Bis zum Sommersemester 1868 fehlte jeder praktische Unterricht in

Geburtshilfe und Gynækologie.

Theoretischer Unterricht wurde in verdankenswerther Weise von dem

Privatdocenten Herrn Dr. _Achilles Burckhardt_ ertheilt.

Am 3. Juni 1868 wurde die geburtshilflich-gynækologische Klinik im

Neubau des Bürgerspitals eröffnet. Als Leiter der Klinik war im April

1868 der bisherige Privatdocent Dr. J.J. _Bischoff_ berufen worden

im Einverständnisse mit löbl. Spitalpflegamte, welches demselben die

Leitung der Abtheilung übertrug, deren Belegraum ohne Privatzimmer etwa

22 Betten betrug, welche Zahl später auf 44 stieg. Im Anfang hatte der

Vorsteher die Leitung von Abtheilung und Klinik allein zu besorgen und

erst mit Januar 1875 wurde hauptsächlich aus klinischen Rücksichten ein

Assistenzarzt angestellt, welcher im Spitale Station hat.

In den ersten Semestern wurde die Klinik regelmässig viermal

wöchentlich von 8-9 Uhr gehalten, später dreimal; dagegen wurde vom

Wintersemester 1877/78 an wöchentlich einstündig ein diagnostischer

geburtshilflicher Kurs gehalten und zwar bis zum Sommersemester 1885

von dem jeweiligen Assistenzarzte und von da vom Vorsteher. Ausser den

regelmässigen Stunden wurde den Klinicisten Gelegenheit gegeben, den

Geburten bei Tag und bei Nacht beizuwohnen, indem dieselben jeweilen

durch einen Bediensteten des Spitals herbeigerufen wurden.

Anfänglich wurden in der Klinik fast ausschliesslich geburtshilfliche

Fälle vorgestellt; von Jahr zu Jahr mehrten sich aber die Aufnahmen

Frauenkranker, so dass die Klinik jetzt beiden Disciplinen der

Gynækologie im weitern Sinne gerecht wird.

Um die Aufnahme auch auswärtiger klinisch interessanter Krankheitsfälle

zu ermöglichen, war die Klinik von Anfang mit vier klinischen

Freibetten ausgestattet worden, welche Zahl dem Bedürfnisse aber lange

nicht genügte. Später wurde die Zahl auf zehn erhöht, wobei wie in den

andern Kliniken ein Theil unentgeltlich, ein anderer gegen die übliche

Taxe aufgenommen wird.

In den ersten Jahren ihres Bestehens litt die Klinik (und dies steht

in Zusammenhang mit der Anzahl der Freibetten einerseits und mit der

anfänglichen Scheu der Bevölkerung vor Aufnahme in Spitalabtheilungen,

an welchen Klinik gehalten wurde, andrerseits, eine Scheu, die seit

Jahren nur zu vollständig abgelegt worden ist) einigermaassen Mangel an

für die Klinik verfügbaren Krankheitsfällen; ziemlich bald aber mehrten

sich diese so, dass gegenwärtig immer genügend für den klinischen

Unterricht gesorgt ist. Es geht dies am besten aus folgenden Zahlen

hervor.

Im Jahre 1868 betrug die Zahl sämtlicher verpflegten Frauen 88 (wovon

83 Schwangere, 2 Wöchnerinnen mit 67 Geburten und 3 Frauenkranke) und

die Zahl der Kinder 74; im Jahre 1884 dagegen betrug die Zahl der

Frauen 644 (wovon 442 Schwangere und Wöchnerinnen mit 420 Geburten und

202 Frauenkranke), die der Kinder 421. -- Hiezu kommen noch 102 weitere

gynækologische Fälle, welche nur ambulatorisch behandelt wurden.

Einer wissenschaftlichen Verwerthung des klinischen Materiales stand

bis jetzt der vollständige Mangel an dazu nöthigen Räumlichkeiten im

Wege, so dass sowohl die vom Vorsteher und dessen Assistenzärzten zum

Drucke gelangten Arbeiten, als auch die aus der Klinik entstandenen

Dissertationen von Schülern derselben nur praktische Gebiete beschlagen

konnten, während von experimentellen Arbeiten nie die Rede sein konnte.

Die Klinik besitzt denn auch, ausser den für Operationen nöthigen

Instrumenten, nur ganz wenige Apparate, dagegen eine schon ziemlich

ansehnliche Anzahl dem Unterrichte dienlicher Präparate.

J.J. Bischoff.

16. Psychiatrische Klinik.

Es wurden zwar von Herrn Professor _Brenner_ sel. in früheren Jahren

öfters Kranke der Irrenabtheilung vor einzelnen Medicin-Studierenden

demonstriert, doch begann der eigentliche regelmässige und methodische,

theoretische und klinische Unterricht im Gebiete der Geisteskrankheiten

erst im Herbste 1875. Es war dies eine Folge des Beschlusses E.E.

Grossen Raths von Baselstadt vom 1. Februar 1875, wonach für das

Fach der Psychiatrie an der medicinischen Fakultät ein ordentlicher

Professor angestellt wurde. Als solcher wurde Dr.med. _Ludwig Wille_,

damals Direktor der Irrenanstalt St. Urban, ernannt, welcher Ende

Oktober 1875 seine Wirksamkeit mit der Eröffnung der psychiatrischen

Klinik im städtischen Spital begann und bis jetzt fortsetzte. Durch

die Genehmigung der Anstellung eines Assistenzarztes, der Anschaffung

geeigneter Lehrmittel und zu klinischen Zwecken dienender Apparate,

der Verwendung von klinischen Freibetten im Verlaufe der nächsten

Jahre erhielt die psychiatrische Klinik allmählig auch die nothwendige

Unterstützung zu ihrem ferneren Bestande und zu weiterer Entwicklung.

Die im Verlaufe der letzten zehn Jahre geradezu verdoppelte Zahl der

Aufnahmen von Kranken in die Abtheilung ergab auch das genügende

Material für Beobachtung und Untersuchung. Leider sind die für die

psychiatrische Klinik verwendeten zwei wöchentlichen Stunden wenig zur

Erfüllung der Aufgabe, was jedoch durch den regelmässigen Besuch der

theoretischen Vorlesungen über Psychiatrie während zwei Semestern von

Seite der Studierenden wieder einigermaassen ausgeglichen wird.

Die Zahl der die psychiatrische Klinik besuchenden Studierenden

während der vergangenen zehn Jahre betrug 199, wovon 104 auf die

Winter- und 95 Studierende auf die Sommersemester treffen. Das Maximum

derselben in den Wintersemestern war 16, das Minimum 4, der mittlere

Durchschnitt 10,4; das Maximum in den Sommersemestern 15, das Minimum

5, der Durchschnitt 9,5 Studierende. Es konnten in den einzelnen

Wintern durchschnittlich 41, in den Sommern durchschnittlich 26 Kranke

demonstriert werden. Es machte sich hiebei weniger das mangelnde

Interesse der Studierenden an dem Spezialfach, als vielmehr die oft

ungenügende Vorbildung in den Thatsachen und Lehren der Nervenanatomie,

-Physiologie und -Pathologie störend geltend. Immerhin wird das

Spezialfach, das bei der Schlussprüfung nicht verwerthet wird, stets

nur bei den Strebsamsten das volle Interesse dauernd wach halten.

Von gröster Bedeutung für die Zukunft der psychiatrischen Klinik ist

der durch das rühmens- und dankenswerthe Entgegenkommen unsrer Tit.

hohen staatlichen und städtischen Behörden, dann durch den hohen

Bürgersinn der Frau _Merian_ ermöglichte Beschluss E.E. Grossen Rathes

vom 23. April 1883 der Errichtung einer neuen, zur Aufnahme von 210

Kranken bestimmten kantonalen Irrenanstalt an Stelle der bisherigen in

jeder Beziehung ungenügenden Irrenabtheilung des Spitals. Es wird nach

dem gegenwärtigen Stande der baulichen Verhältnisse möglich sein, die

Anstalt im Laufe des Sommers 1886 zu beziehen. Wenn auch einerseits,

besonders im Anfang, die etwas weite Entfernung der neuen Anstalt von

der Stadt störend auf den Besuch der Klinik einwirken dürfte, so ist

andrerseits zu hoffen, dass durch das reichere und mannigfaltigere

Krankenmaterial, durch die dem Standpunkt der modernen Wissenschaft

entsprechende Ausrüstung, durch die korrekte, den Lehrzweck

berücksichtigende Eintheilung und Ausführung der neuen Anstalt diese

Störung wieder ihre Ausgleichung finden wird. Es wird dann die

psychiatrische Klinik würdig den übrigen grossartigen Schöpfungen des

medicinischen Unterrichts während der letzten zwei Jahrzehnte dastehen

und hoffentlich in gleicher Weise durch die passende Verpflegung und

Behandlung der Kranken, wie durch die Verbreitung der für die Praxis

so nöthigen psychiatrischen Kenntnisse, die grossen vom Staate und von

Privaten geleisteten finanziellen Opfer rechtfertigen. Möge die neue

Anstalt für ferne Zeiten den Bewohnern Basels zum Segen gereichen, wie

sie stets als ein herrliches Denkmal bürgerlichen Edel- und Opfersinns

anerkannt werden wird!

Ludwig Wille.

17. Poliklinik des Bürgerspitals.

Auf Anregung der Oberärzte des Spitals wurde im Jahre 1874 am 31.

August durch Vertrag zwischen der Curatel unserer Universität und

dem Pflegamte des Bürgerspitals bestimmt, dass in Verbindung mit dem

letztem eine Poliklinik eröffnet werde, welche zunächst die Aufgabe

haben sollte, solchen Kranken, welche Spitalaufenthalt nicht nöthig

hatten, in einem täglich geöffneten Ambulatorium unentgeltlich Rath

zu ertheilen und welche gleichzeitig auch als klinisches Institut dem

Unterrichte der Studierenden dienen sollte.

Dieses Ambulatorium wurde unter der Aufsicht und Direktion der

Oberärzte des Spitals durch einen ad hoc ernannten Assistenzarzt

geleitet und dazu am 22. Oktober 1875 erwählt der Privatdocent für

Pharmakologie Dr. _Rudolf Massini_; derselbe wurde in der Folge im

Jahre 1877 zum ausserordentlichen Professor und 1882 zum Direktor der

Poliklinik ernannt.

Als Lokal wurden vom Pflegamte des Bürgerspitals zwei

Parterrelokalitäten des Markgräfischen Hofes zur Verfügung gestellt,

welche einestheils mit der Strasse, anderntheils mit dem Spital in

direkter Verbindung stehen und von denen das eine als Wartezimmer, das

andere als Untersuchungssaal und Auditorium dienen; dieselben wurden

zu diesen Zwecken baulich entsprechend eingerichtet; bei der Ausdehnung

des Institutes wurden auch die wünschenswerthen Verbesserungen und

Einrichtungen von dem Bürgerspitale stets in zuvorkommender Weise

ausgeführt. Am 30. November 1874 konnte die Anstalt für Publikum und

Studierende eröffnet werden.

Ueber die Frequenz giebt folgende Tabelle Aufschluss:

Winter- Studie- Sommer- Studie- Frequenz. Personen. Konsul-

Sem. rende. Sem. rende. tationen.

1874/75 5 1875 6 1874 111 176

1875/76 8 1876 8 1875 1258 3644

1876/77 7 1877 5 1876 2277 5555

1877/78 3 1878 3 1877 3475 8469

1878/79 8 1879 6 1878 4375 10538

1879/80 3 1880 6 1879 4464 9613

1880/81 4 1881 11 1880 4972 10903

1881/82 2 1882 5 1881 5630 11689

1882/83 5 1883 8 1882 5692 12040

1883/84 13 1884 18 1883 6641 13050

1884/85 14 1885 15 1884 7291 14985

Von grossem Einfluss auf den Besuch der Studierenden war die Zeit der

Abhaltung der Poliklinik; dieselbe war in den Jahren 1874-77 auf die

Nachmittagsstunde verlegt worden, als die Freistunde der arbeitenden

Klassen; für die Hörer aber, welche den ganzen Vormittag die Kliniken

besuchen, eine unbequeme Zeit; auch die Verlegung auf Vormittags 8-9

Uhr, welche Zeit theils mit der geburtshilflichen, theils mit der

ophthalmologischen Klinik kollidierte, war ohne Erfolg, und erst die

seit 1881 eingeführte Morgenstunde 7-8 Uhr brachte eine erfreulichere

Frequenz.

Neben dem Ambulatorium wurden stets auch Besuche in der Stadt

gemacht und einzelne Patienten vorgerückteren Schülern zur Besorgung

überwiesen. Doch war es aus Mangel an Assistenz nicht möglich, ein

eigentliches Poliklinikum fest zu organisieren. Vom Jahre 1874 bis 1877

wurde die Poliklinik vom Assistenzarzt allein besorgt; die steigende

Frequenz führte im Sommer 1877 zur Anstellung eines Unterassistenten,

der namentlich das Protokoll zu führen hatte; doch genügte bald auch

diese Aushilfe nicht mehr. Nachdem in den Jahren 1881-1883 die Aerzte

a _Wengen_ und Dr. _Fiechter_ in höchst willkommener Weise ihre

vorzüglichen Dienste der Poliklinik zur Verfügung gestellt hatten,

wurde im September 1883 die Anstellung eines ständigen Hilfsarztes

durch den Regierungsrath beschlossen und als solcher Herr Dr.

_Hoffmann-Paravicini_ erwählt.

Bei der Gründung der Poliklinik wurde das Honorar des Assistenzarztes

auf 2000 Fr. festgestellt, wovon 1500 Fr. der Spital, 500 Fr. die

Regierung trug; ausserdem wurde ein Jahreskredit von 700 Fr. für

Instrumente, Verbandstoffe u.s.w. eröffnet, wovon 200 Fr. auf den

Spital, 500 Fr. auf den Staat fielen. Vom Jahre 1877 an übernahm der

Spital die Lieferung von Verbandstoffen und Bureaumaterial, und es

wurden nunmehr 300 Fr. von dem Kredit von 700 Fr. für Honorierung

eines Hilfsassistenten bestimmt. Vom Jahre 1883 an wurde ausserdem ein

Kredit von 1200 Fr. für den Hilfsarzt durch die Regierung zur Verfügung

gestellt.

Durch das kräftige und wohlwollende Zusammenwirken der Behörden des

Staates und des Bürgerspitals wurde auf diese Weise ein lebenskräftiges

und blühendes Institut geschaffen, das sowohl für die öffentliche

Krankenpflege, als für den Unterricht eine fühlbare Lücke ausgefüllt

hat und von dem wir hoffen dürfen, dass es bald durch weiteren Ausbau

zu einer noch reicheren Entwicklung werde geführt werden.

Rudolf Massini.

18. Ophthalmologische Klinik und Poliklinik.

I. _Ophthalmologische Klinik_ wurde zum ersten Male 1867 im

Sommersemester von dem damaligen ausserordentlichen Professor _Heinrich

Schiess_ in der Augenheilanstalt, Allschwylerstrasse Nr. 9, vor

sechs Zuhörern gehalten. Dieselbe wurde Anfangs mit Unterbrechungen,

später ganz regelmässig in zwei, später in drei Stunden wöchentlich

abgehalten. Von Seite der Akademischen Gesellschaft erhielt die

Augenheilanstalt von 1869 an einen regelmässigen Beitrag von 1000 Fr.,

und damit war eine nähere Verbindung zwischen der Universität und der

genannten Anstalt angebahnt. Da die Lokalitäten der Anstalt durchaus

unzweckmässig und ungenügend waren, schritt man im Jahre 1875 zu

einem Neubau an der Mittleren Strasse. Die Kosten desselben samt Land

und Mobiliar beliefen sich auf circa 250,000 Fr. Die hohen Behörden

leisteten hiezu einen Betrag von 15,000 Fr., das löbl. Pflegamt

des Spitals einen von 20,000 Fr., das Uebrige wurde zum grösten

Theil durch freiwillige Beiträge der hiesigen Bürger und Einwohner

zusammengebracht. Die neue Anstalt ist daher ein beredtes Zeugniss für

Basels werkthätige Nächstenliebe und für das einträchtige Zusammengehen

von Behörden und Privaten für humane Zwecke.

Bei dieser Gelegenheit wurde das Verhältniss zwischen Universität

und Augenheilanstalt durch einen Vertrag in der Weise geregelt, dass

einerseits Regierung, Akademische Gesellschaft und Löbl. Pflegamt

zusammen jährlich 6000 Fr. an die Betriebskosten beitragen, wogegen

der Oberarzt der Anstalt, der zugleich Direktor der ophthalmologischen

Klinik ist, verpflichtet ist, regelmässigen Unterricht in der

Ophthalmologie zu ertheilen und eine Poliklinik abzuhalten. Ein

im Hause wohnender Assistenzarzt hat ebenfalls beim betreffenden

Unterricht behilflich zu sein. Das aus acht Mitgliedern bestehende

Anstaltscomité hat einen Delegierten des Löbl. Pflegamts in seiner

Mitte.

Die Räumlichkeiten der Anstalt bieten Platz für 48 Kranke; es besteht

eine besondere Kinderabtheilung im Erdgeschoss. Für den klinischen

und theoretischen Unterricht findet sich ein grosses Zimmer mit

Seitenlicht vor, ausserdem ein Spiegelzimmer und Untersuchungszimmer

für die poliklinischen Kranken; ein Arbeitszimmer für Studierende ist

leider nicht vorhanden. Die Anzahl der jährlich verpflegten klinischen

Kranken hat in den letzten Jahren circa 440 betragen; die tägliche

Durchschnittszahl 31-33 Kranke. Diese Anzahl erlaubte, nicht nur den

Studierenden die gewöhnlichen Augenkrankheiten vorzuführen, sondern sie

auch mit den seltenen, pathologischen Formen bekannt zu machen; von dem

Assistenzarzte wurden zuweilen ophthalmoskopische Kurse abgehalten,

um die Studierenden mit dieser auch für das allgemeine medicinische

Studium wichtigen Untersuchungsmethode bekannt zu machen. Es wurden im

Sommersemester in den letzten fünf Jahren durchschnittlich 80.2, im

Wintersemester 115.4 Kranke den Studierenden vorgestellt.

Die Sammlung pathologischer Augen, die bereits eine sehr ansehnliche

geworden, und diejenige der mikroskopischen Präparate sind ebenfalls

für den klinischen Unterricht herangezogen. Die Frequenz der Klinik,

die vor dem Bezug der neuen Anstalt schon wegen Raummangels eine

beschränktere gewesen, hat sich seither wesentlich gehoben und betrug

in den letzten fünf Jahren im Sommersemester 15, im Wintersemester 19,4

Studierende.

II. Die _ophthalmologische Poliklinik_, welche überhaupt die erste

Poliklinik war, die in Basel existierte, wurde im Jahre 1865 am ersten

Mai eröffnet, und hatte im ersten Jahre eine Frequenz von 262 Kranken.

Die Anzahl der Patienten nahm beständig zu und hat sich auch die

Befürchtung, dass bei der grossen Entfernung der neuen Anstalt die

Frequenz zurückgehen werde, als unrichtig erwiesen. Auch jetzt noch ist

die Frequenzziffer im Ansteigen begriffen, wie folgende Zahlen beweisen

mögen:

Anzahl der Kranken. Jahr.

1340 1880

1587 1881

1581 1882

1621 1883

1779 1884.

Die Kranken erhalten Gratiskonsultation, keine Medikamente und keine

Brillen. Bei der steigenden Frequenz, wobei eine genaue Untersuchung

und richtige Protokollführung immer schwieriger wurde, wurde im Jahre

1884 von dem Anstaltscomité ein poliklinischer Assistent angestellt,

der das Protokoll zu führen hat und auch bei den Untersuchungen thätig

ist. Auf diese Art wird zuweilen einem älteren Medicin-Studierenden,

der diese Stelle bekleidet, Gelegenheit geboten, sich etwas mehr,

als dies gewöhnlich geschieht, mit dem Fache vertraut zu machen. Die

Poliklinik wird übrigens sowohl während des Semesters als auch in den

Ferien von ältern Medicin-Studierenden frequentiert.

Heinrich Schiess.

19. Ohrenklinik.

Die Ohrenklinik hat den Zweck, Studierenden Unterricht zu ertheilen

in der Kenntniss und Behandlung der Erkrankungen des Gehörorgans und

zugleich angehenden Ohrenärzten und sonstigen Interessenten Gelegenheit

zu geben zu wissenschaftlichen Arbeiten und weiterer Ausbildung in der

theoretischen und praktischen Ohrenheilkunde.

In früherer Zeit widmete der 1868 verstorbene Prof. Dr. _Streckeisen_

diesem Gebiete sein besonderes Interesse und stellte auch mit

Vorliebe gehörkranke Kinder in der Klinik des Kinderspitals vor; eine

eigentliche Ohrenklinik bestand jedoch in Basel nicht. -- Diese wurde

durch den jetzigen Vorsteher im Jahre 1876 eröffnet und umfasst:

I. _Otologisches Institut._ -- Dasselbe befindet sich im

Universitätsgebäude in zwei demselben von der hohen Curatel

zugewiesenen Zimmern.

Nebenbei bemerkt, ist diese höchst willkommene Zuweisung eines Lokals

für das otologische Institut die einzige Unterstützung, welche von

Seite des Staates der Ohrenklinik zu Gute kommt und werden, abgesehen

von dem jährlich dem Institut zufallenden Fakultätsbeitrag (circa 50

Fr.), die Kosten der Ohrenklinik von dem Vorsteher derselben getragen.

Die beiden Zimmer des Institutes dienen als Arbeitszimmer und zugleich

als Aufstellungsraum für die Sammlung, welche eine grosse Reihe von

Präparaten normal-anatomischen und pathologisch-anatomischen Inhalts

enthält. Die Sammlung ist in erster Linie bestimmt zu Demonstrationen

bei den Vorlesungen, dann aber auch zur Erweiterung unserer Kenntnisse

über Anatomie und Pathologie des Ohres überhaupt.

II. _Ohrenklinik._ -- Diese wird jeden Dienstag von ½3-½5 Uhr

abgehalten in der Wohnung des Vorstehers. (St. Albanvorstadt 42).

Die Patienten erhalten unentgeltliche Konsultation, Operationen u.s.w.,

jedoch nicht Gratis-Medikamente.

Ein kleiner Fond von Fr. 100, den ein in der Ohrenklinik geheilter

Patient aus Dankbarkeit dieser später zur Verfügung stellte, wurde

benützt zur Anschaffung von Spritzen und ähnlichen Instrumenten, welche

an Unbemittelte abgegeben werden.

Im Jahre 1876 besuchten die Ohrenklinik 82 Patienten mit 324

Konsultationen, im Jahr 1883 dagegen 317 Patienten mit 414 und im

vorigen Jahre 320 Patienten mit 455 Konsultationen.

Leider gestatten es die in meiner Wohnung disponiblen Räumlichkeiten

nicht, eine grössere Zahl, als vier bis fünf Studierende aufzunehmen,

besonders im Winter, wo meist nur bei Gasbeleuchtung untersucht werden

kann.

Wir hoffen, dass die Zeit nicht so ferne sei, wo durch Zuweisung eines

geeigneten Lokals für den klinischen Unterricht und durch Anstellung

eines Assistenten es dem Vorsteher möglich gemacht werde, die

Beschränkung in der Zahl der aufzunehmenden Studierenden aufzuheben und

die Benutzung der Ohrenklinik allen Interessenten zugänglich zu machen.

Albert Burckhardt-Merian.

20. Kinderklinik.

Eine regelmässige Klinik der Kinderkrankheiten besteht im Kinderspital

seit der Mitte der Sechziger Jahre und wurde bis zum Jahre 1868 von

Herrn Professor _Streckeisen_ sel. abgehalten.

Bei der Neubesetzung der Stelle eines Oberarztes des Kinderspitals,

welcher aus einem Doppelvorschlag der medicinischen Fakultät von dem

Comité des Kinderspitals gewählt wurde, ist derselbe verpflichtet

worden, regelmässig Klinik zu halten, an der Universität zu lesen und

eine Poliklinik zu leiten. Seit dem Jahre 1808 hält der Unterzeichnete

regelmässig Klinik jeden Donnerstag von 10-12 Uhr und benützt hiezu

zum Theil das klinische Krankenmaterial, d.h. die im Kinderspital

verpflegten Kranken, zum Theil die Poliklinik, d.h. die aus der Stadt

zur Konsultation kommenden kranken Kinder. Im Kinderspital werden

jährlich circa 400 Kranke verpflegt; der tägliche Bestand schwankt

zwischen 35 und 45.

Die Klinik wird von den älteren Studierenden regelmässig besucht; ihre

Zahl beläuft sich im Durchschnitt in den letzten zehn Jahren auf etwa

15-20 und mehr. Es wird dabei dem Studierenden reichlich Gelegenheit

geboten, sich mit den Krankheiten des kindlichen Alters, sowohl den

medicinischen als den chirurgischen vertraut zu machen. Es steht dem

leitenden Arzte zur Pflege der kranken Kinder an ärztlichem Personal

zur Seite ein Secundararzt und ein Assistent; in die Krankenpflege

theilen sich neun Schwestern aus der Diaconissenanstalt in Riehen.

Dem ökonomischen Theil der Anstalt steht ein Verwalter vor. Das

Kinderspital steht unter einem Comité, das sich selbst ergänzt; die

Anstalt ist eine wohlthätige Stiftung, die eigenes Vermögen hat, zum

Unterhalt aber ausserdem auf Legate angewiesen ist. Von der Universität

erhält das Spital keinerlei finanzielle Unterstützung.

E. Hagenbach-Burckhardt.

21. Theologisches Seminar.

Die Universität Basel in den fünfzig Jahren seit ihrer Reorganisation im Jahre 1835 · 第 12 / 13 段