Da eine Raupe fortwährend frißt, so wird durch den wachsenden Körper
die Haut so straff, daß eine Zeit kommt, wo sie keine Nahrung mehr
aufnehmen kann. Dann hält sie sich einige Stunden ruhig und bläst ihre
Ringe auf. Die Haut platzt, und die Raupe kriecht heraus, mit einer
neuen, weichen Haut bekleidet, die sich unter der alten gebildet hat.
Diese ist dehnbar, und bald frißt die Raupe ebenso lustig darauf los
wie vorher.
Die Raupe wiederholt dies ungefähr fünfmal in ihrem Raupenleben; dann
hört sie mit Fressen auf und bleibt einige Tage unbeweglich. Ihre
Färbung verbleicht, und wenn nun ihre Haut platzt und abgestreift
wird, so sind unter einer neuen weichen nun schon alle Teile des
Schmetterlings zu sehen, obwohl noch weich und unvollkommen. Bald
sickert eine Art von Gummi heraus. Dieser verhärtet in der Haut und
schützt dadurch den Körper während der Entwicklung.
Jetzt heißt das Wesen Puppe. Diese sieht in der Tat wie eine
zerknitterte Puppe aus mit ihren zusammengebogenen Beinen und dem
über diesen niedergebogenen Kopfe unter der harten Haut. Die Puppe
eines Tagfalters ist gewöhnlich oben breit und unten schmal und hat
Erhöhungen und Stacheln (vergl. bunte Tafel I. 3). Aber die Puppen der
Schwärmer sind mehr eiförmig und glatt (vergl. bunte Tafel II. 3).
Spinner hüllen ihre Puppen gewöhnlich in einen seidigen Sack oder Kokon
ein, aber die Tagfalter lassen die ihrigen nackt und befestigen sie an
einem Zweige oder an einem Grashalm mit einem seidigen Faden (vergl.
bunte Tafel I. 5).
Die Raupe der Schwärmer wühlt sich in den Erdboden ein und liegt als
Puppe in einem Loche, das sie vorher mit Seidenfäden ausgepolstert hat.
Nach ungefähr sieben Monaten, oder oft auch später, arbeitet sich die
Puppe an die Oberfläche hinauf, der Schmetterling bricht durch die
Hülle und kriecht heraus.
Sammle einige Raupen mit den Pflanzen, auf denen du sie findest.
Füttere sie und beobachte ihre Verwandlungen.
Lektion 3.
Bekannte Dämmerungs- und Nachtfalter.
Schmetterlinge tun uns nach dem Auskriechen keinen Schaden mehr. Sie
breiten ihre Flügel aus, fliegen umher und saugen den Honig aus den
Blumen. Die starken Freßwerkzeuge der Raupe sind verschwunden und
federartige Lippen nehmen deren Stelle ein. Ihre Unterkiefer sind sehr
lang geworden und in eine lange Röhre zusammengerollt (S. 18), die
einem zierlichen Elefantenrüssel ähnlich sieht. Wenn das Insekt den
Rüssel nicht gebraucht, ist dieser unter seiner Lippe aufgerollt, aber
wenn es den Honig in den Blüten erreichen will, rollt es den Rüssel auf
und steckt ihn in die Blüten.
Am frühen Morgen oder am Abend im August kann man den Ligusterschwärmer
(siehe bunte Tafel II. 1) mit seinen rötlichbraunen Vorderflügeln und
den schönen rosigen, schwarz gestreiften Hinterflügeln sehen, wie er
seinen Kopf in die Geißblattblüten in der Hecke steckt. Oder der große
Taubenschwanz flattert im Sonnenschein über ein Blumenbeet im Garten
oder saugt Honig aus den tiefen Blüten der Nelken und Natterzunge. Ihr
könnt ihn teils an dem summenden Geräusch erkennen, das er mit seinen
Flügeln verursacht, und teils daran, daß er sich nicht auf den Blumen
niederläßt, sondern im Fliegen Honig saugt.
Dann ist da der Totenkopf, der größte deutsche Schwärmer, der seinen
sonderbaren Namen von der gelben Zeichnung auf dem Rücken seiner Brust
hat, die wie ein Totenschädel aussieht. Er hat braune Vorderflügel und
gelbe Hinterflügel mit dunkeln Querbändern, die Fühler und der Rüssel
sind sehr kurz. Man kann ihn finden, wenn man nach Sonnenuntergang im
Herbste an den Hecken sucht; er schwärmt daran entlang und ist durchaus
nicht so selten, wie man glaubt; aber er fliegt nur am Abend.
[Illustration: Kopf eines Schmetterlings. ~e.~ Großes Auge. ~l.~
Fühler. ~p.~ Saugrüssel.]
Wenn man einen dieser großen Schwärmer fängt, so wird man überrascht
sein zu sehen, wie verschieden er von der Raupe ist, aus der er sich
entwickelt hat. Die sechs Beine an den drei Ringen der Brust sind noch
da, aber über ihnen stehen vier prächtige Flügel. Sie bestehen aus
einer feinen durchscheinenden Haut und sind über und über mit Schuppen
bedeckt, die wie Dachziegel geordnet sind. Wie sorgfältig man auch
immer einen Schwärmer oder einen Tagschmetterling fängt, es wird immer
ein feiner Staub an den Fingern zurückbleiben. Jedes Teilchen dieses
Staubes ist eine fein gefärbte Schuppe, und diese geben dem Schwärmer
seine schönen Farben. Die Schmetterlinge werden Lepidoptera genannt,
und dieses Wort bedeutet „Schuppenflügler“. Die Raupe hat sechs kleine
Augen, so winzig, daß wir sie nicht bemerken. Der Schwärmer hat
diese auch noch, aber er hat nebenbei zwei prachtvolle, kugelartig
hervorgewölbte Augen (~e~, siehe Abbildung) an beiden Seiten des
Kopfes. Sie bestehen aus hunderten von kleinen Einzelaugen, so daß der
Schwärmer nach allen Seiten hinsehen kann, obgleich er die Augen nicht
bewegt. Die Augen des Totenkopfschwärmers glänzen selbst in der dunklen
Nacht wie rote Lichterchen.
Der Körper des Falters besteht aus drei Teilen. Sein Hinterleib ist
eiförmig zugespitzt, seine breite Brust trägt die Beine und die Flügel,
und am Kopfe befinden sich die großen Augen (~e~), die Fühler und der
Saugrüssel (s. Abb. S. 18). Die Fühler oder Antennen sind breit in der
Mitte, spitz am Ende und meist fein gesägt oder gekämmt. Daran kann
man Dämmerungs- und Nachtfalter von Tagfaltern unterscheiden. Denn die
Fühler der Tagfalter sind fast immer rund, am Ende keulenartig verdickt
und ganz glatt.
Ein anderer Unterschied zwischen ihnen ist der, daß bei den Tagfaltern
die Flügel in der Ruhe aufrecht stehen, so daß ihre oberen Enden sich
berühren, während sie bei den Schwärmern flach an dem Rücken liegen,
wie das Dach eines Hauses auf den Mauern ruht.
[Illustration: 1, 1 ~a.~ Fühler von Tagfaltern. 2. Fühler von
Schwärmern, fein gesägt oder gekämmt (2 ~a~).]
Zu den häufig vorkommenden Schmetterlingen, die man finden kann,
gehört der Weidenholzbohrer. Er hat einen kurzen Körper und graubraun,
verschwommen weißgrau gezeichnete Flügel mit dunklen Wellenlinien. Man
findet ihn auf Weiden und Pappeln. Er fliegt nicht viel umher, denn er
hat keinen Rüssel und nimmt während seines kurzen Schmetterlingslebens
keine Nahrung zu sich. Er sucht nur eine Stelle, wo er seine Eier
ablegen kann, aus denen eine nackte rote Raupe auskriecht. Diese Raupe
bohrt sich in einen Baumzweig und lebt dort Jahre lang, indem sie sich
von seinem Holze nährt.
Viele Schwärmerraupen leben im Innern von Baumstämmen und Zweigen.
Wenn man an einem heißen Sommertage die Johannisbeersträucher
überblickt, wird man zuweilen einen hübschen kleinen Schwärmer finden
mit schlankem, schwarzgelben Körper, dünnen Beinen, langen Fühlern
und klaren, durchsichtigen Flügeln; er sieht ganz anders aus wie
die meisten Schmetterlinge. Dies ist der Johannisbeer-Glasflügler
(vergleiche bunte Tafel II. 5), der nur am Rande seiner Flügel Schuppen
hat. Er sieht gewissen Wespen sehr ähnlich. Dieser Glasflügler legt
seine Eier in die Zweige der Johannisbeerbüsche, und seine kleine gelbe
Raupe, die eine dunkle Linie auf dem Rücken hat, frißt sich in das Mark
der Zweige hinein. Man sollte immer die toten oder verdorrten Zweige
von den Johannisbeerbüschen entfernen, aus Furcht, daß vielleicht diese
Raupen darin sitzen könnten.
Ein anderer Schwärmer, den man im hellen Sonnenschein umherfliegen
sehen kann, ist von dunkelblau-grüner Farbe mit sechs roten Flecken auf
den Flügeln. Es ist das Blutströpfchen oder Widderchen (s. Abb. S. 21),
dessen Kokons man im Mai an den langen Grashalmen der Wiese befestigt
finden kann. Im August ist der Schmetterling ausgekrochen und fliegt
von Blume zu Blume.
[Illustration: Tafel II
1. Ligusterschwärmer. 2. Raupe. 3. Puppe. 4. Brauner Bär. 5.
Glasflügler.]
Auch einen Spinner werdet ihr wahrscheinlich gerne kennen lernen,
weil seine Raupe sich zu einer Kugel zusammenballt, wenn man sie
aufnimmt. Sie frißt gern vom Salat und Stachelbeersträuchern, und wenn
sie sich verpuppen will, beißt sie ihre langen Haare ab und verwebt
sie in den Kokon. Wenn der Spinner auskriecht, läuft er abends über
die Blumenbeete und fliegt nicht sehr hoch. Er ist allgemein als
Bärenspinner oder brauner Bär bekannt (vergleiche bunte Tafel II. 4)
und ist der größte Spinner, den wir haben. Seine Vorderflügel sind
hellgelb mit welligen dunkelbraunen Streifen. Die Hinterflügel sind
hellrot und schwarzblau gefleckt. Die Brust hat ein hellrotes Band und
sein Hinterleib ist scharlachrot mit schwarzen Querstreifen. Wenn man
die Bärenraupe im frühen Sommer findet, sie in einem Kasten, der mit
Draht vergittert ist, hält und fleißig mit Taubnesseln füttert, so kann
man die Puppe und den prächtigen Bärenspinner daraus entstehen sehen.
[Illustration: Blutströpfchen oder Widderchen mit Raupe und Kokon.]
Versuche einen Schwärmer, einen Glasflügler, einen Bärenspinner und
die Puppe eines Ligusterschwärmers zu finden. Fange so viele Raupen
und Puppen wie möglich und nimm immer etwas von der Pflanze mit,
wovon sie sich nähren.
Lektion 4.
Bekannte Tagfalter.
Es gibt lange nicht so viele Tagfalter wie Schwärmer, Glasflügler,
Eulen usw. Aber da die letzteren meist in der Dämmerung oder abends
fliegen, kennen wir die Tagfalter, die sich im hellen Sonnenschein
umhertummeln, am besten. Ihre Raupen sind nicht so schädlich im
Garten wie die der anderen Schmetterlinge, mit Ausnahme von der des
Kohlweißlings, über den wir im dritten Buche gesprochen haben.
Es ist sehr unterhaltend, im Frühling und im frühen Sommer die Raupen
der gewöhnlichen Schmetterlinge zu sammeln und sie in einem Kasten zu
halten, über den ein Stück grober Musselin gespannt ist, so daß man sie
beobachten kann, bis die Schmetterlinge auskriechen.
Auf diese Weise wird man ihre Farben viel besser zu sehen bekommen, als
wenn man sie fängt, da ihre Flügel nicht vom Wind und Regen beschädigt
werden wie sonst oft beim Auskriechen. Und man braucht sie nicht zu
töten. Nachdem man sie betrachtet hat, kann man sie frei lassen, damit
sie den Sonnenschein genießen.
Es ist sonderbar, daß so viele Schmetterlinge ihre Eier auf die Blätter
der Brennessel legen. Der Grund ist vielleicht der, daß Kühe und Schafe
diese Pflanzen nicht fressen, und die Eier auf ihnen also sicher sind.
Das Tagpfauenauge, der kleine Fuchs und der Admiral legen alle ihre
Eier auf Nesseln. Dort findet man also ihre Puppen, und ich will euch
erzählen, wie man sie unterscheiden kann.
Die Eier des Pfauenauges sind in Klümpchen unter die Nesselblätter
geklebt, und im Juni kann man die kleinen schwarzen, weißpunktierten
Raupen finden, wie sie in Gruppen an den Blättern fressen. Früh im
Juli wird jede von ihnen eine kleine, seidige Wulst unter ein Blatt
gesponnen haben, an welchem die merkwürdige steife Puppe mit dem Kopfe
nach unten hängt; sie sieht aus wie eine bräunliche glänzende Muschel
(vergleiche bunte Tafel I. 3).
Wenn man Raupe oder Puppe mit nach Hause nimmt, so wird man gegen
Ende Juli einen prächtigen Schmetterling auskriechen sehen. Die
Hinterflügel sind braun, die Vorderflügel rot und blau, und auf jedem
der vier Flügel befindet sich ein großer glänzender Fleck, der aussieht
wie die Augen in den Schwanzfedern des Pfaues. Der Körper ist ganz
dunkel gefärbt, die Fühler am Kopfe sind lang und dünn und an den
Enden keulenförmig verdickt. Wenn aber der Schmetterling seine Flügel
schließt (siehe bunte Tafel I. 1 ~a~), so sind alle die glänzenden
Farben verborgen, und er unterscheidet sich infolge der graubraunen
Außenseite kaum von seiner Umgebung, so daß die Vögel ihn während der
Ruhe nicht leicht sehen können.
Wenn ihr aber aus Versehen einmal eine andere Puppe von den Nesseln
mit nach Hause bringt, so wird euch ein ganz anderer Schmetterling
überraschen. Seine Flügel sind am Rande stark eingekerbt; sie sind
samtschwarz mit roter Binde und weißen Flecken mit blauem Rande. Es
ist der Admiral, dessen Puppe auch unter den Blättern der Brennnessel
hängt. Ihr werdet euch nicht irren, wenn ihr die Raupe findet, denn sie
ist nicht schwarz wie die des Tagpfauenauges, sondern grünlichgelb oder
braunrot mit einer Reihe halbmondförmiger Flecke an jeder Seite und
mit gelben ästigen Dornen. Sie nährt sich von Nesselblättern, die sie
mit seidigen Fäden um sich befestigt. Ihr müßt euch nun merken, daß aus
diesen Raupen ein Admiral wird.
An einer anderen Stelle findet ihr vielleicht ein Bündel von
Nesselblättern, die mit Seide zusammengewebt sind, und in deren Innern
eine Menge Raupen sitzen. Sie sind mit kurzen Dornen besetzt und haben
einen schwarzen Leib mit gelben Streifen und Punkten. Aus ihren Puppen
wird der kleine Fuchs auskriechen.
[Illustration: 1. Fuchs fliegend, 2. ruhend, 3. Puppe.]
Die sicherste Art und Weise, diese drei Raupen gut kennen zu lernen,
ist die, daß man sie alle mit nach Hause nimmt und dort aufbewahrt, bis
die Schmetterlinge auskriechen. Dann wird man viele kleine Unterschiede
bemerken, die hier nicht alle aufgezählt werden können.
Auf Disteln findet man eine andere Raupe, die sich in die Blätter
einspinnt, und deren Puppe aschgrau, braun oder gelblich und mit
mehreren Goldpunkten und Dornen besetzt ist. Aus ihr wird ein
rotbrauner Schmetterling auskriechen, der Distelfalter. In manchen
Jahren gibt es nur wenige von dieser Art, während sie in anderen Jahren
sehr zahlreich ist.
Wir gehen nun an einer anderen Stelle auf die Suche, nämlich unter dem
Kreuzdorn und Faulbaum am Flußufer, entweder im Vorfrühling oder gegen
Ende Juli, da der nachbenannte Schmetterling zwei Flugzeiten hat.
Man muß unter den kleinen Zweigen nach einer hübschen, grünen,
rotgefleckten Puppe suchen, die einer gerippten Muschel ähnlich sieht.
Sie hängt wagerecht an einem feinen Seidenfaden (vergleiche bunte
Tafel I. 5). Achte darauf, wie klug die Raupe ihn befestigt hat, so
daß das schwere breite Ende dem langen, dünnen das Gleichgewicht hält.
Dann schneide den Zweig ab und nimm ihn mit nach Hause. Aus der Puppe
wird der Zitronenfalter auskriechen, dessen hellgelbe Flügel vier rote
Flecke haben (Tafel I. 4). Ihr werdet ihn sehr gut kennen, denn er ist
gewöhnlich der erste Schmetterling, der im Frühling fliegt.
Nun wollen wir einmal tief unten auf den Pflanzen, die auf
Wiesen wachsen, suchen. Es sind weiße oder lila Blumen, deren
Blumenkronblätter in der Form eines Kreuzes stehen. Sie heißen
Schaumkraut und Bitterkresse. Wenn man unter ihren Blättern sucht, so
findet man oft eine sehr sonderbare Puppe (siehe bunte Tafel I. 7),
die an beiden Seiten zugespitzt und wie ein Boot geformt ist. Aus ihr
wird der Aurorafalter auskommen, der breite orangerote Flecke an den
Spitzen der weißen Vorderflügel hat. Dieser Schmetterling ist sehr
bunt, wenn er fliegt, aber wenn er sich niederläßt (siehe bunte Tafel
I. 8) und seine Flügel aufrecht stellt, kann er kaum auf den Blättern
der Pflanzen, aus deren Blüten er Honig saugt, gesehen werden.
Ein anderer gewöhnlicher Schmetterling ist der Heufalter oder das
Wiesenvögelchen (vergl. bunte Tafel I. 9), das man an einem schönen
Tage im Juni oder September finden kann, wie es den Honig aus dem
Heidekraute saugt. Die grüne Raupe nährt sich von weichen Grasarten,
und der hübsche kleine Schmetterling ist gelbbraun mit runden
Augenflecken.
Ihr wißt also nun, wie man nach Raupen, Puppen und Schmetterlingen
suchen muß, und könnt das übrige dabei selbst lernen. Überall wo
Ackerveilchen und Hundsveilchen wachsen, kann man die dornige Raupe der
hübschen Perlmutterfalter finden. Bläulinge findet man vorzugsweise auf
Kalkboden, doch ist der gemeine Bläuling fast überall zu Hause, und man
kann ihn häufig in der Gesellschaft der kleinen dunkelbraunen Bläulinge
antreffen, deren dunkel glänzende Flügel zwischen den hübschen
Bläulingen lebhaft auffallen.
Wo man auch immer einen fliegenden Schmetterling sieht, sollte man
versuchen, ihm zu folgen, bis er sich niederläßt; denn eine der
lehrreichsten Beobachtungen, die man bei allen Schmetterlingen machen
kann, ist die, wie die untere Färbung der Flügel ihnen hilft, sich zu
verbergen, wenn sie ruhen, während die Farben der Oberseite hell und
bunt sind.
Suche Raupen und Puppen und beobachte sie. Merke dir die Pflanze, von
der sich die Raupe nährt. Vergleiche die Unterseite der Flügel mit
den Pflanzen, worauf sie sich niederlassen.
Lektion 5.
Schädliche Käfer.
Alle lebenden Geschöpfe müssen nach Nahrung jagen, und Insekten fressen
sehr viel im Verhältnis zu ihrer Größe. Sie fressen am meisten als
Larven, aber einige, wie der Maikäfer und Sandkäfer, fressen fast
ebensoviel, wenn sie voll entwickelt sind und Flügel haben.
Es gibt pflanzenfressende Käfer und Käfer, die sich von anderen
Insekten und Tieren nähren. Im ganzen gibt es mehr als 3000 Käferarten
in Deutschland. Es ist deshalb nötig zu wissen, was für eine Art von
Nahrung der Käfer zu sich nimmt, denn einige sind nützlich für Feld und
Garten, andere tun den Ernten großen Schaden.
Einer der bösartigsten ist der Maikäfer. Ihr kennt ihn sehr gut, wenn
er euch am Abend umsummt oder euch ins Gesicht fliegt. Aber vielleicht
kennt ihr ihn nicht als Larve, wenn er drei oder vier Jahre lang unter
der Erde lebt und die Wurzeln von Gras, Korn und Gemüsen frißt. Sobald
man sieht, daß Pflanzen in Feld und Garten gelb und kränklich aussehen
und die Blätter hängen lassen, obwohl der Boden feucht ist, so ist es
sehr wahrscheinlich, daß eine Larve unten an den Wurzeln sitzt, und
diese Larve kann sehr wohl die eines Maikäfers sein.
Grabt die Pflanze aus, und ihr werdet ein häßliches Geschöpf finden
(vergl. bunte Tafel III. 3), wie eine sehr große Made und fast so dick
wie euer kleiner Finger mit gelblich-braunem Kopfe und sehr starken
Kiefern. Sie hat sechs lange Beine mit fünf Gelenken, die an den Ringen
hinter dem Kopfe wachsen, und ist so vollgefressen, daß sie kaum
kriechen kann. Der letzte Ring ist viel größer als die anderen und sehr
dick angeschwollen, und man kann die Atemlöcher an den Seiten sehr
gut beobachten, weil der Körper so durch die Nahrung ausgedehnt ist.
Ihr wißt, daß die Larve nicht durch den Mund atmet, und so kann sie
fortwährend weiterfressen. Wenn ihr sie nicht gestört hättet, so würde
sie von Pflanze zu Pflanze durch das ganze Feld gekrochen sein und
hätte drei Jahre lang nichts getan als gefressen. Im Winter wühlt sie
sich tiefer in den Erdboden, um sich während der Kälte warm zu halten.
Im Herbst des dritten Jahres endlich krümmt sie sich zusammen und hört
fast acht Monate lang mit Fressen auf. Wenn man zu dieser Zeit einen
Engerling findet, so kann man die Teile des wirklichen Maikäfers unter
der durchsichtigen Haut liegen sehen. In den letzten Monaten ist es
dann ein voll entwickelter, schlafender Maikäfer.
Wenn dann der Mai kommt, kriecht er aus der Erde hervor und fliegt in
die Bäume, deren Blätter er ebenso gierig frißt, wie er vorher ihre
Wurzeln fraß, als er noch eine Larve war. Dies ist die richtige Zeit,
ihn zu fangen und zu töten, denn er lebt nur ungefähr vier Wochen lang,
und während dieser Zeit legt das Weibchen die Eier, aus denen die
Larven auskriechen.
Man ist überrascht, wenn man den Unterschied sieht, der zwischen dem
Käfer und der unter dem Erdboden lebenden weißen Larve besteht. Es ist
nun ein fliegendes Insekt daraus geworden, ungefähr 2,2 ~cm~ lang, mit
braunen hornigen Flügeldecken, die ein Paar durchsichtiger, häutiger
Flügel bedecken. Der Hinterleib endet in einer feinen Spitze; an dem
Kopfe trägt er zwei Fühler, die in einem zierlichen Fächer enden,
der beim Männchen aus 7 langen, beim Weibchen aus 6 kurzen Blättchen
besteht.
[Illustration: Tafel III
Schädliche Käfer.
1. Männlicher, 2. weiblicher Maikäfer. 3. Engerling. 4. Puppe. 5.
Schnell- oder Springkäfer.]
Diese Blättchen sind beim männlichen Käfer (siehe bunte Tafel III.
1) sehr hübsch und viel größer als beim Weibchen (siehe bunte Tafel
III. 2), und daran kann man das letztere erkennen. Man muß die
Weibchen fangen und töten, wenn man seine Ernte retten will, und die
barmherzigste Art, dies zu tun, ist, sie in kochendes Wasser zu werfen.
Ein halb zertretener Käfer lebt oft noch lange aber das kochende Wasser
tötet ihn augenblicklich.
Die Maikäfer ruhen bei Tage auf den von ihnen bevorzugten Bäumen, und
wenn man ein Tuch darunter ausbreitet und die Zweige schüttelt, so kann
man eine Menge fangen. Landleute suchen durch verschiedene Mittel auch
die Larve in der Erde zu töten.
Eine andere sehr schädliche Larve ist die der Schnellkäfer, die auch
Schmiede genannt werden (vergl. bunte Tafel III. 5). Alle Kinder kennen
diese kleinen Käfer, obwohl sie vielleicht ihre Namen nicht wissen.
Sie sind schmal und flach, ungefähr 1-2 ~cm~ lang und haben sehr kurze
Beine. Einer der gewöhnlichsten, der Saatschnellkäfer, ist 10 ~mm~
lang, schwarzbraun und grau behaart. Knaben legen die Schnellkäfer
gern auf den Rücken, denn sie schnellen sich dann mit Hilfe eines
Bruststachels unter knipsendem Geräusch kräftig in die Höhe und kommen
beim Herunterfallen meist auf die Beine. Manchmal fallen sie wieder auf
den Rücken, dann ruhen sie sich etwas aus und springen wieder.
Die Larven dieser unterhaltenden kleinen Geschöpfe sind sehr schädlich.
Wir kennen sie unter dem Namen Drahtwürmer. Wenn man eine solche
Larve aufmerksam betrachtet, so wird man sehen, daß sie kein Wurm ist,
sondern die sechs Beine an den Leibesringen hinter dem Kopfe hat; daran
erkennt man, daß sie die Larve eines Insektes ist. Drahtwürmer nähren
sich von den Wurzeln der meisten Pflanzen. Sie sind lang und dünn wie
ein Stück Draht; ihre Farbe ist meistens gelblichrot, und sie haben
eine sehr zähe Haut.
Der Schnellkäfer legt seine Eier zwischen Pflanzenwurzeln, und wenn der
Drahtwurm ausgekrochen ist, frißt er oft fünf Jahre lang, ehe er sich
in einen Käfer verwandelt. Daher müssen Schnellkäfer vernichtet und
Salz und Kalk auf die Erde gestreut werden, um sie zu töten.
[Illustration: 1. Gefleckter Erbsenkäfer. 2. Gestreifter Erbsenkäfer.
3. Bohnenkäfer. 4. Apfelblütenstecher.]
Unglücklicherweise sind auch die hübschen kleinen Rüsselkäfer sehr
schädlich. Wir lasen in Buch I von dem Haselnußbohrer, und fast jede
Pflanze und jeder Baum hat irgend einen Rüsselkäfer, der sie angreift.
Da ist der Apfelblütenstecher (4), der im April ein Loch in die Knospe
der Apfelblüte sticht, der Erbsenkäfer (1 u. 2), der Bohnenkäfer (3)
und viele andere. Sie alle beginnen ihr Leben als kleine, weiche
Larven mit keinen wirklichen Füßen; sie haben nur Bauchfüße, d. h.
ungegliederte Fleischzapfen mit borstiger Sohle, einen hornartigen Kopf
und scharfe Kiefer.
Man kann den vollendeten Rüsselkäfer an dem auffälligen Rüssel
erkennen, der manchmal lang, manchmal breit ist. Es sind hübsche kleine
Geschöpfe mit oft glänzenden Flügeln, die wie Juwelen funkeln, und
hellen Augen; aber als Larven zerstören sie überall Blumen, Früchte und
Schößlinge.
Zu den merkwürdigsten Käfern gehören die Zweigabstecher. Sie haben
lange Rüssel und sehr scharfe Kinnbacken, und ihre Füße haben unten
borstige Polster mit scharfen Klauen, so daß sie sich an glatten
Stämmen und Zweigen festhalten können. An Pappeln kann man im Sommer
einen hübschen Zweigabstecher finden mit goldglänzenden, grünen
Flügeln, den Pappelblattstecher, und an Obstbäumen und Weinstöcken
trifft man sicher einen stahlblauen Stecher an, der auch Rebenstecher
genannt wird und seine Eier in ihre Schößlinge legt.
Wenn das Weibchen des Zweigabstechers Eier legen will, bohrt es ein
Loch in einen jungen Schößling mit seinem Rüssel und preßt ein Ei
hinein. Hat es nun auf diese Weise mehrere gelegt, so fängt es an,
den Schößling mit den scharfen Kinnbacken abzubeißen. Dazu braucht es
oft einige Wochen, und wenn ihr den herabhängenden Zweig abbrecht und
ihn verbrennt, so werdet ihr die Larven vernichten. Wenn dieser aber
zuletzt nur noch an einer Faser hängt, drückt das Weibchen ihn ganz
hinunter, so daß er sich loslöst und auf den Boden fällt. Hier frißt
dann die Larve ungestört, wenn sie ausgekrochen ist.
Versuche Maikäfer zu finden -- Männchen, Weibchen und Larve. Suche
einen Schmied und einen Drahtwurm. Sammle so viele Rüsselkäfer wie
möglich, ebenso Zweige, Blumen und Früchte, in denen Larven sitzen.
Lektion 6.
Nützliche Käfer.
Wir sind oft gezwungen, Käfer zu vernichten, wenn sie so zahlreich
sind, daß sie unsere Ernten zerstören; da ist es angenehm zu wissen,
daß es andere gibt, die uns so viel Gutes tun, daß wir nicht gegen sie
ins Feld zu ziehen brauchen.
Die Sandlaufkäfer (vergl. bunte Tafel IV. 1) z. B. sind sehr hungrige
Geschöpfe. Da sie sich von anderen Insekten nähren, vernichten sie die
Maikäferlarven, Drahtwürmer und Raupen und retten so unsere Pflanzen.
Sie sind nicht sehr groß (unser gewöhnlicher Sandlaufkäfer ist nicht
mehr als etwa 1½ ~cm~ lang), aber ihre langen schlanken Beine sind
sehr kräftig, und sie können sehr schnell fliegen.
Auf trocknen, sandigen Feldern und Äckern kann man im Sommer eine Menge
von ihnen in der warmen Sonne umherlaufen sehen. Ihre Flügeldecken sind
von einem schönen, glänzenden Grün mit einem kupferfarbigen Scheine und
mit weißen oder gelblichen Flecken geziert. Sie laufen sehr behend und
so schnell, daß man es sehr schwer finden wird, einen zu fangen.
Gerade wenn man denkt, daß man den Käfer hat, hebt er plötzlich die
Flügeldecken, entfaltet die zarten durchscheinenden Flügel und ist
fort, ehe man es denkt.
[Illustration: Tafel IV
Nützliche Käfer.