Lektion 1. Was ist ein Insekt 7

„ 2. Teile einer Raupe 12

„ 3. Bekannte Dämmerungs- und Nachtfalter 17

„ 4. Bekannte Tagfalter 22

„ 5. Schädliche Käfer 27

„ 6. Nützliche Käfer 32

„ 7. Wespen und ihre Lebensweise 37

„ 8. Einzeln lebende Bienen 43

„ 9. Honigbienen 48

„ 10. Zweiflügler 54

„ 11. Heimchen und Heuschrecken 60

„ 12. Ameisen und ihre Honigkühe 66

Sechstes Buch.

Aus dem Leben der Insekten.

Lektion 1.

Was ist ein Insekt?

Es ist ein herrlicher Sommermorgen. Laßt uns die Bücher schließen und

in Garten und Feld hinauswandern auf der Suche nach Insekten! Wir tun

am besten, ein paar leere Streichholzschachteln mitzunehmen, um die

Insekten, die wir finden, in sie hineinzustecken. Wenn wir dann zur

Schule zurückkommen, können wir sie einzeln unter umgestülpte Gläser

setzen.

Insekten sind oft so klein, daß wir an ihnen vorbeigehen. Aber sie

machen den bei weitem größeren Teil des ganzen Tierreiches aus, und

sie tun uns so viel Gutes und so viel Schaden, daß wir die wichtigsten

kennen sollten.

Beim Fortgehen sehe ich einen Kohlweißling im Gemüsegarten und einen

schönen roten Admiral, der unter den Blumen umherflattert. Wir wollen

den Kohlweißling fangen, damit er seine Eier nicht an unsere Kohlköpfe

legt.

Dann laßt uns bei diesem Rosenstrauche stillstehen, auf dessen

Blütenstengeln eine Anzahl kleiner Insekten sitzen. Wenn ihr genau

zuseht, so werdet ihr finden, daß jedes seinen Rüssel in einem jungen

Triebe vergraben hat, um den Saft auszusaugen. Dies sind Blattläuse

(siehe Abbildung Seite 68).

Wir müssen den Strauch mit Seifenwasser und Tabaklauge bespritzen, oder

er wird bald mit diesen Insekten bedeckt sein, denn sie vermehren sich

schon im Laufe eines Monats um viele Tausende und saugen allen Saft aus

den Pflanzen, an denen sie sitzen. Auf demselben Strauch werdet ihr

wahrscheinlich ein Marienkäferchen finden, denn dieses nährt sich von

Blattläusen.

Nun seht in die Blüten dieser halbverblühten Zentifolie hinein, die in

den meisten Gemüsegärten wächst. Man findet in ihnen nicht selten den

prächtigen Gold- oder Rosenkäfer mit seinen goldig-grünen, glänzenden

Flügeln. Nimm ihn auf und sieh dir die leuchtenden Flügeldecken an!

Während du dies tust, öffnet er sie vielleicht und breitet die darunter

liegenden durchsichtigen Flügel aus; aber wenn er fortfliegt, kannst du

leicht einen anderen bekommen.

Aber sieh da! Zu deinen Füßen läuft ein Käfer, der nicht halb so

hübsch ist. Es ist ein Raubkäfer oder Kurzflügler (siehe bunte

Tafel IV. 2). Wenn du ihn aufnimmst, wird er den Hinterleib in die

Höhe richten und eine sehr widerliche Flüssigkeit über deine Finger

spritzen, während er den Kopf aufrichtet und mit den Kieferzangen

schnappt. Laß ihn also schnell in die Schachtel fallen! In der Tat ist

er fürchterlich erschrocken und hofft, dich durch sein Benehmen zu

veranlassen, ihn freizulassen.

[Illustration: 1. Spinne. 2. Tausendfuß. 3. Kohlschnake. ~k.~

Schwingkölbchen.]

Auf dem frisch gemähten Felde, das wir nun betreten, sehen wir

eine Anzahl kleiner grüner Grashüpfer (Heuschrecken oder -pferde)

umherspringen. Sie sind unter Erdschollen ausgekrochen und fressen die

Spitzen des jungen Grases. Einige werden Flügel haben, aber andere, die

noch nicht völlig ausgewachsen sind, haben keine. Nimm einen auf und

mache auch ihn zum Gefangenen!

[Illustration: 4. u. 6. Heuschrecken. ~h.~ Atemlöcher. 5. Wespe ~r.~

Ringe des Hinterleibes (~c~). ~a.~ Kopf. ~b.~ Brust.]

Zunächst suche dann eine Wespe oder eine Biene zu finden! Du kannst sie

im Taschentuche fangen und sie dann in die Schachtel fallen lassen.

Unten am Flusse wirst du leicht noch eine Frühlingsfliege oder eine

Libelle finden und in ihrer Nähe auch wohl eine Kohlschnake oder

Bachmücke. Aber wenn keine solche zu erlangen ist, so genügt auch eine

Schmeißfliege oder eine Stechmücke.

Ihr wundert euch vielleicht, daß ich noch keine Spinne verlangt habe.

Ihr tätet besser, eine zu fangen, ebenso wie einen Tausendfuß, wenn ihr

einen finden könnt.

Wenn ihr nun diese Arten unter Gläser gesetzt habt, so seht sie

sorgfältig an. Ihr werdet sofort einen Unterschied zwischen der Spinne,

dem Tausendfuß und allen anderen finden. Die Spinne hat acht Beine, der

Tausendfuß sehr viele, während alle anderen nur sechs haben.

Seht dann den Grashüpfer, die Wespe und die Schnake an! Ihr könnt ganz

deutlich sehen, daß ihr Körper in drei Teile gegliedert ist -- ~a~) der

Kopf; ~b~) die Brust, an der die sechs Beine und die Flügel wachsen;

~c~) der Hinterleib, der keine Beine hat, selbst wenn er sehr lang ist

wie bei der Schnake und der Frühlingsfliege. Beim Käfer kann man die

Abteilungen nicht ganz so gut erkennen, weil seine Flügeldecken das

Gelenk zwischen dem Vorder- und Hinterkörper bedecken.

Die Insekten haben ihren Namen von dieser Dreiteilung. Er kommt von

dem lateinischen „~inseco~“, ich schneide ein. Der Kopf der Spinne ist

nicht deutlich vom Körper getrennt, und ein Tausendfuß hat keine drei

Abteilungen. Aus diesem Grunde, und weil sie nicht sechs Beine haben,

trennen einige Naturforscher sie von den wahren Insekten. Deshalb habe

ich sie auch nicht Insekten genannt.

Etwas anderes kann man sehr gut an der kleinen grünen Heuschrecke

bemerken: ihr Körper ist vom Hinterleibe bis zum Kopfe in Ringe (~r~)

geteilt; dasselbe kann man bei der Wespe und der Schnake, der Blattlaus

und dem Raubkäfer bemerken. Alle Insekten haben einen aus Ringen

zusammengesetzten Hinterleib.

Die Ringe befähigen die Wespe, ihren Hinterleib (~c~) zu biegen, wenn

sie stechen oder atmen will. Wenn sie ruhig sitzt, kann man sehen, wie

sich der Hinterleib fortwährend in Bewegung befindet. Dies kommt vom

Atmen. Wie macht sie dies wohl nach deiner Ansicht? Sie atmet nicht

durch den Mund wie wir, sondern durch Atemlöcher, die an beiden Seiten

der Hinterleibsringe liegen.

Sieht man die Heuschrecke aufmerksam an, so wird man an beiden Seiten

des Körpers einige kleine schwarze Punkte (~h~) sehen, und zwar

jederseits einen in jedem Ring. Dies sind die Atemlöcher und durch sie

geht die Luft ein und aus. Bei der Wespe sind sie kleiner, aber sie

sind da, und das Insekt pumpt die Luft in sie hinein und hinaus.

Nachdem wir nun die Spinne und den Tausendfuß ausgeschieden haben, sind

die, welche übrig bleiben, wahre Insekten. Aber es besteht noch ein

Unterschied zwischen der Schnake und den übrigen, auf den wir achten

müssen. Die Schnake hat nämlich nur zwei Flügel, alle anderen haben

vier. Dies würde sonderbar sein, wenn wir nicht die Überbleibsel der

fehlenden zwei finden könnten. Sie hat aber zwei kleine Schwingkölbchen

(~k~) hinter den Vorderflügeln, mit denen sie sich im Gleichgewichte

hält. So hat sie also zwei Flügel und die Stümpfe von zwei anderen.

Es gibt noch sehr viel über diese Insekten zu lernen. Aber ihr müßt

euch einprägen, daß sie sechs Beine haben; daß ihr Körper in drei

Teile geteilt ist; daß man die Ringe an ihrem Hinterleibe sehen kann;

daß ihre Beine und Flügel am Vorderleib wachsen; daß sie niemals durch

den Mund atmen, und endlich daß im Gegensatz zu Bienen, Schmetterlingen

und Käfern, die vier Flügel haben, die Fliegen zwei Flügel und zwei

Stümpfe besitzen.

Suche so viele Insekten, wie du kannst, und beobachte ihre

verschiedenen Teile.

Lektion 2.

Teile einer Raupe.

In der letzten Lektion haben wir die erwachsenen oder voll entwickelten

Insekten sehr leicht aufgefunden. Aber es ist viel schwieriger, einige

von ihnen während ihres Entwicklungsganges zu erkennen. Heuschrecken,

Heimchen und Blattläuse sehen beim Auskommen aus dem Ei fast ebenso

aus, als wenn sie erwachsen sind, nur haben sie noch keine Flügel. Aber

die Kohlschnake beginnt ihr Leben als eine Larve unter der Erde, und

das Marienkäferchen ist anfangs eine Art Raupe, die über die Pflanzen

läuft und sich von Blattläusen nährt. Alle Käfer sind Larven mit sechs

kleinen Beinen, ehe sie vollständige geflügelte Käfer werden.

[Illustration: Tafel I

Schmetterlinge.

1. Tagpfauenauge fliegend. 1 ~a.~ Sitzend. 2. Raupe und 3. Puppe

desselben. 4. Zitronenfalter, 5. seine Puppe. 6. Aurorafalter, 7. seine

Puppe, 8. Weibchen, sitzend. 9. Wiesenvögelchen, 10. dasselbe, sitzend.]

Die Raupen von Schmetterlingen sind leicht zu finden; wir wollen sie

also in dieser Lektion betrachten. Es gibt kaum eine Zeit im Sommer,

wo man nicht eine Raupe finden kann. Die des Zitronenfalters kommt

zuerst im April heraus. Im Mai legt der Kohlweißling seine ersten Eier,

und bald fressen die Raupen an den jungen Kohlblättern. Ein wenig

später findet man in den Brennesseln die schwarzen Raupen mit weißen

Flecken (siehe bunte Tafel I. 2), die sich im Juni in Pfauenaugen

verwandeln, oder die dunkelgrünen Raupen des Admirals. Diese verbergen

sich in einem Blätterbüschel, das gewöhnlich mit seidigen Fäden

zusammengeknüpft ist.

Wenn man keine von diesen findet, so kann man doch gewiß nicht die

Haufen von kleinen schwarzen, gelbgestreiften Raupen verfehlen, die

unter den Blättern der Brennesseln sitzen, und aus denen der kleine

Fuchs sich entwickelt. Diese Raupen nützen dadurch sehr, daß sie die

Brennesseln vernichten, und man sollte daher immer froh sein, wenn

man diesen Schmetterling findet. Gegen Beginn des Herbstes trifft

man dann die gefräßigen Raupen der großen Schwärmer an. Wenn man am

Abend oder am frühen Morgen ausgeht, so kann man die Raupe des großen

Wolfsmilchschwärmers finden, die von der grünen Wolfsmilch an den

Wegrändern und auf sonnigen Tristen frißt. Es ist ein schönes Geschöpf,

etwa 7 ~cm~ lang, auf schwarzgrünem Grunde gelb punktiert und mit roten

Längsstreifen, gelben Flecken und einem roten Schwanzhorn geziert.

[Illustration: Kopf der Raupe des Ligusterschwärmers. ~ul.~ Oberlippe.

~j.~ Oberkiefer. ~a.~ Fühler. ~ij.~ Unterkiefer. ~ll.~ Unterlippe. ~s.~

Spinndrüse.]

Sie ist bei uns viel leichter zu finden als die Raupe des

Ligusterschwärmers (siehe bunte Tafel II. 1), die in den

Ligusterhecken oder an den Fliederbüschen frißt. Sie ist 8-10 ~cm~ lang

und hell apfelgrün gefärbt mit sieben schmaler werdenden violetten

Streifen an der Seite und einem Horn am Ende des Körpers. Ihr Kopf ist

grün, mit Schwarz eingefaßt, und die Atemlöcher an ihren Seiten sind

mit orangefarbenen Ringen umsäumt.

Selten tritt sie bei uns so häufig auf, daß sie die Hecken in

schrecklicher Weise zerstört. Sie ist sehr gefräßig und muß viel

Nahrung zu sich nehmen, daß sie zu einem Schwärmer heranwachsen kann.

Obgleich ihr Körper weich ist, ist ihr Kopf hart und hornig, und da

der Mund nichts mit Atmen zu tun hat und keinen Laut von sich zu geben

braucht, so kann er fortwährend zum Fressen benutzt werden. Er besteht

aus sehr vielen Teilen, von denen man die folgenden sehr gut sehen

kann: die große Oberlippe (~ul~) und die beiden starken Oberkiefer

(~j~), die sich seitwärts hin- und herbewegen, wenn die Raupe das

Blatt benagt. Sobald ein Stück abgeschnitten ist, schiebt die Raupe es

zwischen die Unterkiefer (~ij~), wo es gekaut und verschluckt wird.

Unter den Kiefern liegt die flache Unterlippe (~ll~), durch die eine

kleine Röhre geht. Seht diese Röhre (~s~) gut an. Es ist die Stelle,

von der die Seide kommt, die sie braucht, um ihren Kokon zu spinnen, in

dem sie schläft, während der Schmetterling heranwächst.

Ihr erinnert euch, daß wir im Buch I gelesen haben, daß die Spinne ihr

Gewebe aus seidigen Fäden spinnt, die aus sechs kleinen Warzen unter

ihrem Körper kommen. Aber die Raupen der Schmetterlinge, und besonders

die des Seidenspinners, nehmen die Seidenfäden aus Spinnwerkzeugen an

der Unterlippe.

Nun seht die Beine an. Es sind drei Paare, eins an jedem Ringe der

Brust. Sie haben Gelenke und am unteren Ende Klauen (2, S. 15). Es

sind wirklich Beine, die hart und hornartig sind wie der Kopf. Wenn

die Raupe sich in einen Schmetterling verwandelt, so werden diese

Beine zu denen des Schmetterlings. Aber sie hat auch einige Bauchfüße,

die sie benutzt, um sich an den Zweigen festzuhalten. Dies sind keine

wirklichen Beine, sondern nur fleischige Wülste (1, S. 15), die mit dem

Körper der Raupe bei der Verwandlung verschwinden. Es stehen gewöhnlich

vier Paare von Bauchfüßen hinter den wirklichen Beinen und zwei am Ende

des Körpers, aber einige Raupen haben nicht so viele. Kennt ihr wohl

die Spannerraupen, die ihren Körper zu einem Bogen oder einer Schleife

krümmen? Man findet eine Art derselben oft auf Stachelbeerbüschen,

wo sie sehr viel Schaden anrichten. Sie haben nur sechs wirkliche

Beine und vier Bauchfüße am Ende ihres Körpers und bewegen sich in

sonderbarer Weise vorwärts. Sie halten sich mit ihren Vorderbeinen an

dem Zweige fest und ziehen ihre Bauchfüße an sich heran, bis ihr Körper

eine Schleife in der Luft bildet. Dann lassen die Vorderbeine los und

ihr Kopfende erhebt sich in die Luft ähnlich, wie ein Elefant seinen

Rüssel hebt, und dann streckt sich ihr Körper vorwärts am Zweige.

[Illustration: 1. Bauchfüße der Raupe.

Aus dem Leben der Insekten · 第 12 / 18 题