnecken hinein und nährt sich von ihnen.
Wenn man ein trockenes Schneckenhaus mit einer weißen Larve darin
findet, so wird diese wahrscheinlich die des Glühwürmchens sein. Man
kann sie an einem Büschel weißer Fäden erkennen, die am Hinterleibsende
sitzen, und die sie gebraucht, um den Schleim der Schnecke von ihrem
Rücken abzubürsten.
[Illustration: Glühwürmer. 1. Weibchen mit glänzendem Licht. 2.
Männchen, weniger hell leuchtend. 3. Larve.]
Von den vollentwickelten Glühwürmchen kann man das Weibchen (1) sehr
leicht bei Nacht finden, da es ein so helles Licht ausstrahlt. Es hat
keine Flügel, und man könnte es für eine Larve halten, wenn nicht die
sechs Beine wären. Das männliche Glühwürmchen (2) hat zwei leuchtende
Punkte am Hinterleibsende. Aber es leuchtet nicht so hell wie das
Weibchen. Es hat lange weiche Flügeldecken und breite Flügel, mit denen
es oft in ein erhelltes Zimmer fliegt, wenn das Fenster geöffnet ist.
Der letzte nützliche Käfer, den wir erwähnen wollen, ist das
Marienkäferchen. Es nährt sich sein ganzes Leben lang von den Wanzen
und Blattläusen, die unsere Pflanzen zerstören. Wo es auch immer
Blattläuse gibt, da legt das Marienkäferchen ein Häufchen gelbe Eier,
und wenn die langen, düster graublau gefärbten Larven ausgekrochen
sind, klettern sie an den Stengeln hinauf und stopfen die Läuse mit
ihren Vorderfüßen in den Mund. Beim Verpuppen kleben sie den Hinterleib
an ein Blatt und hängen daran, mit dem Kopfe nach unten, bis ein
Marienkäfer daraus wird, der dann fortfliegt, um sich auf einem anderen
Busch von Blattläusen zu nähren und wieder Eier zu legen.
Suche einen Sandkäfer und seine Larve. Suche unter toten Tieren nach
einem Totengräber. Fange einen Marienkäfer, ein männliches und ein
weibliches Glühwürmchen. Suche nach der Larve des Marienkäfers.
Lektion 7.
Wespen und ihre Lebensweise.
Wir alle haben Schmetterlinge gern, weil sie hübsch sind, und Bienen,
weil sie uns Honig geben. Aber niemand liebt Wespen, denn wir fürchten
stets, daß sie uns stechen und unsere Gartenfrüchte benagen. Wespen
sind jedoch sehr fleißig und interessant. Sie wirken gleichsam als
Straßenkehrer, fressen Abfall, rohes Fleisch und Insekten und stechen
niemals, wenn man sie nicht erschreckt. Man kann wohl gestochen werden,
wenn man eine Wespe berührt, ohne es zu wissen; aber die Leute sind
sehr töricht, die nach ihnen schlagen und herumspringen, wenn eine in
der Nähe ist. Sitzt man ganz ruhig, so werden sie niemand verletzen.
Wir sind genötigt, die Wespen zu töten, denn sonst würden sie sich
zu stark vermehren und viel von unserm Obst verzehren. Am besten ist
es, im Frühjahr und Anfang Sommer ordentlich aufzupassen. Die wenigen
großen, die dann umherfliegen, sind Königinnen oder Mutterwespen, und
jede von ihnen wird ein Nest gründen. Es ist weniger grausam, diese zu
töten, als die Nester im Sommer zu vernichten, wenn 3000-4000 Wespen
in jedem sitzen. Manche von euch haben wohl schon gesehen, wie ein
Wespennest bei Nacht ausgegraben wird, aber wahrscheinlich habt ihr
noch niemals eins sorgfältig betrachtet. Laßt uns sehen, wie es gebaut
ist!
Wenn die Königin unter dem Moos- oder Grasbüschel, wo sie den Winter
verbracht hat, herauskommt, sucht sie nach einem Loch im Boden, das
vielleicht von einer Maus oder einem Maulwurf verlassen ist. Sie
kriecht hinein und macht es größer dadurch, daß sie Erdklümpchen
abbeißt und mit ihren Hinterfüßen hinauswirft. Dann fliegt sie fort und
kratzt kleine Faserstückchen von Bäumen und Pflanzen. Manchmal kann
man sehen, wie sie an Fensterrahmen und Holzpfosten nagt. So bekommt
sie kleine Holzschnitzel. Mit diesen fliegt sie nach dem Loche zurück
und verarbeitet sie mit ihrem klebrigen Speichel zu einer grauen
papierähnlichen Masse.
Ehe diese hart wird, macht sie einen dicken Klumpen daraus und klebt
diesen an der Decke des Loches an die Wurzeln von Pflanzen. Dann
sammelt sie mehr Holzfasern und baut einige wenige Zellen unter den
Klumpen.
[Illustration: Inneres des Nestes der gemeinen Wespe.]
In jede dieser Zellen legt sie ein Ei, und dann bereitet sie mehr
von der klebrigen Masse und baut mehr Zellen. In ungefähr acht Tagen
kriechen die ersten beinlosen Larven aus den Eiern aus, und die Königin
füttert sie mit Honig und vorwiegend mit Insekten, während sie dabei
mit ihrer Arbeit fortfährt. In ungefähr drei Wochen verpuppen sich die
Larven innerhalb eines Kokons, und in einer weiteren Woche kriechen aus
diesen Arbeitswespen aus. Nun folgen täglich andere, und die Königin
überläßt ihnen die Arbeit des Nestbaues und des Fütterns der Larven,
während sie selbst nur Eier legt.
Die Wespen bauen nicht nur Zellen, sie bedecken das Nest auch mit
mehreren papierartigen Hüllen, die gleich einem offenen Regenschirm von
dem Klumpen an der Decke herabhängen. Diese Hüllen umschließen mehrere
wagerechte Waben. Eine fertige Wabe sieht aus wie ein runder Teller,
der oben glatt ist, und an dessen Unterseite eine große Anzahl von
Zellen sitzen, die alle nach unten geöffnet sind.
[Illustration: 1. Männchen. 2. Königin. 3. Arbeiter.]
An mehrere Säulchen unter diese Wabe kleben die Wespen nun eine neue
darunterliegende fest, die sie in derselben Weise bauen wie die
erste. So geht es weiter bis zum August, wo vielleicht fünfzehn bis
sechszehn flache, runde Waben untereinanderhängen; sie sind durch jene
senkrechten Säulchen verbunden. Dann werden die papierähnlichen Hüllen
bis zur Unterseite des Nestes heruntergebaut, so daß es eine runde oder
eiförmige Gestalt hat. Diese Hüllen verhindern, daß die Feuchtigkeit
in das Nest eindringt.
[Illustration: Tafel V
Einzellebende Wespen.